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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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ließ die Gefangenen herbei führen; suchte die
Aergsten darunter aus, und kündigte ihnen ihr
Urtheil an. Diese waren sehr erfreut darüber,
weil sie wusten, daß sie nach den Gesezen das
Leben verwirkt hatten. Der menschenfreundli-
che Robinson gab ihnen Anweisung, wie sie
sich ihren Lebensunterhalt erwerben könten, und
versprach, daß er ihnen seinen ganzen Reich-
thum an Werkzeugen, Hausrath und Vieh zu-
rük lassen wolte. Er schärfte ihnen dabei zu
wiederhohlten mahlen Vertrauen auf Gott, Ar-
beitsamkeit und Eintracht ein, und versicherte,
daß diese Tugenden ihnen den Aufenthalt auf
dieser Insel ungemein angenehm machen wür-
den.

Indem er noch so sprach, kam Freitag ganz
ausser Athem mit der frohen Nachricht herbei
gerant, daß sein Vater mit den Spaniern ankä-
me und jezt eben landen würde. Die ganze
Geselschaft machte sich also auf, ihnen entgegen
zu gehen; aber Freitag flog vor allen andern
hin, und hieng seinem alten Vater schon längst
am Halse, da die Uebrigen herbei kamen.

Ro-

ließ die Gefangenen herbei fuͤhren; ſuchte die
Aergſten darunter aus, und kuͤndigte ihnen ihr
Urtheil an. Dieſe waren ſehr erfreut daruͤber,
weil ſie wuſten, daß ſie nach den Geſezen das
Leben verwirkt hatten. Der menſchenfreundli-
che Robinſon gab ihnen Anweiſung, wie ſie
ſich ihren Lebensunterhalt erwerben koͤnten, und
verſprach, daß er ihnen ſeinen ganzen Reich-
thum an Werkzeugen, Hausrath und Vieh zu-
ruͤk laſſen wolte. Er ſchaͤrfte ihnen dabei zu
wiederhohlten mahlen Vertrauen auf Gott, Ar-
beitſamkeit und Eintracht ein, und verſicherte,
daß dieſe Tugenden ihnen den Aufenthalt auf
dieſer Inſel ungemein angenehm machen wuͤr-
den.

Indem er noch ſo ſprach, kam Freitag ganz
auſſer Athem mit der frohen Nachricht herbei
gerant, daß ſein Vater mit den Spaniern ankaͤ-
me und jezt eben landen wuͤrde. Die ganze
Geſelſchaft machte ſich alſo auf, ihnen entgegen
zu gehen; aber Freitag flog vor allen andern
hin, und hieng ſeinem alten Vater ſchon laͤngſt
am Halſe, da die Uebrigen herbei kamen.

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[349/0355] ließ die Gefangenen herbei fuͤhren; ſuchte die Aergſten darunter aus, und kuͤndigte ihnen ihr Urtheil an. Dieſe waren ſehr erfreut daruͤber, weil ſie wuſten, daß ſie nach den Geſezen das Leben verwirkt hatten. Der menſchenfreundli- che Robinſon gab ihnen Anweiſung, wie ſie ſich ihren Lebensunterhalt erwerben koͤnten, und verſprach, daß er ihnen ſeinen ganzen Reich- thum an Werkzeugen, Hausrath und Vieh zu- ruͤk laſſen wolte. Er ſchaͤrfte ihnen dabei zu wiederhohlten mahlen Vertrauen auf Gott, Ar- beitſamkeit und Eintracht ein, und verſicherte, daß dieſe Tugenden ihnen den Aufenthalt auf dieſer Inſel ungemein angenehm machen wuͤr- den. Indem er noch ſo ſprach, kam Freitag ganz auſſer Athem mit der frohen Nachricht herbei gerant, daß ſein Vater mit den Spaniern ankaͤ- me und jezt eben landen wuͤrde. Die ganze Geſelſchaft machte ſich alſo auf, ihnen entgegen zu gehen; aber Freitag flog vor allen andern hin, und hieng ſeinem alten Vater ſchon laͤngſt am Halſe, da die Uebrigen herbei kamen. Ro-

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 349. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/355>, abgerufen am 22.04.2024.