Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678.

Bild:
<< vorherige Seite

Himmels-Verlangen
Geist hat aufgegeben/ da Sie weder sein letztes Absegnen noch
Einsegnen hat vernehmen können/ das/ das wird Jhr von allem Jh-
ren Vermögen nichts mehr übrig gelassen haben/ als Stehnen/
Sehnen/ Verlangen. Der gütige GOtt sehe/ höre/ stille und
erfülle dieselbe/ besonders wann Jhr Verlangen diese Worte in
Jhrer zermalmeten Seelen heraus dringet:

JEsu meine Freude/
Meines Hertzens Weide/
JEsu meine Zier/
Ach wie lang/ ach lange
Jst dem Hertzen bange
Und verlangt nach Dir!
GOttes Lamm mein Bräutigam
Ausser Dir soll mir auf Erden
Nichts sonst liebers werden!

Und das ist eben das jenige Werck/ das uns vorstellet nicht
allein des Verlangens Hefftigkeit/ sondern auch desselben
höchste Seeligkeit. Selbige bestehet in demselben unbegreifli-
chen und höchst-seeligen/ Göttlichen und Himmlischen Gutt/
darauf das Verlangen fället. Dasselbe wird in unserm Text
genennet Unfer Behausung die vom Himmel ist/ daß wir
damit überkleidet werden: Und wird dadurch verstanden die himm-
lische und Göttliche Gegend/ da der Drey-Einige Majestätische
Matth. 18.
vers.
10.
GOtt auf seine Göttliche Art und Weise wohnet/ da die Heilige
Engel das Angesicht ihres Vaters im Himmel allzeit se-
hen. Das ist die rechte GOTTES Burg/ Engel-Burg/
Apoc. 21.
v.
2: 3.
Freuden-Burg/ Friedens-Burg/ Lebens-Burg/ die
da von GOtt aus dem Himmel heraus fället/ zubereitet/
als eine geschmückte Braut ihrem Manne/ siehe da eine

Hütte

Himmels-Verlangen
Geiſt hat aufgegeben/ da Sie weder ſein letztes Abſegnen noch
Einſegnen hat vernehmen koͤnnen/ das/ das wird Jhr von allem Jh-
ren Vermoͤgen nichts mehr uͤbrig gelaſſen haben/ als Stehnen/
Sehnen/ Verlangen. Der guͤtige GOtt ſehe/ hoͤre/ ſtille und
erfuͤlle dieſelbe/ beſonders wann Jhr Verlangen dieſe Worte in
Jhrer zermalmeten Seelen heraus dringet:

JEſu meine Freude/
Meines Hertzens Weide/
JEſu meine Zier/
Ach wie lang/ ach lange
Jſt dem Hertzen bange
Und verlangt nach Dir!
GOttes Lamm mein Braͤutigam
Auſſer Dir ſoll mir auf Erden
Nichts ſonſt liebers werden!

Und das iſt eben das jenige Werck/ das uns vorſtellet nicht
allein des Verlangens Hefftigkeit/ ſondern auch deſſelben
hoͤchſte Seeligkeit. Selbige beſtehet in demſelben unbegreifli-
chen und hoͤchſt-ſeeligen/ Goͤttlichen und Himmliſchen Gutt/
darauf das Verlangen faͤllet. Daſſelbe wird in unſerm Text
genennet Unfer Behauſung die vom Himmel iſt/ daß wir
damit uͤberkleidet werden: Und wird dadurch verſtanden die him̃-
liſche und Goͤttliche Gegend/ da der Drey-Einige Majeſtaͤtiſche
Matth. 18.
verſ.
10.
GOtt auf ſeine Göttliche Art und Weiſe wohnet/ da die Heilige
Engel das Angeſicht ihres Vaters im Himmel allzeit ſe-
hen. Das iſt die rechte GOTTES Burg/ Engel-Burg/
Apoc. 21.
v.
2: 3.
Freuden-Burg/ Friedens-Burg/ Lebens-Burg/ die
da von GOtt aus dem Himmel heraus faͤllet/ zubereitet/
als eine geſchmuͤckte Braut ihrem Manne/ ſiehe da eine

