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St. Galler Volksblatt. Nr. 22, Uznach, 02. 06. 1883.

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St.Galler Volksblatt.

[Spaltenumbruch]
Achtundzwanzigster

[Spaltenumbruch] (Eigenthum, Druck und Verlag von Leonh. Gegenbauer.).
[Spaltenumbruch]
Jahrgang.



[Spaltenumbruch] Uznach,

[Spaltenumbruch]

Erscheint Samstags mit der Mittwochs-Nummer als Beilage.
Alle 14 Tage mit den "Linth-Blätter".


[Spaltenumbruch]
Samstag, 2. Juni 1883.



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Abonnementspreis für wöchentlich zweimalige Sendung:
Bei der Expedition abgeholt: jährl. Fr. 4. 50, 1/2j. Fr. 2. 30, 1/4j. Fr. 1. 20.
Mit Adresse und bei den extra Verträgern: 1/2j. Fr. 2. 50, 1/4j. Fr. 1. 30.
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Für's Ausland (Postverein) mit Adresse: 1/2j. Fr. 3. 50, 1/4j. Fr. 1. 80.


[Spaltenumbruch]
No 22
der wöchentl. 1maligen Sendung.

[Spaltenumbruch]

Inserationsgebühr für Seebezirk und Gaster (ohne Vermittlung
der sog. Inseratenbureau): Die kleinspaltige Petitzeile oder deren Raum wird
mit 10 Rp. berechnet;
Auswärtige Inserate kosten 15 Rp. die Petitzeile. Bei öfteren Wie-
derholungen billiger. -- Die Versendung des Blattes findet jeweils am Dienstag
und Freitag Abend statt und es können daher nur jene Inserate in der nächsten
Nummer erscheinen, welche 12 Stunden vor der Ausgabe des Blattes in der
Druckerei abgegeben sind. -- Auswärtige Anfragen betr. Inseraten müssen mit
10 Cts. in Briefmarken für Rückantwort enthalten. -- Unfrankirte Sendungen
werden nicht angenommen.




[Spaltenumbruch]
-- Von der Ausstellung. --


Der Wonnemonat Mai hat durch Regen und milden
Sonnenschein den Fleiß unserer Nation in so liebenswür-
diger Weise unterstützt, daß der Ausstellungsplatz mit
seinen üppigen Rasenbeeten und herrlich blühenden sonstigen
Partieen fast in ein kleines Eden verwandelt erscheint.
Kein Wunder, daß sich die Besucher daher mit Vorliebe
in den schattigen Anlagen herumtummeln, um so mehr,
als in den verschiedenen Gruppen die Preisrichter soeben
angefangen haben, im Schweiße ihres Angesichtes ihrer
Prüfungspflicht obzuliegen und manches pochende Aussteller-
herz sich in Gottes freier Natur von zweifelnden Beklem-
mungen Luft machen muß. Besonders lebhaft indeß ist
in letzterer Zeit die Frequenz in der Maschinenhalle, deren
Nachzüglerarbeiten jetzt vollständig fertig gestellt sind und
-- zum größten Theile im Betrieb -- ein reges Interesse
in Anspruch nehmen. Die temporären Ausstellungen der
Landwirthschaft, von denen die Kleinvieh-Ausstellung bereits
beendet, nehmen mehr das fachmännische Interesse in An-
spruch; daher war auch der Besuch der Letzteren in den
etwas abgelegenen Militairstallungen ein mäßiger. Indeß muß
constatirt werden, daß die achtbare Gesellschaft der Vierfüßler
ihren Besitzern alle Ehre gemacht hat. Der wissenschaftliche
Fortschritt der rationellen Viehzucht ist, nach den Ergeb-
nissen der Kleinvieh-Ausstellung, bei unserer Landbevölke-
rung schnell erfaßt und mit Glück verwerthet. -- Auf
die folgenden temporären Ausstellungen werden wir im
Laufe der Zeit eingehend zurückkommen, indem wir die
Voraussetzung machen, daß dieselben noch reichlichen Stoff
zu ausführlichen Spezialberichten bieten.

Von den Annexbauten im Ausstellungs-Parke erfreut
sich, neben der forstwirthschaftlichen Abtheilung, das Aqua-
rium eines äußerst regen Vesuches, besonders von Seiten
der Schuljugend, die hier reiche Gelegenheit findet, dem
theoretischen Wissen durch praktisches Studium nachzuhelfen.

Die Anlage des Aquariums ist nach dem Muster
großstädtischer Etablissements sorgfältig durchgeführt und
dasselbe zum großen Theil mit heimathlichen Fischarten
bevölkert. Die ganze Anlage ist in massiver Arbeit solide
ausgeführt, so daß sie -- wie auch von vornherein ge-
plant -- noch in späteren Jahren zu den Sehenswürdig-
keiten von Zürich gezählt werden darf. -- Was die Kunst-
ausstellung betrifft, so muß der Besuch seither ein ver-
hältnißmäßig geringer genannt werden, wie wohl sich mit
Sicherheit annehmen läßt, daß mit Beginn der Saison
das Interesse der gebildeten Welt, die Perle unserer Landes-
ausstellung nicht unbeachtet lassen wird. -- Mit besonderer
Genugthuung dürfen wir daher die freundschaftliche Theil-
nahme der Nachbarstaaten an unserm Werke des Friedens
entgegennehmen und die Ueberzeugung aussprechen, daß
unsere Gastfreunde von Fern und Nah die Intentionen, die
ein fleißiges, republikanisches Volk der Mitwelt unterbreitet,
würdigen und der allgemeinen Beachtung werth halten werden.

Vermischtes. Die Administration des Orchesters
der Scala in Mailand machte dem Comite der Landes-
ausstellung den Antrag an den Tagen 7., 8. u. 9. Juni
dahier zu koncertiren. Da gegenseitige Unterhandlungen
bereits eingeleitet sind, liegt die Aussicht nahe, daß uns
diese vorzüglich renomirte, aus ca. 100 Künstlern bestehende
Musterkapelle demnächst außergewöhnliche Kunstgenüsse bie-
ten wird.

Von Seiten des Ausstellungscomite's, sowie in den
weitesten Kreisen der Interessenten wird das musterhafte
Verhalten des großen Publikums beim Besuche der Aus-
stellung öffentlich lobend anerkannt. Hoffen wir, daß die-
ses ehrende Zeugniß bis zum Schluß der Landesausstellung
stichhaltig bleibt.

Frequenz in der Landesausstellung am 28. Mai:
11,579 Personen; am 29. Mai: 9991 Personen.




