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Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793.

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alle Paradiese der vergangnen und alle Paradiese
der zukünftigen Jugend . . . Gustav.


So weit war er, als Oefels Bedienter mit ei¬
nem Paket an ihn in seine Stube trat, das leich¬
ter als die kälteste Nachtluft und der wärmste Brief
die Bewegungen seiner Seele anhielt und abkühlte.
Ein Brief vom Doktor lag mit der Nachricht dar¬
in, daß die Frau von Röper ihm in Maussenbach
gegenwärtiges Portrait mitgegeben, das ihre
Tochter für ihr eignes verlornes gehalten, auf des¬
sen Rücken aber der Name Falkenberg stehe und
alle übrige Aehnlichkeiten widerlege. So lieb ihm
das Portrait war, so ärgerlich wars ihm, da es
jetzt ein neuer Beweis seiner Vermuthung war,
Mutter und Tochter hasseten ihn wegen des Korn-
Avertissements. Die Spinne des Hasses, die bei
jedem Menschen über eine Ecke der Herzkammer ihr
Gespinnste hängt -- nur überspinnen große Kanker in
manchem alle vier Kammern mit ihren fünf Spinn¬
warzen -- lief auf ihren Fäden hervor, die Aman¬
dus erschüttert hatte und wollte Fang; kurz die kal¬
te Färbershand berührte sein Herz und macht' es
ein wenig kälter gegen seinen Amandus, dessen

alle Paradieſe der vergangnen und alle Paradieſe
der zukuͤnftigen Jugend . . . Guſtav.


So weit war er, als Oefels Bedienter mit ei¬
nem Paket an ihn in ſeine Stube trat, das leich¬
ter als die kaͤlteſte Nachtluft und der waͤrmſte Brief
die Bewegungen ſeiner Seele anhielt und abkuͤhlte.
Ein Brief vom Doktor lag mit der Nachricht dar¬
in, daß die Frau von Roͤper ihm in Mauſſenbach
gegenwaͤrtiges Portrait mitgegeben, das ihre
Tochter fuͤr ihr eignes verlornes gehalten, auf deſ¬
ſen Ruͤcken aber der Name Falkenberg ſtehe und
alle uͤbrige Aehnlichkeiten widerlege. So lieb ihm
das Portrait war, ſo aͤrgerlich wars ihm, da es
jetzt ein neuer Beweis ſeiner Vermuthung war,
Mutter und Tochter haſſeten ihn wegen des Korn-
Avertiſſements. Die Spinne des Haſſes, die bei
jedem Menſchen uͤber eine Ecke der Herzkammer ihr
Geſpinnſte haͤngt — nur uͤberſpinnen große Kanker in
manchem alle vier Kammern mit ihren fuͤnf Spinn¬
warzen — lief auf ihren Faͤden hervor, die Aman¬
dus erſchuͤttert hatte und wollte Fang; kurz die kal¬
te Faͤrbershand beruͤhrte ſein Herz und macht' es
ein wenig kaͤlter gegen ſeinen Amandus, deſſen

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[13/0023] alle Paradieſe der vergangnen und alle Paradieſe der zukuͤnftigen Jugend . . . Guſtav. So weit war er, als Oefels Bedienter mit ei¬ nem Paket an ihn in ſeine Stube trat, das leich¬ ter als die kaͤlteſte Nachtluft und der waͤrmſte Brief die Bewegungen ſeiner Seele anhielt und abkuͤhlte. Ein Brief vom Doktor lag mit der Nachricht dar¬ in, daß die Frau von Roͤper ihm in Mauſſenbach gegenwaͤrtiges Portrait mitgegeben, das ihre Tochter fuͤr ihr eignes verlornes gehalten, auf deſ¬ ſen Ruͤcken aber der Name Falkenberg ſtehe und alle uͤbrige Aehnlichkeiten widerlege. So lieb ihm das Portrait war, ſo aͤrgerlich wars ihm, da es jetzt ein neuer Beweis ſeiner Vermuthung war, Mutter und Tochter haſſeten ihn wegen des Korn- Avertiſſements. Die Spinne des Haſſes, die bei jedem Menſchen uͤber eine Ecke der Herzkammer ihr Geſpinnſte haͤngt — nur uͤberſpinnen große Kanker in manchem alle vier Kammern mit ihren fuͤnf Spinn¬ warzen — lief auf ihren Faͤden hervor, die Aman¬ dus erſchuͤttert hatte und wollte Fang; kurz die kal¬ te Faͤrbershand beruͤhrte ſein Herz und macht' es ein wenig kaͤlter gegen ſeinen Amandus, deſſen

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Zitationshilfe: Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/paul_loge02_1793/23>, abgerufen am 23.02.2024.