Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 12. Zürich, 1744.

Bild:
<< vorherige Seite

der Wissenschaften.
Eigenschaften an ihnen gewiesen, wie solches klar
an denen zu sehen gewesen, welche dem Alexander
in Jndien gefolget sind. Lieber, wie nahmen sie
seine Armee in Acht, und welch ein wachendes
Auge hatten sie auf seinen Befehl; wie stelleten sie
sich in gleiche Verfassung, wenn es um einen
Marsch oder um ein Treffen zu thun war! Wel-
che Nachahmung seiner ganzen Kriegsordnung!
Nichts anders als alte und ächte Ueberbleibsel ih-
rer vorigen kriegerischen Neigung, und derjenigen
Verfassung, in welcher sie gestanden, da sie eine
Monarchie ausmachten.

Nun auf Jtalien zu kommen. Als sich diese
wilde Philosophen zuerst da gezeiget, hat es eini-
ge von denen, die am wenigsten vermischet waren,
gegeben, welche sich gefallen liessen, mit Men-
schen einen Umgang zu haben; dies ist aus dem
Nahmen des Faunus a fando, vom Sprechen, of-
fenbar. Und ein solcher war jener, der aus Haß
gegen die Tyrannie die Wälder verlassen, und
die Römische Armee angefrischet, wider die He-
trurier, die den Tarquinius wieder wollten ein-
gesezet wissen, feindlich zu agieren: Allein hier,
so wol als in allen westlichen Theilen der Welt,
eräugete sich eine grosse und merckwürdige Aera,
nemlich die, in welcher sie anfiengen stillzuschwei-
gen. Wir mögen dieselbe etwas nahe an die Zei-
ten des Aristoteles sezen, da die Anzahl, der Stolz,
und die Thorheit der Weltweisen aus dem Ge-
schlecht der Menschen überhand genommen, und
durch sie den Leuten der Kopf zu irre gemachet worden,
als daß sie tüchtig gewesen seyn sollten, die Weißheit

dieser

der Wiſſenſchaften.
Eigenſchaften an ihnen gewieſen, wie ſolches klar
an denen zu ſehen geweſen, welche dem Alexander
in Jndien gefolget ſind. Lieber, wie nahmen ſie
ſeine Armee in Acht, und welch ein wachendes
Auge hatten ſie auf ſeinen Befehl; wie ſtelleten ſie
ſich in gleiche Verfaſſung, wenn es um einen
Marſch oder um ein Treffen zu thun war! Wel-
che Nachahmung ſeiner ganzen Kriegsordnung!
Nichts anders als alte und aͤchte Ueberbleibſel ih-
rer vorigen kriegeriſchen Neigung, und derjenigen
Verfaſſung, in welcher ſie geſtanden, da ſie eine
Monarchie ausmachten.

Nun auf Jtalien zu kommen. Als ſich dieſe
wilde Philoſophen zuerſt da gezeiget, hat es eini-
ge von denen, die am wenigſten vermiſchet waren,
gegeben, welche ſich gefallen lieſſen, mit Men-
ſchen einen Umgang zu haben; dies iſt aus dem
Nahmen des Faunus à fando, vom Sprechen, of-
fenbar. Und ein ſolcher war jener, der aus Haß
gegen die Tyrannie die Waͤlder verlaſſen, und
die Roͤmiſche Armee angefriſchet, wider die He-
trurier, die den Tarquinius wieder wollten ein-
geſezet wiſſen, feindlich zu agieren: Allein hier,
ſo wol als in allen weſtlichen Theilen der Welt,
eraͤugete ſich eine groſſe und merckwuͤrdige Aera,
nemlich die, in welcher ſie anfiengen ſtillzuſchwei-
gen. Wir moͤgen dieſelbe etwas nahe an die Zei-
ten des Ariſtoteles ſezen, da die Anzahl, der Stolz,
und die Thorheit der Weltweiſen aus dem Ge-
ſchlecht der Menſchen uͤberhand genommen, und
durch ſie den Leuten der Kopf zu irre gemachet worden,
als daß ſie tuͤchtig geweſen ſeyn ſollten, die Weißheit

