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Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste. Bd. 1. Leipzig, 1771.

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Aca
ner Seite bestrichenes Papier, zwischen das Origi-
nal und das Blatt, auf welches die Abzeichnung
kommen soll; mit einem feinen Stifte von Silber,
Elfenbein oder hartem Holze, fährt man mit mäßi-
gem drucken über die Striche des Originals, wel-
che sich dadurch von dem gefärbten Papier auf das
untere Blatt abdrucken. Noch kürzer wäre es,
wenn man ohne das Mittelblatt gleich die Original
Zeichnung auf der unrechten Seite färbte. Auf
diese Art wird die Zeichnung auch auf den Grund
einer Kupferplatte getragen.

Was auf diese Art abgezeichnet ist, wird, nach-
dem es geäzt und von der Platte abgedruckt wor-
den, verkehrt vorgestellt. Nämlich, was im Original
die rechte Seite ausmacht, ist im Abdruck die linke.
Und daher kommt es, daß in so manchem Kupfer die
Degen an der rechten Hüfte hängen, oder mit der
linken Hand gezogen werden. Will man dieses ver-
meiden, so muß man die Originalzeichnung ver-
kehrt auf den Grund tragen. Dieses kan auf fol-
gende Art geschehen. Man bestreicht ein feines
Papier mit Terpentinspiritus, davon wird es
durchsichtig. Wenn es trocken worden, so legt
man daßelbe auf die Originalzeichnung, die als-
denn sehr klar durchscheinet, so daß sie mit Dusch
oder einer andern Farbe auf das Oelpapier
kann abgezeichnet werden. Legt man nun diese
Zeichnung verkehrt auf den Grund der Kupferplat-
te und zeichnet sie, nach der vorher beschriebenen Me-
thode, noch einmal ab, so werden die Abdrücke so
wie die Originalzeichnung.

Academien.
(Zeichnende Künste.)

Oeffentliche Anstalten, in welchen die Jugend in
allem, was zum Zeichnen gehört, unterrichtet
wird. Sie werden insgemein Mahleracademien
genennet, obgleich nicht das eigentliche Mahlen,
sondern das Zeichnen darin fürnehmlich gelehrt wird.
Diese Anstalten sind, so wie die Schulen der Ge-
lehrsamkeit und der Wissenschaften, mit einer hin-
länglichen Anzahl Lehrer versehen, die den Titel der
Profeßoren haben. Diese unterrichten die Jugend
in allen Theilen der Zeichnungskunst, vornehmlich
aber in dem wichtigsten Theil derselben, der
Zeichnung der Figuren oder der menschlichen
Gestalt. Diese ist der wesentliche Theil der Kunst
des Mahlers, des Bildhauers, des Stein- und
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Aca
Stempelschneiders und auch des Kupferstechers;
deßwegen dienet die Academie den Schülern aller
dieser Künste.

Ohne Kentnis der Knochen, und der vor-
nehmsten Muskeln des menschlichen Körpers, kan
die Zeichnungskunst deßelben nicht vollkommen seyn,
und ohne die Wissenschaft der Perspective können
weder historische Gemälde noch Landschaften ganz
richtig gezeichnet werden; deßwegen hat die Acade-
mie auch einen Lehrer der Anatomie und einen für
die Wissenschaft der Perspective. Zu diesen kommt
endlich auch noch eiu Lehrer der Baukunst, weil gar
ofte ganze Gebäude, oder Theile derselben, auf den
Gemälden vorgestellt werden.

