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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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Judas hat keine gute Meinung/
worffen: des Loth sein Weib ist in ein Saltz-Säulen verkehret
worden/ umb weil sie die sündige Stadt angeschaut/ ich muß es
sagen und bekennen/ daß die stattliche Concept, so dieser Mann
mit grossem Fleiß zusammen fügt/ sattsam an Tag geben/ daß ih-
me an Saltz und hohem Verstand nichts mangle. O! was gros-
se Belohnung wird er zu seiner Zeit von dem Allerhöchsten zugewar-
ten haben; Zweiffels ohne wird er in der ewigen Glory auf der Do-
ctor
s-Banck im Himmel sitzen/ er wird nicht ein geringere Cron
haben/ als der Heilige Remigius, der in Franckreich geprediget/
als der Heilige Bonifacius, der in Teutschland geprediget/ als der
Heilige Augustinus, der in Engelland geprediget/ als der Heili-
ge Adalbertus, der in Pohlen und Moscau geprediget/ etc. Wann
er allen Fleiß und Arbeit hat angewendt pur und allein wegen Got-
tes Ehr/ und des Nächsten Heyl/ so bleibt ihme derenthalben die
ewige Belohnung nicht aus. Wann er aber gesucht hat auf La-
teinisch/ was der Bettler auf Teutsch im Wammes findt/ wann
er darumb so embsig gestudiert/ damit er bey Männiglichen ein
grosses Lob erhasche/ und man aller Orten von ihme rede/ und
mit Fingern auf ihne deute/ wann er mehrer auf das Preissisch
Leder gangen/ als auf gut Cordebon, so gib ich ihm so viel umb
sein Belohnung/ als Petrus mit dem fischen durch die gantze
Nacht gefangen: Nihil. So ist dann die böse Meinung ein sol-
cher Schaur/ der alles gute Gewächs zu Grund richtet/ die bö-
se Meinung ist ein solcher Donner-Keyl/ der alle fruchtbare Bäu-
mer zerquetschet/ und in Asche leget/ die böse Meinung ist ein sol-
cher Wurm/ der auch die grüne Kürbes-Blätter Jonoe unver-
hofft abnagt.

Streiten wider die unglaubige und abgesagte Erb-Feind
der Catholischen Kirchen/ Hasser und Widersacher der Ehr und
Lehr Christi/ ist ein sonderes wolgefälliges Werck; Jch glaub
auch/ daß der HErr und Heyland dem Petro hätte keinen Ver-
weiß geben/ auch ihme den entblösten Säbel ins Leder zu stecken
nicht befohlen/ als er ihne so Heldenmüthig wolte schützen/ indem

er

Judas hat keine gute Meinung/
worffen: des Loth ſein Weib iſt in ein Saltz-Saͤulen verkehret
worden/ umb weil ſie die ſuͤndige Stadt angeſchaut/ ich muß es
ſagen und bekennen/ daß die ſtattliche Concept, ſo dieſer Mann
mit groſſem Fleiß zuſammen fuͤgt/ ſattſam an Tag geben/ daß ih-
me an Saltz und hohem Verſtand nichts mangle. O! was groſ-
ſe Belohnung wird er zu ſeiner Zeit von dem Allerhoͤchſten zugewar-
ten haben; Zweiffels ohne wird er in der ewigen Glory auf der Do-
ctor
s-Banck im Himmel ſitzen/ er wird nicht ein geringere Cron
haben/ als der Heilige Remigius, der in Franckreich geprediget/
als der Heilige Bonifacius, der in Teutſchland geprediget/ als der
Heilige Auguſtinus, der in Engelland geprediget/ als der Heili-
ge Adalbertus, der in Pohlen und Moſcau geprediget/ ꝛc. Wann
er allen Fleiß und Arbeit hat angewendt pur und allein wegen Got-
tes Ehr/ und des Naͤchſten Heyl/ ſo bleibt ihme derenthalben die
ewige Belohnung nicht aus. Wann er aber geſucht hat auf La-
teiniſch/ was der Bettler auf Teutſch im Wammes findt/ wann
er darumb ſo embſig geſtudiert/ damit er bey Maͤnniglichen ein
groſſes Lob erhaſche/ und man aller Orten von ihme rede/ und
mit Fingern auf ihne deute/ wann er mehrer auf das Preiſſiſch
Leder gangen/ als auf gut Cordebon, ſo gib ich ihm ſo viel umb
ſein Belohnung/ als Petrus mit dem fiſchen durch die gantze
Nacht gefangen: Nihil. So iſt dann die boͤſe Meinung ein ſol-
cher Schaur/ der alles gute Gewaͤchs zu Grund richtet/ die boͤ-
ſe Meinung iſt ein ſolcher Donner-Keyl/ der alle fruchtbare Baͤu-
mer zerquetſchet/ und in Aſche leget/ die boͤſe Meinung iſt ein ſol-
cher Wurm/ der auch die gruͤne Kuͤrbes-Blaͤtter Jonœ unver-
hofft abnagt.

