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Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764.

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der Zeit unter den Griechen betrachtet.
gen. Unter so vielen Statuen der Götter, wurden auch die verdienten
Männer, die für ihr Vaterland bis in den Tod gefochten, nicht vergessen;
so gar diejenigen Weiber, die aus Athen mit ihren Kindern nach Trözene
geflüchtet waren, hatten an dieser Unsterblichkeit Theil: denn ihre Statuen
standen in einer Halle in besagter Stadt 1).

Die berühmtesten Bildhauer dieser Zeit waren Ageladas, von Ar-f.
Künstler aus
dieser Zeit.

gos, der Meister des Polycletus; Onatas, aus Regina, welcher die
Statue Königs Gelo von Syracus, auf einen Wagen mit Pferden vom
Calamis gearbeitet, machte; und Agenor ist unsterblich geworden durch
die Statuen ewiger Freunde und Befreyer ihres Vaterlandes, des Har-
modius und Aristogiton, die in dem ersten Jahre der sieben und siebenzig-
sten Olympias gesetzet wurden, nachdem ihre Statuen von Erzt, die man
ihnen vier Jahre nach Ermordung des Tyrannen aufrichtete, von den Per-
sern war weggeführet worden 2). Glaucias, von Aegina, machte die
Statue des berühmten Theagenes von Thasus, welcher tausend und drey-
hundert Kränze über eben so viel Siege in den Spielen in Griechenland er-
langet hatte 3). Von der Kunst aus dieser Zeit zeugen die Münzen Kö-
nigs Gelo zu Syracus, und eine in Golde, ist eine der ältesten gegenwär-
tigen Münzen in diesem Metalle 4). Das Alter der ältesten Atheniensi-
schen Münzen ist nicht zu bestimmen, aber der Stil der Arbeit kann den
P. Harduin widerlegen, welcher vorgiebt, daß keine von denselben vor
dem Könige Philippus in Macedonien gepräget worden: denn es finden
sich Münzen von einem sehr unförmlichen Gepräge. Die schönste Münze
von Athen, welche ich gesehen, ist ein sogenannter Quinarius in Gold,
in dem Königl. Farnesischen Museo des Königs von Sicilien. Boze

giebt
1) Pausan. L. 2. p. 185. l. 13.
2) Lydiat. ad Marm. Arund. p. 275. Prideaux ad id. Marm. p. 437. ed. Mait.
3) Pausan. L. 6. p. 478. l. 19.
4) Hardouin dans les Mem. de Trev. l'an. 1727. p. 1449.

der Zeit unter den Griechen betrachtet.
gen. Unter ſo vielen Statuen der Goͤtter, wurden auch die verdienten
Maͤnner, die fuͤr ihr Vaterland bis in den Tod gefochten, nicht vergeſſen;
ſo gar diejenigen Weiber, die aus Athen mit ihren Kindern nach Troͤzene
gefluͤchtet waren, hatten an dieſer Unſterblichkeit Theil: denn ihre Statuen
ſtanden in einer Halle in beſagter Stadt 1).

Die beruͤhmteſten Bildhauer dieſer Zeit waren Ageladas, von Ar-f.
Kuͤnſtler aus
dieſer Zeit.

gos, der Meiſter des Polycletus; Onatas, aus Regina, welcher die
Statue Koͤnigs Gelo von Syracus, auf einen Wagen mit Pferden vom
Calamis gearbeitet, machte; und Agenor iſt unſterblich geworden durch
die Statuen ewiger Freunde und Befreyer ihres Vaterlandes, des Har-
modius und Ariſtogiton, die in dem erſten Jahre der ſieben und ſiebenzig-
ſten Olympias geſetzet wurden, nachdem ihre Statuen von Erzt, die man
ihnen vier Jahre nach Ermordung des Tyrannen aufrichtete, von den Per-
ſern war weggefuͤhret worden 2). Glaucias, von Aegina, machte die
Statue des beruͤhmten Theagenes von Thaſus, welcher tauſend und drey-
hundert Kraͤnze uͤber eben ſo viel Siege in den Spielen in Griechenland er-
langet hatte 3). Von der Kunſt aus dieſer Zeit zeugen die Muͤnzen Koͤ-
nigs Gelo zu Syracus, und eine in Golde, iſt eine der aͤlteſten gegenwaͤr-
tigen Muͤnzen in dieſem Metalle 4). Das Alter der aͤlteſten Athenienſi-
ſchen Muͤnzen iſt nicht zu beſtimmen, aber der Stil der Arbeit kann den
P. Harduin widerlegen, welcher vorgiebt, daß keine von denſelben vor
dem Koͤnige Philippus in Macedonien gepraͤget worden: denn es finden
ſich Muͤnzen von einem ſehr unfoͤrmlichen Gepraͤge. Die ſchoͤnſte Muͤnze
von Athen, welche ich geſehen, iſt ein ſogenannter Quinarius in Gold,
in dem Koͤnigl. Farneſiſchen Muſeo des Koͤnigs von Sicilien. Boze

