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Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 2,1. Leipzig, 1782.

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von Stetten in einigen Chroniken findet r).
Heinrich Herwarts Garten ist deswegen merk-
würdig, weil in demselben die ersten Tulipa-
nen gepflanzet, und von hieraus in Deutsch-
land verbreitet wurden, wozu er die Zwibeln
1557 aus Constantinopel erhielt s). Eben
so hatte in diesen Zeiten Andreas Speler einen
vortrefflichen Garten. Er zog darinnen die
schönsten Blumen und Kräuter, und ließ die
seltensten abmalen, welche Sammlung noch
vor einigen Jahren unter den Seltenhei-
ten des Hrn. v. Hartenstein war.

Wir finden in diesen Gärten nicht bloß
die Bäume, Küchenkräuter und Blumenzucht,
sondern auch Statüen, welches ein Beweis
ist, daß der italienische Geschmack sich zuerst
in die deutschen Gärten eingefunden. Der
indianische Handel, der in den Händen der
mächtigen italienischen Staaten in den vori-
gen Zeiten war, verband sie zu sehr mit
Deutschland, welches durch seine nicht weni-
gen mächtigen Handelsstädte den Norden
und Britannien versorgte. Was Wunder,
wenn die italienischen Gärten das Muster für
die Deutschen wurden, die durch die Handlung
mit ihnen damals und in den ältern Zeiten
am meisten in Verbindung standen, obgleich

ihr
r) Er führt unter andern an Hektor Mülichs
Chronik.
s) S. Hochbergs adliches Landleben.

von Stetten in einigen Chroniken findet r).
Heinrich Herwarts Garten iſt deswegen merk-
wuͤrdig, weil in demſelben die erſten Tulipa-
nen gepflanzet, und von hieraus in Deutſch-
land verbreitet wurden, wozu er die Zwibeln
1557 aus Conſtantinopel erhielt s). Eben
ſo hatte in dieſen Zeiten Andreas Speler einen
vortrefflichen Garten. Er zog darinnen die
ſchoͤnſten Blumen und Kraͤuter, und ließ die
ſeltenſten abmalen, welche Sammlung noch
vor einigen Jahren unter den Seltenhei-
ten des Hrn. v. Hartenſtein war.

Wir finden in dieſen Gaͤrten nicht bloß
die Baͤume, Kuͤchenkraͤuter und Blumenzucht,
ſondern auch Statuͤen, welches ein Beweis
iſt, daß der italieniſche Geſchmack ſich zuerſt
in die deutſchen Gaͤrten eingefunden. Der
indianiſche Handel, der in den Haͤnden der
maͤchtigen italieniſchen Staaten in den vori-
gen Zeiten war, verband ſie zu ſehr mit
Deutſchland, welches durch ſeine nicht weni-
gen maͤchtigen Handelsſtaͤdte den Norden
und Britannien verſorgte. Was Wunder,
wenn die italieniſchen Gaͤrten das Muſter fuͤr
die Deutſchen wurden, die durch die Handlung
mit ihnen damals und in den aͤltern Zeiten
am meiſten in Verbindung ſtanden, obgleich

ihr
r) Er fuͤhrt unter andern an Hektor Muͤlichs
Chronik.
s) S. Hochbergs adliches Landleben.
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[14/0024] von Stetten in einigen Chroniken findet r). Heinrich Herwarts Garten iſt deswegen merk- wuͤrdig, weil in demſelben die erſten Tulipa- nen gepflanzet, und von hieraus in Deutſch- land verbreitet wurden, wozu er die Zwibeln 1557 aus Conſtantinopel erhielt s). Eben ſo hatte in dieſen Zeiten Andreas Speler einen vortrefflichen Garten. Er zog darinnen die ſchoͤnſten Blumen und Kraͤuter, und ließ die ſeltenſten abmalen, welche Sammlung noch vor einigen Jahren unter den Seltenhei- ten des Hrn. v. Hartenſtein war. Wir finden in dieſen Gaͤrten nicht bloß die Baͤume, Kuͤchenkraͤuter und Blumenzucht, ſondern auch Statuͤen, welches ein Beweis iſt, daß der italieniſche Geſchmack ſich zuerſt in die deutſchen Gaͤrten eingefunden. Der indianiſche Handel, der in den Haͤnden der maͤchtigen italieniſchen Staaten in den vori- gen Zeiten war, verband ſie zu ſehr mit Deutſchland, welches durch ſeine nicht weni- gen maͤchtigen Handelsſtaͤdte den Norden und Britannien verſorgte. Was Wunder, wenn die italieniſchen Gaͤrten das Muſter fuͤr die Deutſchen wurden, die durch die Handlung mit ihnen damals und in den aͤltern Zeiten am meiſten in Verbindung ſtanden, obgleich ihr r) Er fuͤhrt unter andern an Hektor Muͤlichs Chronik. s) S. Hochbergs adliches Landleben.

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Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 2,1. Leipzig, 1782, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie02_1782/24>, abgerufen am 18.04.2024.