Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Neue Rheinische Zeitung. Nr. 170. Köln, 16. Dezember 1848.

Bild:
erste Seite
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 170. Köln, Samstag den 16. Dezember. 1848.

Keine Steuern mehr!!!

Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Die Bourgeoisie und die Contrerevolution. Fortsetzung. -- Der Belagerungszustand.) Weßlingen. (Verhaftungen. -- Belagerungszustand.) Dortmund. (Mirbachs Verhaftung.) Bielefeld. (Die Verhaftungen und ihr Motiv. -- Tumult zu Paderborn.) Münster. (Die Reactionswirthschaft.) Berlin. (Die Nachrichten aus Paris und die Russen. -- Verbot der Nationalzeitung. -- Polizeiwirthschaft. -- Dowiats Prozeß. -- Das Ministerium Brandenburg und die englische Presse. -- Kladdaradatsch.) Darmstadt. (Die Centralgewalt. -- Standrechtliches) Mainz. (Ein Beschluß des hiesigen Bezirkraths.) Eßlingen. (Adresse an einen Reichstagsdeputirten)

Belgien. Lüttich. (Gründung eines demokratisch-socialen Vereins).

Französische Republik. Paris. (Die Wahl Louis Napoleons. -- Volksaustritte. -- Stimmung der Mobilen. -- Napoleon, Raspail, Ledru Rollin. -- Die Wahlurne. -- Girardin, Lamartine. -- Die Wahllisten. -- Verbindung der Rothen mit den Napoleonisten. -- Vermischtes. National-Versammlung.)

Italien. Oestreichische Truppenbewegungen. -- Neue Schinderei Radetzki's. -- Neapel. -- Venedig. (Eindruck der römischen Nachrichten. -- Papiergeld).

Portugal. Lissabon. (Das Saldanhasche Kabinet und die Finanzen).

Großbritannien. London. (Fleming der Prophet. -- Louis Philippe als Kläger vor dem Polizeigericht. -- Der Morning Advertiser über die octroyirte preußische Verfassung. -- Chartistische Parlamentskandidaten. -- An die Wähler von Leicester. -- Chartistenprozesse. -- Lügen der reaktionären deutschen Journale über die englische Presse). Manchester. (Der Markt).

Amerika. (Neueste Nachrichten aus den Vereinigten-Staaten, Mexiko, Yucatan, Hayti, Havannah, Venezuela und Bogota. -- Das californische Eldorado). Rio-Janeiro. (Rosa's Rüstungen).

Afrika. (Zustand am Cap der guten Hoffnung).

Deutschland.
* Köln, 15. Dezember.

(Fortsetzung.)

Die Vereinbarungstheorie, welche die im Ministerium Camphausen zur Regierung gelangte Bourgeoisie sofort als "breiteste" Grundlage des preußischen contrat social proklamirte, war keineswegs eine hohle Theorie; sie war vielmehr gewachsen auf dem Baume des "goldnen" Lebens.

Die Märzrevolution hat den Souverän von Gottes Gnaden keineswegs dem Volssouveräne unterjocht. Sie hat nur die Krone, den absolutistischen Staat, gezwungen, sich mit der Bourgeoisie zu verständigen, sich mit ihrem alten Rivalen zu vereinbaren.

Die Krone wird der Bourgeoisie den Adel, die Bourgeoisie wird der Krone das Volk opfern. Unter dieser Bedingung wird das Königthum bürgerlich und die Bourgeoisie königlich werden.

Nach dem März giebt es nur noch diese zwei Mächte. Sie dienen sich wechselseitig als Blitzableiter der Revolution. Alles natürlich auf "breitester demokratischer Grundlage".

Das war das Geheimniß der Vereinbarungstheorie.

Die Oel- und Wollhändler, welche das erste Ministerium nach der März-Revolution bilbeten, gefielen sich in der Rolle, die blosgestellte Krone mit ihren plebejischen Fittigen zu decken. Sie schwelgten in dem Hochgenusse, hoffähig zu sein und widerstrebend, von ihrem rauhen Römerthum aus reiner Großmuth ablassend -- von dem Römerthum des vereinigten Landtags -- die Kluft, welche der Thron zu verschlingen drohte, mit dem Leichnam ihrer ehemaligen Popularität zu schließen. Wie spreizte sich der Minister Camphausen als Wehmutter des konstitutionellen Thrones. Der brave Mann war offenbar über sich selbst, über seine eigne Großmuth gerührt. Die Krone und ihr Anhang duldete widerstrebend diese demüthigende Protektorschaft, sie machte bonne mine a mauvais jeu in Erwartung bess'rer Tage.

Die halb aufgelöste Armee, die für ihre Stellen und Gehalte zitternde Bureaucratie, der gedehmüthigte Feudalstand, dessen Führer sich auf konstitutionellen Studienreisen befand, übertölpelten leicht mit einigen süßen Worten und Knixen den Bourgeois Gentilhomme.

Die preußische Bourgeoisie war nomineller Besitzer der Herrschaft, sie zweifelte keinen Augenblick, daß die Mächte des alten Staats ohne Hinterhalt sich ihr zu Gebot gestellt und in eben so viele devote Ableger ihrer eignen Allmacht verwandelt hätten.

Nicht nur im Ministerium, in dem ganzen Umfang der Monarchie war die Bourgeoisie von diesem Wahn berauscht.

Die einzigen Heldenthaten der preußischen Bourgeoisie nach dem März, die oft blutigen Chikanen der Bürgerwehr gegen das unbewaffnete Proletariat, fanden sie nicht in der Armee, in der Büreaucratie und selbst in den Feudalherrn willig unterwürfige Helfershelfer? Die einzigen Kraftanstrengungen, wozu sich die lokalen Vertreter der Bourgeoisie aufschwangen, die Gemeinderäthe -- deren zudringlich [unleserliches Material]servile Gemeinheit von einem Windischgrätz, Jelachich und Welden später in angemessener Weise befußtrittet wurde -- die einzigen Heldenthaten dieser Gemeinderäthe nach der Märzrevolution, ihre patriarchalischernsten Warnungsworte an das Volk, wurden sie nicht angestaunt von den verstummten Regierungspräsidenten und den in sich gegangenen Divisionsgeneralen? Und die preußische Bourgeoisie hätte noch zweifeln sollen, daß der alte Groll der Armee, der Bureaucratie, der Feudalen, in ehrfurchtsvoller Ergebenheit vor dem sich selbst und die Anarchie zügelnden großmüthigen Sieger, der Bourgeoisie, erstorben sei?

Es war klar. Die preußische Bourgeoisie hatte nur noch eine Aufgabe, die Aufgabe, sich ihre Herrschaft bequem zu machen, die störenden Anarchisten zu beseitigen, "Ruhe und Ordnung" wieder herzustellen und die Zinsen wieder einzubringen, die während des Märzsturms verloren gegangen waren. Es konnte sich nur noch darum handeln, die Produktionskosten ihrer Herrscheft und der sie bedingenden Märzrevolution auf ein Minimum zu beschränken. Die Waffen, welche die preußische Bourgeoisie in ihrem Kampfe gegen die feudale Gesellschaft und deren Krone unter der Firma des Volks in Anspruch zu nehmen sich gezwungen sah, Assoziationsrecht, Preßfreiheit etc., mußten sie nicht zerbrochen werden in den Händen eines bethörten Volks, das sie nicht mehr für die Bourgeoisie zu führen brauchte und gegen sie zu [unleserliches Material] denkliche Gelüste kund gab?

Der Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone, davon war sie überzeugt, dem Markten der Bourgeoisie mit dem alten, in sein Schicksal ergebenen Staate, stand offenbar nur noch ein Hinderniß im Wege, ein einziges Hinderniß, das Volk -- puer robus[unleserliches Material]us sed maliciosus, wie Hobbes sagt. Das Volk und die Revolution!

Die Revolution war der Rechtstitel des Volkes; auf die Revolution gründete es seine ungestümmen Ansprüche. Die Revolution war der Wechsel, den es auf die Bourgeoisie gezogen hatte. Durch die Revolution war die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt. Mit dem Tage ihrer Herrschaft war der Verfalltag dieses Wechsels angebrochen. Die Bourgeoisie mußte gegen den Wechsel Protest einlegen.

Die Revolution -- das bedeutete im Munde des Volks: Ihr Bourgeois seid das Comite du salut public, der Wohlfahrtsausschuß, dem wir die Herrschaft in die Hand gegeben, nicht damit ihr euch über eure Interessen mit der Krone vereinbart, sondern damit ihr gegen die Krone unsere Interessen, die Interessen des Volks durchsetzt.

Die Revolution war der Protest des Volkes gegen die Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone. Die mit der Krone sich vereinbarende Bourgeoisie mußte also protestiren gegen -- die Revolution.

Und das geschah unter dem großen Camphausen. Die Märzrevolution wurde nicht anerkannt. Die Berliner Nationalrepräsentation konstituirte sich als Repräsentation der preußischen Bourgeoisie, als Vereinbarerversammlung, indem sie den Antrag auf Anerkennung der Märzrevolution verwarf.

Sie machte das Geschehene ungeschehen. Sie proklamirte es laut vor dem preußischen Volke, daß es sich mit der Bourgeoisie nicht vereinbart, um gegen die Krone zu revolutioniren, sondern daß es revolutionirt, damit sich die Krone mit der Bourgeoisie gegen es selbst vereinbare! So war der Rechtstitel des revolutionären Volkes vernichtet und der Rechtsboden der konservativen Bourgeoisie gewonnen.

Der Rechtsboden!

