ohne sich niederzulassen, aussaugen, und im beständi- gen Fluge zu seyn scheinen. Er bemühte sich dies Thierchen lebend zu fangen, und als er es hatte, sucht' er den Mechanismum seines Fluges zu erfor- schen, indem er die Bewegungen seiner Flügel unter- suchte. Lange brachte er damit zu, und als er das Geheimniß der Natur wegzuhaben glaubte, macht' er neue Versuche.
Zwey ganzer Jahre Arbeit und Anstrengung, die Johann Vezinier ohne Zweifel kürzer gefaßt haben würde, brachten nichts als Dinge hervor, die un- gestalt und unwirksam, in Rücksicht des Plans wa- ren, den er ausführen und durch ihn die Natur ver- vollkommen wollte.
Mittlerweile wuchs Christine an Jahren und Schönheit. Man sprach von ihrer Vermählung. Victorin darüber außer sich, verdoppelte seinen Fleiß. Er untersuchte mit Sorgfalt den Flug jeden Jnsects sowohl als jeden Vogels. Der Papillon schien ihm leicht nachzuahmen; aber nur gehörte eine zu starke Feder und zu große Flügel darzu. Er kam wieder auf die Rebhühner, die der Flugart seines bunten Papillons nahe kommen. Auch ihren Bau zer- gliederte er mit Aufmerksamkeit. Der Flug der Gänse und der größern Vögel scheint leicht, aber er ist schwerfällig, und verlangt eine dichtere durch Kälte mehr zusammengepreßte Luft, wie man sie in der größten Höhe findet.
Betrachtungen dieser Art macht' er, ob er gleich ein bloßer Landmann, jung und ohne Anwei-
sung
ohne ſich niederzulaſſen, ausſaugen, und im beſtaͤndi- gen Fluge zu ſeyn ſcheinen. Er bemuͤhte ſich dies Thierchen lebend zu fangen, und als er es hatte, ſucht’ er den Mechanismum ſeines Fluges zu erfor- ſchen, indem er die Bewegungen ſeiner Fluͤgel unter- ſuchte. Lange brachte er damit zu, und als er das Geheimniß der Natur wegzuhaben glaubte, macht’ er neue Verſuche.
Zwey ganzer Jahre Arbeit und Anſtrengung, die Johann Vezinier ohne Zweifel kuͤrzer gefaßt haben wuͤrde, brachten nichts als Dinge hervor, die un- geſtalt und unwirkſam, in Ruͤckſicht des Plans wa- ren, den er ausfuͤhren und durch ihn die Natur ver- vollkommen wollte.
Mittlerweile wuchs Chriſtine an Jahren und Schoͤnheit. Man ſprach von ihrer Vermaͤhlung. Victorin daruͤber außer ſich, verdoppelte ſeinen Fleiß. Er unterſuchte mit Sorgfalt den Flug jeden Jnſects ſowohl als jeden Vogels. Der Papillon ſchien ihm leicht nachzuahmen; aber nur gehoͤrte eine zu ſtarke Feder und zu große Fluͤgel darzu. Er kam wieder auf die Rebhuͤhner, die der Flugart ſeines bunten Papillons nahe kommen. Auch ihren Bau zer- gliederte er mit Aufmerkſamkeit. Der Flug der Gaͤnſe und der groͤßern Voͤgel ſcheint leicht, aber er iſt ſchwerfaͤllig, und verlangt eine dichtere durch Kaͤlte mehr zuſammengepreßte Luft, wie man ſie in der groͤßten Hoͤhe findet.
Betrachtungen dieſer Art macht’ er, ob er gleich ein bloßer Landmann, jung und ohne Anwei-
ſung
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ohne ſich niederzulaſſen, ausſaugen, und im beſtaͤndi-
gen Fluge zu ſeyn ſcheinen. Er bemuͤhte ſich dies
Thierchen lebend zu fangen, und als er es hatte,
ſucht’ er den Mechanismum ſeines Fluges zu erfor-
ſchen, indem er die Bewegungen ſeiner Fluͤgel unter-
ſuchte. Lange brachte er damit zu, und als er das
Geheimniß der Natur wegzuhaben glaubte, macht’
er neue Verſuche.
Zwey ganzer Jahre Arbeit und Anſtrengung, die
Johann Vezinier ohne Zweifel kuͤrzer gefaßt haben
wuͤrde, brachten nichts als Dinge hervor, die un-
geſtalt und unwirkſam, in Ruͤckſicht des Plans wa-
ren, den er ausfuͤhren und durch ihn die Natur ver-
vollkommen wollte.
Mittlerweile wuchs Chriſtine an Jahren und
Schoͤnheit. Man ſprach von ihrer Vermaͤhlung.
Victorin daruͤber außer ſich, verdoppelte ſeinen Fleiß.
Er unterſuchte mit Sorgfalt den Flug jeden Jnſects
ſowohl als jeden Vogels. Der Papillon ſchien ihm
leicht nachzuahmen; aber nur gehoͤrte eine zu ſtarke
Feder und zu große Fluͤgel darzu. Er kam wieder
auf die Rebhuͤhner, die der Flugart ſeines bunten
Papillons nahe kommen. Auch ihren Bau zer-
gliederte er mit Aufmerkſamkeit. Der Flug der
Gaͤnſe und der groͤßern Voͤgel ſcheint leicht, aber er
iſt ſchwerfaͤllig, und verlangt eine dichtere durch Kaͤlte
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Rétif de La Bretonne, Nicolas-Edme: Der fliegende Mensch. Übers. v. Wilhelm Christhelf Siegmund Mylius. 2. Aufl. Dresden u. a., 1785, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/retif_mensch_1785/28>, abgerufen am 16.02.2025.
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