Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678.

Bild:
<< vorherige Seite

Stillt Seelen-Bangen.
langen das natürliche Verlangen weit überwunden/ indem er das/
das dahinten war/ vergessen hatte/ und hat sich auch mit dem Ver-
langen gestreckt nach diesem Himmels-Hause/ da Er auch mit
dem Könige David geseuftzet: Wenn werde ich dahin kom-Ps. 42. 3.
men/ daß ich GOttes Angesicht schaue! Was Er verlanget/
was Er sucht/ das hat Er gefunden/ wornach Er sich gesehnet/ das
hat Er in seineBesitzung über kommen. GOTT helffe auch uns
seelig/ die wir auch mit Himmel-verlangenden Seelen seufftzen:

O süsser HErr JEsu CHrist/
Der du der Sünder Heyland bist/
Führ uns durch dem Barmhertzigkeit
Mit Freuden in dein Herrligkeit!

Der Drey-E[in]ige GOtt wird auch unser Himmels-Ver-
langen endlich erfüllen/ und uns diß unser verlangetes Himmels-
Hauß eigenthümlich übergeben/ und uns hineinführen/ doch an-
ders nicht/ als wann Er auch an uns wird finden des Bereitens
gegen das Einnehmen dieses Himmels Hauses Nothwen-
digkeit/ welches dann das dritte Stück ist/ davon der Apostel in
unserem Text also spricht: So doch/ daß wir bekleidet/ und
nicht bloß erfunden werden. Gleichwie das Hauß/ wie auch
die Uberkleidung in den kurtz vorher gehenden Worten unseres Tex-
tes Geistlich und Himmlisch gewesen/ so ist auch diese Blösse Geist-
lich/ und die Uberkleidung Himmlisch und Göttlich. Wir stellen
uns kürtzlich vor der Geistlichen Blösse Abscheuligkeit/ und des
Göttlichen Bekleidens Herrligkeit. Von der Geistlichen
Blösse und derselben Abscheuligkeit spricht der Apostel Pau-
lus: so doch/ wo wir nicht bloß erfunden werden. Das ist die
Geistliche Blösse/ wann ein Mensch innwendig leer ist vom Glau-
ben [an] CHristum/ und auswendig von den Früchten des Glau-
bens/ als der Liebe/ der Tugend/ der Bescheidenheit/ der Gott-
seeligkeit/ der Mässegkeit. Wer solches nicht hat/ der ist blind/2. Petr. 1.
vers.
9.

(nemlich daß er auch seine eigene Blösse und Näckte nicht kan sehen)

und
G

Stillt Seelen-Bangen.
langen das natuͤrliche Verlangen weit uͤberwunden/ indem er das/
das dahinten war/ vergeſſen hatte/ und hat ſich auch mit dem Ver-
langen geſtreckt nach dieſem Himmels-Hauſe/ da Er auch mit
dem Koͤnige David geſeuftzet: Wenn werde ich dahin kom-Pſ. 42. 3.
men/ daß ich GOttes Angeſicht ſchaue! Was Er verlanget/
was Er ſucht/ das hat Er gefunden/ wornach Er ſich geſehnet/ das
hat Er in ſeineBeſitzung uͤber kommen. GOTT helffe auch uns
ſeelig/ die wir auch mit Himmel-verlangenden Seelen ſeufftzen:

O ſuͤſſer HErr JEſu CHriſt/
Der du der Suͤnder Heyland biſt/
Fuͤhr uns durch dem Barmhertzigkeit
Mit Freuden in dein Herrligkeit!

