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Brentano, Clemens: Gockel, Hinkel und Gackeleia. Frankfurt, 1838.

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Schweig Mäulchen, pfiffiglich gespitzt,
Von Schönheit, die der Leib besitzt,
Sprich von der Kunst, dem Sinn, dem Geist,
Von Leistungen, die Jeder preis't, --
Denn, wie Frau Catalani singt,
Mein Stimmlein bei den Mäusen klingt.
Man hat mich drum als Gegensatz
Oft Mausalani auch genannt,
Weil Cata etwas klingt wie Katz,
Hat man das Wort so umgewandt;
Das Lani ließ man angehängt,
Weil man dabei an Wolle denkt.
Verläugne nicht dein Zartgefühl,
Laß rühren dich durch meinen Sang,
Denn lockender als Flötenspiel.
Als Harfenton und Geigenklang
Fleht er aus meiner Brust heraus:
Beschütz die kleine weiße Maus!
Bei deiner hohen Adelspflicht,
Die dich zum Schutz der Damen weiht,
Beschwör ich dich, verlaß mich nicht!
Vielleicht ist ja der Tag nicht weit,
Daß ich dir wieder helfen kann --
Doch darnach frägt kein Edelmann!
Wer mich zu retten einen Stein
Der Katze in die Rippen warf,
Wer zugab, daß der Liebste mein
An meiner Seite schlummern darf
In seiner Mütze weich und warm,
Der schützt mich auch mit starkem Arm!
Erlaub nun, daß dir als Sigill
Der Wahrheit, ohne Hinterlist
Hier einsamlich und in der Still
Das Ohrläppchen demüthig küßt,
Was niemals sie noch that gewiß,
Prinzeß Sissi von Mandelbiß.

Nun küßte sie ganz leise das Ohrläppchen Gockels, und
weil er im Schlafe etwas durch die Nase pfiff, glaubte sie,

Schweig Maͤulchen, pfiffiglich geſpitzt,
Von Schoͤnheit, die der Leib beſitzt,
Sprich von der Kunſt, dem Sinn, dem Geiſt,
Von Leiſtungen, die Jeder preiſ't, —
Denn, wie Frau Catalani ſingt,
Mein Stimmlein bei den Maͤuſen klingt.
Man hat mich drum als Gegenſatz
Oft Mauſalani auch genannt‚
Weil Cata etwas klingt wie Katz,
Hat man das Wort ſo umgewandt;
Das Lani ließ man angehaͤngt,
Weil man dabei an Wolle denkt.
Verlaͤugne nicht dein Zartgefuͤhl,
Laß ruͤhren dich durch meinen Sang,
Denn lockender als Floͤtenſpiel.
Als Harfenton und Geigenklang
Fleht er aus meiner Bruſt heraus:
Beſchuͤtz die kleine weiße Maus!
Bei deiner hohen Adelspflicht,
Die dich zum Schutz der Damen weiht,
Beſchwoͤr ich dich, verlaß mich nicht!
Vielleicht iſt ja der Tag nicht weit,
Daß ich dir wieder helfen kann —
Doch darnach fraͤgt kein Edelmann!
Wer mich zu retten einen Stein
Der Katze in die Rippen warf,
Wer zugab, daß der Liebſte mein
An meiner Seite ſchlummern darf
In ſeiner Muͤtze weich und warm,
Der ſchuͤtzt mich auch mit ſtarkem Arm!
Erlaub nun‚ daß dir als Sigill
Der Wahrheit, ohne Hinterliſt
Hier einſamlich und in der Still
Das Ohrlaͤppchen demuͤthig kuͤßt,
Was niemals ſie noch that gewiß,
Prinzeß Siſſi von Mandelbiß.

Nun kuͤßte ſie ganz leiſe das Ohrlaͤppchen Gockels, und
weil er im Schlafe etwas durch die Naſe pfiff, glaubte ſie‚

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[25/0051] Schweig Maͤulchen, pfiffiglich geſpitzt, Von Schoͤnheit, die der Leib beſitzt, Sprich von der Kunſt, dem Sinn, dem Geiſt, Von Leiſtungen, die Jeder preiſ't, — Denn, wie Frau Catalani ſingt, Mein Stimmlein bei den Maͤuſen klingt. Man hat mich drum als Gegenſatz Oft Mauſalani auch genannt‚ Weil Cata etwas klingt wie Katz, Hat man das Wort ſo umgewandt; Das Lani ließ man angehaͤngt, Weil man dabei an Wolle denkt. Verlaͤugne nicht dein Zartgefuͤhl, Laß ruͤhren dich durch meinen Sang, Denn lockender als Floͤtenſpiel. Als Harfenton und Geigenklang Fleht er aus meiner Bruſt heraus: Beſchuͤtz die kleine weiße Maus! Bei deiner hohen Adelspflicht, Die dich zum Schutz der Damen weiht, Beſchwoͤr ich dich, verlaß mich nicht! Vielleicht iſt ja der Tag nicht weit, Daß ich dir wieder helfen kann — Doch darnach fraͤgt kein Edelmann! Wer mich zu retten einen Stein Der Katze in die Rippen warf, Wer zugab, daß der Liebſte mein An meiner Seite ſchlummern darf In ſeiner Muͤtze weich und warm, Der ſchuͤtzt mich auch mit ſtarkem Arm! Erlaub nun‚ daß dir als Sigill Der Wahrheit, ohne Hinterliſt Hier einſamlich und in der Still Das Ohrlaͤppchen demuͤthig kuͤßt, Was niemals ſie noch that gewiß, Prinzeß Siſſi von Mandelbiß. Nun kuͤßte ſie ganz leiſe das Ohrlaͤppchen Gockels, und weil er im Schlafe etwas durch die Naſe pfiff, glaubte ſie‚

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Zitationshilfe: Brentano, Clemens: Gockel, Hinkel und Gackeleia. Frankfurt, 1838, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brentano_gockel_1838/51>, abgerufen am 09.05.2021.