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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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war, nebst Schuh und Strümpfen anzog; dan
einen Degen an die Seite stekte, einen Tressen-
hut aufsezte und so auf einmahl, wie umgeschaf-
fen, hervortrat, und sich vor Freitags erstaun-
ten Augen dahin pflanzte. Dieser wich vol Be-
stürzung einige Schritte zurük, weil er in dem
ersten Augenblikke wirklich zweifelhaft war, ob
er seinen Herrn, oder ein anderes, vielleicht
übermenschliches Wesen sehe. Robinson, der
über sein Erstaunen lächeln muste, reichte ihm
freundlich die Hand, und versicherte, daß er
noch immer Robinson, noch immer sein Freund
wäre, ohngeachtet seine Kleidung und sein Glüks-
zustand sich geändert hätten. Er nahm hierauf
eine ganze Matrosenkleidung, zeigte ihm, wie
er jedes Stük derselben anziehen müsse, und hieß
ihn hinter den Busch zu gehen, um sich gleich-
fals anzukleiden.

Freitag gehorchte; aber es dauerte lange,
ehe er mit dem Anzuge fertig werden konte.
Bald hatt' er dies, bald jenes unrecht angelegt;
das Hemde, zum Exempel, zog er erst verkehrt
an, indem er die Beine durch die beiden Ermel

stekte

war, nebſt Schuh und Struͤmpfen anzog; dan
einen Degen an die Seite ſtekte, einen Treſſen-
hut aufſezte und ſo auf einmahl, wie umgeſchaf-
fen, hervortrat, und ſich vor Freitags erſtaun-
ten Augen dahin pflanzte. Dieſer wich vol Be-
ſtuͤrzung einige Schritte zuruͤk, weil er in dem
erſten Augenblikke wirklich zweifelhaft war, ob
er ſeinen Herrn, oder ein anderes, vielleicht
uͤbermenſchliches Weſen ſehe. Robinſon, der
uͤber ſein Erſtaunen laͤcheln muſte, reichte ihm
freundlich die Hand, und verſicherte, daß er
noch immer Robinſon, noch immer ſein Freund
waͤre, ohngeachtet ſeine Kleidung und ſein Gluͤks-
zuſtand ſich geaͤndert haͤtten. Er nahm hierauf
eine ganze Matroſenkleidung, zeigte ihm, wie
er jedes Stuͤk derſelben anziehen muͤſſe, und hieß
ihn hinter den Buſch zu gehen, um ſich gleich-
fals anzukleiden.

Freitag gehorchte; aber es dauerte lange,
ehe er mit dem Anzuge fertig werden konte.
Bald hatt' er dies, bald jenes unrecht angelegt;
das Hemde, zum Exempel, zog er erſt verkehrt
an, indem er die Beine durch die beiden Ermel

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[218/0224] war, nebſt Schuh und Struͤmpfen anzog; dan einen Degen an die Seite ſtekte, einen Treſſen- hut aufſezte und ſo auf einmahl, wie umgeſchaf- fen, hervortrat, und ſich vor Freitags erſtaun- ten Augen dahin pflanzte. Dieſer wich vol Be- ſtuͤrzung einige Schritte zuruͤk, weil er in dem erſten Augenblikke wirklich zweifelhaft war, ob er ſeinen Herrn, oder ein anderes, vielleicht uͤbermenſchliches Weſen ſehe. Robinſon, der uͤber ſein Erſtaunen laͤcheln muſte, reichte ihm freundlich die Hand, und verſicherte, daß er noch immer Robinſon, noch immer ſein Freund waͤre, ohngeachtet ſeine Kleidung und ſein Gluͤks- zuſtand ſich geaͤndert haͤtten. Er nahm hierauf eine ganze Matroſenkleidung, zeigte ihm, wie er jedes Stuͤk derſelben anziehen muͤſſe, und hieß ihn hinter den Buſch zu gehen, um ſich gleich- fals anzukleiden. Freitag gehorchte; aber es dauerte lange, ehe er mit dem Anzuge fertig werden konte. Bald hatt' er dies, bald jenes unrecht angelegt; das Hemde, zum Exempel, zog er erſt verkehrt an, indem er die Beine durch die beiden Ermel ſtekte

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 218. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/224>, abgerufen am 15.04.2024.