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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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Judas hat kein gute Meynung/
die ordinari Tracht auf seinem Tisch/ welche so schlecht zugericht/
daß auch dem Esau der Appetit vergieng. Der Heilige Alto hat
in der gantzen Gegend/ wo er seine Wohnung gehabt/ die Alstern
verbannesirt/ aber dieser Herr kan gar kein einiges Geflügelwerck
leyden bey seiner Tafel. Von dem Heiligen Elphego Cantua-
rien
sischen Ertz-Bischoff wird geschrieben/ daß er sich also durch
die vielsältige und strenge Fasten habe ausgemerglet/ daß man ih-
me hat können/ wann er das höchste Gut in dem Meß-Amt auf-
wandlet/ völlig durch die Arm sehen/ wann die Sonn geschienen.
Dieser Herr Sigmund Slahzieg/ umb weil er fast nie gnug isset
und trincket/ hat ein so magern und ausgedorten Leib/ daß man
ihn durch ein Brenn-Glaß gar leicht kunte anzünden. Jn Sum-
ma/ sein Quadra ist ein stete Quadragesima. O! was grosse
und häuffige Glory wird er dann wegen so beharrligen Fastens von
dem Allmächtigen GOTT zu gewarthen haben? Nicht ein
Haar groß hat er eine Belohnung zu hoffen; Er fastet zwar/ ja; er
isset so viel als Nichts/ ja; er kasteyet sich starck/ ja; aber das
Hertz ist inwendig weit anderst beschaffen; Er ist nicht Cordebo-
nisch; Er fastet nur aus lauter Geitz/ damit er das liebe Geld er-
spahren kan/ darumb heist er Sigmund Slahzieg/ welches letzte
Wortzuruck gelesen Geitz-Hals lautet/ er ist ein lauterer Judas-
Bruder/ der unter dem Schein der Mässigkeit den unersättlichen
Geitz verhüllet.

Denen Geistlichen/ welche in freywilliger Evangelischer Ar-
muth leben/ einige Allmosen und Hülff reichen/ ist ein sehr gros-
ses und verdienliches Werck in denen Göttlichen Augen; Gleich-
wie es der Allmächtige GOtt der frommen und guthertzigen Wit-
tib zu Sarepta stattlich vergolten/ als sie den ersten Carmeliter E-
lioe ein geringe Jausen zugerichtet/ also bezahlt GOtt hundertfäl-
tig allhier auf Erden/ und dort in jener Welt unendlich allen den
jenigen/ welche denen armen Religiosen/ als rechten ihme gewid-
meten Dienern etwas Guts thun.

Jn dem Lemovicensischen Gebieth hat gar ein fromme Frau
den Mindern Brüdern Sancti Francisci viel Gutes gethan/ und

als

Judas hat kein gute Meynung/
die ordinari Tracht auf ſeinem Tiſch/ welche ſo ſchlecht zugericht/
daß auch dem Eſau der Appetit vergieng. Der Heilige Alto hat
in der gantzen Gegend/ wo er ſeine Wohnung gehabt/ die Alſtern
verbanneſirt/ aber dieſer Herꝛ kan gar kein einiges Gefluͤgelwerck
leyden bey ſeiner Tafel. Von dem Heiligen Elphego Cantua-
rien
ſiſchen Ertz-Biſchoff wird geſchrieben/ daß er ſich alſo durch
die vielſaͤltige und ſtrenge Faſten habe ausgemerglet/ daß man ih-
me hat koͤnnen/ wann er das hoͤchſte Gut in dem Meß-Amt auf-
wandlet/ voͤllig durch die Arm ſehen/ wann die Sonn geſchienen.
Dieſer Herꝛ Sigmund Slahzieg/ umb weil er faſt nie gnug iſſet
und trincket/ hat ein ſo magern und ausgedorten Leib/ daß man
ihn durch ein Brenn-Glaß gar leicht kunte anzuͤnden. Jn Sum-
ma/ ſein Quadra iſt ein ſtete Quadrageſima. O! was groſſe
und haͤuffige Glory wird er dann wegen ſo beharꝛligen Faſtens von
dem Allmaͤchtigen GOTT zu gewarthen haben? Nicht ein
Haar groß hat er eine Belohnung zu hoffen; Er faſtet zwar/ ja; er
iſſet ſo viel als Nichts/ ja; er kaſteyet ſich ſtarck/ ja; aber das
Hertz iſt inwendig weit anderſt beſchaffen; Er iſt nicht Cordebo-
niſch; Er faſtet nur aus lauter Geitz/ damit er das liebe Geld er-
ſpahren kan/ darumb heiſt er Sigmund Slahzieg/ welches letzte
Wortzuruck geleſen Geitz-Hals lautet/ er iſt ein lauterer Judas-
Bruder/ der unter dem Schein der Maͤſſigkeit den unerſaͤttlichen
Geitz verhuͤllet.

Denen Geiſtlichen/ welche in freywilliger Evangeliſcher Ar-
muth leben/ einige Allmoſen und Huͤlff reichen/ iſt ein ſehr groſ-
ſes und verdienliches Werck in denen Goͤttlichen Augen; Gleich-
wie es der Allmaͤchtige GOtt der frommen und guthertzigen Wit-
tib zu Sarepta ſtattlich vergolten/ als ſie den erſten Carmeliter E-
liœ ein geringe Jauſen zugerichtet/ alſo bezahlt GOtt hundertfaͤl-
tig allhier auf Erden/ und dort in jener Welt unendlich allen den
jenigen/ welche denen armen Religioſen/ als rechten ihme gewid-
meten Dienern etwas Guts thun.

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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 148. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/160>, abgerufen am 17.05.2021.