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Basedow, Johann Bernhard: Das in Dessau errichtete Philanthropinum. Leipzig, 1774.

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Dank, Dank den seltnen Männern des Hofes,
denen unter des Sternes Glanz ein würdiges Herz
schlägt, das Gutes erforscht, und noch lieber thut,
als anpreist; diesen Gliedern eines Ordens,
den kein Monarch schenkt, und nicht sein Liebling.



Jst kein Orden, wie dieser? Das sagt nicht Jhr,
ehrwürdige, verbrüderte Bauleute
des Rathhauses der Weltbürgerschaft!

Laßt mich, laßt mich vor Euch, Jhr Salo-
mons Lehrlinge und des Socrates,
deren
Namen Euch entzücken, weil ihre Tugend die
Grundverfassung Eurer Brüderschaft ist! Kenn
ich diese? Ja! Zwar nicht als ein Geweiheter!
Aber ihre Früchte sind gut! Wie kann böse der
Baum seyn, wenn gleich die Wartung nur den
Meistern der Gärtner bekannt wird?

Fast zuversichtlicher red ich Euch an, als
unter den Fürstenhöfen, oder Staatsversammlun-
gen die besten. Denn da entledigt sich der Staats-
mann vor jeder Berathschlagung (so weit es die
sieg-gewohnte Natur zuläßt) der angebohrnen
Menschheit, um voll zu werden von der Gottheit
einer benamten Majestät, von andächtiger Ehr-

liebe

Dank, Dank den ſeltnen Maͤnnern des Hofes,
denen unter des Sternes Glanz ein wuͤrdiges Herz
ſchlaͤgt, das Gutes erforſcht, und noch lieber thut,
als anpreiſt; dieſen Gliedern eines Ordens,
den kein Monarch ſchenkt, und nicht ſein Liebling.



Jſt kein Orden, wie dieſer? Das ſagt nicht Jhr,
ehrwuͤrdige, verbruͤderte Bauleute
des Rathhauſes der Weltbuͤrgerſchaft!

Laßt mich, laßt mich vor Euch, Jhr Salo-
mons Lehrlinge und des Socrates,
deren
Namen Euch entzuͤcken, weil ihre Tugend die
Grundverfaſſung Eurer Bruͤderſchaft iſt! Kenn
ich dieſe? Ja! Zwar nicht als ein Geweiheter!
Aber ihre Fruͤchte ſind gut! Wie kann boͤſe der
Baum ſeyn, wenn gleich die Wartung nur den
Meiſtern der Gaͤrtner bekannt wird?

Faſt zuverſichtlicher red ich Euch an, als
unter den Fuͤrſtenhoͤfen, oder Staatsverſammlun-
gen die beſten. Denn da entledigt ſich der Staats-
mann vor jeder Berathſchlagung (ſo weit es die
ſieg-gewohnte Natur zulaͤßt) der angebohrnen
Menſchheit, um voll zu werden von der Gottheit
einer benamten Majeſtaͤt, von andaͤchtiger Ehr-

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[VIII/0012] Dank, Dank den ſeltnen Maͤnnern des Hofes, denen unter des Sternes Glanz ein wuͤrdiges Herz ſchlaͤgt, das Gutes erforſcht, und noch lieber thut, als anpreiſt; dieſen Gliedern eines Ordens, den kein Monarch ſchenkt, und nicht ſein Liebling. Jſt kein Orden, wie dieſer? Das ſagt nicht Jhr, ehrwuͤrdige, verbruͤderte Bauleute des Rathhauſes der Weltbuͤrgerſchaft! Laßt mich, laßt mich vor Euch, Jhr Salo- mons Lehrlinge und des Socrates, deren Namen Euch entzuͤcken, weil ihre Tugend die Grundverfaſſung Eurer Bruͤderſchaft iſt! Kenn ich dieſe? Ja! Zwar nicht als ein Geweiheter! Aber ihre Fruͤchte ſind gut! Wie kann boͤſe der Baum ſeyn, wenn gleich die Wartung nur den Meiſtern der Gaͤrtner bekannt wird? Faſt zuverſichtlicher red ich Euch an, als unter den Fuͤrſtenhoͤfen, oder Staatsverſammlun- gen die beſten. Denn da entledigt ſich der Staats- mann vor jeder Berathſchlagung (ſo weit es die ſieg-gewohnte Natur zulaͤßt) der angebohrnen Menſchheit, um voll zu werden von der Gottheit einer benamten Majeſtaͤt, von andaͤchtiger Ehr- liebe

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Zitationshilfe: Basedow, Johann Bernhard: Das in Dessau errichtete Philanthropinum. Leipzig, 1774, S. VIII. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/basedow_philanthropinum_1774/12>, abgerufen am 09.05.2021.