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Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615.

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Christliche Leichredigt.
Leiden/ wann es jhm vbel gehet/ das vbrige aber/ vol-
ler Koths/ Stancks vnd Vnflats/ vnd ein gebrechli-
cher/ dürffeiger vnd elender Madensack. Gleicher-
massen lesset sich auch Euripides verlauten: Vitam
hanc miseram atque caducam, tantis repletam esse
malis, ut nullum tam grave possit dici verbum,
neque affectio, cujus molem natura hominis non
ferat.

Das ist:

Vnser Leben zu dieser frist/
So voller Angst vnd Jammers ist/
Daß nichts so arg erdencken kan
Jemand/ dem er nicht vnterthan.

Vnd Democritus der weitberühmbte/ hochgelährte
Herr/ ließ dem Könige Xerxi, welcher durch eine an-
sehenliche Legation, daß er sein verstorbenes schönes
Gemahl wieder lebendig machen wolte/ jhn anspre-
chen/ vnd freundlichen ersuchen thete/ wieder sagen/
daß er jhm solches wol zu thun getrawete/ wofern der
König dreyssig Namen derer/ so ohn alles Creutz/ Vn-
ruhe vnd Vnglück/ das dreyssigste Jahr jhres Alters
erreichet hetten/ jhm auffgezeichnet vbersendete. Da-
mit der weise Mann höflichen zu verstehen gab/ daß
diese beyde dinge durchaus den Menschen vnmöglichen
weren: I. Die Verstorbenen wieder lebendig zu
machen. II. Vnd ohne Mühe/ Creutz vnd Wieder-
wertigkeit/ sein Leben hin zubringen vnd zu vollen-

den:

Chriſtliche Leichredigt.
Leiden/ wann es jhm vbel gehet/ das vbrige aber/ vol-
ler Koths/ Stancks vnd Vnflats/ vnd ein gebrechli-
cher/ duͤrffeiger vnd elender Madenſack. Gleicher-
maſſen leſſet ſich auch Euripides verlauten: Vitam
hanc miſeram atque caducam, tantis repletam eſſe
malis, ut nullum tàm grave poſsit dici verbum,
neque affectio, cujus molem natura hominis non
ferat.

Das iſt:

Vnſer Leben zu dieſer friſt/
So voller Angſt vnd Jammers iſt/
Daß nichts ſo arg erdencken kan
Jemand/ dem er nicht vnterthan.

Vnd Democritus der weitberuͤhmbte/ hochgelaͤhrte
Herr/ ließ dem Koͤnige Xerxi, welcher durch eine an-
ſehenliche Legation, daß er ſein verſtorbenes ſchoͤnes
Gemahl wieder lebendig machen wolte/ jhn anſpre-
chen/ vnd freundlichen erſuchen thete/ wieder ſagen/
daß er jhm ſolches wol zu thun getrawete/ wofern der
Koͤnig dreyſſig Namen derer/ ſo ohn alles Creutz/ Vn-
ruhe vnd Vngluͤck/ das dreyſſigſte Jahr jhres Alters
erreichet hetten/ jhm auffgezeichnet vberſendete. Da-
mit der weiſe Mann hoͤflichen zu verſtehen gab/ daß
dieſe beyde dinge durchaus den Menſchen vnmoͤglichen
weren: I. Die Verſtorbenen wieder lebendig zu
machen. II. Vnd ohne Muͤhe/ Creutz vnd Wieder-
wertigkeit/ ſein Leben hin zubringen vnd zu vollen-

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[35/0039] Chriſtliche Leichredigt. Leiden/ wann es jhm vbel gehet/ das vbrige aber/ vol- ler Koths/ Stancks vnd Vnflats/ vnd ein gebrechli- cher/ duͤrffeiger vnd elender Madenſack. Gleicher- maſſen leſſet ſich auch Euripides verlauten: Vitam hanc miſeram atque caducam, tantis repletam eſſe malis, ut nullum tàm grave poſsit dici verbum, neque affectio, cujus molem natura hominis non ferat. Das iſt: Vnſer Leben zu dieſer friſt/ So voller Angſt vnd Jammers iſt/ Daß nichts ſo arg erdencken kan Jemand/ dem er nicht vnterthan. Vnd Democritus der weitberuͤhmbte/ hochgelaͤhrte Herr/ ließ dem Koͤnige Xerxi, welcher durch eine an- ſehenliche Legation, daß er ſein verſtorbenes ſchoͤnes Gemahl wieder lebendig machen wolte/ jhn anſpre- chen/ vnd freundlichen erſuchen thete/ wieder ſagen/ daß er jhm ſolches wol zu thun getrawete/ wofern der Koͤnig dreyſſig Namen derer/ ſo ohn alles Creutz/ Vn- ruhe vnd Vngluͤck/ das dreyſſigſte Jahr jhres Alters erreichet hetten/ jhm auffgezeichnet vberſendete. Da- mit der weiſe Mann hoͤflichen zu verſtehen gab/ daß dieſe beyde dinge durchaus den Menſchen vnmoͤglichen weren: I. Die Verſtorbenen wieder lebendig zu machen. II. Vnd ohne Muͤhe/ Creutz vnd Wieder- wertigkeit/ ſein Leben hin zubringen vnd zu vollen- den:

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Zitationshilfe: Droschki, Wolfgang: Gaykypikron [gr.] Wider die betrübte bittere TrawerKlage. Leipzig, 1615, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/524584/39>, abgerufen am 04.03.2024.