Ueber die schweizerische Seidenindustrie
an der Landesausstellung

entnehmen wir dem "Freien Rhätier folgende Korrespondenz:

"Das große Gebiet der Textilindustrie bedeckt auf der
schweizer. Landesausstellung ein bedeutendes Feld und es
ist dieser Theil der Ausstellung durch die große Mannig-
faltigkeit des Gebotenen, durch den Glanz der Farben und
den Reichthum der Gestaltung geeignet, das Interesse des
[Spaltenumbruch] Besuchers in besonderm Maße in Anspruch zu nehmen.
Das gilt namentlich von den Objekten der Seidenindustrie.
Wohin nur das Auge blickt, wird es geblendet durch die
herrlichen Wunder, welche des Menschen kundige Hand aus
unscheinbarem Rohprodukt hervorgezaubert hat und man
muß staunen über die wahrhaft großartigen Leistungen eines
so kleinen Landes auf diesem Gebiete. Nicht weniger als
98 Firmen haben sich in der Seidengruppe betheiligt und
alle sind in edlem Wetteifer bemüht, einander an Glanz
und Schönheit ihrer Ausstellungsobjekte und durch geschmack-
volle und reizende Gruppirung und Anordnung derselben
zu überbieten. Gewiß bekommt der Besucher einen hohen
Begriff von der Ausdehnung und Leistungsfähigkeit der
Seidenindustrie in der Schweiz.

Vor dem 14. Jahrhundert schon zeigten sich in der
Schweiz die ersten Anfänge dieser Industrie, indem man
in Zürich und Basel Florschleier und Kopftücher aus roher
Seide herstellte. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erst
schritt man in der Weise fort, daß man statt Rohseide
Stoffe aus gezwirnter und gefärbter Seide verwendete.
In Basel gewann im darauf folgenden Jahrhundert die
Bandfabrikation Ausbreitung, welche heute zu einer so aus-
gedehnten und Achtung gebietenden Industrie geworden ist.
Die Floretspinnerei war schon gegen Ende des 16. Jahr-
hunderts ein wichtiges Gewerbe. Im 18. Jahrhundert
nahm die Seidenindustrie in der Schweiz einen ungeahnten
Aufschwung; dann kamen jedoch die Kriegs- und Revolu-
tionsjahre zu Ende des vorigen und zu Anfang des lau-
fenden Jahrhunderts, welche einen sehr nachtheiligen Ein-
fluß auch auf diesen Industriezweig ausübten, wie sie allem
friedlichen Schaffen und Wirken feindlich waren. Der
gegenwärtige Glanz und Aufschwung der schweizer. Seiden-
industrie datirt aus den 30er Jahren und wurde durch
günstige politische und wirthschaftliche Verhältnisse herbei-
geführt. Während man früher nur die Hausindustrie kannte,
entwickelte sich nunmehr die Fabrikindustrie, welche in 230
Etablissementen gegen 26,000 Arbeiter beschäftigt.

In den letzten Jahren hatte die Seidenindustrie freilich
mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen und es war der
Geschäftsgang verschiedener Seidenbranchen ein wenig be-
friedigender. Um so größere Anerkennung verdient die
Energie und Ausdauer, mit welcher die Vertreter des
Seidenfachs den Hemmnissen entgegentraten und ihre Branche
aufrecht erhielten, wenn auch leider einzelne Kämpfer unter-
liegen mußten.

Von der Ausdehnung der schweiz. Seidenindustrie kann
man sich einen Begriff machen, wenn man sich folgende
Zahlen vergegenwärtigt: im Jahre 1881 wurden 2,153,100
Kilo Rohseide und 1,067,700 Kilo Seidenabfälle einge-
führt, während an Seidenstoffen 1,152,300 Kilo, an Bän-
dern 1,965,400 Kilo und an Floretseide 819,000 Kilo
ausgeführt wurden.

Wenn wir die Abtheilung der Seidenindustrie kurz nach
dem Betreten der weiten Industriehalle durchwandeln, so
wissen wir bei dem embarras de richesse in der That
nicht, wo wir mit der Betrachtung anfangen und mit der
Bewunderung aufhören sollen. Es ist eben Alles schön,
was in diesen nahezu hundert Vitrinen und Pavillons aus-
gestellt ist. Da fesseln glatte und faconnirte Seidenstoffe,
glänzendschwarz und dann wieder in allen Farben des Regen-
bogens schimmernd, unser Auge, dort reizt uns die hübsch
gruppirte Auswahl prächtiger Cachenez und Foulards, dann
staunen wir über die großartigen Leistungen der Seiden-
färberei und die reiche Auswahl der am Stück gefärbten
Stoffe. Besonders sind die verschiedenen Collektivausstel-
lungen geeignet, das Interesse und die Aufmerksamkeit der
Besucher im höchsten Grade zu fesseln und ihnen einen
Begriff zu geben von den hervorragenden Leistungen der
schweizer. Seidenfabrikanten. Die Collektivausstellung des
Bandfabrikantenvereins macht insbesondere einen großartigen
Eindruck. Auch die Collektivausstellung der Basler Floret-
spinnereien weist hervorragende Spezialitäten auf. Vor
Allem aber findet das Auge herrliche Weide an den Ob-
jekten der Collektivausstellungen der Zürcher- und Basler-
Seidenfärbereien. In allen Nüancen zeigen sich die Far-
ben, es ist, wie wenn Alles der Natur abgelauscht worden
wäre und die kundige Menschenhand nur die eine Absicht
gehabt hätte, die Natur noch zu überbieten.

Kein Besucher der Seidengruppe an der Ausstellung
[Spaltenumbruch] ist, der nicht des Lobes und der Anerkennung voll wäre
über den Glanz desjenigen, was hier in reicher Fülle ge-
boten wird."




Eidgenössisches.
-- Militärisches.

Der "Nouv. vaud." reagirt
ziemlich kräftig gegen die jüngste Verfügung des Bundes-
rathes über die Bataillons-Fahnen. Er kritisirt die Art
und Weise, wie man durch einen einfachen Federstrich die
Bänder mit den Kantonsfarben sowie die Namen der
Kantone ausmerzte, welche bisher mit goldenen Lettern
in's weiße eidgenössische Kreuz eingestickt waren, und nennt
die Verfügung einen weiteren Schritt gegen die Zentrali-
sation hin. Das genannte Blatt hält das bundesräthliche
Dekret für verfassungswidrig, im Hinblick auf Art. 19
der Bundesverfassung von 1874, welcher in erster Linie
ausdrücklich besage: "Das Bundesheer besteht aus den
Truppen der Kantone." Dieser Artikel werde präzisirt
durch sein Alinea 4, sowie durch Artikel 21 der Bundes-
verfassung und durch die Art. 37 bis 39 des eidgenössischen
Militärgesetzes vom 13. Novbr. 1874. Sehr klar gehe
daraus hervor, daß die Armee noch lange nicht eine
Domaine des Bundes geworden sei, sondern daß die Kan-
tone über ihre Truppenkörper Souveränetätsrechte besitzen
und zwar viel ausgedehnter als man sich im Allgemeinen
vorstelle. Der "Nouvelliste" hofft, die bundesräthliche
Verfügung werde den Gegenstand eines ernstlichen Protestes
bilden entweder Seitens der Kantonsregierungen, oder
Seitens der förderalistischen Mitglieder der Bundes-
versammlung.

