Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite



"mer das debellare superbas seyn, wenn ich
"mich wieder in eine neue Liebe einlassen kann.

Sein zweiter Bewegungsgrund zeiget sich in
der folgenden Stelle, in demselben Briefe,
S. 386. "Jch bin lange Zeit nicht so tugend-
"haft gewesen; ich kan wol sagen, seit dem ich
"inscribiret bin. Es ist mir auch zu rathen,
"daß ich tugendhaft bin. Mein Auffenthalt in
"diesem kleinen Wirthshause könnte auf eine o-
"der andre Weise ausgekundschaftet werden;
"und man könnte glauben, daß mein Rosen-
"knöspgen der Magnet wäre, der mich hieher
"zöge. Wenn mir so liebenswürdige und ein-
"fältige Leute ein Zeugniß geben, so kann ich da-
"durch ein ander Herz gewinnen. u. s. w."

Der Leser wird auch hernach warnehmen, wie
Herr Lovelace aus dem Erfolg gesehen hat,
daß durch die List, die er durch seinen Unterhänd-
ler Joseph Lemann ins Werk setzte, (der, wie
oben gemeldet, mit Elisabeth Barnes ein
Verständniß hatte) seine ganze Erwartung er-
füllet wurde; ob er gleich nicht wissen konnte,
was desfals zwischen den beiden Fräulein vor-
gieng.

Diese Erklärung war um so viel nöthiger,
da verschiedne unsrer Leser, aus Mangel gehö-
riger Aufmerksamkeit, dem Herrn Lovelace,
aus seinem Betragen gegen sein Rosenknöspgen
ein grösseres Verdienst machen, als ihm zu-
kommt; und überdem sich einbilden, es wäre
unwarscheinlich, daß ein Mann, der fähig war,

in



„mer das debellare ſuperbas ſeyn, wenn ich
„mich wieder in eine neue Liebe einlaſſen kann.

Sein zweiter Bewegungsgrund zeiget ſich in
der folgenden Stelle, in demſelben Briefe,
S. 386. “Jch bin lange Zeit nicht ſo tugend-
„haft geweſen; ich kan wol ſagen, ſeit dem ich
„inſcribiret bin. Es iſt mir auch zu rathen,
„daß ich tugendhaft bin. Mein Auffenthalt in
„dieſem kleinen Wirthshauſe koͤnnte auf eine o-
„der andre Weiſe ausgekundſchaftet werden;
„und man koͤnnte glauben, daß mein Roſen-
„knoͤspgen der Magnet waͤre, der mich hieher
„zoͤge. Wenn mir ſo liebenswuͤrdige und ein-
„faͤltige Leute ein Zeugniß geben, ſo kann ich da-
„durch ein ander Herz gewinnen. u. ſ. w.„

Der Leſer wird auch hernach warnehmen, wie
Herr Lovelace aus dem Erfolg geſehen hat,
daß durch die Liſt, die er durch ſeinen Unterhaͤnd-
ler Joſeph Lemann ins Werk ſetzte, (der, wie
oben gemeldet, mit Eliſabeth Barnes ein
Verſtaͤndniß hatte) ſeine ganze Erwartung er-
fuͤllet wurde; ob er gleich nicht wiſſen konnte,
was desfals zwiſchen den beiden Fraͤulein vor-
gieng.

Dieſe Erklaͤrung war um ſo viel noͤthiger,
da verſchiedne unſrer Leſer, aus Mangel gehoͤ-
riger Aufmerkſamkeit, dem Herrn Lovelace,
aus ſeinem Betragen gegen ſein Roſenknoͤspgen
ein groͤſſeres Verdienſt machen, als ihm zu-
kommt; und uͤberdem ſich einbilden, es waͤre
unwarſcheinlich, daß ein Mann, der faͤhig war,