Brüggemann, und durch ihn die "Kölnische Zeitung," haben so viel geplaudert, gefabelt, gewimmert vom "Rechtsboden," so oft den "Rechtsboden" verloren, wiedergewonnen, den Rechtsboden durchlöchert, geflickt, von Berlin nach Frankfurt, von Frankfurt nach Berlin geschleudert, verengt, ausgedehnt, aus einem einfachen Boden in einen getäfelten Boden, aus einem getäfelten Boden in einen Doppelboden, -- bekanntlich ein Hauptwerkzeug der schauspielernden Escamoteurs -- aus einem Doppelboden in eine bodenlose Fallthüre verwandelt, daß der Rechtsboden sich für unsre Leser mit Recht schließlich in den Boden der "Kölnischen Zeitung" verwandelt hat, daß sie das Schiboleth der preußischen Bourgeoisie mit dem Privatschiboleth des Herrn Joseph Dumont, einen nothwendigen Einfall der preußischen Weltgeschichte mit einer willkührlichen Marotte der "Kölnischen" Zeitung verwechseln können und im Rechtsboden nur noch den Boden sehn, auf dem die "Kölnische Zeitung" wächst.

Der Rechtsboden und zwar der preußische Rechtsboden!

Der Rechtsboden, auf dem sich nach dem März der Ritter der großen Debatte Camphausen, das wiedererweckte Gespenst des Vereinigten Landtags und die Vereinbarerversammlung bewegen, ist er das Konstitutionsgesetz von 1815, oder das Landtagsgesetz von 1820, oder das Patent von 1847, oder das Wahl- und Vereinbarungsgesetz vom 8. April 1848?

Nichts von alledem.

Der "Rechtsboden" bedeutete einfach, daß die Revolution ihren Boden nicht gewonnen und die alte Gesellschaft ihren Boden nicht verloren habe, daß die Märzrevolution nur ein "Ereigniß" sei, welches den "Anstoß" zu der längst innerhalb des alten preußischen Staats vorbereiteten "Verständigung" zwischen dem Throne und der Bourgeoisie gegeben, deren Bedürfniß die Krone selbst in frühern allerhöchsten Erlassen schon ausgesprochen und nur vor dem März für nicht "dringlich" erachtet habe. Der "Rechtsboden" bedeutete mit einem Worte, daß die Bourgeoisie nach dem März mit der Krone auf demselben Fuße unterhandeln wolle wie vor dem März, als ob gar keine Revolution stattgefunden, und der Vereinigte Landtag ohne die Revolution sein Ziel erreicht hätte. Der "Rechtsboden" bedeutete, daß der Rechtstitel des Volkes, die Revolution, in dem contrat social zwischen Regierung und Bourgeoisie nicht existire. Die Bourgeoisie leitete ihre Ansprüche aus der altpreußischen Gesetzgebung her, damit das Volk keine Ansprüche aus der neupreußischen Revolution herleite.

Es versteht sich, daß die ideologischen Cretins der Bourgeoisie, ihre Zeitungsschreiber u. dgl., diese Beschönigung des Bourgeoisinteresses für das eigentliche Interesse der Bourgeoisie ausgeben und als solches sich und andern einbilden mußten. Im Kopfe eines Brüggemann verwandelte sich die Phrase des Rechtsbodens in eine wirkliche Substanz.

Das Ministerium Camphausen hatte seine Aufgabe gelöst, die Aufgabe der Vermittlung und des Uebergangs. Es bildete nämlich die Vermittlung zwischen der auf den Volks- [Fortsetzung]

Die heilige deutsche Reichsarmee.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Ist auf den Strumpf gekommen:
Sie hat aus Schwaben und Hessen sich
Die besten Jungens genommen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die sollte die Schweiz berücken:
Schon rückte sie aus, da mußte sie, ach
Die verfluchten Hosen noch flicken.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die sollte ganz Limburg fressen:
Schon rückte sie aus, da hatte sie, ach
Das verfluchte Pulver vergessen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die war zum Kampfe entschlossen:
Da haben die Preußen und Dänen, ach
Den verfluchten Frieden geschlossen.
Die heilige deutsche Reichsarmee,
Die sollte auch Wien erlösen:
Da ist, ach Gott, der Herr Windisch-Grätz
So verflucht bei der Hand gewesen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die lebt ohn' viele Sorgen:
Die Lanzknechte traun auf den lieben Gott --
Kommst du heute nicht, kommst du morgen.
Wien.

Ein kaiserl. kgl. Soldat schickt der "Red. der N. Rh. Ztg." die folgende Skizze zu. Wir nehmen sie mit Rücksicht auf den Absender trotz ihres Pathos auf:

Die nächtliche Schildwache im Belagerungsheer vor Wien.

Schaurig rückt die Mitternachtsstunde herauf, die Stunde meiner Ablösung. Sie werden kommen mich abzulösen -- doch wer kann mich erlösen von der innern Unruh, die mich ängstigt und foltert. Es schwindelt der Kopf mir vom ewigen Auf- und Abschreiten der müden Füße. Halt! Halt! Doch in mir tobt ein Höllenruf: Marsch! Marsch!

Was ist es denn, was mir keine Ruhe läßt? Ach, es ist der heiße Kampf des Tages, der mir noch mit allen seinen Schrecknissen vor Augen steht, und dort im Hintergrunde die steigenden Feuersäulen der brennenden Kaiserstadt drohen wie zischende Schlangen den Schleuderern des Brandes, und rufen: Fluch den Brandstiftern! Fluch den Brüder- und Vatermördern! ...

Wild und furchtbar ist der Krieg in seinem Toben, aber schrecklich ist der Moment des Austobens. Der Mensch hört auf Thier zu sein und er übersieht mit einem Blicke die Masse seiner Greuelthaten. Die Wunden, die er mit bestialischer Wuth seinen Nebenmenschen geschlagen, starren ihn klaffend an und er frägt sich, warum dies Alles geschah? ...

Ach, warum, warum war ich heute ein wildes Thier? Und wer war denn das Wild, gegen das wir wie Jagdhunde gehezt wurden? Waren es etwa Feinde des Landes, die wir mit grimmiger Wuth zerfleischten? ... Ach, es waren ja die Söhne des Landes wie wir selbst, es waren ja die Bürger der ersten Stadt des Reichs! Welch' eine Satansmacht hat uns gegen unsere Brüder, gegen unsere Väter gehetzt?

Wehe! Mein Blick verwirrt sich -- das Schlachtfeld mit den Gefallenen wird regsam -- die Todten mit ihren klaffenden Wunden richten sich auf -- kommen auf mich zu -- Marsch! Marsch! ...

Ha, Geister meiner Erschlagenen, was wollt Ihr von mir? Wollt Ihr den Kampf von neuem beginnen? Kehrt um! Kehrt um! ... Doch, was seh' ich! O, gräßlich, gräßlich! die Erschlagenen sind ja meine Brüder, meine wirklichen Brüder, meiste leiblichen Brüder! ...

Max und Karl! -- o Gott! -- seid ihr es denn wirklich, die ich heute im blinden teuflischen Kampf erschlagen? Ha, wie sie ihre starren Häupter bejahend schütteln -- Weh' mir, sie sind es, es sind meine leiblichen Brüder, die ich erschlagen -- ach, sie eilten in den Kampf für Freiheit, für Vaterstadt -- Und ich? -- Und ich? -- ich folgte dem starren Kommando: gegen Freiheit, gegen Vaterland, gegen Vaterstadt! ... Fluch! ewiger Fluch! diesem Kommando zum Brudermord!

Wohin winkt Ihr mir, Ihr theuren Erschlagenen? Wollt Ihr, daß ich euch folge in die flammende Kaiserstadt, auf den Kirchhof der Freiheit? Aber dort kommen schon die Söldner um mich abzulösen -- Gewehr an! .. Ha, wie sie winken, die geliebten Erschlagenen ... Wohlan, ich folge eurem Bruderwink -- Keine Ablösung durch die Feinde des Vaterlands! Nur Erlösung suche ich durch den Tod für's Vaterland! L. M.

Theater in Köln.

Jeder Mensch hat seine Nachtheile und seine Vortheile -- so auch Herr Barth. Herr Barth hat alle Nachtheile, aber leider nur den Vortheil, daß die guten Kölner eine wahrhaft himmlische Geduld mit ihm haben. Herr Barth muß sich nicht wundern, daß wir weniger nachsichtig mit ihm sind als andere Leute; wir gestehen es grade heraus, wir tadeln ihn in unserm eignen Interesse, denn wir gönnen uns gern einen erträglichen Abend. -- -- Sehen

Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 170. Köln, Samstag den 16. Dezember. 1848.

Keine Steuern mehr!!!

Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Die Bourgeoisie und die Contrerevolution. Fortsetzung. — Der Belagerungszustand.) Weßlingen. (Verhaftungen. — Belagerungszustand.) Dortmund. (Mirbachs Verhaftung.) Bielefeld. (Die Verhaftungen und ihr Motiv. — Tumult zu Paderborn.) Münster. (Die Reactionswirthschaft.) Berlin. (Die Nachrichten aus Paris und die Russen. — Verbot der Nationalzeitung. — Polizeiwirthschaft. — Dowiats Prozeß. — Das Ministerium Brandenburg und die englische Presse. — Kladdaradatsch.) Darmstadt. (Die Centralgewalt. — Standrechtliches) Mainz. (Ein Beschluß des hiesigen Bezirkraths.) Eßlingen. (Adresse an einen Reichstagsdeputirten)

Belgien. Lüttich. (Gründung eines demokratisch-socialen Vereins).

Französische Republik. Paris. (Die Wahl Louis Napoleons. — Volksaustritte. — Stimmung der Mobilen. — Napoleon, Raspail, Ledru Rollin. — Die Wahlurne. — Girardin, Lamartine. — Die Wahllisten. — Verbindung der Rothen mit den Napoleonisten. — Vermischtes. National-Versammlung.)

Italien. Oestreichische Truppenbewegungen. — Neue Schinderei Radetzki's. — Neapel. — Venedig. (Eindruck der römischen Nachrichten. — Papiergeld).

