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Treviranus, Gottfried Reinhold: Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte. Bd. 2. Göttingen, 1803.

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Vorzüglich aber gedeihen die meisten Gewächse auf
Kalkgebirgen. Selbst den Mangel der Wärme ver-
mag ein gewisser Grad von Kalkgehalt des Bodens
einigermassen zu ersetzen, wie die so hoch am kal-
ten Altaischen Gebirge gelegene Gegend von Tige-
räk beweiset, wo das Getreide, das auf den dorti-
gen hohen Kalkbergen gesäet wird, ungemein
schnell heranwächst, und alle wilde Pflanzen zu
einer Riesengrösse gelangen, z. B. Rittersporn,
Geisbart und Brennesseln zu einer Höhe von 12 Fuss,
und der Stamm der Angelica zu einer baumartigen
Dicke (x).

Auch ein salziger Boden befördert das Wachs-
thum aller für ihn passender Pflanzen. Dies zeigt
sich vorzüglich in Egypten, wo nicht nur der Bo-
den, sondern auch die Athmosphäre so mit Salz-
theilen geschwängert ist, dass die Steine allenthal-
halben von Natrum angefressen, und alle feuchte
Oerter voll langer, salpeterähnlicher Salzcrystalle
sind. Hier giebt diese Salzigkeit der Luft und des
Erdbodens, in Verbindung mit der Hitze, den
Pflanzen ein Leben und ein Wachsthum, wovon
der Bewohner des kalten Nordens keinen Begriff
hat. Allenthalben, wo die Gewächse nur Wasser
haben, geschieht ihre Entwickelung mit einer be-

wun-
(x) Pallas Reise durch verschiedene Provinzen des
Russischen Reichs. Th. 2. S. 578. Patrin a. a. O. B. 2.
S. 370.
C 4

Vorzüglich aber gedeihen die meisten Gewächse auf
Kalkgebirgen. Selbst den Mangel der Wärme ver-
mag ein gewisser Grad von Kalkgehalt des Bodens
einigermaſsen zu ersetzen, wie die so hoch am kal-
ten Altaischen Gebirge gelegene Gegend von Tige-
räk beweiset, wo das Getreide, das auf den dorti-
gen hohen Kalkbergen gesäet wird, ungemein
schnell heranwächst, und alle wilde Pflanzen zu
einer Riesengröſse gelangen, z. B. Rittersporn,
Geisbart und Brennesseln zu einer Höhe von 12 Fuſs,
und der Stamm der Angelica zu einer baumartigen
Dicke (x).

Auch ein salziger Boden befördert das Wachs-
thum aller für ihn passender Pflanzen. Dies zeigt
sich vorzüglich in Egypten, wo nicht nur der Bo-
den, sondern auch die Athmosphäre so mit Salz-
theilen geschwängert ist, daſs die Steine allenthal-
halben von Natrum angefressen, und alle feuchte
Oerter voll langer, salpeterähnlicher Salzcrystalle
sind. Hier giebt diese Salzigkeit der Luft und des
Erdbodens, in Verbindung mit der Hitze, den
Pflanzen ein Leben und ein Wachsthum, wovon
der Bewohner des kalten Nordens keinen Begriff
hat. Allenthalben, wo die Gewächse nur Wasser
haben, geschieht ihre Entwickelung mit einer be-

wun-
(x) Pallas Reise durch verschiedene Provinzen des
Russischen Reichs. Th. 2. S. 578. Patrin a. a. O. B. 2.
S. 370.
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[39/0049] Vorzüglich aber gedeihen die meisten Gewächse auf Kalkgebirgen. Selbst den Mangel der Wärme ver- mag ein gewisser Grad von Kalkgehalt des Bodens einigermaſsen zu ersetzen, wie die so hoch am kal- ten Altaischen Gebirge gelegene Gegend von Tige- räk beweiset, wo das Getreide, das auf den dorti- gen hohen Kalkbergen gesäet wird, ungemein schnell heranwächst, und alle wilde Pflanzen zu einer Riesengröſse gelangen, z. B. Rittersporn, Geisbart und Brennesseln zu einer Höhe von 12 Fuſs, und der Stamm der Angelica zu einer baumartigen Dicke (x). Auch ein salziger Boden befördert das Wachs- thum aller für ihn passender Pflanzen. Dies zeigt sich vorzüglich in Egypten, wo nicht nur der Bo- den, sondern auch die Athmosphäre so mit Salz- theilen geschwängert ist, daſs die Steine allenthal- halben von Natrum angefressen, und alle feuchte Oerter voll langer, salpeterähnlicher Salzcrystalle sind. Hier giebt diese Salzigkeit der Luft und des Erdbodens, in Verbindung mit der Hitze, den Pflanzen ein Leben und ein Wachsthum, wovon der Bewohner des kalten Nordens keinen Begriff hat. Allenthalben, wo die Gewächse nur Wasser haben, geschieht ihre Entwickelung mit einer be- wun- (x) Pallas Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reichs. Th. 2. S. 578. Patrin a. a. O. B. 2. S. 370. C 4

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Zitationshilfe: Treviranus, Gottfried Reinhold: Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte. Bd. 2. Göttingen, 1803, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/treviranus_biologie02_1803/49>, abgerufen am 13.05.2021.