-- Erfindnngsschutz.

Während der Ausstellung
wird in Zürich eine größere Versammlung veranstaltet
werden, um diese Frage wieder zu verhandeln.

-- Stickerei.

Der schweiz. Generalkonsul in Bu-
karest, Herr I. Staub, stellt dem Absatzfeld für
schweizerische Stickereien in Rumänien ein sehr gutes
Prognostikon. In seinem jüngsten Berichte an den
Bundesrath schreibt er u. A.: "Der Absatz ist hier ein
bedeutender und der Vedarf in stetem Wachsen. Die
Leistungsfähigkeit der Fabrikanten ist mit Bezug auf die
Raschheit der Lieferungen hinter den Anforderungen der
Besteller zurückgeblieben. Um die Kunden rascher bedienen
zu können, übernahmen hiesige Agenten die Vertretung
mehrerer Fabrikanten zugleich, ein Vorgang, der schwerlich
bei einem andern Artikel ohne Widerstreit der Interessen
stattfinden könnte. Allerdings gelten für den Massenbedarf
keine großen Preise und derselbe bewegt sich meist in den
untern und mittlern Stufen der langen Preisscala; er
fängt mit Vorliebe schon bei der Waare an, die 25 bis
30 Rp. per aune kostet. Während die bessere Waare
noch immer in Stücken von 11/2 aunes bestellt wird,
gehen billige Vroderien (bandes et entre-deux), die eben
das Gros ausmachen, nur noch in Stücken von 3 aunes;
Dessins a jour.
Ich gebe zu, daß den meisten Fabri-
kanten diese Richtung des Geschmacks und diese Kargheit
der Konsumenten nicht zusagt. Dafür aber werden sie
in der Größe des Umsatzes bessere Befriedigung finden
und ich kann nicht umhin, meine Worte vom 16. Dezember
zu wiederholen, daß der Fabrikant, "der auch hinsichtlich
der Preise auf den hiesigen Geschmack eingerichtet ist, mit
Ruhe die Produktion vermehren darf." Der Bedarf von
billigen Broderien hat sich recht eigentlich popularisirt und
selbst die Aermste schmückt Hemd und Schirtingjacke mit
einem Aufputz von Stickereien."

-- Presse.

Der Bundesstadtkorrespondent des "Vater-
land" regte kürzlich eine Vereinigung der konservativen
Journalisten an. Eine solche Vereinigung müßte nament-
lich dazu dienen, eine Reihe von Programmpunkten festzu-
stellen, nach welchen in der konservativen Presse für die
Zukunft gearbeitet werden sollte, bestimmte politische oder
wirthschaftliche Gebiete auszuscheiden, welche fürderhin durch
das Organ der konservativen Presse zu erörtern wären
u. s. w. Nur vorwärts; Einverstanden!

-- Eine Bundesbeamten-Vermehrung steht
wieder in Aussicht. Der h. Bundesrath wird nämlich
der Bundesversammlung die Einführung einer Adjunkten-
stelle am eidgen. statistischen Bureau mit einer Besoldung
von 4000--5000 Fr. beantragen.


St.Galler Volksblatt.

[Spaltenumbruch]
Achtundzwanzigſter

[Spaltenumbruch] (Eigenthum, Druck und Verlag von Leonh. Gegenbauer.).
[Spaltenumbruch]
Jahrgang.



[Spaltenumbruch] Uznach,

[Spaltenumbruch]

Erſcheint Samſtags mit der Mittwochs-Nummer als Beilage.
Alle 14 Tage mit den „Linth-Blätter“.


[Spaltenumbruch]
Samſtag, 2. Juni 1883.



[Spaltenumbruch]

Abonnementspreis für wöchentlich zweimalige Sendung:
Bei der Expedition abgeholt: jährl. Fr. 4. 50, ½j. Fr. 2. 30, ¼j. Fr. 1. 20.
Mit Adreſſe und bei den extra Verträgern: ½j. Fr. 2. 50, ¼j. Fr. 1. 30.
Bei der Poſt abonnirt: jährl. Fr. 5. 20, ½j. Fr. 2. 70, ¼j. Fr. 1. 50.
Für’s Ausland (Poſtverein) unter Adreſſe: ½j. Fr. 5. —. ¼j. Fr. 2. 50.
Abonnementspreis für wöchentlich einmalige Sendung:
Bei der Expedition mit Adreſſe und bei der Poſt ohne Adreſſe abonnirt:
jährl. Fr. 4. 60, ½j. Fr. 2. 40, ¼j. Fr. 1. 30.
Für’s Ausland (Poſtverein) mit Adreſſe: ½j. Fr. 3. 50, ¼j. Fr. 1. 80.


[Spaltenumbruch]
No 22
der wöchentl. 1maligen Sendung.

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Inſerationsgebühr für Seebezirk und Gaſter (ohne Vermittlung
der ſog. Inſeratenbureau): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum wird
mit 10 Rp. berechnet;
Auswärtige Inſerate koſten 15 Rp. die Petitzeile. Bei öfteren Wie-
derholungen billiger. — Die Verſendung des Blattes findet jeweils am Dienſtag
und Freitag Abend ſtatt und es können daher nur jene Inſerate in der nächſten
Nummer erſcheinen, welche 12 Stunden vor der Ausgabe des Blattes in der
Druckerei abgegeben ſind. — Auswärtige Anfragen betr. Inſeraten müſſen mit
10 Cts. in Briefmarken für Rückantwort enthalten. — Unfrankirte Sendungen
werden nicht angenommen.




[Spaltenumbruch]
Von der Ausſtellung.