Portugal. Lissabon. (Das Saldanhasche Kabinet und die Finanzen).

Großbritannien. London. (Fleming der Prophet. — Louis Philippe als Kläger vor dem Polizeigericht. — Der Morning Advertiser über die octroyirte preußische Verfassung. — Chartistische Parlamentskandidaten. — An die Wähler von Leicester. — Chartistenprozesse. — Lügen der reaktionären deutschen Journale über die englische Presse). Manchester. (Der Markt).

Amerika. (Neueste Nachrichten aus den Vereinigten-Staaten, Mexiko, Yucatan, Hayti, Havannah, Venezuela und Bogota. — Das californische Eldorado). Rio-Janeiro. (Rosa's Rüstungen).

Afrika. (Zustand am Cap der guten Hoffnung).

Deutschland.
* Köln, 15. Dezember.

(Fortsetzung.)

Die Vereinbarungstheorie, welche die im Ministerium Camphausen zur Regierung gelangte Bourgeoisie sofort als „breiteste“ Grundlage des preußischen contrat social proklamirte, war keineswegs eine hohle Theorie; sie war vielmehr gewachsen auf dem Baume des „goldnen“ Lebens.

Die Märzrevolution hat den Souverän von Gottes Gnaden keineswegs dem Volssouveräne unterjocht. Sie hat nur die Krone, den absolutistischen Staat, gezwungen, sich mit der Bourgeoisie zu verständigen, sich mit ihrem alten Rivalen zu vereinbaren.

Die Krone wird der Bourgeoisie den Adel, die Bourgeoisie wird der Krone das Volk opfern. Unter dieser Bedingung wird das Königthum bürgerlich und die Bourgeoisie königlich werden.

Nach dem März giebt es nur noch diese zwei Mächte. Sie dienen sich wechselseitig als Blitzableiter der Revolution. Alles natürlich auf „breitester demokratischer Grundlage“.

Das war das Geheimniß der Vereinbarungstheorie.

Die Oel- und Wollhändler, welche das erste Ministerium nach der März-Revolution bilbeten, gefielen sich in der Rolle, die blosgestellte Krone mit ihren plebejischen Fittigen zu decken. Sie schwelgten in dem Hochgenusse, hoffähig zu sein und widerstrebend, von ihrem rauhen Römerthum aus reiner Großmuth ablassend — von dem Römerthum des vereinigten Landtags — die Kluft, welche der Thron zu verschlingen drohte, mit dem Leichnam ihrer ehemaligen Popularität zu schließen. Wie spreizte sich der Minister Camphausen als Wehmutter des konstitutionellen Thrones. Der brave Mann war offenbar über sich selbst, über seine eigne Großmuth gerührt. Die Krone und ihr Anhang duldete widerstrebend diese demüthigende Protektorschaft, sie machte bonne mine à mauvais jeu in Erwartung bess'rer Tage.

Die halb aufgelöste Armee, die für ihre Stellen und Gehalte zitternde Bureaucratie, der gedehmüthigte Feudalstand, dessen Führer sich auf konstitutionellen Studienreisen befand, übertölpelten leicht mit einigen süßen Worten und Knixen den Bourgeois Gentilhomme.

Die preußische Bourgeoisie war nomineller Besitzer der Herrschaft, sie zweifelte keinen Augenblick, daß die Mächte des alten Staats ohne Hinterhalt sich ihr zu Gebot gestellt und in eben so viele devote Ableger ihrer eignen Allmacht verwandelt hätten.

Nicht nur im Ministerium, in dem ganzen Umfang der Monarchie war die Bourgeoisie von diesem Wahn berauscht.

Die einzigen Heldenthaten der preußischen Bourgeoisie nach dem März, die oft blutigen Chikanen der Bürgerwehr gegen das unbewaffnete Proletariat, fanden sie nicht in der Armee, in der Büreaucratie und selbst in den Feudalherrn willig unterwürfige Helfershelfer? Die einzigen Kraftanstrengungen, wozu sich die lokalen Vertreter der Bourgeoisie aufschwangen, die Gemeinderäthe — deren zudringlich [unleserliches Material]servile Gemeinheit von einem Windischgrätz, Jelachich und Welden später in angemessener Weise befußtrittet wurde — die einzigen Heldenthaten dieser Gemeinderäthe nach der Märzrevolution, ihre patriarchalischernsten Warnungsworte an das Volk, wurden sie nicht angestaunt von den verstummten Regierungspräsidenten und den in sich gegangenen Divisionsgeneralen? Und die preußische Bourgeoisie hätte noch zweifeln sollen, daß der alte Groll der Armee, der Bureaucratie, der Feudalen, in ehrfurchtsvoller Ergebenheit vor dem sich selbst und die Anarchie zügelnden großmüthigen Sieger, der Bourgeoisie, erstorben sei?

Es war klar. Die preußische Bourgeoisie hatte nur noch eine Aufgabe, die Aufgabe, sich ihre Herrschaft bequem zu machen, die störenden Anarchisten zu beseitigen, „Ruhe und Ordnung“ wieder herzustellen und die Zinsen wieder einzubringen, die während des Märzsturms verloren gegangen waren. Es konnte sich nur noch darum handeln, die Produktionskosten ihrer Herrscheft und der sie bedingenden Märzrevolution auf ein Minimum zu beschränken. Die Waffen, welche die preußische Bourgeoisie in ihrem Kampfe gegen die feudale Gesellschaft und deren Krone unter der Firma des Volks in Anspruch zu nehmen sich gezwungen sah, Assoziationsrecht, Preßfreiheit etc., mußten sie nicht zerbrochen werden in den Händen eines bethörten Volks, das sie nicht mehr für die Bourgeoisie zu führen brauchte und gegen sie zu [unleserliches Material] denkliche Gelüste kund gab?

Der Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone, davon war sie überzeugt, dem Markten der Bourgeoisie mit dem alten, in sein Schicksal ergebenen Staate, stand offenbar nur noch ein Hinderniß im Wege, ein einziges Hinderniß, das Volk — puer robus[unleserliches Material]us sed maliciosus, wie Hobbes sagt. Das Volk und die Revolution!

Die Revolution war der Rechtstitel des Volkes; auf die Revolution gründete es seine ungestümmen Ansprüche. Die Revolution war der Wechsel, den es auf die Bourgeoisie gezogen hatte. Durch die Revolution war die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt. Mit dem Tage ihrer Herrschaft war der Verfalltag dieses Wechsels angebrochen. Die Bourgeoisie mußte gegen den Wechsel Protest einlegen.

Die Revolution — das bedeutete im Munde des Volks: Ihr Bourgeois seid das Comité du salut public, der Wohlfahrtsausschuß, dem wir die Herrschaft in die Hand gegeben, nicht damit ihr euch über eure Interessen mit der Krone vereinbart, sondern damit ihr gegen die Krone unsere Interessen, die Interessen des Volks durchsetzt.

Die Revolution war der Protest des Volkes gegen die Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone. Die mit der Krone sich vereinbarende Bourgeoisie mußte also protestiren gegen — die Revolution.

Und das geschah unter dem großen Camphausen. Die Märzrevolution wurde nicht anerkannt. Die Berliner Nationalrepräsentation konstituirte sich als Repräsentation der preußischen Bourgeoisie, als Vereinbarerversammlung, indem sie den Antrag auf Anerkennung der Märzrevolution verwarf.

Sie machte das Geschehene ungeschehen. Sie proklamirte es laut vor dem preußischen Volke, daß es sich mit der Bourgeoisie nicht vereinbart, um gegen die Krone zu revolutioniren, sondern daß es revolutionirt, damit sich die Krone mit der Bourgeoisie gegen es selbst vereinbare! So war der Rechtstitel des revolutionären Volkes vernichtet und der Rechtsboden der konservativen Bourgeoisie gewonnen.

Der Rechtsboden!

Brüggemann, und durch ihn die „Kölnische Zeitung,“ haben so viel geplaudert, gefabelt, gewimmert vom „Rechtsboden,“ so oft den „Rechtsboden“ verloren, wiedergewonnen, den Rechtsboden durchlöchert, geflickt, von Berlin nach Frankfurt, von Frankfurt nach Berlin geschleudert, verengt, ausgedehnt, aus einem einfachen Boden in einen getäfelten Boden, aus einem getäfelten Boden in einen Doppelboden, — bekanntlich ein Hauptwerkzeug der schauspielernden Escamoteurs — aus einem Doppelboden in eine bodenlose Fallthüre verwandelt, daß der Rechtsboden sich für unsre Leser mit Recht schließlich in den Boden der „Kölnischen Zeitung“ verwandelt hat, daß sie das Schiboleth der preußischen Bourgeoisie mit dem Privatschiboleth des Herrn Joseph Dumont, einen nothwendigen Einfall der preußischen Weltgeschichte mit einer willkührlichen Marotte der „Kölnischen“ Zeitung verwechseln können und im Rechtsboden nur noch den Boden sehn, auf dem die „Kölnische Zeitung“ wächst.

Der Rechtsboden und zwar der preußische Rechtsboden!

Der Rechtsboden, auf dem sich nach dem März der Ritter der großen Debatte Camphausen, das wiedererweckte Gespenst des Vereinigten Landtags und die Vereinbarerversammlung bewegen, ist er das Konstitutionsgesetz von 1815, oder das Landtagsgesetz von 1820, oder das Patent von 1847, oder das Wahl- und Vereinbarungsgesetz vom 8. April 1848?

Nichts von alledem.

