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Böttner, Kaspar Damian: Geistlicher Hirschen Zustand. Zittau, [1664].

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Stand-Predigt.
und daß man bete mit den Gedancken und Seuf-
tzen/ wie von den Kindern Israel geschrieben ste-
hee Exod.2. daß sie geseuftzet haben über ihre Ar-Exod. 2, 23
beit/ und geschrien/ und ihr Geschrey sey zu Gott
kommen/ wie auch Gott zu Mose sagte Exod. 14.Exo. 14, 15.
Was schreyestu zu mir? DaEr doch nicht einWort
geredet hatte/ und von den Israeliten wird ferner
gesaget Thren 2. daß ihr Hertz zum Herren geschri-Thren. 2, 18
en habe. So saget auch Sirach im 35. von denSir. 35, 18.
Thränen der Witwen/ daß sie/ wenn sie nemlich
aus einem andächtigen Hertzen qvellen/ durch die
Wolcken dringen/ und zu Gott schreyen.

Ein solches schreyendes Hirschlein haben wir
auch an der für unsern Augen eingesargten seligen
Jungfr. Axlebin gehabt/ welche in ihrer vielfälti-
gen Creutz-Hitze nicht wieder Gott gemurret/ son-
dern ein Geschrey nach dem andern erhoben/ aber
nicht aus Ungedult/ (denn Sie in Warheit ein
rechtes Muster der lieben Gedult gewesen/) son-
dern in Christlicher Gedult und gläubiger Zuver-
sicht/ und/ wie Sie sich von Jugend auf gewehnet
hatte/ ihren lieben Gott umb Rettung angeruf-
fen. Wie Sie denn sonderlich in Ihrer letzten
Niederlage Ihr andächtiges Hirschen-Geschrey
fleißig getrieben. Wie verlangete Sie desMor-
gens und Abends nach dem lieben Gebeth/ wie
gab Sie mit so andächtigen Gebärden zu verfte-
hen/ daß Ihr Hertz mit dem Munde übereinstim-
mete/ Ja wie kunte Sie/ wenn Sie Schwachheit
halben mit dem Munde nicht schreyen kunte/ mit
tief-geholten Seuftzen und gen Himmel gewende-
ten Augen und Händen weisen/ daß Ihre Seele zu
Gott schrie.

O last

Stand-Predigt.
und daß man bete mit den Gedancken und Seuf-
tzen/ wie von den Kindern Iſrael geſchrieben ſte-
hee Exod.2. daß ſie geſeuftzet haben uͤber ihre Ar-Exod. 2, 23
beit/ und geſchrien/ und ihr Geſchrey ſey zu Gott
kommen/ wie auch Gott zu Moſe ſagte Exod. 14.Exo. 14, 15.
Was ſchreyeſtu zu mir? DaEr doch nicht einWort
geredet hatte/ und von den Iſraeliten wird ferner
geſaget Thren 2. daß ihr Hertz zum Herren geſchri-Thren. 2, 18
en habe. So ſaget auch Sirach im 35. von denSir. 35, 18.
Thraͤnen der Witwen/ daß ſie/ wenn ſie nemlich
aus einem andaͤchtigen Hertzen qvellen/ durch die
Wolcken dringen/ und zu Gott ſchreyen.

Ein ſolches ſchreyendes Hirſchlein haben wir
auch an der fuͤr unſern Augen eingeſargten ſeligen
Jungfr. Axlebin gehabt/ welche in ihrer vielfaͤlti-
gen Creutz-Hitze nicht wieder Gott gemurret/ ſon-
dern ein Geſchrey nach dem andern erhoben/ aber
nicht aus Ungedult/ (denn Sie in Warheit ein
rechtes Muſter der lieben Gedult geweſen/) ſon-
dern in Chriſtlicher Gedult und glaͤubiger Zuver-
ſicht/ und/ wie Sie ſich von Jugend auf gewehnet
hatte/ ihren lieben Gott umb Rettung angeruf-
fen. Wie Sie denn ſonderlich in Ihrer letzten
Niederlage Ihr andaͤchtiges Hirſchen-Geſchrey
fleißig getrieben. Wie verlangete Sie desMor-
gens und Abends nach dem lieben Gebeth/ wie
gab Sie mit ſo andaͤchtigen Gebaͤrden zu verfte-
hen/ daß Ihr Hertz mit dem Munde uͤbereinſtim-
mete/ Ja wie kunte Sie/ wenn Sie Schwachheit
halben mit dem Munde nicht ſchreyen kunte/ mit
tief-geholten Seuftzen und gen Himmel gewende-
ten Augen und Haͤnden weiſen/ daß Ihre Seele zu
Gott ſchrie.

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[0015] Stand-Predigt. und daß man bete mit den Gedancken und Seuf- tzen/ wie von den Kindern Iſrael geſchrieben ſte- hee Exod.2. daß ſie geſeuftzet haben uͤber ihre Ar- beit/ und geſchrien/ und ihr Geſchrey ſey zu Gott kommen/ wie auch Gott zu Moſe ſagte Exod. 14. Was ſchreyeſtu zu mir? DaEr doch nicht einWort geredet hatte/ und von den Iſraeliten wird ferner geſaget Thren 2. daß ihr Hertz zum Herren geſchri- en habe. So ſaget auch Sirach im 35. von den Thraͤnen der Witwen/ daß ſie/ wenn ſie nemlich aus einem andaͤchtigen Hertzen qvellen/ durch die Wolcken dringen/ und zu Gott ſchreyen. Exod. 2, 23 Exo. 14, 15. Thren. 2, 18 Sir. 35, 18. Ein ſolches ſchreyendes Hirſchlein haben wir auch an der fuͤr unſern Augen eingeſargten ſeligen Jungfr. Axlebin gehabt/ welche in ihrer vielfaͤlti- gen Creutz-Hitze nicht wieder Gott gemurret/ ſon- dern ein Geſchrey nach dem andern erhoben/ aber nicht aus Ungedult/ (denn Sie in Warheit ein rechtes Muſter der lieben Gedult geweſen/) ſon- dern in Chriſtlicher Gedult und glaͤubiger Zuver- ſicht/ und/ wie Sie ſich von Jugend auf gewehnet hatte/ ihren lieben Gott umb Rettung angeruf- fen. Wie Sie denn ſonderlich in Ihrer letzten Niederlage Ihr andaͤchtiges Hirſchen-Geſchrey fleißig getrieben. Wie verlangete Sie desMor- gens und Abends nach dem lieben Gebeth/ wie gab Sie mit ſo andaͤchtigen Gebaͤrden zu verfte- hen/ daß Ihr Hertz mit dem Munde uͤbereinſtim- mete/ Ja wie kunte Sie/ wenn Sie Schwachheit halben mit dem Munde nicht ſchreyen kunte/ mit tief-geholten Seuftzen und gen Himmel gewende- ten Augen und Haͤnden weiſen/ daß Ihre Seele zu Gott ſchrie. O laſt

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Zitationshilfe: Böttner, Kaspar Damian: Geistlicher Hirschen Zustand. Zittau, [1664], S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/354531/15>, abgerufen am 24.04.2024.