Der Wonnemonat Mai hat durch Regen und milden
Sonnenſchein den Fleiß unſerer Nation in ſo liebenswür-
diger Weiſe unterſtützt, daß der Ausſtellungsplatz mit
ſeinen üppigen Raſenbeeten und herrlich blühenden ſonſtigen
Partieen faſt in ein kleines Eden verwandelt erſcheint.
Kein Wunder, daß ſich die Beſucher daher mit Vorliebe
in den ſchattigen Anlagen herumtummeln, um ſo mehr,
als in den verſchiedenen Gruppen die Preisrichter ſoeben
angefangen haben, im Schweiße ihres Angeſichtes ihrer
Prüfungspflicht obzuliegen und manches pochende Ausſteller-
herz ſich in Gottes freier Natur von zweifelnden Beklem-
mungen Luft machen muß. Beſonders lebhaft indeß iſt
in letzterer Zeit die Frequenz in der Maſchinenhalle, deren
Nachzüglerarbeiten jetzt vollſtändig fertig geſtellt ſind und
— zum größten Theile im Betrieb — ein reges Intereſſe
in Anſpruch nehmen. Die temporären Ausſtellungen der
Landwirthſchaft, von denen die Kleinvieh-Ausſtellung bereits
beendet, nehmen mehr das fachmänniſche Intereſſe in An-
ſpruch; daher war auch der Beſuch der Letzteren in den
etwas abgelegenen Militairſtallungen ein mäßiger. Indeß muß
conſtatirt werden, daß die achtbare Geſellſchaft der Vierfüßler
ihren Beſitzern alle Ehre gemacht hat. Der wiſſenſchaftliche
Fortſchritt der rationellen Viehzucht iſt, nach den Ergeb-
niſſen der Kleinvieh-Ausſtellung, bei unſerer Landbevölke-
rung ſchnell erfaßt und mit Glück verwerthet. — Auf
die folgenden temporären Ausſtellungen werden wir im
Laufe der Zeit eingehend zurückkommen, indem wir die
Vorausſetzung machen, daß dieſelben noch reichlichen Stoff
zu ausführlichen Spezialberichten bieten.

Von den Annexbauten im Ausſtellungs-Parke erfreut
ſich, neben der forſtwirthſchaftlichen Abtheilung, das Aqua-
rium eines äußerſt regen Veſuches, beſonders von Seiten
der Schuljugend, die hier reiche Gelegenheit findet, dem
theoretiſchen Wiſſen durch praktiſches Studium nachzuhelfen.

Die Anlage des Aquariums iſt nach dem Muſter
großſtädtiſcher Etabliſſements ſorgfältig durchgeführt und
dasſelbe zum großen Theil mit heimathlichen Fiſcharten
bevölkert. Die ganze Anlage iſt in maſſiver Arbeit ſolide
ausgeführt, ſo daß ſie — wie auch von vornherein ge-
plant — noch in ſpäteren Jahren zu den Sehenswürdig-
keiten von Zürich gezählt werden darf. — Was die Kunſt-
ausſtellung betrifft, ſo muß der Beſuch ſeither ein ver-
hältnißmäßig geringer genannt werden, wie wohl ſich mit
Sicherheit annehmen läßt, daß mit Beginn der Saiſon
das Intereſſe der gebildeten Welt, die Perle unſerer Landes-
ausſtellung nicht unbeachtet laſſen wird. — Mit beſonderer
Genugthuung dürfen wir daher die freundſchaftliche Theil-
nahme der Nachbarſtaaten an unſerm Werke des Friedens
entgegennehmen und die Ueberzeugung ausſprechen, daß
unſere Gaſtfreunde von Fern und Nah die Intentionen, die
ein fleißiges, republikaniſches Volk der Mitwelt unterbreitet,
würdigen und der allgemeinen Beachtung werth halten werden.

Vermiſchtes. Die Adminiſtration des Orcheſters
der Scala in Mailand machte dem Comite der Landes-
ausſtellung den Antrag an den Tagen 7., 8. u. 9. Juni
dahier zu koncertiren. Da gegenſeitige Unterhandlungen
bereits eingeleitet ſind, liegt die Ausſicht nahe, daß uns
dieſe vorzüglich renomirte, aus ca. 100 Künſtlern beſtehende
Muſterkapelle demnächſt außergewöhnliche Kunſtgenüſſe bie-
ten wird.

Von Seiten des Ausſtellungscomite’s, ſowie in den
weiteſten Kreiſen der Intereſſenten wird das muſterhafte
Verhalten des großen Publikums beim Beſuche der Aus-
ſtellung öffentlich lobend anerkannt. Hoffen wir, daß die-
ſes ehrende Zeugniß bis zum Schluß der Landesausſtellung
ſtichhaltig bleibt.

Frequenz in der Landesausſtellung am 28. Mai:
11,579 Perſonen; am 29. Mai: 9991 Perſonen.




Ueber die ſchweizeriſche Seideninduſtrie
an der Landesausſtellung

entnehmen wir dem „Freien Rhätier folgende Korreſpondenz:

„Das große Gebiet der Textilinduſtrie bedeckt auf der
ſchweizer. Landesausſtellung ein bedeutendes Feld und es
iſt dieſer Theil der Ausſtellung durch die große Mannig-
faltigkeit des Gebotenen, durch den Glanz der Farben und
den Reichthum der Geſtaltung geeignet, das Intereſſe des
[Spaltenumbruch] Beſuchers in beſonderm Maße in Anſpruch zu nehmen.
Das gilt namentlich von den Objekten der Seideninduſtrie.
Wohin nur das Auge blickt, wird es geblendet durch die
herrlichen Wunder, welche des Menſchen kundige Hand aus
unſcheinbarem Rohprodukt hervorgezaubert hat und man
muß ſtaunen über die wahrhaft großartigen Leiſtungen eines
ſo kleinen Landes auf dieſem Gebiete. Nicht weniger als
98 Firmen haben ſich in der Seidengruppe betheiligt und
alle ſind in edlem Wetteifer bemüht, einander an Glanz
und Schönheit ihrer Ausſtellungsobjekte und durch geſchmack-
volle und reizende Gruppirung und Anordnung derſelben
zu überbieten. Gewiß bekommt der Beſucher einen hohen
Begriff von der Ausdehnung und Leiſtungsfähigkeit der
Seıdeninduſtrie in der Schweiz.

Vor dem 14. Jahrhundert ſchon zeigten ſich in der
Schweiz die erſten Anfänge dieſer Induſtrie, indem man
in Zürich und Baſel Florſchleier und Kopftücher aus roher
Seide herſtellte. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erſt
ſchritt man in der Weiſe fort, daß man ſtatt Rohſeide
Stoffe aus gezwirnter und gefärbter Seide verwendete.
In Baſel gewann im darauf folgenden Jahrhundert die
Bandfabrikation Ausbreitung, welche heute zu einer ſo aus-
gedehnten und Achtung gebietenden Induſtrie geworden iſt.
Die Floretſpinnerei war ſchon gegen Ende des 16. Jahr-
hunderts ein wichtiges Gewerbe. Im 18. Jahrhundert
nahm die Seideninduſtrie in der Schweiz einen ungeahnten
Aufſchwung; dann kamen jedoch die Kriegs- und Revolu-
tionsjahre zu Ende des vorigen und zu Anfang des lau-
fenden Jahrhunderts, welche einen ſehr nachtheiligen Ein-
fluß auch auf dieſen Induſtriezweig ausübten, wie ſie allem
friedlichen Schaffen und Wirken feindlich waren. Der
gegenwärtige Glanz und Aufſchwung der ſchweizer. Seiden-
induſtrie datirt aus den 30er Jahren und wurde durch
günſtige politiſche und wirthſchaftliche Verhältniſſe herbei-
geführt. Während man früher nur die Hausinduſtrie kannte,
entwickelte ſich nunmehr die Fabrikinduſtrie, welche in 230
Etabliſſementen gegen 26,000 Arbeiter beſchäftigt.