Der „Rechtsboden“ bedeutete einfach, daß die Revolution ihren Boden nicht gewonnen und die alte Gesellschaft ihren Boden nicht verloren habe, daß die Märzrevolution nur ein „Ereigniß“ sei, welches den „Anstoß“ zu der längst innerhalb des alten preußischen Staats vorbereiteten „Verständigung“ zwischen dem Throne und der Bourgeoisie gegeben, deren Bedürfniß die Krone selbst in frühern allerhöchsten Erlassen schon ausgesprochen und nur vor dem März für nicht „dringlich“ erachtet habe. Der „Rechtsboden“ bedeutete mit einem Worte, daß die Bourgeoisie nach dem März mit der Krone auf demselben Fuße unterhandeln wolle wie vor dem März, als ob gar keine Revolution stattgefunden, und der Vereinigte Landtag ohne die Revolution sein Ziel erreicht hätte. Der „Rechtsboden“ bedeutete, daß der Rechtstitel des Volkes, die Revolution, in dem contrat social zwischen Regierung und Bourgeoisie nicht existire. Die Bourgeoisie leitete ihre Ansprüche aus der altpreußischen Gesetzgebung her, damit das Volk keine Ansprüche aus der neupreußischen Revolution herleite.

Es versteht sich, daß die ideologischen Cretins der Bourgeoisie, ihre Zeitungsschreiber u. dgl., diese Beschönigung des Bourgeoisinteresses für das eigentliche Interesse der Bourgeoisie ausgeben und als solches sich und andern einbilden mußten. Im Kopfe eines Brüggemann verwandelte sich die Phrase des Rechtsbodens in eine wirkliche Substanz.

Das Ministerium Camphausen hatte seine Aufgabe gelöst, die Aufgabe der Vermittlung und des Uebergangs. Es bildete nämlich die Vermittlung zwischen der auf den Volks- [Fortsetzung]

Die heilige deutsche Reichsarmee.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Ist auf den Strumpf gekommen:
Sie hat aus Schwaben und Hessen sich
Die besten Jungens genommen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die sollte die Schweiz berücken:
Schon rückte sie aus, da mußte sie, ach
Die verfluchten Hosen noch flicken.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die sollte ganz Limburg fressen:
Schon rückte sie aus, da hatte sie, ach
Das verfluchte Pulver vergessen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die war zum Kampfe entschlossen:
Da haben die Preußen und Dänen, ach
Den verfluchten Frieden geschlossen.
Die heilige deutsche Reichsarmee,
Die sollte auch Wien erlösen:
Da ist, ach Gott, der Herr Windisch-Grätz
So verflucht bei der Hand gewesen.
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die lebt ohn' viele Sorgen:
Die Lanzknechte traun auf den lieben Gott —
Kommst du heute nicht, kommst du morgen.
Wien.

Ein kaiserl. kgl. Soldat schickt der „Red. der N. Rh. Ztg.“ die folgende Skizze zu. Wir nehmen sie mit Rücksicht auf den Absender trotz ihres Pathos auf:

Die nächtliche Schildwache im Belagerungsheer vor Wien.

Schaurig rückt die Mitternachtsstunde herauf, die Stunde meiner Ablösung. Sie werden kommen mich abzulösen — doch wer kann mich erlösen von der innern Unruh, die mich ängstigt und foltert. Es schwindelt der Kopf mir vom ewigen Auf- und Abschreiten der müden Füße. Halt! Halt! Doch in mir tobt ein Höllenruf: Marsch! Marsch!

Was ist es denn, was mir keine Ruhe läßt? Ach, es ist der heiße Kampf des Tages, der mir noch mit allen seinen Schrecknissen vor Augen steht, und dort im Hintergrunde die steigenden Feuersäulen der brennenden Kaiserstadt drohen wie zischende Schlangen den Schleuderern des Brandes, und rufen: Fluch den Brandstiftern! Fluch den Brüder- und Vatermördern! …

Wild und furchtbar ist der Krieg in seinem Toben, aber schrecklich ist der Moment des Austobens. Der Mensch hört auf Thier zu sein und er übersieht mit einem Blicke die Masse seiner Greuelthaten. Die Wunden, die er mit bestialischer Wuth seinen Nebenmenschen geschlagen, starren ihn klaffend an und er frägt sich, warum dies Alles geschah? …

Ach, warum, warum war ich heute ein wildes Thier? Und wer war denn das Wild, gegen das wir wie Jagdhunde gehezt wurden? Waren es etwa Feinde des Landes, die wir mit grimmiger Wuth zerfleischten? … Ach, es waren ja die Söhne des Landes wie wir selbst, es waren ja die Bürger der ersten Stadt des Reichs! Welch' eine Satansmacht hat uns gegen unsere Brüder, gegen unsere Väter gehetzt?

Wehe! Mein Blick verwirrt sich — das Schlachtfeld mit den Gefallenen wird regsam — die Todten mit ihren klaffenden Wunden richten sich auf — kommen auf mich zu — Marsch! Marsch! …

Ha, Geister meiner Erschlagenen, was wollt Ihr von mir? Wollt Ihr den Kampf von neuem beginnen? Kehrt um! Kehrt um! … Doch, was seh' ich! O, gräßlich, gräßlich! die Erschlagenen sind ja meine Brüder, meine wirklichen Brüder, meiste leiblichen Brüder! …

Max und Karl! — o Gott! — seid ihr es denn wirklich, die ich heute im blinden teuflischen Kampf erschlagen? Ha, wie sie ihre starren Häupter bejahend schütteln — Weh' mir, sie sind es, es sind meine leiblichen Brüder, die ich erschlagen — ach, sie eilten in den Kampf für Freiheit, für Vaterstadt — Und ich? — Und ich? — ich folgte dem starren Kommando: gegen Freiheit, gegen Vaterland, gegen Vaterstadt! … Fluch! ewiger Fluch! diesem Kommando zum Brudermord!

Wohin winkt Ihr mir, Ihr theuren Erschlagenen? Wollt Ihr, daß ich euch folge in die flammende Kaiserstadt, auf den Kirchhof der Freiheit? Aber dort kommen schon die Söldner um mich abzulösen — Gewehr an! ‥ Ha, wie sie winken, die geliebten Erschlagenen … Wohlan, ich folge eurem Bruderwink — Keine Ablösung durch die Feinde des Vaterlands! Nur Erlösung suche ich durch den Tod für's Vaterland! L. M.

Theater in Köln.

Jeder Mensch hat seine Nachtheile und seine Vortheile — so auch Herr Barth. Herr Barth hat alle Nachtheile, aber leider nur den Vortheil, daß die guten Kölner eine wahrhaft himmlische Geduld mit ihm haben. Herr Barth muß sich nicht wundern, daß wir weniger nachsichtig mit ihm sind als andere Leute; wir gestehen es grade heraus, wir tadeln ihn in unserm eignen Interesse, denn wir gönnen uns gern einen erträglichen Abend. — — Sehen