Dieses sind die nothwendigsten Lehrer, welche
nicht nur die Regeln der Kunst vortragen, sondern
die Jugend auch zur Ausübung derselben anführen.
Sollte eine solche Schule ganz vollkommen seyn, so
müssten auch noch für andere, weniger mechanische
Theile der Kunst, Lehrer vorhanden seyn. Derglei-
chen wären; ein Lehrer der Alterthümer, der die Ge-
bräuche, die Sitten, und alles was zum übli-
chen gehört hinlänglich erklärte; ein Lehrer des
Ausdrucks der Leidenschaften, dem auch zugleich
der Unterricht über die Anordnung eines Ge-
mäldes und über das, was zum Geschmack gehört,
könnte aufgetragen werden. Diese Lehrer fehlen
den Academien insgemein, und die Theile der Kunst,
die ihnen hier zugeschrieben sind, werden auf den Aca-
demien nur beyläufig gelehrt.

Die Academie muß hiernächst mit einem guten
Vorrath von Sachen versehen seyn, die zu Erler-
nung der Zeichnungskunst nothwendig sind. Die-
se bestehen vornemlich in folgenden Dingen: Zeich-
nungsbücher, in welchen zuerst die einzele Theile der
Figuren, die Form und Proportion der Köpfe, der
Nasen, Ohren, Augen, u. s. f. hernach ganze
Haupttheile, endlich ganze Figuren zum nachzeich-
nen, in hinlänglicher Abwechslung befindlich sind.
Das Nachzeichnen dieser Originale, ist das erste,
worin die Jugend geübet wird. Auf diese Zeich-
nungsbücher sollten nun Zeichnungen von Figu-
ren folgen, welche nach den vornehmsten Werken
der Kunst gemacht sind; richtige Zeichnungen von
Antiken; auserlesenen Figuren der grössten Meister,
eines Raphael, Michelangelo, der Carrache u. a.
bey deren Nachzeichnung die Jugend schon etwas von
den höhern Theilen der Kunst lernt.

Das

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Aca
ner Seite beſtrichenes Papier, zwiſchen das Origi-
nal und das Blatt, auf welches die Abzeichnung
kommen ſoll; mit einem feinen Stifte von Silber,
Elfenbein oder hartem Holze, faͤhrt man mit maͤßi-
gem drucken uͤber die Striche des Originals, wel-
che ſich dadurch von dem gefaͤrbten Papier auf das
untere Blatt abdrucken. Noch kuͤrzer waͤre es,
wenn man ohne das Mittelblatt gleich die Original
Zeichnung auf der unrechten Seite faͤrbte. Auf
dieſe Art wird die Zeichnung auch auf den Grund
einer Kupferplatte getragen.

Was auf dieſe Art abgezeichnet iſt, wird, nach-
dem es geaͤzt und von der Platte abgedruckt wor-
den, verkehrt vorgeſtellt. Naͤmlich, was im Original
die rechte Seite ausmacht, iſt im Abdruck die linke.
Und daher kommt es, daß in ſo manchem Kupfer die
Degen an der rechten Huͤfte haͤngen, oder mit der
linken Hand gezogen werden. Will man dieſes ver-
meiden, ſo muß man die Originalzeichnung ver-
kehrt auf den Grund tragen. Dieſes kan auf fol-
gende Art geſchehen. Man beſtreicht ein feines
Papier mit Terpentinſpiritus, davon wird es
durchſichtig. Wenn es trocken worden, ſo legt
man daßelbe auf die Originalzeichnung, die als-
denn ſehr klar durchſcheinet, ſo daß ſie mit Duſch
oder einer andern Farbe auf das Oelpapier
kann abgezeichnet werden. Legt man nun dieſe
Zeichnung verkehrt auf den Grund der Kupferplat-
te und zeichnet ſie, nach der vorher beſchriebenen Me-
thode, noch einmal ab, ſo werden die Abdruͤcke ſo
wie die Originalzeichnung.

Academien.
(Zeichnende Kuͤnſte.)

