Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Reichardt, Christian: Land- u. Garten-Schatzes. Bd. 1. Erfurt, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite

allerhand Samen probiren sol.
niciren wollen, damit sie nicht können betrügen
noch betrogen werden. Zur Herbst- und Win-
ter-Zeit pflege ich die Samen zu probiren, beson-
ders aber diejenigen, welche hier in Erfurt nicht
können erzogen und von fremden Orten müssen
verschrieben werden. Z. E. Majoran, Artischocken
und Spanische Cardi-Körner, Roßmarin, edle Me-
lisse, u. d. gl. oder auch die Einheimischen, wenn
man besorget, daß der Same in den verstrichenen
Jahren zum Aufgehen wäre zu alt geworden, da-
mit man wegen der Aussaat um des Aufgehens
willen sich desto gewisser darauf verlassen könne.

Diese Samen werden in einen Scherben,
welcher mit Erde angefüllet worden, auf den Hin-
ter-Ofen zur Winter-Zeit gestellet, alwo er unten
an dem Boden eine solche Wärme geniessen kan,
als wenn der Scherben in ein Mist-Bett oder
Treib-Haus wäre gestellet worden; solte aber je-
mand keine Gelegenheit haben, den Scherben
auf den Hinter-Ofen zu stellen, so kan auch solcher
daneben gestellet werden, aber nur nicht in alzu
grosser Hitze, als welche hier schädlich ist.

Mit denen Samen, welche man gedenket zu
probiren, verfähret man also: Erstlich nimt man
ein leinen Läplein 4 Zol in Quadrat, und in der
Mitte dieses Läpleins leget man so viel Samen,
als man mit denen zweyen Forder-Fingern gleich-
sam als eine Prise Schnupf-Tobak begreifen kan,
und so dieses geschehen, nimt man solches an de-
nen vier Ecken zusammen, daß es einem Beutel
ähnlich siehet, und also bleibt der hinein gelegte

Same
B 2

allerhand Samen probiren ſol.
niciren wollen, damit ſie nicht koͤnnen betruͤgen
noch betrogen werden. Zur Herbſt- und Win-
ter-Zeit pflege ich die Samen zu probiren, beſon-
ders aber diejenigen, welche hier in Erfurt nicht
koͤnnen erzogen und von fremden Orten muͤſſen
verſchrieben werden. Z. E. Majoran, Artiſchocken
und Spaniſche Cardi-Koͤrner, Roßmarin, edle Me-
liſſe, u. d. gl. oder auch die Einheimiſchen, wenn
man beſorget, daß der Same in den verſtrichenen
Jahren zum Aufgehen waͤre zu alt geworden, da-
mit man wegen der Ausſaat um des Aufgehens
willen ſich deſto gewiſſer darauf verlaſſen koͤnne.

Dieſe Samen werden in einen Scherben,
welcher mit Erde angefuͤllet worden, auf den Hin-
ter-Ofen zur Winter-Zeit geſtellet, alwo er unten
an dem Boden eine ſolche Waͤrme genieſſen kan,
als wenn der Scherben in ein Miſt-Bett oder
Treib-Haus waͤre geſtellet worden; ſolte aber je-
mand keine Gelegenheit haben, den Scherben
auf den Hinter-Ofen zu ſtellen, ſo kan auch ſolcher
daneben geſtellet werden, aber nur nicht in alzu
groſſer Hitze, als welche hier ſchaͤdlich iſt.

Mit denen Samen, welche man gedenket zu
probiren, verfaͤhret man alſo: Erſtlich nimt man
ein leinen Laͤplein 4 Zol in Quadrat, und in der
Mitte dieſes Laͤpleins leget man ſo viel Samen,
als man mit denen zweyen Forder-Fingern gleich-
ſam als eine Priſe Schnupf-Tobak begreifen kan,
und ſo dieſes geſchehen, nimt man ſolches an de-
nen vier Ecken zuſammen, daß es einem Beutel
aͤhnlich ſiehet, und alſo bleibt der hinein gelegte