<TEI>
  <text>
    <pb facs="#f0001" n="0913"/>
    <front>
      <titlePage type="heading">
        <titlePart type="main">Neue Rheinische Zeitung</titlePart>
        <titlePart type="sub">Organ der Demokratie.</titlePart>
        <docImprint>
          <docDate>No 170. Köln, Samstag den 16. Dezember. 1848.</docDate>
        </docImprint>
      </titlePage>
    </front>
    <body>
      <div>
        <epigraph>
          <p> <hi rendition="#b">Keine Steuern mehr!!!</hi> </p>
        </epigraph>
      </div>
      <div type="contents" n="1">
        <head>Uebersicht.</head>
        <p><hi rendition="#g">Deutschland</hi>. Köln. (Die Bourgeoisie und die Contrerevolution. Fortsetzung. &#x2014; Der Belagerungszustand.) Weßlingen. (Verhaftungen. &#x2014; Belagerungszustand.) Dortmund. (Mirbachs Verhaftung.) Bielefeld. (Die Verhaftungen und ihr Motiv. &#x2014; Tumult zu Paderborn.) Münster. (Die Reactionswirthschaft.) Berlin. (Die Nachrichten aus Paris und die Russen. &#x2014; Verbot der Nationalzeitung. &#x2014; Polizeiwirthschaft. &#x2014; Dowiats Prozeß. &#x2014; Das Ministerium Brandenburg und die englische Presse. &#x2014; Kladdaradatsch.) Darmstadt. (Die Centralgewalt. &#x2014; Standrechtliches) Mainz. (Ein Beschluß des hiesigen Bezirkraths.) Eßlingen. (Adresse an einen Reichstagsdeputirten)</p>
        <p><hi rendition="#g">Belgien</hi>. Lüttich. (Gründung eines demokratisch-socialen Vereins).</p>
        <p><hi rendition="#g">Französische Republik</hi>. Paris. (Die Wahl Louis Napoleons. &#x2014; Volksaustritte. &#x2014; Stimmung der Mobilen. &#x2014; Napoleon, Raspail, Ledru Rollin. &#x2014; Die Wahlurne. &#x2014; Girardin, Lamartine. &#x2014; Die Wahllisten. &#x2014; Verbindung der Rothen mit den Napoleonisten. &#x2014; Vermischtes. National-Versammlung.)</p>
        <p><hi rendition="#g">Italien</hi>. Oestreichische Truppenbewegungen. &#x2014; Neue Schinderei Radetzki's. &#x2014; Neapel. &#x2014; Venedig. (Eindruck der römischen Nachrichten. &#x2014; Papiergeld).</p>
        <p><hi rendition="#g">Portugal</hi>. Lissabon. (Das Saldanhasche Kabinet und die Finanzen).</p>
        <p><hi rendition="#g">Großbritannien</hi>. London. (Fleming der Prophet. &#x2014; Louis Philippe als Kläger vor dem Polizeigericht. &#x2014; Der Morning Advertiser über die octroyirte preußische Verfassung. &#x2014; Chartistische Parlamentskandidaten. &#x2014; An die Wähler von Leicester. &#x2014; Chartistenprozesse. &#x2014; Lügen der reaktionären deutschen Journale über die englische Presse). Manchester. (Der Markt).</p>
        <p><hi rendition="#g">Amerika</hi>. (Neueste Nachrichten aus den Vereinigten-Staaten, Mexiko, Yucatan, Hayti, Havannah, Venezuela und Bogota. &#x2014; Das californische Eldorado). Rio-Janeiro. (Rosa's Rüstungen).</p>
        <p><hi rendition="#g">Afrika</hi>. (Zustand am Cap der guten Hoffnung).</p>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Deutschland.</head>
        <div xml:id="ar170_001" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Köln, 15. Dezember.</head>
          <p>
            <ref type="link">(Fortsetzung.)</ref>
          </p>
          <p>Die <hi rendition="#g">Vereinbarungstheorie,</hi> welche die im Ministerium <hi rendition="#g">Camphausen</hi> zur Regierung gelangte Bourgeoisie sofort als &#x201E;breiteste&#x201C; Grundlage des preußischen contrat social proklamirte, war keineswegs eine hohle Theorie; sie war vielmehr gewachsen auf dem Baume des &#x201E;<hi rendition="#g">goldnen</hi>&#x201C; Lebens.</p>
          <p>Die Märzrevolution hat den Souverän von Gottes Gnaden keineswegs dem Volssouveräne unterjocht. Sie hat nur die Krone, den absolutistischen Staat, gezwungen, sich mit der Bourgeoisie zu verständigen, sich mit ihrem alten Rivalen zu <hi rendition="#g">vereinbaren</hi>.</p>
          <p>Die Krone wird der Bourgeoisie den Adel, die Bourgeoisie wird der Krone das Volk opfern. Unter dieser Bedingung wird das Königthum bürgerlich und die Bourgeoisie königlich werden.</p>
          <p>Nach dem März giebt es nur noch diese zwei Mächte. Sie dienen sich wechselseitig als Blitzableiter der Revolution. Alles natürlich auf &#x201E;<hi rendition="#g">breitester demokratischer Grundlage</hi>&#x201C;.</p>
          <p>Das war das <hi rendition="#g">Geheimniß der Vereinbarungstheorie</hi>.</p>
          <p>Die Oel- und Wollhändler, welche das erste Ministerium nach der März-Revolution bilbeten, gefielen sich in der Rolle, die blosgestellte Krone mit ihren plebejischen Fittigen zu decken. Sie schwelgten in dem Hochgenusse, hoffähig zu sein und widerstrebend, von ihrem rauhen Römerthum aus reiner Großmuth ablassend &#x2014; von dem Römerthum des vereinigten Landtags &#x2014; die Kluft, welche der Thron zu verschlingen drohte, mit dem Leichnam ihrer ehemaligen Popularität zu schließen. Wie spreizte sich der Minister <hi rendition="#g">Camphausen</hi> als <hi rendition="#g">Wehmutter</hi> des konstitutionellen Thrones. Der brave Mann war offenbar über sich selbst, über seine eigne Großmuth gerührt. Die Krone und ihr Anhang duldete widerstrebend diese demüthigende Protektorschaft, sie machte bonne mine à mauvais jeu in Erwartung bess'rer Tage.</p>
          <p>Die halb aufgelöste Armee, die für ihre Stellen und Gehalte zitternde Bureaucratie, der gedehmüthigte Feudalstand, dessen Führer sich auf konstitutionellen Studienreisen befand, übertölpelten leicht mit einigen süßen Worten und Knixen den Bourgeois Gentilhomme.</p>
          <p>Die preußische Bourgeoisie war <hi rendition="#g">nomineller</hi> Besitzer der Herrschaft, sie zweifelte keinen Augenblick, daß die Mächte des alten Staats ohne Hinterhalt sich ihr zu Gebot gestellt und in eben so viele devote Ableger ihrer eignen Allmacht verwandelt hätten.</p>
          <p>Nicht nur im Ministerium, in dem ganzen Umfang der Monarchie war die Bourgeoisie von diesem Wahn berauscht.</p>
          <p>Die einzigen Heldenthaten der preußischen Bourgeoisie nach dem März, die oft blutigen Chikanen der Bürgerwehr gegen das unbewaffnete Proletariat, fanden sie nicht in der Armee, in der Büreaucratie und selbst in den Feudalherrn willig unterwürfige Helfershelfer? Die einzigen Kraftanstrengungen, wozu sich die lokalen Vertreter der Bourgeoisie aufschwangen, die <hi rendition="#g">Gemeinderäthe</hi> &#x2014; deren zudringlich <gap reason="illegible"/>servile Gemeinheit von einem Windischgrätz, Jelachich und Welden später in angemessener Weise befußtrittet wurde &#x2014; die einzigen Heldenthaten dieser Gemeinderäthe nach der Märzrevolution, ihre patriarchalischernsten Warnungsworte an das Volk, wurden sie nicht angestaunt von den verstummten Regierungspräsidenten und den in sich gegangenen Divisionsgeneralen? Und die preußische Bourgeoisie hätte noch zweifeln sollen, daß der alte Groll der Armee, der Bureaucratie, der Feudalen, in ehrfurchtsvoller Ergebenheit vor dem sich selbst und die Anarchie zügelnden großmüthigen Sieger, der Bourgeoisie, erstorben sei?</p>
          <p>Es war klar. Die preußische Bourgeoisie hatte nur noch eine Aufgabe, die Aufgabe, sich ihre Herrschaft bequem zu machen, die störenden Anarchisten zu beseitigen, &#x201E;Ruhe und Ordnung&#x201C; wieder herzustellen und die Zinsen wieder einzubringen, die während des Märzsturms verloren gegangen waren. Es konnte sich nur noch darum handeln, die <hi rendition="#g">Produktionskosten</hi> ihrer Herrscheft und der sie bedingenden Märzrevolution auf ein Minimum zu beschränken. Die Waffen, welche die preußische Bourgeoisie in ihrem Kampfe gegen die feudale Gesellschaft und deren Krone unter der Firma des Volks in Anspruch zu nehmen sich gezwungen sah, Assoziationsrecht, Preßfreiheit etc., mußten sie nicht zerbrochen werden in den Händen eines bethörten Volks, das sie nicht mehr für die Bourgeoisie zu führen brauchte und gegen sie zu <gap reason="illegible"/> denkliche Gelüste kund gab?</p>
          <p>Der <hi rendition="#g">Vereinbarung</hi> der Bourgeoisie mit der Krone, <hi rendition="#g">davon war sie überzeugt,</hi> dem Markten der Bourgeoisie mit dem alten, in sein Schicksal ergebenen Staate, stand offenbar nur noch ein Hinderniß im Wege, ein einziges Hinderniß, das Volk &#x2014; <hi rendition="#i">puer robus<gap reason="illegible"/>us sed maliciosus,</hi> wie Hobbes sagt. Das <hi rendition="#g">Volk</hi> und die <hi rendition="#g">Revolution!</hi> </p>
          <p>Die <hi rendition="#g">Revolution</hi> war der <hi rendition="#g">Rechtstitel des Volkes;</hi> auf die Revolution gründete es seine ungestümmen Ansprüche. Die Revolution war der Wechsel, den es auf die Bourgeoisie gezogen hatte. Durch die Revolution war die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt. Mit dem Tage ihrer Herrschaft war der Verfalltag dieses Wechsels angebrochen. Die Bourgeoisie mußte gegen den Wechsel <hi rendition="#g">Protest</hi> einlegen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Die Revolution</hi> &#x2014; das bedeutete im Munde des Volks: Ihr Bourgeois seid das Comité du salut public, der Wohlfahrtsausschuß, dem wir die Herrschaft in die Hand gegeben, nicht damit ihr euch über eure Interessen <hi rendition="#g">mit</hi> der Krone <hi rendition="#g">vereinbart,</hi> sondern damit ihr <hi rendition="#g">gegen</hi> die Krone unsere Interessen, die Interessen des Volks durchsetzt.</p>
