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Marburger Zeitung. Nr. 74, Marburg, 20.06.1905.

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Marburger Zeitung Nr. 74, 20. Juni 1905.

[Spaltenumbruch]
Marburger Nachrichten.
Reichsratswählerversammlung.

Wir
machen nochmals darauf aufmerksam, daß heute
(Dienstag) abends
8 Uhr im "Kreuzhofe" die
zweite und letzte große allgemeine Wählerver-
sammlung stattfindet, zu welcher die beiden Kandi-
daten Pfrimer und Wastian geladen wurden.
Mögen die geehrten Wähler auch diese Versammlung
recht zahlreich besuchen.

Museumverein in Marburg.

Unser
Ortsmuseum erhielt in der letzteren Zeit viele in-
teressante Bereicherungen, welche zumeist geschenk-
weise, einige unter Wahrung des Eigentumsrechtes,
gewidmet wurden. Es spendeten u. a.: Der hoch-
wohlgeborene Herr Emil Freiherr v. Gödel-Lannoy
-- 3 Bruchstücke römischer Skulpturen; ferner die
Herren: Bürgermeister Dr. Johann Schmiderer --
1 Kaiserbild; Waidacher Alois -- einen Fächer;
Zahradnik Anton -- 1 rundes Vorhängeschloß und
mehrere Urkunden; Stundl Theodor -- 1 Nadel-
büchse aus Beinschnitzerei; Peßl Karl -- 1 Stopf-
präparat eines Zweigrattlers, 1 Firmaschild "zum
Tiroler" und 1 Urkunde; Serpp Alois -- Er-
innerungszeichen an das 2. Alpengauturnfest in
Marburg; Grilletz Ernest -- 1 Urkunde; Wagrandl
Ferdinand -- Erinnernngsbild an den Feldzug in
Schleswig-Holstein; Kores Franz -- 1 Boussole;
Tax Friedrich -- 1 Nationalgarde-Säbel; Inspektor
Dereani -- 1 Denkmünze; Peyer Josef -- 1 Denk-
münze und 1 Umrechnungstabelle; Arsenschek Paul
-- 1 Ölbild; Berger Alfons -- Bild Napoleons
in 4 verschiedenen Stufen seiner Laufbahn; Peitler
Anton -- 1 Tongefäß; Wiesthaler Franz, Gym-
nasialdirektor in Laibach -- 1 Fünfgulden Wiener
Bankszettel; Moser Franz in Bozen -- 1 Ölgemälde
von Major Vinzenz v. Moser; Sirk Johann --
Heiligenfigur aus Holz; Martinz Josef -- Licht-
bild der Tegetthoffstraße; Prof. Ferk Franz in
Graz -- 2 Lichtbilder; Beyer Julius -- 5 Gulden
Kossuthnote; Dr. Anton Ritter v. Premerstein --
2 Exempare "Römische Inschriften in Marburg" --
Hauptmann Mlineritsch Vinzenz -- eine Anzahl
verschiedener Landkarten und Pläne; weiters spen-
deten u. a. folgendes die Frauen: Irma von
Premerstein -- Ovalteller mit gepreßter Ornamentik;
Schlesinger Kornelia -- 2 Majolike, Ölkanne, an-
tikes Kupfergefäß; Seidl Katharina -- Korporal
Seidl vom 47. Inf.-Rgt. bei Custozza 1848. Lehr-
reiche Präparate von Tieren schenkten die Herren:
Pachner, Scherbaum, Franz, Brettschneider, Kurz-
mann, Inspektor Walenta, Verwalter Kern, Sonns
in Fresen, Wilhelm Grögl, Studierender, sowie die
Herren Lehrer Alois Grögl in Pobersch und Jauk
in Rothwein.

Vom Notariat.

Der Justizminister hat
die Notare Karl Hanß von Windisch-Feistritz nach
Marburg, Dr. Hermann Wiesthaler von Rann
nach Windisch-Feistritz und Dr. Franz Horvat
von Idria nach Rann versetzt.

Deutscher Schulverein.

Die Leitungen
der hiesigen Ortsgruppen stellen an ihre Mitglieder
das freundliche Ersuchen, am Feste der Sonnwend-
feier in St. Egydi (21. Juni) sich recht zahlreich
beteiligen zu wollen.

Deutscher Lehrerverein.

Der deutsche
Lehrerverein ladet seine Mitglieder ein, die am
Mittwoch, den 21. d. M. in St. Egydi stattfin-
dende Sonnwendfeier zahlreich zu besuchen.

Südmarkortsgruppe Brunndorf.

Die
Mitglieder der Südmarkortsgruppe Brunndorf wer-
den hiemit aufgefordert, sich recht zahlreich an der
Mittwoch, den 21. d. in St. Egydi (Südmarkhof)
stattfindenden Sonnwendfeier zu beteiligen.

Sonnwendfeier des Turnvereines
"Jahn".

Dieselbe findet Donnerstag, den 22. d.
am Domkogel statt. Zusammenkunft um halb
8 Uhr abends in der Gastwirtschaft Alwies. Nach
der Feier geselliges Beisammensein bei Alwies. Jeder
Deutsche ist herzlich willkommen!

Vom Finanzdienste.