Same
B 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0040" n="19"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">allerhand Samen probiren &#x017F;ol.</hi></fw><lb/>
niciren wollen, damit &#x017F;ie nicht ko&#x0364;nnen betru&#x0364;gen<lb/>
noch betrogen werden. Zur Herb&#x017F;t- und Win-<lb/>
ter-Zeit pflege ich die Samen zu probiren, be&#x017F;on-<lb/>
ders aber diejenigen, welche hier in Erfurt nicht<lb/>
ko&#x0364;nnen erzogen und von fremden Orten mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en<lb/>
ver&#x017F;chrieben werden. Z. E. Majoran, Arti&#x017F;chocken<lb/>
und Spani&#x017F;che Cardi-Ko&#x0364;rner, Roßmarin, edle Me-<lb/>
li&#x017F;&#x017F;e, u. d. gl. oder auch die Einheimi&#x017F;chen, wenn<lb/>
man be&#x017F;orget, daß der Same in den ver&#x017F;trichenen<lb/>
Jahren zum Aufgehen wa&#x0364;re zu alt geworden, da-<lb/>
mit man wegen der Aus&#x017F;aat um des Aufgehens<lb/>
willen &#x017F;ich de&#x017F;to gewi&#x017F;&#x017F;er darauf verla&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;nne.</p><lb/>
        <p>Die&#x017F;e Samen werden in einen Scherben,<lb/>
welcher mit Erde angefu&#x0364;llet worden, auf den Hin-<lb/>
ter-Ofen zur Winter-Zeit ge&#x017F;tellet, alwo er unten<lb/>
an dem Boden eine &#x017F;olche Wa&#x0364;rme genie&#x017F;&#x017F;en kan,<lb/>
als wenn der Scherben in ein Mi&#x017F;t-Bett oder<lb/>
Treib-Haus wa&#x0364;re ge&#x017F;tellet worden; &#x017F;olte aber je-<lb/>
mand keine Gelegenheit haben, den Scherben<lb/>
auf den Hinter-Ofen zu &#x017F;tellen, &#x017F;o kan auch &#x017F;olcher<lb/>
daneben ge&#x017F;tellet werden, aber nur nicht in alzu<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;er Hitze, als welche hier &#x017F;cha&#x0364;dlich i&#x017F;t.</p><lb/>
        <p>Mit denen Samen, welche man gedenket zu<lb/>
probiren, verfa&#x0364;hret man al&#x017F;o: Er&#x017F;tlich nimt man<lb/>
ein leinen La&#x0364;plein 4 Zol in Quadrat, und in der<lb/>
Mitte die&#x017F;es La&#x0364;pleins leget man &#x017F;o viel Samen,<lb/>
als man mit denen zweyen Forder-Fingern gleich-<lb/>
&#x017F;am als eine Pri&#x017F;e Schnupf-Tobak begreifen kan,<lb/>
und &#x017F;o die&#x017F;es ge&#x017F;chehen, nimt man &#x017F;olches an de-<lb/>
nen vier Ecken zu&#x017F;ammen, daß es einem Beutel<lb/>
a&#x0364;hnlich &#x017F;iehet, und al&#x017F;o bleibt der hinein gelegte<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">B 2</fw><fw place="bottom" type="catch">Same</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[19/0040] allerhand Samen probiren ſol. niciren wollen, damit ſie nicht koͤnnen betruͤgen noch betrogen werden. Zur Herbſt- und Win- ter-Zeit pflege ich die Samen zu probiren, beſon- ders aber diejenigen, welche hier in Erfurt nicht koͤnnen erzogen und von fremden Orten muͤſſen verſchrieben werden. Z. E. Majoran, Artiſchocken und Spaniſche Cardi-Koͤrner, Roßmarin, edle Me- liſſe, u. d. gl. oder auch die Einheimiſchen, wenn man beſorget, daß der Same in den verſtrichenen Jahren zum Aufgehen waͤre zu alt geworden, da- mit man wegen der Ausſaat um des Aufgehens willen ſich deſto gewiſſer darauf verlaſſen koͤnne. Dieſe Samen werden in einen Scherben, welcher mit Erde angefuͤllet worden, auf den Hin- ter-Ofen zur Winter-Zeit geſtellet, alwo er unten an dem Boden eine ſolche Waͤrme genieſſen kan, als wenn der Scherben in ein Miſt-Bett oder Treib-Haus waͤre geſtellet worden; ſolte aber je- mand keine Gelegenheit haben, den Scherben auf den Hinter-Ofen zu ſtellen, ſo kan auch ſolcher daneben geſtellet werden, aber nur nicht in alzu groſſer Hitze, als welche hier ſchaͤdlich iſt. Mit denen Samen, welche man gedenket zu probiren, verfaͤhret man alſo: Erſtlich nimt man ein leinen Laͤplein 4 Zol in Quadrat, und in der Mitte dieſes Laͤpleins leget man ſo viel Samen, als man mit denen zweyen Forder-Fingern gleich- ſam als eine Priſe Schnupf-Tobak begreifen kan, und ſo dieſes geſchehen, nimt man ſolches an de- nen vier Ecken zuſammen, daß es einem Beutel aͤhnlich ſiehet, und alſo bleibt der hinein gelegte Same B 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz01_1753
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz01_1753/40
Zitationshilfe: Reichardt, Christian: Land- u. Garten-Schatzes. Bd. 1. Erfurt, 1753, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz01_1753/40>, abgerufen am 18.04.2024.