Der Drey-E[in]ige GOtt wird auch unſer Himmels-Ver-
langen endlich erfuͤllen/ und uns diß unſer verlangetes Himmels-
Hauß eigenthuͤmlich uͤbergeben/ und uns hineinfuͤhren/ doch an-
ders nicht/ als wann Er auch an uns wird finden des Bereitens
gegen das Einnehmen dieſes Himmels Hauſes Nothwen-
digkeit/ welches dann das dritte Stuͤck iſt/ davon der Apoſtel in
unſerem Text alſo ſpricht: So doch/ daß wir bekleidet/ und
nicht bloß erfunden werden. Gleichwie das Hauß/ wie auch
die Uberkleidung in den kurtz vorher gehenden Worten unſeres Tex-
tes Geiſtlich und Him̃liſch geweſen/ ſo iſt auch dieſe Bloͤſſe Geiſt-
lich/ und die Uberkleidung Him̃liſch und Goͤttlich. Wir ſtellen
uns kuͤrtzlich vor der Geiſtlichen Bloͤſſe Abſcheuligkeit/ und des
Goͤttlichen Bekleidens Herrligkeit. Von der Geiſtlichen
Bloͤſſe und derſelben Abſcheuligkeit ſpricht der Apoſtel Pau-
lus: ſo doch/ wo wir nicht bloß erfunden werden. Das iſt die
Geiſtliche Bloͤſſe/ wann ein Menſch innwendig leer iſt vom Glau-
ben [an] CHriſtum/ und auswendig von den Fruͤchten des Glau-
bens/ als der Liebe/ der Tugend/ der Beſcheidenheit/ der Gott-
ſeeligkeit/ der Maͤſſegkeit. Wer ſolches nicht hat/ der iſt blind/2. Petr. 1.
verſ.
9.

(nemlich daß er auch ſeine eigene Bloͤſſe und Naͤckte nicht kan ſehen)

