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Herr, Johannes: Desiderium sanctorum. Frankfurt (Oder), 1659.

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Christliche Leichpredigt.

Das ist unsers Seel. Herrn Kerners einiger Hertz-
wundsch gewesen: HErr wenn ich nur dich habe/ so
habe Jch alles. Jst darauff im HErrn Jesu sanfft
und seuberlich eingeschlaffen. Das ist eines.

II.
Verba
Creaturis
renunci-
antia.
Zum II. Finden wir in unserm verlesenen Text
Verba Creaturis renunciantia, solche worte/ mit wel-
chen Assaph oder David sich begiebet des Himmels/
und der Erden/ ja sich seines Leibes und Lebens verzei-
het. Modo te habeam, wenn ich nur dich/ HErr/ ha-
be/ so frage ich nichts nach Himmel und Erden/ wenn
mir gleich Leib und Seele verschmachtet.

a.
Polo.
Sehet/ meine lieben/ Assaph begiebet sich hier auch
des Himmels. Jch frage nichts nach dem Himmel/
spricht Er. Das ist eine seltzame rede. Andere wenn
Ps. 121, 1.
Phil.
3, 20.
sie in der Angstpresse stecken/ so heben sie ihre Augen auf
gen Himmel/ und sagen mit Paulo: Vnser wandel ist
im Himmel. Sie erinnern sich der worte Christi: Seyd
Matth. 5.
12.
frölich und getrost/ im Himmel wird euch alles belohnet
werden.

Wie kommt denn Assaph darauff/ das Er sagt/ ich
frage nichts nach dem Himmel? O Assaph/ du Mann
GOttes/ siehestu nicht/ wie schöne der Himmel ist? Wie
die Sternen daran fünckeln und leuchten? Wie die
Ps. 115. 16.
Esai.
66, 1.
Planeten ihre Sphaeren und Circul so ordentlich durch-
lauffen? Weissestu nicht/ das der Himmel GOttes Re-
sidentz
und wohnung ist? Jst dir unbekandt/ das im
Dan. 7, 10.
Hebr. 12,
22. 23.
Apoc.
7. 9.
Himmel so viel tausendmahl tausend H. Engel und
ausserwehlten sind?

Warumb sagstu denn/ ich achte des Himmels
nicht? Worauff zuwissen/ daß das wort Himmel nicht

in
Chriſtliche Leichpredigt.

Das iſt unſers Seel. Herrn Kerners einiger Hertz-
wundſch geweſen: HErr wenn ich nur dich habe/ ſo
habe Jch alles. Jſt darauff im HErrn Jeſu ſanfft
und ſeuberlich eingeſchlaffen. Das iſt eines.

II.
Verba
Creaturis
renunci-
antia.
Zum II. Finden wir in unſerm verleſenen Text
Verba Creaturis renunciantia, ſolche worte/ mit wel-
chen Aſſaph oder David ſich begiebet des Himmels/
und der Erden/ ja ſich ſeines Leibes und Lebens verzei-
het. Modo te habeam, wenn ich nur dich/ HErr/ ha-
be/ ſo frage ich nichts nach Himmel und Erden/ wenn
mir gleich Leib und Seele verſchmachtet.

a.
Polo.
Sehet/ meine lieben/ Aſſaph begiebet ſich hier auch
des Himmels. Jch frage nichts nach dem Himmel/
ſpricht Er. Das iſt eine ſeltzame rede. Andere wenn
Pſ. 121, 1.
Phil.
3, 20.
ſie in der Angſtpreſſe ſtecken/ ſo heben ſie ihre Augen auf
gen Himmel/ und ſagen mit Paulo: Vnſer wandel iſt
im Him̃el. Sie erinnern ſich der worte Chriſti: Seyd
Matth. 5.
12.
froͤlich und getroſt/ im Himmel wird euch alles belohnet
werden.

Wie kom̃t denn Aſſaph darauff/ das Er ſagt/ ich
frage nichts nach dem Himmel? O Aſſaph/ du Mann
GOttes/ ſieheſtu nicht/ wie ſchoͤne der Himmel iſt? Wie
die Sternen daran fuͤnckeln und leuchten? Wie die
Pſ. 115. 16.
Eſai.
66, 1.
Planeten ihre Sphæren und Circul ſo ordentlich durch-
lauffen? Weiſſeſtu nicht/ das der Himmel GOttes Re-
ſidentz
und wohnung iſt? Jſt dir unbekandt/ das im
Dan. 7, 10.
Hebr. 12,
22. 23.
Apoc.
7. 9.
Himmel ſo viel tauſendmahl tauſend H. Engel und
auſſerwehlten ſind?

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nicht? Worauff zuwiſſen/ daß das wort Himmel nicht

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Zitationshilfe: Herr, Johannes: Desiderium sanctorum. Frankfurt (Oder), 1659, S. [20]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/360677/20>, abgerufen am 17.04.2024.