In den letzten Jahren hatte die Seideninduſtrie freilich
mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen und es war der
Geſchäftsgang verſchiedener Seidenbranchen ein wenig be-
friedigender. Um ſo größere Anerkennung verdient die
Energie und Ausdauer, mit welcher die Vertreter des
Seidenfachs den Hemmniſſen entgegentraten und ihre Branche
aufrecht erhielten, wenn auch leider einzelne Kämpfer unter-
liegen mußten.

Von der Ausdehnung der ſchweiz. Seideninduſtrie kann
man ſich einen Begriff machen, wenn man ſich folgende
Zahlen vergegenwärtigt: im Jahre 1881 wurden 2,153,100
Kilo Rohſeide und 1,067,700 Kilo Seidenabfälle einge-
führt, während an Seidenſtoffen 1,152,300 Kilo, an Bän-
dern 1,965,400 Kilo und an Floretſeide 819,000 Kilo
ausgeführt wurden.

Wenn wir die Abtheilung der Seideninduſtrie kurz nach
dem Betreten der weiten Induſtriehalle durchwandeln, ſo
wiſſen wir bei dem embarras de richesse in der That
nicht, wo wir mit der Betrachtung anfangen und mit der
Bewunderung aufhören ſollen. Es iſt eben Alles ſchön,
was in dieſen nahezu hundert Vitrinen und Pavillons aus-
geſtellt iſt. Da feſſeln glatte und façonnirte Seidenſtoffe,
glänzendſchwarz und dann wieder in allen Farben des Regen-
bogens ſchimmernd, unſer Auge, dort reizt uns die hübſch
gruppirte Auswahl prächtiger Cachenez und Foulards, dann
ſtaunen wir über die großartigen Leiſtungen der Seiden-
färberei und die reiche Auswahl der am Stück gefärbten
Stoffe. Beſonders ſind die verſchiedenen Collektivausſtel-
lungen geeignet, das Intereſſe und die Aufmerkſamkeit der
Beſucher im höchſten Grade zu feſſeln und ihnen einen
Begriff zu geben von den hervorragenden Leiſtungen der
ſchweizer. Seidenfabrikanten. Die Collektivausſtellung des
Bandfabrikantenvereins macht insbeſondere einen großartigen
Eindruck. Auch die Collektivausſtellung der Basler Floret-
ſpinnereien weist hervorragende Spezialitäten auf. Vor
Allem aber findet das Auge herrliche Weide an den Ob-
jekten der Collektivausſtellungen der Zürcher- und Basler-
Seidenfärbereien. In allen Nüancen zeigen ſich die Far-
ben, es iſt, wie wenn Alles der Natur abgelauſcht worden
wäre und die kundige Menſchenhand nur die eine Abſicht
gehabt hätte, die Natur noch zu überbieten.

Kein Beſucher der Seidengruppe an der Ausſtellung
[Spaltenumbruch] iſt, der nicht des Lobes und der Anerkennung voll wäre
über den Glanz desjenigen, was hier in reicher Fülle ge-
boten wird.“




Eidgenöſſiſches.
Militäriſches.

Der „Nouv. vaud.“ reagirt
ziemlich kräftig gegen die jüngſte Verfügung des Bundes-
rathes über die Bataillons-Fahnen. Er kritiſirt die Art
und Weiſe, wie man durch einen einfachen Federſtrich die
Bänder mit den Kantonsfarben ſowie die Namen der
Kantone ausmerzte, welche bisher mit goldenen Lettern
in’s weiße eidgenöſſiſche Kreuz eingeſtickt waren, und nennt
die Verfügung einen weiteren Schritt gegen die Zentrali-
ſation hin. Das genannte Blatt hält das bundesräthliche
Dekret für verfaſſungswidrig, im Hinblick auf Art. 19
der Bundesverfaſſung von 1874, welcher in erſter Linie
ausdrücklich beſage: „Das Bundesheer beſteht aus den
Truppen der Kantone.“ Dieſer Artikel werde präziſirt
durch ſein Alinea 4, ſowie durch Artikel 21 der Bundes-
verfaſſung und durch die Art. 37 bis 39 des eidgenöſſiſchen
Militärgeſetzes vom 13. Novbr. 1874. Sehr klar gehe
daraus hervor, daß die Armee noch lange nicht eine
Domaine des Bundes geworden ſei, ſondern daß die Kan-
tone über ihre Truppenkörper Souveränetätsrechte beſitzen
und zwar viel ausgedehnter als man ſich im Allgemeinen
vorſtelle. Der „Nouvelliſte“ hofft, die bundesräthliche
Verfügung werde den Gegenſtand eines ernſtlichen Proteſtes
bilden entweder Seitens der Kantonsregierungen, oder
Seitens der förderaliſtiſchen Mitglieder der Bundes-
verſammlung.

Erfindnngsſchutz.

Während der Ausſtellung
wird in Zürich eine größere Verſammlung veranſtaltet
werden, um dieſe Frage wieder zu verhandeln.

Stickerei.