und
G
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="fsSermon" n="1">
        <div type="fsMainPart" n="2">
          <p><pb facs="#f0049" n="[49]"/><fw type="header" place="top"><hi rendition="#b">Stillt Seelen-Bangen.</hi></fw><lb/>
langen das natu&#x0364;rliche Verlangen weit u&#x0364;berwunden/ indem er das/<lb/>
das dahinten war/ verge&#x017F;&#x017F;en hatte/ und hat &#x017F;ich auch mit dem Ver-<lb/>
langen ge&#x017F;treckt nach die&#x017F;em Himmels-Hau&#x017F;e/ da Er auch mit<lb/>
dem Ko&#x0364;nige David ge&#x017F;euftzet: Wenn werde ich dahin kom-<note place="right"><hi rendition="#aq">P&#x017F;.</hi> 42. 3.</note><lb/>
men/ daß ich GOttes Ange&#x017F;icht &#x017F;chaue! Was Er verlanget/<lb/>
was Er &#x017F;ucht/ das hat Er gefunden/ wornach Er &#x017F;ich ge&#x017F;ehnet/ das<lb/>
hat Er in &#x017F;eineBe&#x017F;itzung u&#x0364;ber kommen. GOTT helffe auch uns<lb/>
&#x017F;eelig/ die wir auch mit Himmel-verlangenden Seelen &#x017F;eufftzen:</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <l>O &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;er HErr JE&#x017F;u CHri&#x017F;t/</l><lb/>
            <l>Der du der Su&#x0364;nder Heyland bi&#x017F;t/</l><lb/>
            <l>Fu&#x0364;hr uns durch dem Barmhertzigkeit</l><lb/>
            <l>Mit Freuden in dein Herrligkeit!</l>
          </lg><lb/>
          <p>Der Drey-E<supplied>in</supplied>ige GOtt wird auch un&#x017F;er Himmels-Ver-<lb/>
langen endlich erfu&#x0364;llen/ und uns diß un&#x017F;er verlangetes Himmels-<lb/>
Hauß eigenthu&#x0364;mlich u&#x0364;bergeben/ und uns hineinfu&#x0364;hren/ doch an-<lb/>
ders nicht/ als wann Er auch an uns wird finden des Bereitens<lb/>
gegen das Einnehmen die&#x017F;es Himmels Hau&#x017F;es Nothwen-<lb/>
digkeit/ welches dann das dritte Stu&#x0364;ck i&#x017F;t/ davon der Apo&#x017F;tel in<lb/>
un&#x017F;erem Text al&#x017F;o &#x017F;pricht: So doch/ daß wir bekleidet/ und<lb/>
nicht bloß erfunden werden. Gleichwie das Hauß/ wie auch<lb/>
die Uberkleidung in den kurtz vorher gehenden Worten un&#x017F;eres Tex-<lb/>
tes Gei&#x017F;tlich und Him&#x0303;li&#x017F;ch gewe&#x017F;en/ &#x017F;o i&#x017F;t auch die&#x017F;e Blo&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Gei&#x017F;t-<lb/>
lich/ und die Uberkleidung Him&#x0303;li&#x017F;ch und Go&#x0364;ttlich. Wir &#x017F;tellen<lb/>
uns ku&#x0364;rtzlich vor der Gei&#x017F;tlichen Blo&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Ab&#x017F;cheuligkeit/ und des<lb/>
Go&#x0364;ttlichen Bekleidens Herrligkeit. Von der Gei&#x017F;tlichen<lb/>
Blo&#x0364;&#x017F;&#x017F;e und der&#x017F;elben Ab&#x017F;cheuligkeit &#x017F;pricht der Apo&#x017F;tel Pau-<lb/>
lus: &#x017F;o doch/ wo wir nicht bloß erfunden werden. Das i&#x017F;t die<lb/>
Gei&#x017F;tliche Blo&#x0364;&#x017F;&#x017F;e/ wann ein Men&#x017F;ch innwendig leer i&#x017F;t vom Glau-<lb/>
ben <supplied>an</supplied> CHri&#x017F;tum/ und auswendig von den Fru&#x0364;chten des Glau-<lb/>
bens/ als der Liebe/ der Tugend/ der Be&#x017F;cheidenheit/ der Gott-<lb/>
&#x017F;eeligkeit/ der Ma&#x0364;&#x017F;&#x017F;egkeit. Wer &#x017F;olches nicht hat/ der i&#x017F;t blind/<note place="right">2. <hi rendition="#aq">Petr. 1.<lb/>
ver&#x017F;.</hi> 9.</note><lb/>
(nemlich daß er auch &#x017F;eine eigene Blo&#x0364;&#x017F;&#x017F;e und Na&#x0364;ckte nicht kan &#x017F;ehen)<lb/>
<fw type="sig" place="bottom">G</fw><fw type="catch" place="bottom">und</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[49]/0049] Stillt Seelen-Bangen. langen das natuͤrliche Verlangen weit uͤberwunden/ indem er das/ das dahinten war/ vergeſſen hatte/ und hat ſich auch mit dem Ver- langen geſtreckt nach dieſem Himmels-Hauſe/ da Er auch mit dem Koͤnige David geſeuftzet: Wenn werde ich dahin kom- men/ daß ich GOttes Angeſicht ſchaue! Was Er verlanget/ was Er ſucht/ das hat Er gefunden/ wornach Er ſich geſehnet/ das hat Er in ſeineBeſitzung uͤber kommen. GOTT helffe auch uns ſeelig/ die wir auch mit Himmel-verlangenden Seelen ſeufftzen: Pſ. 42. 3. O ſuͤſſer HErr JEſu CHriſt/ Der du der Suͤnder Heyland biſt/ Fuͤhr uns durch dem Barmhertzigkeit Mit Freuden in dein Herrligkeit! Der Drey-Einige GOtt wird auch unſer Himmels-Ver- langen endlich erfuͤllen/ und uns diß unſer verlangetes Himmels- Hauß eigenthuͤmlich uͤbergeben/ und uns hineinfuͤhren/ doch an- ders nicht/ als wann Er auch an uns wird finden des Bereitens gegen das Einnehmen dieſes Himmels Hauſes Nothwen- digkeit/ welches dann das dritte Stuͤck iſt/ davon der Apoſtel in unſerem Text alſo ſpricht: So doch/ daß wir bekleidet/ und nicht bloß erfunden werden. Gleichwie das Hauß/ wie auch die Uberkleidung in den kurtz vorher gehenden Worten unſeres Tex- tes Geiſtlich und Him̃liſch geweſen/ ſo iſt auch dieſe Bloͤſſe Geiſt- lich/ und die Uberkleidung Him̃liſch und Goͤttlich. Wir ſtellen uns kuͤrtzlich vor der Geiſtlichen Bloͤſſe Abſcheuligkeit/ und des Goͤttlichen Bekleidens Herrligkeit. Von der Geiſtlichen Bloͤſſe und derſelben Abſcheuligkeit ſpricht der Apoſtel Pau- lus: ſo doch/ wo wir nicht bloß erfunden werden. Das iſt die Geiſtliche Bloͤſſe/ wann ein Menſch innwendig leer iſt vom Glau- ben an CHriſtum/ und auswendig von den Fruͤchten des Glau- bens/ als der Liebe/ der Tugend/ der Beſcheidenheit/ der Gott- ſeeligkeit/ der Maͤſſegkeit. Wer ſolches nicht hat/ der iſt blind/ (nemlich daß er auch ſeine eigene Bloͤſſe und Naͤckte nicht kan ſehen) und 2. Petr. 1. verſ. 9. G

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/542013
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/542013/49
Zitationshilfe: Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678, S. [49]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/542013/49>, abgerufen am 17.04.2024.