Streiten wider die unglaubige und abgeſagte Erb-Feind
der Catholiſchen Kirchen/ Haſſer und Widerſacher der Ehr und
Lehr Chriſti/ iſt ein ſonderes wolgefaͤlliges Werck; Jch glaub
auch/ daß der HErꝛ und Heyland dem Petro haͤtte keinen Ver-
weiß geben/ auch ihme den entbloͤſten Saͤbel ins Leder zu ſtecken
nicht befohlen/ als er ihne ſo Heldenmuͤthig wolte ſchuͤtzen/ indem

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[158/0170] Judas hat keine gute Meinung/ worffen: des Loth ſein Weib iſt in ein Saltz-Saͤulen verkehret worden/ umb weil ſie die ſuͤndige Stadt angeſchaut/ ich muß es ſagen und bekennen/ daß die ſtattliche Concept, ſo dieſer Mann mit groſſem Fleiß zuſammen fuͤgt/ ſattſam an Tag geben/ daß ih- me an Saltz und hohem Verſtand nichts mangle. O! was groſ- ſe Belohnung wird er zu ſeiner Zeit von dem Allerhoͤchſten zugewar- ten haben; Zweiffels ohne wird er in der ewigen Glory auf der Do- ctors-Banck im Himmel ſitzen/ er wird nicht ein geringere Cron haben/ als der Heilige Remigius, der in Franckreich geprediget/ als der Heilige Bonifacius, der in Teutſchland geprediget/ als der Heilige Auguſtinus, der in Engelland geprediget/ als der Heili- ge Adalbertus, der in Pohlen und Moſcau geprediget/ ꝛc. Wann er allen Fleiß und Arbeit hat angewendt pur und allein wegen Got- tes Ehr/ und des Naͤchſten Heyl/ ſo bleibt ihme derenthalben die ewige Belohnung nicht aus. Wann er aber geſucht hat auf La- teiniſch/ was der Bettler auf Teutſch im Wammes findt/ wann er darumb ſo embſig geſtudiert/ damit er bey Maͤnniglichen ein groſſes Lob erhaſche/ und man aller Orten von ihme rede/ und mit Fingern auf ihne deute/ wann er mehrer auf das Preiſſiſch Leder gangen/ als auf gut Cordebon, ſo gib ich ihm ſo viel umb ſein Belohnung/ als Petrus mit dem fiſchen durch die gantze Nacht gefangen: Nihil. So iſt dann die boͤſe Meinung ein ſol- cher Schaur/ der alles gute Gewaͤchs zu Grund richtet/ die boͤ- ſe Meinung iſt ein ſolcher Donner-Keyl/ der alle fruchtbare Baͤu- mer zerquetſchet/ und in Aſche leget/ die boͤſe Meinung iſt ein ſol- cher Wurm/ der auch die gruͤne Kuͤrbes-Blaͤtter Jonœ unver- hofft abnagt. Streiten wider die unglaubige und abgeſagte Erb-Feind der Catholiſchen Kirchen/ Haſſer und Widerſacher der Ehr und Lehr Chriſti/ iſt ein ſonderes wolgefaͤlliges Werck; Jch glaub auch/ daß der HErꝛ und Heyland dem Petro haͤtte keinen Ver- weiß geben/ auch ihme den entbloͤſten Saͤbel ins Leder zu ſtecken nicht befohlen/ als er ihne ſo Heldenmuͤthig wolte ſchuͤtzen/ indem er

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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/170>, abgerufen am 16.05.2021.