in
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0038" n="30"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
&#x201E;mer das <hi rendition="#aq">debellare &#x017F;uperbas</hi> &#x017F;eyn, wenn ich<lb/>
&#x201E;mich wieder in eine neue Liebe einla&#x017F;&#x017F;en kann.</p><lb/>
          <p>Sein zweiter Bewegungsgrund zeiget &#x017F;ich in<lb/>
der folgenden Stelle, in dem&#x017F;elben Briefe,<lb/>
S. 386. &#x201C;Jch bin lange Zeit nicht &#x017F;o tugend-<lb/>
&#x201E;haft gewe&#x017F;en; ich kan wol &#x017F;agen, &#x017F;eit dem ich<lb/>
&#x201E;in&#x017F;cribiret bin. Es i&#x017F;t mir auch zu rathen,<lb/>
&#x201E;daß ich tugendhaft bin. Mein Auffenthalt in<lb/>
&#x201E;die&#x017F;em kleinen Wirthshau&#x017F;e ko&#x0364;nnte auf eine o-<lb/>
&#x201E;der andre Wei&#x017F;e ausgekund&#x017F;chaftet werden;<lb/>
&#x201E;und man ko&#x0364;nnte glauben, daß mein Ro&#x017F;en-<lb/>
&#x201E;kno&#x0364;spgen der Magnet wa&#x0364;re, der mich hieher<lb/>
&#x201E;zo&#x0364;ge. Wenn mir &#x017F;o liebenswu&#x0364;rdige und ein-<lb/>
&#x201E;fa&#x0364;ltige Leute ein Zeugniß geben, &#x017F;o kann ich da-<lb/>
&#x201E;durch ein ander Herz gewinnen. u. &#x017F;. w.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Der Le&#x017F;er wird auch hernach warnehmen, wie<lb/>
Herr <hi rendition="#fr">Lovelace</hi> aus dem Erfolg ge&#x017F;ehen hat,<lb/>
daß durch die Li&#x017F;t, die er durch &#x017F;einen Unterha&#x0364;nd-<lb/>
ler <hi rendition="#fr">Jo&#x017F;eph Lemann</hi> ins Werk &#x017F;etzte, (der, wie<lb/>
oben gemeldet, mit <hi rendition="#fr">Eli&#x017F;abeth Barnes</hi> ein<lb/>
Ver&#x017F;ta&#x0364;ndniß hatte) &#x017F;eine ganze Erwartung er-<lb/>
fu&#x0364;llet wurde; ob er gleich nicht wi&#x017F;&#x017F;en konnte,<lb/>
was desfals zwi&#x017F;chen den beiden Fra&#x0364;ulein vor-<lb/>
gieng.</p><lb/>
          <p>Die&#x017F;e Erkla&#x0364;rung war um &#x017F;o viel no&#x0364;thiger,<lb/>
da ver&#x017F;chiedne un&#x017F;rer Le&#x017F;er, aus Mangel geho&#x0364;-<lb/>
riger Aufmerk&#x017F;amkeit, dem Herrn <hi rendition="#fr">Lovelace,</hi><lb/>
aus &#x017F;einem Betragen gegen &#x017F;ein Ro&#x017F;enkno&#x0364;spgen<lb/>
ein gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;eres Verdien&#x017F;t machen, als ihm zu-<lb/>
kommt; und u&#x0364;berdem &#x017F;ich einbilden, es wa&#x0364;re<lb/>
unwar&#x017F;cheinlich, daß ein Mann, der fa&#x0364;hig war,<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">in</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0038] „mer das debellare ſuperbas ſeyn, wenn ich „mich wieder in eine neue Liebe einlaſſen kann. Sein zweiter Bewegungsgrund zeiget ſich in der folgenden Stelle, in demſelben Briefe, S. 386. “Jch bin lange Zeit nicht ſo tugend- „haft geweſen; ich kan wol ſagen, ſeit dem ich „inſcribiret bin. Es iſt mir auch zu rathen, „daß ich tugendhaft bin. Mein Auffenthalt in „dieſem kleinen Wirthshauſe koͤnnte auf eine o- „der andre Weiſe ausgekundſchaftet werden; „und man koͤnnte glauben, daß mein Roſen- „knoͤspgen der Magnet waͤre, der mich hieher „zoͤge. Wenn mir ſo liebenswuͤrdige und ein- „faͤltige Leute ein Zeugniß geben, ſo kann ich da- „durch ein ander Herz gewinnen. u. ſ. w.„ Der Leſer wird auch hernach warnehmen, wie Herr Lovelace aus dem Erfolg geſehen hat, daß durch die Liſt, die er durch ſeinen Unterhaͤnd- ler Joſeph Lemann ins Werk ſetzte, (der, wie oben gemeldet, mit Eliſabeth Barnes ein Verſtaͤndniß hatte) ſeine ganze Erwartung er- fuͤllet wurde; ob er gleich nicht wiſſen konnte, was desfals zwiſchen den beiden Fraͤulein vor- gieng. Dieſe Erklaͤrung war um ſo viel noͤthiger, da verſchiedne unſrer Leſer, aus Mangel gehoͤ- riger Aufmerkſamkeit, dem Herrn Lovelace, aus ſeinem Betragen gegen ſein Roſenknoͤspgen ein groͤſſeres Verdienſt machen, als ihm zu- kommt; und uͤberdem ſich einbilden, es waͤre unwarſcheinlich, daß ein Mann, der faͤhig war, in

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/38
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/38>, abgerufen am 11.05.2021.