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Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615.

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Christliche Leichpredigt.
gehet aus Vorwitz spatziren/ sonder zweifel ohne des
Vaters vorwissen vnd willen/ wird darüber geschendet/
vnnd verleuret jhren Jungfräwlichen Ehrenkrantz.
Simeon vnd Levi/ die beyde mörderische Buben/ sampt
jhrem Anhang/ erwürgen darob eine gantze Stadt vol-
ler Mannschafft/ darunter viel vnschüldiges Bluts ver-
gossen wird/ Genes. 34. Ruben der Erstgeborne/ be-
gehet mit seiner Stiffmutter grewliche Blutschande/
vnd bringet selber zu wege/ daß er von GOtt im Ober-
Regiment außgemustert vnd verworffen wird/ Gen. 35.
Juda schwä[unleserliches Material - Zeichen fehlt] et seine eigene Schnur Thamar/ seines
verstorbenen Sohnes Weib/ Gen. 38. Die andern Brü-
der alle/ verkäuffen in frembde Land/ aus bitterer
Feindschafft/ vnd vbel gefastem Argwohn/ jhren leib-
lichen Bruder/ den frommen Joseph/ das liebe Kind
seines Vatern/ berichten den schwachen Vater mit Vn-
warheit/ als habe jhn ein wildes Thier zerrissen/ vnd
jagen dem alten armen Manne mit grämnüs vnd leide
weidlich die grawen Haare heraus/ Genes. 37.

Ebener massen war auch der König David ein gros-
ser Wundermann/ ein Mann nach dem wuntsch vnd wil-
len Göttliches Hertzens/ der freylich auch ohn vnterlaß
das Gesetz des Herrn seinen Kindern wird gescherf-
fet/ vnd sie von Jugend auff in Gottes Wort vnterrich-
tet haben/ Aber O wie groß Hertzenleid erlebet er doch
an jhnen: Ammon sein Sohn beschlefft seine leibliche
Schwester Thamar/ darumb er in voller weise von Ab-
solon seinem Bruder erwürget wird/ 2. Samuel. 13.
Vnnd dieser Absolon entpörete sich hernach wider den

König/
G ij

Chriſtliche Leichpredigt.
gehet aus Vorwitz ſpatziren/ ſonder zweifel ohne des
Vaters vorwiſſen vnd willen/ wird daruͤber geſchendet/
vnnd verleuret jhren Jungfraͤwlichen Ehrenkrantz.
Simeon vnd Levi/ die beyde moͤrderiſche Buben/ ſampt
jhrem Anhang/ erwuͤrgen darob eine gantze Stadt vol-
ler Mannſchafft/ darunter viel vnſchuͤldiges Bluts ver-
goſſen wird/ Geneſ. 34. Ruben der Erſtgeborne/ be-
gehet mit ſeiner Stiffmutter grewliche Blutſchande/
vnd bringet ſelber zu wege/ daß er von GOtt im Ober-
Regiment außgemuſtert vnd verworffen wird/ Gen. 35.
Juda ſchwaͤ[unleserliches Material – Zeichen fehlt] et ſeine eigene Schnur Thamar/ ſeines
verſtorbenen Sohnes Weib/ Gen. 38. Die andern Bruͤ-
der alle/ verkaͤuffen in frembde Land/ aus bitterer
Feindſchafft/ vnd vbel gefaſtem Argwohn/ jhren leib-
lichen Bruder/ den frommen Joſeph/ das liebe Kind
ſeines Vatern/ berichten den ſchwachen Vater mit Vn-
warheit/ als habe jhn ein wildes Thier zerriſſen/ vnd
jagen dem alten armen Manne mit graͤmnuͤs vnd leide
weidlich die grawen Haare heraus/ Geneſ. 37.

Ebener maſſen war auch der Koͤnig David ein groſ-
ſer Wundermann/ ein Mann nach dem wuntſch vnd wil-
len Goͤttliches Hertzens/ der freylich auch ohn vnterlaß
das Geſetz des Herrn ſeinen Kindern wird geſcherf-
fet/ vnd ſie von Jugend auff in Gottes Wort vnterrich-
tet haben/ Aber O wie groß Hertzenleid erlebet er doch
an jhnen: Ammon ſein Sohn beſchlefft ſeine leibliche
Schweſter Thamar/ darumb er in voller weiſe von Ab-
ſolon ſeinem Bruder erwuͤrget wird/ 2. Samuel. 13.
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[47/0051] Chriſtliche Leichpredigt. gehet aus Vorwitz ſpatziren/ ſonder zweifel ohne des Vaters vorwiſſen vnd willen/ wird daruͤber geſchendet/ vnnd verleuret jhren Jungfraͤwlichen Ehrenkrantz. Simeon vnd Levi/ die beyde moͤrderiſche Buben/ ſampt jhrem Anhang/ erwuͤrgen darob eine gantze Stadt vol- ler Mannſchafft/ darunter viel vnſchuͤldiges Bluts ver- goſſen wird/ Geneſ. 34. Ruben der Erſtgeborne/ be- gehet mit ſeiner Stiffmutter grewliche Blutſchande/ vnd bringet ſelber zu wege/ daß er von GOtt im Ober- Regiment außgemuſtert vnd verworffen wird/ Gen. 35. Juda ſchwaͤ_ et ſeine eigene Schnur Thamar/ ſeines verſtorbenen Sohnes Weib/ Gen. 38. Die andern Bruͤ- der alle/ verkaͤuffen in frembde Land/ aus bitterer Feindſchafft/ vnd vbel gefaſtem Argwohn/ jhren leib- lichen Bruder/ den frommen Joſeph/ das liebe Kind ſeines Vatern/ berichten den ſchwachen Vater mit Vn- warheit/ als habe jhn ein wildes Thier zerriſſen/ vnd jagen dem alten armen Manne mit graͤmnuͤs vnd leide weidlich die grawen Haare heraus/ Geneſ. 37. Ebener maſſen war auch der Koͤnig David ein groſ- ſer Wundermann/ ein Mann nach dem wuntſch vnd wil- len Goͤttliches Hertzens/ der freylich auch ohn vnterlaß das Geſetz des Herrn ſeinen Kindern wird geſcherf- fet/ vnd ſie von Jugend auff in Gottes Wort vnterrich- tet haben/ Aber O wie groß Hertzenleid erlebet er doch an jhnen: Ammon ſein Sohn beſchlefft ſeine leibliche Schweſter Thamar/ darumb er in voller weiſe von Ab- ſolon ſeinem Bruder erwuͤrget wird/ 2. Samuel. 13. Vnnd dieſer Abſolon entpoͤrete ſich hernach wider den Koͤnig/ G ij

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Zitationshilfe: Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/524584/51>, abgerufen am 13.04.2024.