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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

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vorgenommen ihnen Verdruß zu machen, und
machte den General täglich auf hundert Umstände
aufmerksam, die seinen Adelstolz reizten, indem sie
ihm bald alle Stunden etwas zeigte, das er für ih-
ren Stand nicht schicklich hielt. -- Sie bracht' es
auch bald dahin, daß er es nicht mehr ausstehen
konnte, wenn Arner von der Schule, vom Lieute-
nant, oder vom Pfarrer in Bonnal nur ein Wort
redte, und ihm täglich sagte: du plagest dich mit
Sachen, die dich nichts angehen; und beladest dich
mit Leuten, von denen du keine Ehre hast, auch
kannst du so unmöglich gesund seyn, wie du dich
den ganzen Tag anstrengst. -- Umsonst sagte ihm
dieser, es mache ihm keine Mühe, er thue es ja
gern. Man siehts dir ja an, erwiederte der Alte,
daß du nicht wohl bist; es ist nichts daran schuld
als dieses, und der tägliche Verdruß, den du dir
noch damit zuziehest. -- Das plagte Arnern, und
der Plage los zu werden sagte er endlich dem Hof-
mann, es stehe nicht mehr bey ihm, ob er diese
Sachen wollte liegen lassen oder nicht, der Herzog
wisse davon, halte die Sache für gar wichtig, und
er müsse gar oft Berichte von allem nach Hof schi-
cken, die seiner Durchlaucht selbst zu Handen kom-
men.

Dann ists etwas anders, wenn der Herzog
davon weißt! -- dann ists etwas anders -- sagte
izt der Alte; und es freute ihn so sehr, daß er nicht

vorgenommen ihnen Verdruß zu machen, und
machte den General taͤglich auf hundert Umſtaͤnde
aufmerkſam, die ſeinen Adelſtolz reizten, indem ſie
ihm bald alle Stunden etwas zeigte, das er fuͤr ih-
ren Stand nicht ſchicklich hielt. — Sie bracht' es
auch bald dahin, daß er es nicht mehr ausſtehen
konnte, wenn Arner von der Schule, vom Lieute-
nant, oder vom Pfarrer in Bonnal nur ein Wort
redte, und ihm taͤglich ſagte: du plageſt dich mit
Sachen, die dich nichts angehen; und beladeſt dich
mit Leuten, von denen du keine Ehre haſt, auch
kannſt du ſo unmoͤglich geſund ſeyn, wie du dich
den ganzen Tag anſtrengſt. — Umſonſt ſagte ihm
dieſer, es mache ihm keine Muͤhe, er thue es ja
gern. Man ſiehts dir ja an, erwiederte der Alte,
daß du nicht wohl biſt; es iſt nichts daran ſchuld
als dieſes, und der taͤgliche Verdruß, den du dir
noch damit zuzieheſt. — Das plagte Arnern, und
der Plage los zu werden ſagte er endlich dem Hof-
mann, es ſtehe nicht mehr bey ihm, ob er dieſe
Sachen wollte liegen laſſen oder nicht, der Herzog
wiſſe davon, halte die Sache fuͤr gar wichtig, und
er muͤſſe gar oft Berichte von allem nach Hof ſchi-
cken, die ſeiner Durchlaucht ſelbſt zu Handen kom-
men.

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davon weißt! — dann iſts etwas anders — ſagte
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[15/0033] vorgenommen ihnen Verdruß zu machen, und machte den General taͤglich auf hundert Umſtaͤnde aufmerkſam, die ſeinen Adelſtolz reizten, indem ſie ihm bald alle Stunden etwas zeigte, das er fuͤr ih- ren Stand nicht ſchicklich hielt. — Sie bracht' es auch bald dahin, daß er es nicht mehr ausſtehen konnte, wenn Arner von der Schule, vom Lieute- nant, oder vom Pfarrer in Bonnal nur ein Wort redte, und ihm taͤglich ſagte: du plageſt dich mit Sachen, die dich nichts angehen; und beladeſt dich mit Leuten, von denen du keine Ehre haſt, auch kannſt du ſo unmoͤglich geſund ſeyn, wie du dich den ganzen Tag anſtrengſt. — Umſonſt ſagte ihm dieſer, es mache ihm keine Muͤhe, er thue es ja gern. Man ſiehts dir ja an, erwiederte der Alte, daß du nicht wohl biſt; es iſt nichts daran ſchuld als dieſes, und der taͤgliche Verdruß, den du dir noch damit zuzieheſt. — Das plagte Arnern, und der Plage los zu werden ſagte er endlich dem Hof- mann, es ſtehe nicht mehr bey ihm, ob er dieſe Sachen wollte liegen laſſen oder nicht, der Herzog wiſſe davon, halte die Sache fuͤr gar wichtig, und er muͤſſe gar oft Berichte von allem nach Hof ſchi- cken, die ſeiner Durchlaucht ſelbſt zu Handen kom- men. Dann iſts etwas anders, wenn der Herzog davon weißt! — dann iſts etwas anders — ſagte izt der Alte; und es freute ihn ſo ſehr, daß er nicht

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/33>, abgerufen am 11.05.2021.