          <p>Die <hi rendition="#g">Revolution</hi> war der Protest des Volkes gegen die Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone. Die mit der Krone sich vereinbarende Bourgeoisie <hi rendition="#g">mußte</hi> also <hi rendition="#g">protestiren</hi> gegen &#x2014; <hi rendition="#g">die Revolution</hi>.</p>
          <p>Und das geschah unter dem großen <hi rendition="#g">Camphausen</hi>. Die <hi rendition="#g">Märzrevolution wurde nicht anerkannt</hi>. Die Berliner Nationalrepräsentation konstituirte sich als <hi rendition="#g">Repräsentation der preußischen Bourgeoisie,</hi> als <hi rendition="#g">Vereinbarerversammlung,</hi> indem sie den Antrag auf Anerkennung der Märzrevolution <hi rendition="#g">verwarf</hi>.</p>
          <p>Sie machte das Geschehene ungeschehen. Sie proklamirte es laut vor dem preußischen Volke, daß es sich mit der Bourgeoisie nicht vereinbart, um gegen die Krone zu revolutioniren, sondern daß es revolutionirt, damit sich die Krone mit der Bourgeoisie gegen es selbst vereinbare! So war der <hi rendition="#g">Rechtstitel</hi> des revolutionären Volkes vernichtet und der <hi rendition="#g">Rechtsboden</hi> der konservativen Bourgeoisie gewonnen.</p>
          <p> <hi rendition="#g">Der Rechtsboden!</hi> </p>
          <p><hi rendition="#g">Brüggemann,</hi> und durch ihn die &#x201E;<hi rendition="#g">Kölnische Zeitung</hi>,&#x201C; haben so viel geplaudert, gefabelt, gewimmert vom &#x201E;Rechtsboden,&#x201C; so oft den &#x201E;Rechtsboden&#x201C; verloren, wiedergewonnen, den Rechtsboden durchlöchert, geflickt, von Berlin nach Frankfurt, von Frankfurt nach Berlin geschleudert, verengt, ausgedehnt, aus einem einfachen Boden in einen getäfelten Boden, aus einem getäfelten Boden in einen Doppelboden, &#x2014; bekanntlich ein Hauptwerkzeug der schauspielernden Escamoteurs &#x2014; aus einem Doppelboden in eine bodenlose Fallthüre verwandelt, daß der Rechtsboden sich für unsre Leser mit Recht schließlich in den Boden der &#x201E;<hi rendition="#g">Kölnischen Zeitung</hi>&#x201C; verwandelt hat, daß sie das Schiboleth der preußischen Bourgeoisie mit dem Privatschiboleth des Herrn Joseph Dumont, einen nothwendigen Einfall der <hi rendition="#g">preußischen</hi> Weltgeschichte mit einer willkührlichen Marotte der &#x201E;<hi rendition="#g">Kölnischen</hi>&#x201C; Zeitung verwechseln können und im Rechtsboden nur noch den Boden sehn, auf dem die &#x201E;Kölnische Zeitung&#x201C; wächst.</p>
          <p><hi rendition="#g">Der Rechtsboden</hi> und zwar der <hi rendition="#g">preußische Rechtsboden</hi>!</p>
          <p>Der <hi rendition="#g">Rechtsboden,</hi> auf dem sich <hi rendition="#g">nach</hi> dem März der Ritter der großen Debatte Camphausen, das wiedererweckte Gespenst des Vereinigten Landtags und die Vereinbarerversammlung bewegen, ist er das Konstitutionsgesetz von 1815, oder das Landtagsgesetz von 1820, oder das Patent von 1847, oder das Wahl- und Vereinbarungsgesetz vom 8. April 1848?</p>
          <p><hi rendition="#g">Nichts von alledem</hi>.</p>
          <p>Der &#x201E;Rechtsboden&#x201C; bedeutete einfach, daß die Revolution ihren Boden nicht gewonnen und die alte Gesellschaft ihren Boden nicht verloren habe, daß die Märzrevolution nur ein &#x201E;Ereigniß&#x201C; sei, welches den &#x201E;Anstoß&#x201C; zu der längst innerhalb des alten preußischen Staats vorbereiteten &#x201E;Verständigung&#x201C; zwischen dem Throne und der Bourgeoisie gegeben, deren Bedürfniß die Krone selbst in frühern allerhöchsten Erlassen schon ausgesprochen und nur vor dem März für nicht &#x201E;<hi rendition="#g">dringlich</hi>&#x201C; erachtet habe. Der &#x201E;<hi rendition="#g">Rechtsboden</hi>&#x201C; bedeutete mit einem Worte, daß die Bourgeoisie <hi rendition="#g">nach</hi> dem März mit der Krone auf demselben Fuße unterhandeln wolle wie <hi rendition="#g">vor</hi> dem März, als ob gar keine Revolution stattgefunden, und der Vereinigte Landtag ohne die Revolution sein Ziel erreicht hätte. Der &#x201E;Rechtsboden&#x201C; bedeutete, daß der Rechtstitel des Volkes, die <hi rendition="#g">Revolution,</hi> in dem contrat social zwischen Regierung und Bourgeoisie nicht existire. <hi rendition="#g">Die Bourgeoisie leitete ihre Ansprüche aus der altpreußischen Gesetzgebung her, damit das Volk keine Ansprüche aus der neupreußischen Revolution herleite</hi>.</p>
          <p>Es versteht sich, daß die <hi rendition="#g">ideologischen Cretins</hi> der Bourgeoisie, ihre Zeitungsschreiber u. dgl., diese Beschönigung des Bourgeoisinteresses für das eigentliche Interesse der Bourgeoisie ausgeben und als solches sich und andern einbilden mußten. Im Kopfe eines <hi rendition="#g">Brüggemann</hi> verwandelte sich die Phrase des Rechtsbodens in eine wirkliche Substanz.</p>
          <p>Das Ministerium <hi rendition="#g">Camphausen</hi> hatte seine Aufgabe gelöst, die Aufgabe der <hi rendition="#g">Vermittlung</hi> und des <hi rendition="#g">Uebergangs</hi>. Es bildete nämlich die <hi rendition="#g">Vermittlung</hi> zwischen der auf den Volks- <ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref>                 </p>
        </div>
      </div>
      <div type="jFeuilleton" n="1">
        <div xml:id="ar170_001a" type="jArticle">
          <lg type="poem">
            <head>Die heilige deutsche Reichsarmee.</head>
            <lg n="1">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee</l><lb/>
              <l>Ist auf den Strumpf gekommen:</l><lb/>
              <l>Sie hat aus Schwaben und Hessen sich</l><lb/>
              <l>Die besten Jungens genommen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee</l><lb/>
              <l>Die sollte die Schweiz berücken:</l><lb/>
              <l>Schon rückte sie aus, da mußte sie, ach</l><lb/>
              <l>Die verfluchten Hosen noch flicken.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee</l><lb/>
              <l>Die sollte ganz Limburg fressen:</l><lb/>
              <l>Schon rückte sie aus, da hatte sie, ach</l><lb/>
              <l>Das verfluchte Pulver vergessen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="4">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee</l><lb/>
              <l>Die war zum Kampfe entschlossen:</l><lb/>
              <l>Da haben die Preußen und Dänen, ach</l><lb/>
              <l>Den verfluchten Frieden geschlossen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="5">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee,</l><lb/>
              <l>Die sollte auch Wien erlösen:</l><lb/>
              <l>Da ist, ach Gott, der Herr Windisch-Grätz</l><lb/>
              <l>So verflucht bei der Hand gewesen.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="6">
              <l>Die heilige deutsche Reichsarmee</l><lb/>
              <l>Die lebt ohn' viele Sorgen:</l><lb/>
              <l>Die Lanzknechte traun auf den lieben Gott &#x2014;</l><lb/>
              <l>Kommst du heute nicht, kommst du morgen.</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
        <div xml:id="ar170_002" type="jArticle">
          <head>Wien.</head>
          <p>Ein kaiserl. kgl. <hi rendition="#g">Soldat</hi> schickt der &#x201E;Red. der N. Rh. Ztg.&#x201C; die folgende Skizze zu. Wir nehmen sie mit Rücksicht auf den Absender trotz ihres Pathos auf:</p>
          <p> <hi rendition="#b">Die nächtliche Schildwache im Belagerungsheer vor Wien.</hi> </p>
          <p>Schaurig rückt die Mitternachtsstunde herauf, die Stunde meiner Ablösung. Sie werden kommen mich abzulösen &#x2014; doch wer kann mich erlösen von der innern Unruh, die mich ängstigt und foltert. Es schwindelt der Kopf mir vom ewigen Auf- und Abschreiten der müden Füße. Halt! Halt! Doch in mir tobt ein Höllenruf: Marsch! Marsch!</p>
          <p>Was ist es denn, was mir keine Ruhe läßt? Ach, es ist der heiße Kampf des Tages, der mir noch mit allen seinen Schrecknissen vor Augen steht, und dort im Hintergrunde die steigenden Feuersäulen der brennenden Kaiserstadt drohen wie zischende Schlangen den Schleuderern des Brandes, und rufen: Fluch den Brandstiftern! Fluch den Brüder- und Vatermördern! &#x2026;</p>
          <p>Wild und furchtbar ist der Krieg in seinem Toben, aber schrecklich ist der Moment des Austobens. Der Mensch hört auf Thier zu sein und er übersieht mit einem Blicke die Masse seiner Greuelthaten. Die Wunden, die er mit bestialischer Wuth seinen Nebenmenschen geschlagen, starren ihn klaffend an und er frägt sich, <hi rendition="#g">warum</hi> dies Alles geschah? &#x2026;</p>
          <p>Ach, warum, warum war ich heute ein wildes Thier? Und wer war denn das Wild, gegen das wir wie Jagdhunde gehezt wurden? Waren es etwa Feinde des Landes, die wir mit grimmiger Wuth zerfleischten? &#x2026; Ach, es waren ja die Söhne des Landes wie wir selbst, es waren ja die Bürger der ersten Stadt des Reichs! Welch' eine Satansmacht hat uns gegen unsere Brüder, gegen unsere Väter gehetzt?</p>