dieſer
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0047" n="45"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">der Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaften.</hi></fw><lb/>
Eigen&#x017F;chaften an ihnen gewie&#x017F;en, wie &#x017F;olches klar<lb/>
an denen zu &#x017F;ehen gewe&#x017F;en, welche dem Alexander<lb/>
in Jndien gefolget &#x017F;ind. Lieber, wie nahmen &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;eine Armee in Acht, und welch ein wachendes<lb/>
Auge hatten &#x017F;ie auf &#x017F;einen Befehl; wie &#x017F;telleten &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich in gleiche Verfa&#x017F;&#x017F;ung, wenn es um einen<lb/>
Mar&#x017F;ch oder um ein Treffen zu thun war! Wel-<lb/>
che Nachahmung &#x017F;einer ganzen Kriegsordnung!<lb/>
Nichts anders als alte und a&#x0364;chte Ueberbleib&#x017F;el ih-<lb/>
rer vorigen kriegeri&#x017F;chen Neigung, und derjenigen<lb/>
Verfa&#x017F;&#x017F;ung, in welcher &#x017F;ie ge&#x017F;tanden, da &#x017F;ie eine<lb/>
Monarchie ausmachten.</p><lb/>
          <p>Nun auf <hi rendition="#fr">Jtalien</hi> zu kommen. Als &#x017F;ich die&#x017F;e<lb/>
wilde Philo&#x017F;ophen zuer&#x017F;t da gezeiget, hat es eini-<lb/>
ge von denen, die am wenig&#x017F;ten vermi&#x017F;chet waren,<lb/>
gegeben, welche &#x017F;ich gefallen lie&#x017F;&#x017F;en, mit Men-<lb/>
&#x017F;chen einen Umgang zu haben; dies i&#x017F;t aus dem<lb/>
Nahmen des Faunus <hi rendition="#aq">à fando,</hi> vom Sprechen, of-<lb/>
fenbar. Und ein &#x017F;olcher war jener, der aus Haß<lb/>
gegen die Tyrannie die Wa&#x0364;lder verla&#x017F;&#x017F;en, und<lb/>
die Ro&#x0364;mi&#x017F;che Armee angefri&#x017F;chet, wider die He-<lb/>
trurier, die den Tarquinius wieder wollten ein-<lb/>
ge&#x017F;ezet wi&#x017F;&#x017F;en, feindlich zu agieren: Allein hier,<lb/>
&#x017F;o wol als in allen we&#x017F;tlichen Theilen der Welt,<lb/>
era&#x0364;ugete &#x017F;ich eine gro&#x017F;&#x017F;e und merckwu&#x0364;rdige Aera,<lb/>
nemlich die, in welcher &#x017F;ie anfiengen &#x017F;tillzu&#x017F;chwei-<lb/>
gen. Wir mo&#x0364;gen die&#x017F;elbe etwas nahe an die Zei-<lb/>
ten des Ari&#x017F;toteles &#x017F;ezen, da die Anzahl, der Stolz,<lb/>
und die Thorheit der Weltwei&#x017F;en aus dem Ge-<lb/>
&#x017F;chlecht der Men&#x017F;chen u&#x0364;berhand genommen, und<lb/>
durch &#x017F;ie den Leuten der Kopf zu irre gemachet worden,<lb/>
als daß &#x017F;ie tu&#x0364;chtig gewe&#x017F;en &#x017F;eyn &#x017F;ollten, die Weißheit<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">die&#x017F;er</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[45/0047] der Wiſſenſchaften. Eigenſchaften an ihnen gewieſen, wie ſolches klar an denen zu ſehen geweſen, welche dem Alexander in Jndien gefolget ſind. Lieber, wie nahmen ſie ſeine Armee in Acht, und welch ein wachendes Auge hatten ſie auf ſeinen Befehl; wie ſtelleten ſie ſich in gleiche Verfaſſung, wenn es um einen Marſch oder um ein Treffen zu thun war! Wel- che Nachahmung ſeiner ganzen Kriegsordnung! Nichts anders als alte und aͤchte Ueberbleibſel ih- rer vorigen kriegeriſchen Neigung, und derjenigen Verfaſſung, in welcher ſie geſtanden, da ſie eine Monarchie ausmachten. Nun auf Jtalien zu kommen. Als ſich dieſe wilde Philoſophen zuerſt da gezeiget, hat es eini- ge von denen, die am wenigſten vermiſchet waren, gegeben, welche ſich gefallen lieſſen, mit Men- ſchen einen Umgang zu haben; dies iſt aus dem Nahmen des Faunus à fando, vom Sprechen, of- fenbar. Und ein ſolcher war jener, der aus Haß gegen die Tyrannie die Waͤlder verlaſſen, und die Roͤmiſche Armee angefriſchet, wider die He- trurier, die den Tarquinius wieder wollten ein- geſezet wiſſen, feindlich zu agieren: Allein hier, ſo wol als in allen weſtlichen Theilen der Welt, eraͤugete ſich eine groſſe und merckwuͤrdige Aera, nemlich die, in welcher ſie anfiengen ſtillzuſchwei- gen. Wir moͤgen dieſelbe etwas nahe an die Zei- ten des Ariſtoteles ſezen, da die Anzahl, der Stolz, und die Thorheit der Weltweiſen aus dem Ge- ſchlecht der Menſchen uͤberhand genommen, und durch ſie den Leuten der Kopf zu irre gemachet worden, als daß ſie tuͤchtig geweſen ſeyn ſollten, die Weißheit dieſer

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung12_1744
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung12_1744/47
Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 12. Zürich, 1744, S. 45. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung12_1744/47>, abgerufen am 19.04.2024.