giebt
1) Pauſan. L. 2. p. 185. l. 13.
2) Lydiat. ad Marm. Arund. p. 275. Prideaux ad id. Marm. p. 437. ed. Mait.
3) Pauſan. L. 6. p. 478. l. 19.
4) Hardouin dans les Mem. de Trev. l’an. 1727. p. 1449.
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[327/0015] der Zeit unter den Griechen betrachtet. gen. Unter ſo vielen Statuen der Goͤtter, wurden auch die verdienten Maͤnner, die fuͤr ihr Vaterland bis in den Tod gefochten, nicht vergeſſen; ſo gar diejenigen Weiber, die aus Athen mit ihren Kindern nach Troͤzene gefluͤchtet waren, hatten an dieſer Unſterblichkeit Theil: denn ihre Statuen ſtanden in einer Halle in beſagter Stadt 1). Die beruͤhmteſten Bildhauer dieſer Zeit waren Ageladas, von Ar- gos, der Meiſter des Polycletus; Onatas, aus Regina, welcher die Statue Koͤnigs Gelo von Syracus, auf einen Wagen mit Pferden vom Calamis gearbeitet, machte; und Agenor iſt unſterblich geworden durch die Statuen ewiger Freunde und Befreyer ihres Vaterlandes, des Har- modius und Ariſtogiton, die in dem erſten Jahre der ſieben und ſiebenzig- ſten Olympias geſetzet wurden, nachdem ihre Statuen von Erzt, die man ihnen vier Jahre nach Ermordung des Tyrannen aufrichtete, von den Per- ſern war weggefuͤhret worden 2). Glaucias, von Aegina, machte die Statue des beruͤhmten Theagenes von Thaſus, welcher tauſend und drey- hundert Kraͤnze uͤber eben ſo viel Siege in den Spielen in Griechenland er- langet hatte 3). Von der Kunſt aus dieſer Zeit zeugen die Muͤnzen Koͤ- nigs Gelo zu Syracus, und eine in Golde, iſt eine der aͤlteſten gegenwaͤr- tigen Muͤnzen in dieſem Metalle 4). Das Alter der aͤlteſten Athenienſi- ſchen Muͤnzen iſt nicht zu beſtimmen, aber der Stil der Arbeit kann den P. Harduin widerlegen, welcher vorgiebt, daß keine von denſelben vor dem Koͤnige Philippus in Macedonien gepraͤget worden: denn es finden ſich Muͤnzen von einem ſehr unfoͤrmlichen Gepraͤge. Die ſchoͤnſte Muͤnze von Athen, welche ich geſehen, iſt ein ſogenannter Quinarius in Gold, in dem Koͤnigl. Farneſiſchen Muſeo des Koͤnigs von Sicilien. Boze giebt f. Kuͤnſtler aus dieſer Zeit. 1) Pauſan. L. 2. p. 185. l. 13. 2) Lydiat. ad Marm. Arund. p. 275. Prideaux ad id. Marm. p. 437. ed. Mait. 3) Pauſan. L. 6. p. 478. l. 19. 4) Hardouin dans les Mem. de Trev. l’an. 1727. p. 1449.

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Zitationshilfe: Winckelmann, Johann Joachim: Geschichte der Kunst des Alterthums. Bd. 2. Dresden, 1764, S. 327. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte02_1764/15>, abgerufen am 17.04.2024.