          <p>Wehe! Mein Blick verwirrt sich &#x2014; das Schlachtfeld mit den Gefallenen wird regsam &#x2014; die Todten mit ihren klaffenden Wunden richten sich auf &#x2014; kommen auf mich zu &#x2014; Marsch! Marsch! &#x2026;</p>
          <p>Ha, Geister meiner Erschlagenen, was wollt Ihr von mir? Wollt Ihr den Kampf von neuem beginnen? Kehrt um! Kehrt um! &#x2026; Doch, was seh' ich! O, gräßlich, gräßlich! die Erschlagenen sind ja meine Brüder, meine wirklichen Brüder, meiste leiblichen Brüder! &#x2026;</p>
          <p>Max und Karl! &#x2014; o Gott! &#x2014; seid ihr es denn wirklich, die ich heute im blinden teuflischen Kampf erschlagen? Ha, wie sie ihre starren Häupter bejahend schütteln &#x2014; Weh' mir, sie sind es, es sind meine leiblichen Brüder, die ich erschlagen &#x2014; ach, sie eilten in den Kampf für Freiheit, für Vaterstadt &#x2014; Und ich? &#x2014; Und ich? &#x2014; ich folgte dem starren Kommando: <hi rendition="#g">gegen</hi> Freiheit, <hi rendition="#g">gegen</hi> Vaterland, <hi rendition="#g">gegen</hi> Vaterstadt! &#x2026; Fluch! ewiger Fluch! diesem Kommando zum Brudermord!</p>
          <p>Wohin winkt Ihr mir, Ihr theuren Erschlagenen? Wollt Ihr, daß ich euch folge in die flammende Kaiserstadt, auf den Kirchhof der Freiheit? Aber dort kommen schon die Söldner um mich abzulösen &#x2014; Gewehr an! &#x2025; Ha, wie sie winken, die geliebten Erschlagenen &#x2026; Wohlan, ich folge eurem Bruderwink &#x2014; Keine Ablösung durch die Feinde des Vaterlands! Nur Erlösung suche ich durch den Tod für's Vaterland! L. M.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar170_003" type="jArticle">
          <head>Theater in Köln.</head>
          <p>Jeder Mensch hat seine Nachtheile und seine Vortheile &#x2014; so auch Herr <hi rendition="#g">Barth</hi>. Herr Barth hat alle Nachtheile, aber leider nur <hi rendition="#g">den</hi> Vortheil, daß die guten Kölner eine wahrhaft himmlische Geduld mit ihm haben. Herr Barth muß sich nicht wundern, daß wir weniger nachsichtig mit ihm sind als andere Leute; wir gestehen es grade heraus, wir tadeln ihn in unserm eignen Interesse, denn wir gönnen uns gern einen erträglichen Abend. &#x2014; &#x2014; Sehen
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0913/0001] Neue Rheinische Zeitung Organ der Demokratie. No 170. Köln, Samstag den 16. Dezember. 1848. Keine Steuern mehr!!! Uebersicht. Deutschland. Köln. (Die Bourgeoisie und die Contrerevolution. Fortsetzung. — Der Belagerungszustand.) Weßlingen. (Verhaftungen. — Belagerungszustand.) Dortmund. (Mirbachs Verhaftung.) Bielefeld. (Die Verhaftungen und ihr Motiv. — Tumult zu Paderborn.) Münster. (Die Reactionswirthschaft.) Berlin. (Die Nachrichten aus Paris und die Russen. — Verbot der Nationalzeitung. — Polizeiwirthschaft. — Dowiats Prozeß. — Das Ministerium Brandenburg und die englische Presse. — Kladdaradatsch.) Darmstadt. (Die Centralgewalt. — Standrechtliches) Mainz. (Ein Beschluß des hiesigen Bezirkraths.) Eßlingen. (Adresse an einen Reichstagsdeputirten) Belgien. Lüttich. (Gründung eines demokratisch-socialen Vereins). Französische Republik. Paris. (Die Wahl Louis Napoleons. — Volksaustritte. — Stimmung der Mobilen. — Napoleon, Raspail, Ledru Rollin. — Die Wahlurne. — Girardin, Lamartine. — Die Wahllisten. — Verbindung der Rothen mit den Napoleonisten. — Vermischtes. National-Versammlung.) Italien. Oestreichische Truppenbewegungen. — Neue Schinderei Radetzki's. — Neapel. — Venedig. (Eindruck der römischen Nachrichten. — Papiergeld). Portugal. Lissabon. (Das Saldanhasche Kabinet und die Finanzen). Großbritannien. London. (Fleming der Prophet. — Louis Philippe als Kläger vor dem Polizeigericht. — Der Morning Advertiser über die octroyirte preußische Verfassung. — Chartistische Parlamentskandidaten. — An die Wähler von Leicester. — Chartistenprozesse. — Lügen der reaktionären deutschen Journale über die englische Presse). Manchester. (Der Markt). Amerika. (Neueste Nachrichten aus den Vereinigten-Staaten, Mexiko, Yucatan, Hayti, Havannah, Venezuela und Bogota. — Das californische Eldorado). Rio-Janeiro. (Rosa's Rüstungen). Afrika. (Zustand am Cap der guten Hoffnung). Deutschland. * Köln, 15. Dezember. (Fortsetzung.) Die Vereinbarungstheorie, welche die im Ministerium Camphausen zur Regierung gelangte Bourgeoisie sofort als „breiteste“ Grundlage des preußischen contrat social proklamirte, war keineswegs eine hohle Theorie; sie war vielmehr gewachsen auf dem Baume des „goldnen“ Lebens. Die Märzrevolution hat den Souverän von Gottes Gnaden keineswegs dem Volssouveräne unterjocht. Sie hat nur die Krone, den absolutistischen Staat, gezwungen, sich mit der Bourgeoisie zu verständigen, sich mit ihrem alten Rivalen zu vereinbaren. Die Krone wird der Bourgeoisie den Adel, die Bourgeoisie wird der Krone das Volk opfern. Unter dieser Bedingung wird das Königthum bürgerlich und die Bourgeoisie königlich werden. Nach dem März giebt es nur noch diese zwei Mächte. Sie dienen sich wechselseitig als Blitzableiter der Revolution. Alles natürlich auf „breitester demokratischer Grundlage“. Das war das Geheimniß der Vereinbarungstheorie. Die Oel- und Wollhändler, welche das erste Ministerium nach der März-Revolution bilbeten, gefielen sich in der Rolle, die blosgestellte Krone mit ihren plebejischen Fittigen zu decken. Sie schwelgten in dem Hochgenusse, hoffähig zu sein und widerstrebend, von ihrem rauhen Römerthum aus reiner Großmuth ablassend — von dem Römerthum des vereinigten Landtags — die Kluft, welche der Thron zu verschlingen drohte, mit dem Leichnam ihrer ehemaligen Popularität zu schließen. Wie spreizte sich der Minister Camphausen als Wehmutter des konstitutionellen Thrones. Der brave Mann war offenbar über sich selbst, über seine eigne Großmuth gerührt. Die Krone und ihr Anhang duldete widerstrebend diese demüthigende Protektorschaft, sie machte bonne mine à mauvais jeu in Erwartung bess'rer Tage. Die halb aufgelöste Armee, die für ihre Stellen und Gehalte zitternde Bureaucratie, der gedehmüthigte Feudalstand, dessen Führer sich auf konstitutionellen Studienreisen befand, übertölpelten leicht mit einigen süßen Worten und Knixen den Bourgeois Gentilhomme. Die preußische Bourgeoisie war nomineller Besitzer der Herrschaft, sie zweifelte keinen Augenblick, daß die Mächte des alten Staats ohne Hinterhalt sich ihr zu Gebot gestellt und in eben so viele devote Ableger ihrer eignen Allmacht verwandelt hätten. Nicht nur im Ministerium, in dem ganzen Umfang der Monarchie war die Bourgeoisie von diesem Wahn berauscht. Die einzigen Heldenthaten der preußischen Bourgeoisie nach dem März, die oft blutigen Chikanen der Bürgerwehr gegen das unbewaffnete Proletariat, fanden sie nicht in der Armee, in der Büreaucratie und selbst in den Feudalherrn willig unterwürfige Helfershelfer? Die einzigen Kraftanstrengungen, wozu sich die lokalen Vertreter der Bourgeoisie aufschwangen, die Gemeinderäthe — deren zudringlich _ servile Gemeinheit von einem Windischgrätz, Jelachich und Welden später in angemessener Weise befußtrittet wurde — die einzigen Heldenthaten dieser Gemeinderäthe nach der Märzrevolution, ihre patriarchalischernsten Warnungsworte an das Volk, wurden sie nicht angestaunt von den verstummten Regierungspräsidenten und den in sich gegangenen Divisionsgeneralen? Und die preußische Bourgeoisie hätte noch zweifeln sollen, daß der alte Groll der Armee, der Bureaucratie, der Feudalen, in ehrfurchtsvoller Ergebenheit vor dem sich selbst und die Anarchie zügelnden großmüthigen Sieger, der Bourgeoisie, erstorben sei? Es war klar. Die preußische Bourgeoisie hatte nur noch eine Aufgabe, die Aufgabe, sich ihre Herrschaft bequem zu machen, die störenden Anarchisten zu beseitigen, „Ruhe und Ordnung“ wieder herzustellen und die Zinsen wieder einzubringen, die während des Märzsturms verloren gegangen waren. Es konnte sich nur noch darum handeln, die Produktionskosten ihrer Herrscheft und der sie bedingenden Märzrevolution auf ein Minimum zu beschränken. Die Waffen, welche die preußische Bourgeoisie in ihrem Kampfe gegen die feudale Gesellschaft und deren Krone unter der Firma des Volks in Anspruch zu nehmen sich gezwungen sah, Assoziationsrecht, Preßfreiheit etc., mußten sie nicht zerbrochen werden in den Händen eines bethörten Volks, das sie nicht mehr für die Bourgeoisie zu führen brauchte und gegen sie zu _ denkliche Gelüste kund gab? Der Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone, davon war sie überzeugt, dem Markten der Bourgeoisie mit dem alten, in sein Schicksal ergebenen Staate, stand offenbar nur noch ein Hinderniß im Wege, ein einziges Hinderniß, das Volk — puer robus_ us sed maliciosus, wie Hobbes sagt. Das Volk und die Revolution! Die Revolution war der Rechtstitel des Volkes; auf die Revolution gründete es seine ungestümmen Ansprüche. Die Revolution war der Wechsel, den es auf die Bourgeoisie gezogen hatte. Durch die Revolution war die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt. Mit dem