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Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691.

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Vorrede.
sagen an die exercitia, sondern an den Wein-
Keller und compagnie als auff collegia
wendet/ nicht zuhoffen/ uud die generosität/ die
bey alten Leuten nicht gar zuhäuffig anzutref-
fen ist/ bey der Jugend durchgehends nicht prae-
sumi
ret werden darff; andere inconvenien-
tien
zugeschweigen. Wannenhero ich mich
nach einigen überlegen resolviret/ die Sache
auff folgende Weise anzugreiffen.

2. Zu der einen Stunde dieses Collegii
werde ich jedermann zulassen/ er sey arm oder
reich/ mitlern oder grossen Vermögens/ der nu-
merus
mag seyn so wenig oder so groß als er
will/ weil ich in derselbigen bloß zu discuriren
gesonnen bin. Jch werde für diese Stunde
durchgehends ein billiches/ und zwischen denn
Hohen und Niedrigen temperirtes honora-
rium
fordern; mit denenjenigen aber/ die so
unvermögen sind/ daß sie solches nicht geben
können/ werde ich nicht anfangen zu handeln/ o-
der qvid pro quo zunehmen/ sondern/ wenn
sie mir dieses ihr Unvermögen/ wie nöthig/ be-
scheinigen werden/ will ich sie für arm paßiren/
und ihnen mein collegium umbsonst zubesu-
chen zulassen. Damit es auch nicht das An-
sehen gewinnen möge/ ob suchte ich junge Leute/

mit
A 2

Vorrede.
ſagen an die exercitia, ſondern an den Wein-
Keller und compagnie als auff collegia
wendet/ nicht zuhoffen/ uud die generoſitaͤt/ die
bey alten Leuten nicht gar zuhaͤuffig anzutref-
fen iſt/ bey der Jugend durchgehends nicht præ-
ſumi
ret werden darff; andere inconvenien-
tien
zugeſchweigen. Wannenhero ich mich
nach einigen uͤberlegen reſolviret/ die Sache
auff folgende Weiſe anzugreiffen.

2. Zu der einen Stunde dieſes Collegii
werde ich jedermann zulaſſen/ er ſey arm oder
reich/ mitlern oder groſſen Vermoͤgens/ der nu-
merus
mag ſeyn ſo wenig oder ſo groß als er
will/ weil ich in derſelbigen bloß zu diſcuriren
geſonnen bin. Jch werde fuͤr dieſe Stunde
durchgehends ein billiches/ und zwiſchen denn
Hohen und Niedrigen temperirtes honora-
rium
fordern; mit denenjenigen aber/ die ſo
unvermoͤgen ſind/ daß ſie ſolches nicht geben
koͤnnen/ werde ich nicht anfangen zu handeln/ o-
der qvid pro quo zunehmen/ ſondern/ wenn
ſie mir dieſes ihr Unvermoͤgen/ wie noͤthig/ be-
ſcheinigen werden/ will ich ſie fuͤr arm paßiren/
und ihnen mein collegium umbſonſt zubeſu-
chen zulaſſen. Damit es auch nicht das An-
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[3/0021] Vorrede. ſagen an die exercitia, ſondern an den Wein- Keller und compagnie als auff collegia wendet/ nicht zuhoffen/ uud die generoſitaͤt/ die bey alten Leuten nicht gar zuhaͤuffig anzutref- fen iſt/ bey der Jugend durchgehends nicht præ- ſumiret werden darff; andere inconvenien- tien zugeſchweigen. Wannenhero ich mich nach einigen uͤberlegen reſolviret/ die Sache auff folgende Weiſe anzugreiffen. 2. Zu der einen Stunde dieſes Collegii werde ich jedermann zulaſſen/ er ſey arm oder reich/ mitlern oder groſſen Vermoͤgens/ der nu- merus mag ſeyn ſo wenig oder ſo groß als er will/ weil ich in derſelbigen bloß zu diſcuriren geſonnen bin. Jch werde fuͤr dieſe Stunde durchgehends ein billiches/ und zwiſchen denn Hohen und Niedrigen temperirtes honora- rium fordern; mit denenjenigen aber/ die ſo unvermoͤgen ſind/ daß ſie ſolches nicht geben koͤnnen/ werde ich nicht anfangen zu handeln/ o- der qvid pro quo zunehmen/ ſondern/ wenn ſie mir dieſes ihr Unvermoͤgen/ wie noͤthig/ be- ſcheinigen werden/ will ich ſie fuͤr arm paßiren/ und ihnen mein collegium umbſonſt zubeſu- chen zulaſſen. Damit es auch nicht das An- ſehen gewinnen moͤge/ ob ſuchte ich junge Leute/ mit A 2

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_einleitungvernufftlehre_1691/21>, abgerufen am 01.03.2024.