Huͤtte
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="fsSermon" n="1">
        <div type="fsMainPart" n="2">
          <p><pb facs="#f0032" n="[32]"/><fw type="header" place="top"><hi rendition="#b">Himmels-Verlangen</hi></fw><lb/>
Gei&#x017F;t hat aufgegeben/ da Sie weder &#x017F;ein letztes Ab&#x017F;egnen noch<lb/>
Ein&#x017F;eg<choice><sic>u</sic><corr>n</corr></choice>en hat vernehmen ko&#x0364;nnen/ das/ das wird Jhr von allem Jh-<lb/>
ren Vermo&#x0364;gen nichts mehr u&#x0364;brig gela&#x017F;&#x017F;en haben/ als Stehnen/<lb/>
Sehnen/ Verlangen. Der gu&#x0364;tige GOtt &#x017F;ehe/ ho&#x0364;re/ &#x017F;tille und<lb/>
erfu&#x0364;lle die&#x017F;elbe/ be&#x017F;onders wann Jhr Verlangen die&#x017F;e Worte in<lb/>
Jhrer zermalmeten Seelen heraus dringet:</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <l> <hi rendition="#fr">JE&#x017F;u meine Freude/</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Meines Hertzens Weide/</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">JE&#x017F;u meine Zier/</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Ach wie lang/ ach lange</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">J&#x017F;t dem Hertzen bange</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Und verlangt nach Dir!</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">GOttes Lamm mein Bra&#x0364;utigam</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Au&#x017F;&#x017F;er Dir &#x017F;oll mir auf Erden</hi> </l><lb/>
            <l> <hi rendition="#fr">Nichts &#x017F;on&#x017F;t liebers werden!</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <p>Und das i&#x017F;t eben das jenige Werck/ das uns vor&#x017F;tellet nicht<lb/>
allein des Verlangens Hefftigkeit/ &#x017F;ondern auch de&#x017F;&#x017F;elben<lb/>
ho&#x0364;ch&#x017F;te Seeligkeit. Selbige be&#x017F;tehet in dem&#x017F;elben unbegreifli-<lb/>
chen und ho&#x0364;ch&#x017F;t-&#x017F;eeligen/ Go&#x0364;ttlichen und Himmli&#x017F;chen Gutt/<lb/>
darauf das Verlangen fa&#x0364;llet. Da&#x017F;&#x017F;elbe wird in un&#x017F;erm Text<lb/>
genennet Unfer Behau&#x017F;ung die vom Himmel i&#x017F;t/ daß wir<lb/>
damit u&#x0364;berkleidet werden: Und wird dadurch ver&#x017F;tanden die him&#x0303;-<lb/>
li&#x017F;che und Go&#x0364;ttliche Gegend/ da der Drey-Einige Maje&#x017F;ta&#x0364;ti&#x017F;che<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Matth. 18.<lb/>
ver&#x017F;.</hi> 10.</note>GOtt auf &#x017F;eine Göttliche Art und Wei&#x017F;e wohnet/ da die Heilige<lb/>
Engel das Ange&#x017F;icht ihres Vaters im Himmel allzeit &#x017F;e-<lb/>
hen. Das i&#x017F;t die rechte GOTTES Burg/ Engel-Burg/<lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Apoc. 21.<lb/>
v.</hi> 2: 3.</note>Freuden-Burg/ Friedens-Burg/ Lebens-Burg/ die<lb/>
da von GOtt aus dem Himmel heraus fa&#x0364;llet/ zubereitet/<lb/>
als eine ge&#x017F;chmu&#x0364;ckte Braut ihrem Manne/ &#x017F;iehe da eine<lb/>
<fw type="catch" place="bottom">Hu&#x0364;tte</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[32]/0032] Himmels-Verlangen Geiſt hat aufgegeben/ da Sie weder ſein letztes Abſegnen noch Einſegnen hat vernehmen koͤnnen/ das/ das wird Jhr von allem Jh- ren Vermoͤgen nichts mehr uͤbrig gelaſſen haben/ als Stehnen/ Sehnen/ Verlangen. Der guͤtige GOtt ſehe/ hoͤre/ ſtille und erfuͤlle dieſelbe/ beſonders wann Jhr Verlangen dieſe Worte in Jhrer zermalmeten Seelen heraus dringet: JEſu meine Freude/ Meines Hertzens Weide/ JEſu meine Zier/ Ach wie lang/ ach lange Jſt dem Hertzen bange Und verlangt nach Dir! GOttes Lamm mein Braͤutigam Auſſer Dir ſoll mir auf Erden Nichts ſonſt liebers werden! Und das iſt eben das jenige Werck/ das uns vorſtellet nicht allein des Verlangens Hefftigkeit/ ſondern auch deſſelben hoͤchſte Seeligkeit. Selbige beſtehet in demſelben unbegreifli- chen und hoͤchſt-ſeeligen/ Goͤttlichen und Himmliſchen Gutt/ darauf das Verlangen faͤllet. Daſſelbe wird in unſerm Text genennet Unfer Behauſung die vom Himmel iſt/ daß wir damit uͤberkleidet werden: Und wird dadurch verſtanden die him̃- liſche und Goͤttliche Gegend/ da der Drey-Einige Majeſtaͤtiſche GOtt auf ſeine Göttliche Art und Weiſe wohnet/ da die Heilige Engel das Angeſicht ihres Vaters im Himmel allzeit ſe- hen. Das iſt die rechte GOTTES Burg/ Engel-Burg/ Freuden-Burg/ Friedens-Burg/ Lebens-Burg/ die da von GOtt aus dem Himmel heraus faͤllet/ zubereitet/ als eine geſchmuͤckte Braut ihrem Manne/ ſiehe da eine Huͤtte Matth. 18. verſ. 10. Apoc. 21. v. 2: 3.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/542013
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/542013/32
Zitationshilfe: Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678, S. [32]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/542013/32>, abgerufen am 15.04.2024.