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Eckard, Melchior: Eine Christliche Leichpredigt. Leipzig, 1601.

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Chrjstliche Leichpredigt.
vnd dergestalt/ daß/ ob jhn gleich Gott der Herr mit
viel creutz vnd trübsal beleget vnd heimsucht/ er dennoch
ein so trewes hertz habe/ das er auch mitten in seinem creutz
vnd trübsal/ wo vnd wie er kan vnd mag/ nicht auffhöre
mit trost/ rath vnd hülffe seinem nehesten dienstlich vnd för-
derlich zu sein. Laß dich das böse nicht vberwinden/ son-
dern vberwinde das böse mit gutem. Das ist ein recht trew-
es hertz/ welches freylich ist aller ehren werth. Vnd wer
nun solche trew seinem Nehesten beweiset/ deme sol derglei-
chen auch von andern widerfahren/ wie Syrach fein da-
uon zu reden weiß/ cap. 6. Ein trewer freund ist ein trost
des lebens/ wer Gott fürchtet/ der krieget solchen freund.
Dann wer Gott fürchtet/ dem wirds gelingen mit frew-
den/ vnd wie er ist/ so wird sein freund auch sein. Als wolt
er sagen: Trew wird mit trew belohnet/ Vntrew aber
wird mit vntrew wider bezahlet/ denn ein vntrew Pferd
c.
Per prudentian
& circumspe.
ctationem.
schleget seinen eigenen Herrn. 3. Zum dritten/ sol ein
Christenmensch in seinem Creutz vnd trübsal/ die vbung
gegen dem Nechsten auch anstellen durch vorsichtigkeit
vnd bescheidenheit. Denn so lange der mensch ohne anstoß
vnd vnglück ist/ so lange er gute tage hat/ vnd in aller
frewden vnd wollust lebet vnd schwebet/ so lange hat er viel
freunde/ die es alle gut mit jhm meinen. Aber wenn das
vnglück auff breitem fusse einher wallet/ vnd ein Creutz
das ander jaget/ gleich wie im Wasser eine Woge vnd
Wälle die andere/ da lernet er erst mercken/ welches be-
stendige trewe freunde sein/ vnd welche Schwalben art
an sich haben. Von welchen Syrach sagt cap. 6. Ver-
trawe keinem freunde/ du habest jhn denn erkandt in der
noth/ denn es sein viel freunde/ weil sie es geniessen kön-

nen/

Chrjſtliche Leichpredigt.
vnd dergeſtalt/ daß/ ob jhn gleich Gott der Herr mit
viel creutz vnd truͤbſal beleget vnd heimſucht/ er dennoch
ein ſo trewes hertz habe/ das er auch mitten in ſeinem creutz
vnd truͤbſal/ wo vnd wie er kan vnd mag/ nicht auffhoͤre
mit troſt/ rath vnd huͤlffe ſeinem neheſten dienſtlich vnd foͤr-
derlich zu ſein. Laß dich das boͤſe nicht vberwinden/ ſon-
dern vberwinde das boͤſe mit gutem. Das iſt ein recht trew-
es hertz/ welches freylich iſt aller ehren werth. Vnd wer
nun ſolche trew ſeinem Neheſten beweiſet/ deme ſol derglei-
chen auch von andern widerfahren/ wie Syrach fein da-
uon zu reden weiß/ cap. 6. Ein trewer freund iſt ein troſt
des lebens/ wer Gott fuͤrchtet/ der krieget ſolchen freund.
Dann wer Gott fuͤrchtet/ dem wirds gelingen mit frew-
den/ vnd wie er iſt/ ſo wird ſein freund auch ſein. Als wolt
er ſagen: Trew wird mit trew belohnet/ Vntrew aber
wird mit vntrew wider bezahlet/ denn ein vntrew Pferd
c.
Per prudentiã
& circumſpe.
ctationem.
ſchleget ſeinen eigenen Herrn. 3. Zum dritten/ ſol ein
Chriſtenmenſch in ſeinem Creutz vnd truͤbſal/ die vbung
gegen dem Nechſten auch anſtellen durch vorſichtigkeit
vnd beſcheidenheit. Denn ſo lange der menſch ohne anſtoß
vnd vngluͤck iſt/ ſo lange er gute tage hat/ vnd in aller
frewden vnd wolluſt lebet vnd ſchwebet/ ſo lange hat er viel
freunde/ die es alle gut mit jhm meinen. Aber wenn das
vngluͤck auff breitem fuſſe einher wallet/ vnd ein Creutz
das ander jaget/ gleich wie im Waſſer eine Woge vnd
Waͤlle die andere/ da lernet er erſt mercken/ welches be-
ſtendige trewe freunde ſein/ vnd welche Schwalben art
an ſich haben. Von welchen Syrach ſagt cap. 6. Ver-
trawe keinem freunde/ du habeſt jhn denn erkandt in der
noth/ denn es ſein viel freunde/ weil ſie es genieſſen koͤn-

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[[24]/0024] Chrjſtliche Leichpredigt. vnd dergeſtalt/ daß/ ob jhn gleich Gott der Herr mit viel creutz vnd truͤbſal beleget vnd heimſucht/ er dennoch ein ſo trewes hertz habe/ das er auch mitten in ſeinem creutz vnd truͤbſal/ wo vnd wie er kan vnd mag/ nicht auffhoͤre mit troſt/ rath vnd huͤlffe ſeinem neheſten dienſtlich vnd foͤr- derlich zu ſein. Laß dich das boͤſe nicht vberwinden/ ſon- dern vberwinde das boͤſe mit gutem. Das iſt ein recht trew- es hertz/ welches freylich iſt aller ehren werth. Vnd wer nun ſolche trew ſeinem Neheſten beweiſet/ deme ſol derglei- chen auch von andern widerfahren/ wie Syrach fein da- uon zu reden weiß/ cap. 6. Ein trewer freund iſt ein troſt des lebens/ wer Gott fuͤrchtet/ der krieget ſolchen freund. Dann wer Gott fuͤrchtet/ dem wirds gelingen mit frew- den/ vnd wie er iſt/ ſo wird ſein freund auch ſein. Als wolt er ſagen: Trew wird mit trew belohnet/ Vntrew aber wird mit vntrew wider bezahlet/ denn ein vntrew Pferd ſchleget ſeinen eigenen Herrn. 3. Zum dritten/ ſol ein Chriſtenmenſch in ſeinem Creutz vnd truͤbſal/ die vbung gegen dem Nechſten auch anſtellen durch vorſichtigkeit vnd beſcheidenheit. Denn ſo lange der menſch ohne anſtoß vnd vngluͤck iſt/ ſo lange er gute tage hat/ vnd in aller frewden vnd wolluſt lebet vnd ſchwebet/ ſo lange hat er viel freunde/ die es alle gut mit jhm meinen. Aber wenn das vngluͤck auff breitem fuſſe einher wallet/ vnd ein Creutz das ander jaget/ gleich wie im Waſſer eine Woge vnd Waͤlle die andere/ da lernet er erſt mercken/ welches be- ſtendige trewe freunde ſein/ vnd welche Schwalben art an ſich haben. Von welchen Syrach ſagt cap. 6. Ver- trawe keinem freunde/ du habeſt jhn denn erkandt in der noth/ denn es ſein viel freunde/ weil ſie es genieſſen koͤn- nen/ c. Per prudentiã & circumſpe. ctationem.

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Zitationshilfe: Eckard, Melchior: Eine Christliche Leichpredigt. Leipzig, 1601, S. [24]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/510288/24>, abgerufen am 17.04.2024.