Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 91. Augsburg, 31. März 1840.

Bild:
<< vorherige Seite

auch aus Kairo erwartet. Ist dieses hier angekommen, so ist der Effectivbestand der hier versammelten Truppenmacht folgender: die türkische Marine mit den am Bord befindlichen zwei Landwehrregimentern 15,000 Mann, die ägyptische Marine mit den Arbeitern im Arsenal 20,000 Mann, zwei complete Infanterieregimenter 6400 Mann, ein Artillerieregiment 2400 Mann, die Nationalgarde Alexandria's 6000 Mann; zusammen 49,800 Mann. Diese Angabe ist eben so richtig wie die, die ich Ihnen im vergangenen Jahr beim Ausbruch des Krieges über die damalige Stärke der syrischen Armee machte. Zwar wollte man meine damalige Angabe in Zweifel stellen, allein es scheint mir, daß man sich über die ägyptische Armee besser in Aegypten, als in Berlin, oder andern Orten Deutschlands informiren kann. Die hier angegebenen 49,800 Mann bestehen freilich nicht aus lauter wirklichen Combattanten, denn es befindet sich ein guter Theil Kinder und sonstige unbrauchbare Leute darunter, dagegen stehen noch 5 Infanterieregimenter in und um Kairo, 2 andere in Oberägypten, und 4 werden aus Arabien erwartet. Außerdem wird man Beduinen von dem Lager von Damanhur hieher kommen lassen, und das bei Mahaled-el-Kebir errichtete Lager ist auch nicht sehr weit von Alexandria, oder jeden andern bedrohten Ort der Küste. Die Cavallerieschule von Gizeh und die polytechnische von Bulak, die ebenfalls hieher kommen sollen, sind für gar nichts zu rechnen; es ist sogar zu verwundern, daß man zu solchen Maaßregeln seine Zuflucht nehmen mochte, denn sie beweisen eher Schwäche als Stärke. Jedenfalls sehen Sie, daß Mehemed Ali Alles aufbietet, um den Kampf mit den coalisirten europäischen Mächten zu bestehen; er sagt, der Kampf möge ausfallen, wie er wolle, immer habe er den Ruhm, daß gegen einen einzigen türkischen Pascha sich alle Großmächte Europa's verbänden, von denen eine jede allein mächtiger sey, als er, und trotz dem wage er die Herausforderung anzunehmen. Sollte aber aus der ganzen Sache nichts werden, sollte sie sich mit Protokollen enden, dann wird er erst recht ins Fäustchen lachen, denn die Mächte haben ihm dann, ohne es zu wollen, eine Bedeutsamkeit gegeben, deren Folgen eine unberechenbare Vermehrung seiner Macht, namentlich in moralischer Hinsicht, seyn muß. Schon jetzt ist er factisch der mächtigste muselmännische Fürst, dann aber wird er als der einzige Hort und Schutz des Islam betrachtet werden, und sein Einfluß durch alle islamitischen Länder und Völker gehen.

Ostindien.

Dem Bengal Hurkuru zufolge wurde Obrist Stoddart, der von der Regierung nach Bochara abgeschickt worden, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Handelsvertrag zu negociiren, nicht bloß auf öffentlichem Bazar zum Gespött der fanatischen Mohamedaner ausgestellt, die ihm ins Gesicht spieen, sondern, um sein Leben zu retten, ward er auch gezwungen in die Dienste des Amirs zu treten und ihm ein Artilleriecorps gegen die befürchtete Invasion der Russen einzuschulen.