Der ſchweiz. Generalkonſul in Bu-
kareſt, Herr I. Staub, ſtellt dem Abſatzfeld für
ſchweizeriſche Stickereien in Rumänien ein ſehr gutes
Prognoſtikon. In ſeinem jüngſten Berichte an den
Bundesrath ſchreibt er u. A.: „Der Abſatz iſt hier ein
bedeutender und der Vedarf in ſtetem Wachſen. Die
Leiſtungsfähigkeit der Fabrikanten iſt mit Bezug auf die
Raſchheit der Lieferungen hinter den Anforderungen der
Beſteller zurückgeblieben. Um die Kunden raſcher bedienen
zu können, übernahmen hieſige Agenten die Vertretung
mehrerer Fabrikanten zugleich, ein Vorgang, der ſchwerlich
bei einem andern Artikel ohne Widerſtreit der Intereſſen
ſtattfinden könnte. Allerdings gelten für den Maſſenbedarf
keine großen Preiſe und derſelbe bewegt ſich meiſt in den
untern und mittlern Stufen der langen Preisſcala; er
fängt mit Vorliebe ſchon bei der Waare an, die 25 bis
30 Rp. per aune koſtet. Während die beſſere Waare
noch immer in Stücken von 1½ aunes beſtellt wird,
gehen billige Vroderien (bandes et entre-deux), die eben
das Gros ausmachen, nur noch in Stücken von 3 aunes;
Dessins à jour.
Ich gebe zu, daß den meiſten Fabri-
kanten dieſe Richtung des Geſchmacks und dieſe Kargheit
der Konſumenten nicht zuſagt. Dafür aber werden ſie
in der Größe des Umſatzes beſſere Befriedigung finden
und ich kann nicht umhin, meine Worte vom 16. Dezember
zu wiederholen, daß der Fabrikant, „der auch hinſichtlich
der Preiſe auf den hieſigen Geſchmack eingerichtet iſt, mit
Ruhe die Produktion vermehren darf.“ Der Bedarf von
billigen Broderien hat ſich recht eigentlich populariſirt und
ſelbſt die Aermſte ſchmückt Hemd und Schirtingjacke mit
einem Aufputz von Stickereien.“

Preſſe.

Der Bundesſtadtkorreſpondent des „Vater-
land“ regte kürzlich eine Vereinigung der konſervativen
Journaliſten an. Eine ſolche Vereinigung müßte nament-
lich dazu dienen, eine Reihe von Programmpunkten feſtzu-
ſtellen, nach welchen in der konſervativen Preſſe für die
Zukunft gearbeitet werden ſollte, beſtimmte politiſche oder
wirthſchaftliche Gebiete auszuſcheiden, welche fürderhin durch
das Organ der konſervativen Preſſe zu erörtern wären
u. ſ. w. Nur vorwärts; Einverſtanden!

Eine Bundesbeamten-Vermehrung ſteht
wieder in Ausſicht. Der h. Bundesrath wird nämlich
der Bundesverſammlung die Einführung einer Adjunkten-
ſtelle am eidgen. ſtatiſtiſchen Bureau mit einer Beſoldung
von 4000—5000 Fr. beantragen.