Tage ihrer Herrschaft war der Verfalltag dieses Wechsels angebrochen. Die Bourgeoisie mußte gegen den Wechsel Protest einlegen. Die Revolution — das bedeutete im Munde des Volks: Ihr Bourgeois seid das Comité du salut public, der Wohlfahrtsausschuß, dem wir die Herrschaft in die Hand gegeben, nicht damit ihr euch über eure Interessen mit der Krone vereinbart, sondern damit ihr gegen die Krone unsere Interessen, die Interessen des Volks durchsetzt. Die Revolution war der Protest des Volkes gegen die Vereinbarung der Bourgeoisie mit der Krone. Die mit der Krone sich vereinbarende Bourgeoisie mußte also protestiren gegen — die Revolution. Und das geschah unter dem großen Camphausen. Die Märzrevolution wurde nicht anerkannt. Die Berliner Nationalrepräsentation konstituirte sich als Repräsentation der preußischen Bourgeoisie, als Vereinbarerversammlung, indem sie den Antrag auf Anerkennung der Märzrevolution verwarf. Sie machte das Geschehene ungeschehen. Sie proklamirte es laut vor dem preußischen Volke, daß es sich mit der Bourgeoisie nicht vereinbart, um gegen die Krone zu revolutioniren, sondern daß es revolutionirt, damit sich die Krone mit der Bourgeoisie gegen es selbst vereinbare! So war der Rechtstitel des revolutionären Volkes vernichtet und der Rechtsboden der konservativen Bourgeoisie gewonnen. Der Rechtsboden! Brüggemann, und durch ihn die „Kölnische Zeitung,“ haben so viel geplaudert, gefabelt, gewimmert vom „Rechtsboden,“ so oft den „Rechtsboden“ verloren, wiedergewonnen, den Rechtsboden durchlöchert, geflickt, von Berlin nach Frankfurt, von Frankfurt nach Berlin geschleudert, verengt, ausgedehnt, aus einem einfachen Boden in einen getäfelten Boden, aus einem getäfelten Boden in einen Doppelboden, — bekanntlich ein Hauptwerkzeug der schauspielernden Escamoteurs — aus einem Doppelboden in eine bodenlose Fallthüre verwandelt, daß der Rechtsboden sich für unsre Leser mit Recht schließlich in den Boden der „Kölnischen Zeitung“ verwandelt hat, daß sie das Schiboleth der preußischen Bourgeoisie mit dem Privatschiboleth des Herrn Joseph Dumont, einen nothwendigen Einfall der preußischen Weltgeschichte mit einer willkührlichen Marotte der „Kölnischen“ Zeitung verwechseln können und im Rechtsboden nur noch den Boden sehn, auf dem die „Kölnische Zeitung“ wächst. Der Rechtsboden und zwar der preußische Rechtsboden! Der Rechtsboden, auf dem sich nach dem März der Ritter der großen Debatte Camphausen, das wiedererweckte Gespenst des Vereinigten Landtags und die Vereinbarerversammlung bewegen, ist er das Konstitutionsgesetz von 1815, oder das Landtagsgesetz von 1820, oder das Patent von 1847, oder das Wahl- und Vereinbarungsgesetz vom 8. April 1848? Nichts von alledem. Der „Rechtsboden“ bedeutete einfach, daß die Revolution ihren Boden nicht gewonnen und die alte Gesellschaft ihren Boden nicht verloren habe, daß die Märzrevolution nur ein „Ereigniß“ sei, welches den „Anstoß“ zu der längst innerhalb des alten preußischen Staats vorbereiteten „Verständigung“ zwischen dem Throne und der Bourgeoisie gegeben, deren Bedürfniß die Krone selbst in frühern allerhöchsten Erlassen schon ausgesprochen und nur vor dem März für nicht „dringlich“ erachtet habe. Der „Rechtsboden“ bedeutete mit einem Worte, daß die Bourgeoisie nach dem März mit der Krone auf demselben Fuße unterhandeln wolle wie vor dem März, als ob gar keine Revolution stattgefunden, und der Vereinigte Landtag ohne die Revolution sein Ziel erreicht hätte. Der „Rechtsboden“ bedeutete, daß der Rechtstitel des Volkes, die Revolution, in dem contrat social zwischen Regierung und Bourgeoisie nicht existire. Die Bourgeoisie leitete ihre Ansprüche aus der altpreußischen Gesetzgebung her, damit das Volk keine Ansprüche aus der neupreußischen Revolution herleite. Es versteht sich, daß die ideologischen Cretins der Bourgeoisie, ihre Zeitungsschreiber u. dgl., diese Beschönigung des Bourgeoisinteresses für das eigentliche Interesse der Bourgeoisie ausgeben und als solches sich und andern einbilden mußten. Im Kopfe eines Brüggemann verwandelte sich die Phrase des Rechtsbodens in eine wirkliche Substanz. Das Ministerium Camphausen hatte seine Aufgabe gelöst, die Aufgabe der Vermittlung und des Uebergangs. Es bildete nämlich die Vermittlung zwischen der auf den Volks- [Fortsetzung] Die heilige deutsche Reichsarmee. Die heilige deutsche Reichsarmee Ist auf den Strumpf gekommen: Sie hat aus Schwaben und Hessen sich Die besten Jungens genommen. Die heilige deutsche Reichsarmee Die sollte die Schweiz berücken: Schon rückte sie aus, da mußte sie, ach Die verfluchten Hosen noch flicken. Die heilige deutsche Reichsarmee Die sollte ganz Limburg fressen: Schon rückte sie aus, da hatte sie, ach Das verfluchte Pulver vergessen. Die heilige deutsche Reichsarmee Die war zum Kampfe entschlossen: Da haben die Preußen und Dänen, ach Den verfluchten Frieden geschlossen. Die heilige deutsche Reichsarmee, Die sollte auch Wien erlösen: Da ist, ach Gott, der Herr Windisch-Grätz So verflucht bei der Hand gewesen. Die heilige deutsche Reichsarmee Die lebt ohn' viele Sorgen: Die Lanzknechte traun auf den lieben Gott — Kommst du heute nicht, kommst du morgen. Wien. Ein kaiserl. kgl. Soldat schickt der „Red. der N. Rh. Ztg.“ die folgende Skizze zu. Wir nehmen sie mit Rücksicht auf den Absender trotz ihres Pathos auf: Die nächtliche Schildwache im Belagerungsheer vor Wien. Schaurig rückt die Mitternachtsstunde herauf, die Stunde meiner Ablösung. Sie werden kommen mich abzulösen — doch wer kann mich erlösen von der innern Unruh, die mich ängstigt und foltert. Es schwindelt der Kopf mir vom ewigen Auf- und Abschreiten der müden Füße. Halt! Halt! Doch in mir tobt ein Höllenruf: Marsch! Marsch! Was ist es denn, was mir keine Ruhe läßt? Ach, es ist der heiße Kampf des Tages, der mir noch mit allen seinen Schrecknissen vor Augen steht, und dort im Hintergrunde die steigenden Feuersäulen der brennenden Kaiserstadt drohen wie zischende Schlangen den Schleuderern des Brandes, und rufen: Fluch den Brandstiftern! Fluch den Brüder- und Vatermördern! … Wild und furchtbar ist der Krieg in seinem Toben, aber schrecklich ist der Moment des Austobens. Der Mensch hört auf Thier zu sein und er übersieht mit einem Blicke die Masse seiner Greuelthaten. Die Wunden, die er mit bestialischer Wuth seinen Nebenmenschen geschlagen, starren ihn klaffend an und er frägt sich, warum dies Alles geschah? … Ach, warum, warum war ich heute ein wildes Thier? Und wer war denn das Wild, gegen das wir wie Jagdhunde gehezt wurden? Waren es etwa Feinde des Landes, die wir mit grimmiger Wuth zerfleischten? … Ach, es waren ja die Söhne des Landes wie wir selbst, es waren ja die Bürger der ersten Stadt des Reichs! Welch' eine Satansmacht hat uns gegen unsere Brüder, gegen unsere Väter gehetzt? Wehe! Mein Blick verwirrt sich — das Schlachtfeld mit den Gefallenen wird regsam — die Todten mit ihren klaffenden Wunden richten sich auf — kommen auf mich zu — Marsch! Marsch! … Ha, Geister meiner Erschlagenen, was wollt Ihr von mir? Wollt Ihr den Kampf von neuem beginnen? Kehrt um! Kehrt um! … Doch, was seh' ich! O, gräßlich, gräßlich! die Erschlagenen sind ja meine Brüder, meine wirklichen Brüder, meiste leiblichen Brüder! … Max und Karl! — o Gott! — seid ihr es denn wirklich, die ich heute im blinden teuflischen Kampf erschlagen? Ha, wie sie ihre starren Häupter bejahend schütteln — Weh' mir, sie sind es, es sind meine leiblichen Brüder, die ich erschlagen — ach, sie eilten in den Kampf für Freiheit, für Vaterstadt — Und ich? — Und ich? — ich folgte dem starren Kommando: gegen Freiheit, gegen Vaterland, gegen Vaterstadt! … Fluch! ewiger Fluch! diesem Kommando zum Brudermord! Wohin winkt Ihr mir, Ihr theuren Erschlagenen? Wollt Ihr, daß ich euch folge in die flammende Kaiserstadt, auf den Kirchhof der Freiheit? Aber dort kommen schon die Söldner um mich abzulösen — Gewehr an! ‥ Ha, wie sie winken, die geliebten Erschlagenen … Wohlan, ich folge eurem Bruderwink — Keine Ablösung durch die Feinde des Vaterlands! Nur Erlösung suche ich durch den Tod für's Vaterland! L. M. Theater in Köln. Jeder Mensch hat seine Nachtheile und seine Vortheile — so auch Herr Barth. Herr Barth hat alle Nachtheile, aber leider nur den Vortheil, daß die guten Kölner eine wahrhaft himmlische Geduld mit ihm haben. Herr Barth muß sich nicht wundern, daß wir weniger nachsichtig mit ihm sind als andere Leute; wir gestehen es grade heraus, wir tadeln ihn in unserm eignen Interesse, denn wir gönnen uns gern einen erträglichen Abend. — — Sehen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
Maria Ermakova, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Frank Wiegand: Konvertierung XML nach DTA-Basisformat (2017-03-20T13:08:10Z)

Weitere Informationen:

Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz170_1848
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz170_1848/1
Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 170. Köln, 16. Dezember 1848, S. 0913. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz170_1848/1>, abgerufen am 02.03.2021.