auch aus Kairo erwartet. Ist dieses hier angekommen, so ist der Effectivbestand der hier versammelten Truppenmacht folgender: die türkische Marine mit den am Bord befindlichen zwei Landwehrregimentern 15,000 Mann, die ägyptische Marine mit den Arbeitern im Arsenal 20,000 Mann, zwei complete Infanterieregimenter 6400 Mann, ein Artillerieregiment 2400 Mann, die Nationalgarde Alexandria's 6000 Mann; zusammen 49,800 Mann. Diese Angabe ist eben so richtig wie die, die ich Ihnen im vergangenen Jahr beim Ausbruch des Krieges über die damalige Stärke der syrischen Armee machte. Zwar wollte man meine damalige Angabe in Zweifel stellen, allein es scheint mir, daß man sich über die ägyptische Armee besser in Aegypten, als in Berlin, oder andern Orten Deutschlands informiren kann. Die hier angegebenen 49,800 Mann bestehen freilich nicht aus lauter wirklichen Combattanten, denn es befindet sich ein guter Theil Kinder und sonstige unbrauchbare Leute darunter, dagegen stehen noch 5 Infanterieregimenter in und um Kairo, 2 andere in Oberägypten, und 4 werden aus Arabien erwartet. Außerdem wird man Beduinen von dem Lager von Damanhur hieher kommen lassen, und das bei Mahaled-el-Kebir errichtete Lager ist auch nicht sehr weit von Alexandria, oder jeden andern bedrohten Ort der Küste. Die Cavallerieschule von Gizeh und die polytechnische von Bulak, die ebenfalls hieher kommen sollen, sind für gar nichts zu rechnen; es ist sogar zu verwundern, daß man zu solchen Maaßregeln seine Zuflucht nehmen mochte, denn sie beweisen eher Schwäche als Stärke. Jedenfalls sehen Sie, daß Mehemed Ali Alles aufbietet, um den Kampf mit den coalisirten europäischen Mächten zu bestehen; er sagt, der Kampf möge ausfallen, wie er wolle, immer habe er den Ruhm, daß gegen einen einzigen türkischen Pascha sich alle Großmächte Europa's verbänden, von denen eine jede allein mächtiger sey, als er, und trotz dem wage er die Herausforderung anzunehmen. Sollte aber aus der ganzen Sache nichts werden, sollte sie sich mit Protokollen enden, dann wird er erst recht ins Fäustchen lachen, denn die Mächte haben ihm dann, ohne es zu wollen, eine Bedeutsamkeit gegeben, deren Folgen eine unberechenbare Vermehrung seiner Macht, namentlich in moralischer Hinsicht, seyn muß. Schon jetzt ist er factisch der mächtigste muselmännische Fürst, dann aber wird er als der einzige Hort und Schutz des Islam betrachtet werden, und sein Einfluß durch alle islamitischen Länder und Völker gehen.

Ostindien.