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[[1]/0001] St.Galler Volksblatt. Achtundzwanzigſter (Eigenthum, Druck und Verlag von Leonh. Gegenbauer.). Jahrgang. Uznach, Erſcheint Samſtags mit der Mittwochs-Nummer als Beilage. Alle 14 Tage mit den „Linth-Blätter“. Samſtag, 2. Juni 1883. Abonnementspreis für wöchentlich zweimalige Sendung: Bei der Expedition abgeholt: jährl. Fr. 4. 50, ½j. Fr. 2. 30, ¼j. Fr. 1. 20. Mit Adreſſe und bei den extra Verträgern: ½j. Fr. 2. 50, ¼j. Fr. 1. 30. Bei der Poſt abonnirt: jährl. Fr. 5. 20, ½j. Fr. 2. 70, ¼j. Fr. 1. 50. Für’s Ausland (Poſtverein) unter Adreſſe: ½j. Fr. 5. —. ¼j. Fr. 2. 50. Abonnementspreis für wöchentlich einmalige Sendung: Bei der Expedition mit Adreſſe und bei der Poſt ohne Adreſſe abonnirt: jährl. Fr. 4. 60, ½j. Fr. 2. 40, ¼j. Fr. 1. 30. Für’s Ausland (Poſtverein) mit Adreſſe: ½j. Fr. 3. 50, ¼j. Fr. 1. 80. No 22 der wöchentl. 1maligen Sendung. Inſerationsgebühr für Seebezirk und Gaſter (ohne Vermittlung der ſog. Inſeratenbureau): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum wird mit 10 Rp. berechnet; Auswärtige Inſerate koſten 15 Rp. die Petitzeile. Bei öfteren Wie- derholungen billiger. — Die Verſendung des Blattes findet jeweils am Dienſtag und Freitag Abend ſtatt und es können daher nur jene Inſerate in der nächſten Nummer erſcheinen, welche 12 Stunden vor der Ausgabe des Blattes in der Druckerei abgegeben ſind. — Auswärtige Anfragen betr. Inſeraten müſſen mit 10 Cts. in Briefmarken für Rückantwort enthalten. — Unfrankirte Sendungen werden nicht angenommen. — Von der Ausſtellung. — (Korreſp. aus Zürich vom 30. Mai 1883.) Der Wonnemonat Mai hat durch Regen und milden Sonnenſchein den Fleiß unſerer Nation in ſo liebenswür- diger Weiſe unterſtützt, daß der Ausſtellungsplatz mit ſeinen üppigen Raſenbeeten und herrlich blühenden ſonſtigen Partieen faſt in ein kleines Eden verwandelt erſcheint. Kein Wunder, daß ſich die Beſucher daher mit Vorliebe in den ſchattigen Anlagen herumtummeln, um ſo mehr, als in den verſchiedenen Gruppen die Preisrichter ſoeben angefangen haben, im Schweiße ihres Angeſichtes ihrer Prüfungspflicht obzuliegen und manches pochende Ausſteller- herz ſich in Gottes freier Natur von zweifelnden Beklem- mungen Luft machen muß. Beſonders lebhaft indeß iſt in letzterer Zeit die Frequenz in der Maſchinenhalle, deren Nachzüglerarbeiten jetzt vollſtändig fertig geſtellt ſind und — zum größten Theile im Betrieb — ein reges Intereſſe in Anſpruch nehmen. Die temporären Ausſtellungen der Landwirthſchaft, von denen die Kleinvieh-Ausſtellung bereits beendet, nehmen mehr das fachmänniſche Intereſſe in An- ſpruch; daher war auch der Beſuch der Letzteren in den etwas abgelegenen Militairſtallungen ein mäßiger. Indeß muß conſtatirt werden, daß die achtbare Geſellſchaft der Vierfüßler ihren Beſitzern alle Ehre gemacht hat. Der wiſſenſchaftliche Fortſchritt der rationellen Viehzucht iſt, nach den Ergeb- niſſen der Kleinvieh-Ausſtellung, bei unſerer Landbevölke- rung ſchnell erfaßt und mit Glück verwerthet. — Auf die folgenden temporären Ausſtellungen werden wir im Laufe der Zeit eingehend zurückkommen, indem wir die Vorausſetzung machen, daß dieſelben noch reichlichen Stoff zu ausführlichen Spezialberichten bieten. Von den Annexbauten im Ausſtellungs-Parke erfreut ſich, neben der forſtwirthſchaftlichen Abtheilung, das Aqua- rium eines äußerſt regen Veſuches, beſonders von Seiten der Schuljugend, die hier reiche Gelegenheit findet, dem theoretiſchen Wiſſen durch praktiſches Studium nachzuhelfen. Die Anlage des Aquariums iſt nach dem Muſter großſtädtiſcher Etabliſſements ſorgfältig durchgeführt und dasſelbe zum großen Theil mit heimathlichen Fiſcharten bevölkert. Die ganze Anlage iſt in maſſiver Arbeit ſolide ausgeführt, ſo daß ſie — wie auch von vornherein ge- plant — noch in ſpäteren Jahren zu den Sehenswürdig- keiten von Zürich gezählt werden darf. — Was die Kunſt- ausſtellung betrifft, ſo muß der Beſuch ſeither ein ver- hältnißmäßig geringer genannt werden, wie wohl ſich mit Sicherheit annehmen läßt, daß mit Beginn der Saiſon das Intereſſe der gebildeten Welt, die Perle unſerer Landes- ausſtellung nicht unbeachtet laſſen wird. — Mit beſonderer Genugthuung dürfen wir daher die freundſchaftliche Theil- nahme der Nachbarſtaaten an unſerm Werke des Friedens entgegennehmen und die Ueberzeugung ausſprechen, daß unſere Gaſtfreunde von Fern und Nah die Intentionen, die ein fleißiges, republikaniſches Volk der Mitwelt unterbreitet, würdigen und der allgemeinen Beachtung werth halten werden. Vermiſchtes. Die Adminiſtration des Orcheſters der Scala in Mailand machte dem Comite der Landes- ausſtellung den Antrag an den Tagen 7., 8. u. 9. Juni dahier zu koncertiren. Da gegenſeitige Unterhandlungen bereits eingeleitet ſind, liegt die Ausſicht nahe, daß uns dieſe vorzüglich renomirte, aus ca. 100 Künſtlern beſtehende Muſterkapelle demnächſt außergewöhnliche Kunſtgenüſſe bie- ten wird. Von Seiten des Ausſtellungscomite’s, ſowie in den weiteſten Kreiſen der Intereſſenten wird das muſterhafte Verhalten des großen Publikums beim Beſuche der Aus- ſtellung öffentlich lobend anerkannt. Hoffen wir, daß die- ſes ehrende Zeugniß bis zum Schluß der Landesausſtellung ſtichhaltig bleibt. Frequenz in der Landesausſtellung am 28. Mai: 11,579 Perſonen; am 29. Mai: 9991 Perſonen. Ueber die ſchweizeriſche Seideninduſtrie an der Landesausſtellung entnehmen wir dem „Freien Rhätier folgende Korreſpondenz: „Das große Gebiet der Textilinduſtrie bedeckt auf der ſchweizer. Landesausſtellung ein bedeutendes Feld und es iſt dieſer Theil der Ausſtellung durch die große Mannig- faltigkeit des Gebotenen, durch den Glanz der Farben und den Reichthum der Geſtaltung geeignet, das Intereſſe des Beſuchers in beſonderm Maße in Anſpruch zu nehmen. Das gilt namentlich von den Objekten der Seideninduſtrie. Wohin nur das Auge blickt, wird es geblendet durch die herrlichen Wunder, welche des Menſchen kundige Hand aus unſcheinbarem Rohprodukt hervorgezaubert hat und man muß ſtaunen über die wahrhaft großartigen Leiſtungen eines ſo kleinen Landes auf dieſem Gebiete. Nicht weniger als 98 Firmen haben ſich in der Seidengruppe betheiligt und alle ſind in edlem Wetteifer bemüht, einander an Glanz und Schönheit ihrer Ausſtellungsobjekte und durch geſchmack- volle und reizende Gruppirung und Anordnung derſelben zu überbieten. Gewiß bekommt der Beſucher einen hohen Begriff von der Ausdehnung und Leiſtungsfähigkeit der Seıdeninduſtrie in der Schweiz. Vor dem 14. Jahrhundert ſchon zeigten ſich in der Schweiz die erſten Anfänge dieſer Induſtrie, indem man in Zürich und Baſel Florſchleier und Kopftücher aus roher Seide herſtellte. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erſt ſchritt man in der Weiſe fort, daß man ſtatt Rohſeide Stoffe aus gezwirnter und gefärbter Seide verwendete. In Baſel gewann im darauf folgenden Jahrhundert die Bandfabrikation Ausbreitung, welche heute zu einer ſo aus- gedehnten und Achtung gebietenden Induſtrie geworden iſt. Die Floretſpinnerei war ſchon gegen Ende des 16. Jahr- hunderts ein wichtiges Gewerbe. Im 18. Jahrhundert nahm die Seideninduſtrie in der Schweiz einen ungeahnten Aufſchwung; dann kamen jedoch die Kriegs- und Revolu- tionsjahre zu Ende des vorigen und zu Anfang des lau- fenden Jahrhunderts, welche einen ſehr nachtheiligen Ein- fluß auch auf dieſen Induſtriezweig ausübten, wie ſie allem friedlichen Schaffen und Wirken feindlich waren. Der gegenwärtige Glanz und Aufſchwung der ſchweizer. Seiden- induſtrie datirt aus den 30er Jahren und wurde durch günſtige politiſche und wirthſchaftliche Verhältniſſe herbei- geführt. Während man früher nur die Hausinduſtrie kannte, entwickelte ſich nunmehr die Fabrikinduſtrie, welche in 230 Etabliſſementen gegen 26,000 Arbeiter beſchäftigt. In den letzten Jahren hatte die Seideninduſtrie freilich mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen und es war der Geſchäftsgang verſchiedener Seidenbranchen ein wenig be- friedigender. Um ſo größere Anerkennung verdient die Energie und Ausdauer, mit welcher die Vertreter des Seidenfachs den Hemmniſſen entgegentraten und ihre Branche aufrecht erhielten, wenn auch leider einzelne Kämpfer unter- liegen mußten. Von der Ausdehnung der ſchweiz. Seideninduſtrie kann man ſich einen Begriff machen, wenn man ſich folgende Zahlen vergegenwärtigt: im Jahre 1881 wurden 2,153,100 Kilo Rohſeide und 1,067,700 Kilo Seidenabfälle einge- führt, während an Seidenſtoffen 1,152,300 Kilo, an Bän- dern 1,965,400 Kilo und an Floretſeide 819,000 Kilo ausgeführt wurden. Wenn wir die Abtheilung der Seideninduſtrie kurz nach dem Betreten der weiten Induſtriehalle durchwandeln, ſo wiſſen wir bei dem embarras de richesse in der That nicht, wo wir mit der Betrachtung anfangen und mit der Bewunderung aufhören ſollen. Es iſt eben Alles ſchön, was in dieſen nahezu hundert Vitrinen und Pavillons aus- geſtellt iſt. Da feſſeln glatte und façonnirte Seidenſtoffe, glänzendſchwarz und dann wieder in allen Farben des Regen- bogens ſchimmernd, unſer Auge, dort reizt uns die hübſch gruppirte Auswahl prächtiger Cachenez und Foulards, dann ſtaunen wir über die großartigen Leiſtungen der Seiden- färberei und die reiche Auswahl der am Stück gefärbten Stoffe. Beſonders ſind die verſchiedenen Collektivausſtel- lungen geeignet, das Intereſſe und die Aufmerkſamkeit der Beſucher im höchſten Grade zu feſſeln und ihnen einen Begriff zu geben von den hervorragenden Leiſtungen der ſchweizer. Seidenfabrikanten. Die Collektivausſtellung des Bandfabrikantenvereins macht insbeſondere einen großartigen Eindruck. Auch die Collektivausſtellung der Basler Floret- ſpinnereien weist hervorragende Spezialitäten auf. Vor Allem aber findet das Auge herrliche Weide an den Ob- jekten der Collektivausſtellungen der Zürcher- und Basler- Seidenfärbereien. In allen Nüancen zeigen ſich die Far- ben, es iſt, wie wenn Alles der Natur abgelauſcht worden wäre und die kundige Menſchenhand nur die eine Abſicht gehabt hätte, die Natur noch zu überbieten. Kein Beſucher der Seidengruppe an der Ausſtellung iſt, der nicht des Lobes und der Anerkennung voll wäre über den Glanz desjenigen, was hier in reicher Fülle ge- boten wird.“ Eidgenöſſiſches. — Militäriſches. Der „Nouv. vaud.“ reagirt ziemlich kräftig gegen die jüngſte Verfügung des Bundes- rathes über die Bataillons-Fahnen. Er kritiſirt die Art und Weiſe, wie man durch einen einfachen Federſtrich die Bänder mit den Kantonsfarben ſowie die Namen der Kantone ausmerzte, welche bisher mit goldenen Lettern in’s weiße eidgenöſſiſche Kreuz eingeſtickt waren, und nennt die Verfügung einen weiteren Schritt gegen die Zentrali- ſation hin. Das genannte Blatt hält das bundesräthliche Dekret für verfaſſungswidrig, im Hinblick auf Art. 19 der Bundesverfaſſung von 1874, welcher in erſter Linie ausdrücklich beſage: „Das Bundesheer beſteht aus den Truppen der Kantone.“ Dieſer Artikel werde präziſirt durch ſein Alinea 4, ſowie durch Artikel 21 der Bundes- verfaſſung und durch die Art. 37 bis 39 des eidgenöſſiſchen Militärgeſetzes vom 13. Novbr. 1874. Sehr klar gehe daraus hervor, daß die Armee noch lange nicht eine Domaine des Bundes geworden ſei, ſondern daß die Kan- tone über ihre Truppenkörper Souveränetätsrechte beſitzen und zwar viel ausgedehnter als man ſich im Allgemeinen vorſtelle. Der „Nouvelliſte“ hofft, die bundesräthliche Verfügung werde den Gegenſtand eines ernſtlichen Proteſtes bilden entweder Seitens der Kantonsregierungen, oder Seitens der förderaliſtiſchen Mitglieder der Bundes- verſammlung. — Erfindnngsſchutz. Während der Ausſtellung wird in Zürich eine größere Verſammlung veranſtaltet werden, um dieſe Frage wieder zu verhandeln. — Stickerei. Der ſchweiz. Generalkonſul in Bu- kareſt, Herr I. Staub, ſtellt dem Abſatzfeld für ſchweizeriſche Stickereien in Rumänien ein ſehr gutes Prognoſtikon. In ſeinem jüngſten Berichte an den Bundesrath ſchreibt er u. A.: „Der Abſatz iſt hier ein bedeutender und der Vedarf in ſtetem Wachſen. Die Leiſtungsfähigkeit der Fabrikanten iſt mit Bezug auf die Raſchheit der Lieferungen hinter den Anforderungen der Beſteller zurückgeblieben. Um die Kunden raſcher bedienen zu können, übernahmen hieſige Agenten die Vertretung mehrerer Fabrikanten zugleich, ein Vorgang, der ſchwerlich bei einem andern Artikel ohne Widerſtreit der Intereſſen ſtattfinden könnte. Allerdings gelten für den Maſſenbedarf keine großen Preiſe und derſelbe bewegt ſich meiſt in den untern und mittlern Stufen der langen Preisſcala; er fängt mit Vorliebe ſchon bei der Waare an, die 25 bis 30 Rp. per aune koſtet. Während die beſſere Waare noch immer in Stücken von 1½ aunes beſtellt wird, gehen billige Vroderien (bandes et entre-deux), die eben das Gros ausmachen, nur noch in Stücken von 3 aunes; Dessins à jour. Ich gebe zu, daß den meiſten Fabri- kanten dieſe Richtung des Geſchmacks und dieſe Kargheit der Konſumenten nicht zuſagt. Dafür aber werden ſie in der Größe des Umſatzes beſſere Befriedigung finden und ich kann nicht umhin, meine Worte vom 16. Dezember zu wiederholen, daß der Fabrikant, „der auch hinſichtlich der Preiſe auf den hieſigen Geſchmack eingerichtet iſt, mit Ruhe die Produktion vermehren darf.“ Der Bedarf von billigen Broderien hat ſich recht eigentlich populariſirt und ſelbſt die Aermſte ſchmückt Hemd und Schirtingjacke mit einem Aufputz von Stickereien.“ — Preſſe. Der Bundesſtadtkorreſpondent des „Vater- land“ regte kürzlich eine Vereinigung der konſervativen Journaliſten an. Eine ſolche Vereinigung müßte nament- lich dazu dienen, eine Reihe von Programmpunkten feſtzu- ſtellen, nach welchen in der konſervativen Preſſe für die Zukunft gearbeitet werden ſollte, beſtimmte politiſche oder wirthſchaftliche Gebiete auszuſcheiden, welche fürderhin durch das Organ der konſervativen Preſſe zu erörtern wären u. ſ. w. Nur vorwärts; Einverſtanden! — Eine Bundesbeamten-Vermehrung ſteht wieder in Ausſicht. Der h. Bundesrath wird nämlich der Bundesverſammlung die Einführung einer Adjunkten- ſtelle am eidgen. ſtatiſtiſchen Bureau mit einer Beſoldung von 4000—5000 Fr. beantragen.

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 22, Uznach, 02. 06. 1883, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller22_1883/1>, abgerufen am 15.06.2021.