Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779.

Bild:
<< vorherige Seite

Diderich. Und die sind ja auch in Ame-
rika eigentlich zu Haus!

Gotlieb. Ach ja, da hat sie ja der
Franz Drake hergebracht! -- Aber das war
doch dum, daß Robinson die nicht einmahl
kante!

Vater. Woher kenst du sie denn?

Gotlieb. J, weil ich sie so oft gesehen
und gegessen habe; sie sind ja meine Leib-
speise!

Vater. Aber Robinson hatte sie nie
gesehen und nie gegessen.

Gotlieb. Nicht?

Vater. Nein; weil sie damahls in
Deutschland noch gar nicht bekant waren.
Erst ohngefähr seit 40 Jahren sind sie bei
uns eingeführt und es ist wohl schon 200 Jahr
her, daß unser Robinson lebte.

Gotlieb. Ja denn --

Vater. Siehst du, lieber Gotlieb, daß
man unrecht thut, wenn man so voreilig ist,
andere Leute zu tadeln? Man muß sich im-
mer erst selbst ganz in ihre Stelle sezen und

sich
H 3

Diderich. Und die ſind ja auch in Ame-
rika eigentlich zu Haus!

Gotlieb. Ach ja, da hat ſie ja der
Franz Drake hergebracht! — Aber das war
doch dum, daß Robinſon die nicht einmahl
kante!

Vater. Woher kenſt du ſie denn?

Gotlieb. J, weil ich ſie ſo oft geſehen
und gegeſſen habe; ſie ſind ja meine Leib-
ſpeiſe!

Vater. Aber Robinſon hatte ſie nie
geſehen und nie gegeſſen.

Gotlieb. Nicht?

Vater. Nein; weil ſie damahls in
Deutſchland noch gar nicht bekant waren.
Erſt ohngefaͤhr ſeit 40 Jahren ſind ſie bei
uns eingefuͤhrt und es iſt wohl ſchon 200 Jahr
her, daß unſer Robinſon lebte.

Gotlieb. Ja denn —

Vater. Siehſt du, lieber Gotlieb, daß
man unrecht thut, wenn man ſo voreilig iſt,
andere Leute zu tadeln? Man muß ſich im-
mer erſt ſelbſt ganz in ihre Stelle ſezen und

ſich
H 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0157" n="117"/>
          <p><hi rendition="#fr">Diderich.</hi> Und die &#x017F;ind ja auch in Ame-<lb/>
rika eigentlich zu Haus!</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Gotlieb.</hi> Ach ja, da hat &#x017F;ie ja der<lb/><hi rendition="#fr">Franz Drake</hi> hergebracht! &#x2014; Aber das war<lb/>
doch dum, daß <hi rendition="#fr">Robin&#x017F;on</hi> die nicht einmahl<lb/>
kante!</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Woher ken&#x017F;t du &#x017F;ie denn?</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Gotlieb.</hi> J, weil ich &#x017F;ie &#x017F;o oft ge&#x017F;ehen<lb/>
und gege&#x017F;&#x017F;en habe; &#x017F;ie &#x017F;ind ja meine Leib-<lb/>
&#x017F;pei&#x017F;e!</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Aber <hi rendition="#fr">Robin&#x017F;on</hi> hatte &#x017F;ie nie<lb/>
ge&#x017F;ehen und nie gege&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Gotlieb.</hi> Nicht?</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Nein; weil &#x017F;ie damahls in<lb/>
Deut&#x017F;chland noch gar nicht bekant waren.<lb/>
Er&#x017F;t ohngefa&#x0364;hr &#x017F;eit 40 Jahren &#x017F;ind &#x017F;ie bei<lb/>
uns eingefu&#x0364;hrt und es i&#x017F;t wohl &#x017F;chon 200 Jahr<lb/>
her, daß un&#x017F;er <hi rendition="#fr">Robin&#x017F;on</hi> lebte.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Gotlieb.</hi> Ja denn &#x2014;</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Sieh&#x017F;t du, lieber Gotlieb, daß<lb/>
man unrecht thut, wenn man &#x017F;o voreilig i&#x017F;t,<lb/>
andere Leute zu tadeln? Man muß &#x017F;ich im-<lb/>
mer er&#x017F;t &#x017F;elb&#x017F;t ganz in ihre Stelle &#x017F;ezen und<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">H 3</fw><lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ich</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[117/0157] Diderich. Und die ſind ja auch in Ame- rika eigentlich zu Haus! Gotlieb. Ach ja, da hat ſie ja der Franz Drake hergebracht! — Aber das war doch dum, daß Robinſon die nicht einmahl kante! Vater. Woher kenſt du ſie denn? Gotlieb. J, weil ich ſie ſo oft geſehen und gegeſſen habe; ſie ſind ja meine Leib- ſpeiſe! Vater. Aber Robinſon hatte ſie nie geſehen und nie gegeſſen. Gotlieb. Nicht? Vater. Nein; weil ſie damahls in Deutſchland noch gar nicht bekant waren. Erſt ohngefaͤhr ſeit 40 Jahren ſind ſie bei uns eingefuͤhrt und es iſt wohl ſchon 200 Jahr her, daß unſer Robinſon lebte. Gotlieb. Ja denn — Vater. Siehſt du, lieber Gotlieb, daß man unrecht thut, wenn man ſo voreilig iſt, andere Leute zu tadeln? Man muß ſich im- mer erſt ſelbſt ganz in ihre Stelle ſezen und ſich H 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779/157
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779, S. 117. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779/157>, abgerufen am 10.05.2021.