Dem Bengal Hurkuru zufolge wurde Obrist Stoddart, der von der Regierung nach Bochara abgeschickt worden, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Handelsvertrag zu negociiren, nicht bloß auf öffentlichem Bazar zum Gespött der fanatischen Mohamedaner ausgestellt, die ihm ins Gesicht spieen, sondern, um sein Leben zu retten, ward er auch gezwungen in die Dienste des Amirs zu treten und ihm ein Artilleriecorps gegen die befürchtete Invasion der Russen einzuschulen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0008" n="0728"/>
auch aus Kairo erwartet. Ist dieses hier angekommen, so ist der Effectivbestand der hier versammelten Truppenmacht folgender: die türkische Marine mit den am Bord befindlichen zwei Landwehrregimentern 15,000 Mann, die ägyptische Marine mit den Arbeitern im Arsenal 20,000 Mann, zwei complete Infanterieregimenter 6400 Mann, ein Artillerieregiment 2400 Mann, die Nationalgarde Alexandria's 6000 Mann; zusammen 49,800 Mann. Diese Angabe ist eben so richtig wie die, die ich Ihnen im vergangenen Jahr beim Ausbruch des Krieges über die damalige Stärke der syrischen Armee machte. Zwar wollte man meine damalige Angabe in Zweifel stellen, allein es scheint mir, daß man sich über die ägyptische Armee besser in Aegypten, als in Berlin, oder andern Orten Deutschlands informiren kann. Die hier angegebenen 49,800 Mann bestehen freilich nicht aus lauter wirklichen Combattanten, denn es befindet sich ein guter Theil Kinder und sonstige unbrauchbare Leute darunter, dagegen stehen noch 5 Infanterieregimenter in und um Kairo, 2 andere in Oberägypten, und 4 werden aus Arabien erwartet. Außerdem wird man Beduinen von dem Lager von Damanhur hieher kommen lassen, und das bei Mahaled-el-Kebir errichtete Lager ist auch nicht sehr weit von Alexandria, oder jeden andern bedrohten Ort der Küste. Die Cavallerieschule von Gizeh und die polytechnische von Bulak, die ebenfalls hieher kommen sollen, sind für gar nichts zu rechnen; es ist sogar zu verwundern, daß man zu solchen Maaßregeln seine Zuflucht nehmen mochte, denn sie beweisen eher Schwäche als Stärke. Jedenfalls sehen Sie, daß Mehemed Ali Alles aufbietet, um den Kampf mit den coalisirten europäischen Mächten zu bestehen; er sagt, der Kampf möge ausfallen, wie er wolle, immer habe er den Ruhm, daß gegen einen einzigen türkischen Pascha sich alle Großmächte Europa's verbänden, von denen eine jede allein mächtiger sey, als er, und trotz dem wage er die Herausforderung anzunehmen. Sollte aber aus der ganzen Sache nichts werden, sollte sie sich mit Protokollen enden, dann wird er erst recht ins Fäustchen lachen, denn die Mächte haben ihm dann, ohne es zu wollen, eine Bedeutsamkeit gegeben, deren Folgen eine unberechenbare Vermehrung seiner Macht, namentlich in moralischer Hinsicht, seyn muß. Schon jetzt ist er factisch der mächtigste muselmännische Fürst, dann aber wird er als der einzige Hort und Schutz des Islam betrachtet werden, und sein Einfluß durch alle islamitischen Länder und Völker gehen.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Ostindien.</hi> </head><lb/>
        <p>Dem <hi rendition="#g">Bengal Hurkuru</hi> zufolge wurde Obrist Stoddart, der von der Regierung nach Bochara abgeschickt worden, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Handelsvertrag zu negociiren, nicht bloß auf öffentlichem Bazar zum Gespött der fanatischen Mohamedaner ausgestellt, die ihm ins Gesicht spieen, sondern, um sein Leben zu retten, ward er auch gezwungen in die Dienste des Amirs zu treten und ihm ein Artilleriecorps gegen die befürchtete Invasion der Russen einzuschulen.</p><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0728/0008] auch aus Kairo erwartet. Ist dieses hier angekommen, so ist der Effectivbestand der hier versammelten Truppenmacht folgender: die türkische Marine mit den am Bord befindlichen zwei Landwehrregimentern 15,000 Mann, die ägyptische Marine mit den Arbeitern im Arsenal 20,000 Mann, zwei complete Infanterieregimenter 6400 Mann, ein Artillerieregiment 2400 Mann, die Nationalgarde Alexandria's 6000 Mann; zusammen 49,800 Mann. Diese Angabe ist eben so richtig wie die, die ich Ihnen im vergangenen Jahr beim Ausbruch des Krieges über die damalige Stärke der syrischen Armee machte. Zwar wollte man meine damalige Angabe in Zweifel stellen, allein es scheint mir, daß man sich über die ägyptische Armee besser in Aegypten, als in Berlin, oder andern Orten Deutschlands informiren kann. Die hier angegebenen 49,800 Mann bestehen freilich nicht aus lauter wirklichen Combattanten, denn es befindet sich ein guter Theil Kinder und sonstige unbrauchbare Leute darunter, dagegen stehen noch 5 Infanterieregimenter in und um Kairo, 2 andere in Oberägypten, und 4 werden aus Arabien erwartet. Außerdem wird man Beduinen von dem Lager von Damanhur hieher kommen lassen, und das bei Mahaled-el-Kebir errichtete Lager ist auch nicht sehr weit von Alexandria, oder jeden andern bedrohten Ort der Küste. Die Cavallerieschule von Gizeh und die polytechnische von Bulak, die ebenfalls hieher kommen sollen, sind für gar nichts zu rechnen; es ist sogar zu verwundern, daß man zu solchen Maaßregeln seine Zuflucht nehmen mochte, denn sie beweisen eher Schwäche als Stärke. Jedenfalls sehen Sie, daß Mehemed Ali Alles aufbietet, um den Kampf mit den coalisirten europäischen Mächten zu bestehen; er sagt, der Kampf möge ausfallen, wie er wolle, immer habe er den Ruhm, daß gegen einen einzigen türkischen Pascha sich alle Großmächte Europa's verbänden, von denen eine jede allein mächtiger sey, als er, und trotz dem wage er die Herausforderung anzunehmen. Sollte aber aus der ganzen Sache nichts werden, sollte sie sich mit Protokollen enden, dann wird er erst recht ins Fäustchen lachen, denn die Mächte haben ihm dann, ohne es zu wollen, eine Bedeutsamkeit gegeben, deren Folgen eine unberechenbare Vermehrung seiner Macht, namentlich in moralischer Hinsicht, seyn muß. Schon jetzt ist er factisch der mächtigste muselmännische Fürst, dann aber wird er als der einzige Hort und Schutz des Islam betrachtet werden, und sein Einfluß durch alle islamitischen Länder und Völker gehen. Ostindien. Dem Bengal Hurkuru zufolge wurde Obrist Stoddart, der von der Regierung nach Bochara abgeschickt worden, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Handelsvertrag zu negociiren, nicht bloß auf öffentlichem Bazar zum Gespött der fanatischen Mohamedaner ausgestellt, die ihm ins Gesicht spieen, sondern, um sein Leben zu retten, ward er auch gezwungen in die Dienste des Amirs zu treten und ihm ein Artilleriecorps gegen die befürchtete Invasion der Russen einzuschulen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_091_18400331
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_091_18400331/8
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 91. Augsburg, 31. März 1840, S. 0728. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_091_18400331/8>, abgerufen am 21.02.2024.