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Stieber, Georg Friedrich: Leben Des Hertzogs Magni zu Mecklenburg. Rostock u. a., 1716.

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sertation de Singularibus qvibusdam Mecklenburgi-
cis, c.
3. neune der Mecklenburgischen oder Wen-
dischen Fürsten angemercket/ welche bey ihrer
Hoheit auch eine heilsahme Gelehrsahmkeit belie-
bet haben. GODESCALCUS ein König der Obo-
triten oder Wenden/ welcher im XI. Jahr hun-
dert gelebet/ ist zu Lüneburg im Christlichen
Glauben und guten Wissenschafften unterrichtet;
Er hat die Theologie so hoch geliebet/ daß er sich
nicht geschämet/ seinen Unterthanen so noch meh-
rentheils Heyden waren/ auch mit Gefahr des
Lebens/ das Evangelium in Wendischer Sprache
zu predigen und zu erklähren. Dessen aber mit
mehrerm in der Mecklenburgischen Kirchen-Hi-
storie/ von Stifftung der Christlichen Kirchen
unter den Wenden/ Parte IV. §. 2. ohnlängst ge-
dacht habe. Der ander gelehrte Wendische Fürst
war JOHANNES THEOLOGUS, welcher billig
also genandt/ weil er im XIII. Seculo gantzer
zwantzig Jahr zu Pariß studiret/ und dahero in
der Theologischen Wissenschafft die höchste Eh-
ren-Belohnung auff dasiger Universität anzuneh-
men sich nicht gewegert/ indem er nach beywoh-
nender Klugheit diese Göttliche Wissenschafft
höher hielte/ als das blinde Urtheil der Unver-
ständigen/ welche diesen Herrn desfalls schimpfs-
weise Knees-Janike zu nennen pflegten. Und weil
er wuste/ daß GOtt dem Josua und andern Kö-
nigen des Volcks GOttes/ sonderlich sein Wort
anvertrauet und vor Augen geleget/ so hat er

auch

ſertation de Singularibus qvibusdam Mecklenburgi-
cis, c.
3. neune der Mecklenburgiſchen oder Wen-
diſchen Fuͤrſten angemercket/ welche bey ihrer
Hoheit auch eine heilſahme Gelehrſahmkeit belie-
bet haben. GODESCALCUS ein Koͤnig der Obo-
triten oder Wenden/ welcher im XI. Jahr hun-
dert gelebet/ iſt zu Luͤneburg im Chriſtlichen
Glauben und guten Wiſſenſchafften unterrichtet;
Er hat die Theologie ſo hoch geliebet/ daß er ſich
nicht geſchaͤmet/ ſeinen Unterthanen ſo noch meh-
rentheils Heyden waren/ auch mit Gefahr des
Lebens/ das Evangelium in Wendiſcher Sprache
zu predigen und zu erklaͤhren. Deſſen aber mit
mehrerm in der Mecklenburgiſchen Kirchen-Hi-
ſtorie/ von Stifftung der Chriſtlichen Kirchen
unter den Wenden/ Parte IV. §. 2. ohnlaͤngſt ge-
dacht habe. Der ander gelehrte Wendiſche Fuͤrſt
war JOHANNES THEOLOGUS, welcher billig
alſo genandt/ weil er im XIII. Seculo gantzer
zwantzig Jahr zu Pariß ſtudiret/ und dahero in
der Theologiſchen Wiſſenſchafft die hoͤchſte Eh-
ren-Belohnung auff daſiger Univerſitaͤt anzuneh-
men ſich nicht gewegert/ indem er nach beywoh-
nender Klugheit dieſe Goͤttliche Wiſſenſchafft
hoͤher hielte/ als das blinde Urtheil der Unver-
ſtaͤndigen/ welche dieſen Herrn desfalls ſchimpfs-
weiſe Knees-Janike zu nennen pflegten. Und weil
er wuſte/ daß GOtt dem Joſua und andern Koͤ-
nigen des Volcks GOttes/ ſonderlich ſein Wort
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[2/0004] ſertation de Singularibus qvibusdam Mecklenburgi- cis, c. 3. neune der Mecklenburgiſchen oder Wen- diſchen Fuͤrſten angemercket/ welche bey ihrer Hoheit auch eine heilſahme Gelehrſahmkeit belie- bet haben. GODESCALCUS ein Koͤnig der Obo- triten oder Wenden/ welcher im XI. Jahr hun- dert gelebet/ iſt zu Luͤneburg im Chriſtlichen Glauben und guten Wiſſenſchafften unterrichtet; Er hat die Theologie ſo hoch geliebet/ daß er ſich nicht geſchaͤmet/ ſeinen Unterthanen ſo noch meh- rentheils Heyden waren/ auch mit Gefahr des Lebens/ das Evangelium in Wendiſcher Sprache zu predigen und zu erklaͤhren. Deſſen aber mit mehrerm in der Mecklenburgiſchen Kirchen-Hi- ſtorie/ von Stifftung der Chriſtlichen Kirchen unter den Wenden/ Parte IV. §. 2. ohnlaͤngſt ge- dacht habe. Der ander gelehrte Wendiſche Fuͤrſt war JOHANNES THEOLOGUS, welcher billig alſo genandt/ weil er im XIII. Seculo gantzer zwantzig Jahr zu Pariß ſtudiret/ und dahero in der Theologiſchen Wiſſenſchafft die hoͤchſte Eh- ren-Belohnung auff daſiger Univerſitaͤt anzuneh- men ſich nicht gewegert/ indem er nach beywoh- nender Klugheit dieſe Goͤttliche Wiſſenſchafft hoͤher hielte/ als das blinde Urtheil der Unver- ſtaͤndigen/ welche dieſen Herrn desfalls ſchimpfs- weiſe Knees-Janike zu nennen pflegten. Und weil er wuſte/ daß GOtt dem Joſua und andern Koͤ- nigen des Volcks GOttes/ ſonderlich ſein Wort anvertrauet und vor Augen geleget/ ſo hat er auch

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Zitationshilfe: Stieber, Georg Friedrich: Leben Des Hertzogs Magni zu Mecklenburg. Rostock u. a., 1716, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/stieber_magni_1716/4>, abgerufen am 20.04.2024.