Oeffentliche Anſtalten, in welchen die Jugend in
allem, was zum Zeichnen gehoͤrt, unterrichtet
wird. Sie werden insgemein Mahleracademien
genennet, obgleich nicht das eigentliche Mahlen,
ſondern das Zeichnen darin fuͤrnehmlich gelehrt wird.
Dieſe Anſtalten ſind, ſo wie die Schulen der Ge-
lehrſamkeit und der Wiſſenſchaften, mit einer hin-
laͤnglichen Anzahl Lehrer verſehen, die den Titel der
Profeßoren haben. Dieſe unterrichten die Jugend
in allen Theilen der Zeichnungskunſt, vornehmlich
aber in dem wichtigſten Theil derſelben, der
Zeichnung der Figuren oder der menſchlichen
Geſtalt. Dieſe iſt der weſentliche Theil der Kunſt
des Mahlers, des Bildhauers, des Stein- und
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Aca
Stempelſchneiders und auch des Kupferſtechers;
deßwegen dienet die Academie den Schuͤlern aller
dieſer Kuͤnſte.

Ohne Kentnis der Knochen, und der vor-
nehmſten Muskeln des menſchlichen Koͤrpers, kan
die Zeichnungskunſt deßelben nicht vollkommen ſeyn,
und ohne die Wiſſenſchaft der Perſpective koͤnnen
weder hiſtoriſche Gemaͤlde noch Landſchaften ganz
richtig gezeichnet werden; deßwegen hat die Acade-
mie auch einen Lehrer der Anatomie und einen fuͤr
die Wiſſenſchaft der Perſpective. Zu dieſen kommt
endlich auch noch eiu Lehrer der Baukunſt, weil gar
ofte ganze Gebaͤude, oder Theile derſelben, auf den
Gemaͤlden vorgeſtellt werden.

Dieſes ſind die nothwendigſten Lehrer, welche
nicht nur die Regeln der Kunſt vortragen, ſondern
die Jugend auch zur Ausuͤbung derſelben anfuͤhren.
Sollte eine ſolche Schule ganz vollkommen ſeyn, ſo
muͤſſten auch noch fuͤr andere, weniger mechaniſche
Theile der Kunſt, Lehrer vorhanden ſeyn. Derglei-
chen waͤren; ein Lehrer der Alterthuͤmer, der die Ge-
braͤuche, die Sitten, und alles was zum uͤbli-
chen gehoͤrt hinlaͤnglich erklaͤrte; ein Lehrer des
Ausdrucks der Leidenſchaften, dem auch zugleich
der Unterricht uͤber die Anordnung eines Ge-
maͤldes und uͤber das, was zum Geſchmack gehoͤrt,
koͤnnte aufgetragen werden. Dieſe Lehrer fehlen
den Academien insgemein, und die Theile der Kunſt,
die ihnen hier zugeſchrieben ſind, werden auf den Aca-
demien nur beylaͤufig gelehrt.

Die Academie muß hiernaͤchſt mit einem guten
Vorrath von Sachen verſehen ſeyn, die zu Erler-
nung der Zeichnungskunſt nothwendig ſind. Die-
ſe beſtehen vornemlich in folgenden Dingen: Zeich-
nungsbuͤcher, in welchen zuerſt die einzele Theile der
Figuren, die Form und Proportion der Koͤpfe, der
Naſen, Ohren, Augen, u. ſ. f. hernach ganze
Haupttheile, endlich ganze Figuren zum nachzeich-
nen, in hinlaͤnglicher Abwechslung befindlich ſind.
Das Nachzeichnen dieſer Originale, iſt das erſte,
worin die Jugend geuͤbet wird. Auf dieſe Zeich-
nungsbuͤcher ſollten nun Zeichnungen von Figu-
ren folgen, welche nach den vornehmſten Werken
der Kunſt gemacht ſind; richtige Zeichnungen von
Antiken; auserleſenen Figuren der groͤſſten Meiſter,
eines Raphael, Michelangelo, der Carrache u. a.
bey deren Nachzeichnung die Jugend ſchon etwas von
den hoͤhern Theilen der Kunſt lernt.

Das
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Zitationshilfe: Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste. Bd. 1. Leipzig, 1771, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sulzer_theorie01_1771/20>, abgerufen am 03.08.2021.