Ernannt wurden
im Unterlande: der Evidenzhaltungsgeometer 2.
Klasse Raimund Verbizh in Gonobitz zum Evi-
denzhaltungsgeometer 1. Klasse, der Volontär
Heinrich Sideritsch des Steueramtes in Lutten-
berg zum Steueramts-Praktikanten auf seinem gegen-
wärtigen Dienstposten. -- Übersetzt wurden im
Unterlande: die Steueramtskontrollore Rudolf Ulm
vom Steueramte in St. Gallen zum Steueramte
in Mahrenberg und Heinrich Mettelet vom
Steueramte in Mahrenberg zum Steueramte in
[Spaltenumbruch] St. Gallen, der Steueramtsadjunkt Franz Kon-
kowsky
vom Steueramte in Mahrenberg zum
Steueramte in Rann, die Steueramtspraktikanten
Stephan Suc vom Steueramte in Windisch-Feistritz
zur Gebührenabteilung der Finanzbezirksdirektion in
Marburg und Franz Kosar von der Gebühren-
abteilung der Finanzbezirksdirektion in Marburg
zum Steueramte in Friedau, die Steueramtsadjunkten
Franz Resnik vom Steueramte in Rann zum
Hauptzoll- und Steueramte in Marburg und Ubald
Meixner vom Hauptzoll- und Steueramte in
Marburg zum Steueramte in Mahrenberg, ferner
Alfred Drobnitsch vom Hauptsteueramte in Cilli
zum Steueramte in St. Leonhard W.-B., der Steuer-
einnehmer Ottoka[r] Czech vom Steueramte in
Murau zum Steueramte in Arnfels, endlich der
Steueramtsadjunkt Viktor Prohaska vom Haupt-
zoll- und Steueramte in Marburg zum Hauptsteuer-
amte in Leoben, die Steueramtspraktikanten Karl
Reich vom Steueramte in St. Leonhard W.-B.
zum Hauptzoll- und Steueramte in Marburg, Franz
Pichler vom Hauptsteueramte in Radkersburg zur
Bezirkshauptmannschaft in Rann, Ignaz Ozvatic
von der Bezirkshauptmannschaft in Rann zur Bezirks-
hauptmannschaft in Leibnitz und Karl Lattacher
vom Hauptsteueramte in Leoben zum Hauptsteuer-
amte in Radkersburg. Dienstlich zugewiesen wurden:
der Finanz-Oberkommissär Dr. Alois Tschme-
litsch
der Finanzbezirksdirektion in Marburg von
der Gebührenabteilung zur Gefällenabteilung dort-
selbst und der Finanzkonzipist Ernst Kubesch von
der Gefällenabteilung der Finanzbezirksdirektion in
Marburg zur Gebührenabteilung dortselbst, der von
der Militärdienstleistung eingerückte Evidenzhaltungs-
eleve Emanuel Slama zur Grundsteuer-Evidenz-
haltung in Cilli, der Steueramtspraktikant Georg
Schmidt von der Bezirkshauptmannschaft zum
Hauptsteueramte in Leibnitz.

Sammeltätigkeit eines barmherzigen
Bruders.

Von der Vorstehung des Barmherzigen-
Spitales in Graz schreibt man uns: Nächster Tage
wird ein barmherziger Bruder aus dem Grazer
Konvente R. Fr. Odilo Plentner die alljährlich
übliche Sammlung für das Grazer Krankenhaus
in unserer Stadt Marburg vornehmen. Zu diesem
Zwecke unterbreitet die Vorstehung des Hospitales
im eigenen und im Namen der armen Kranken an
alle hochachtungsvollsten Bürger und Bewohner die
ergebenste Bitte, die Anstalt, in welcher ohne Unter-
schied der Religon und Nation Kranke unentgeltliche
Aufnahme finden, wiederum gütigst zu unterstützen
-- zu beteilen. Laut Krankenbericht haben die barm-
herzigen Brüder im abgelaufenen Jahre 1904
4736 Kranke aufgenommen und behandelt mit
100.759 Verpflegstagen; im Rekonvaleszentenhause
in Algersdorf 697 Kranke mit 11.638 Verpflegs-
tagen. Das tätige und erfolgreiche Wirken in der
Austalt bestätigen insbesonders die im Bericht an-
geführten 2172 Operationen, welche viel Zeit und
großen Fleiß der Anstaltsärzte und des Konventes
nebst der täglichen Arbeitsleistung erforderten. In
Erwähnung erlaubt die Vorstehung noch zu bringen,
daß durch die unentgeltliche Aufnahme und Ver-
pflegung der Kranken, die durch die Sammlung er-
möglicht wird, wohl manchen jahrelang leidenden
Kranken der ärmeren Klasse Hilfe geboten werden
kann, welche in einer nicht kostenfreien Anstalt kaum
Heilung suchen würden. Möge der sammelnde barm-
herzige Bruder wieder gutherzig beteilt werden!

Die Südmark-Franenortsgruppe Cilli

hielt letzten Donnerstag ihre Jahreshauptversamm-
lung ab. Zur Vertretung der Ortsgruppe bei der
am 8. September d. J. in Dornbirn (Vorarlberg)
stattfindenden Hauptversammlung der Südmark er-
klärte sich Frau Helma Negri bereit, was allseits
begrüßt wurde. Dem Berichte der Zahlmeisterin
Frau Helene Mathes konnte entnommen werden,
daß 272 Kronen an die Hauptleitung abgeführt
wurden. Bei der Wahl in den Vorstand wurden,
gleichwie im Vorjahre, die folgenden Damen gewählt:
Obfrau Frau Emilie Stepischnegg, deren Stell-
vertreterin Frau Leopoldine Rakusch, Zahlmeisterin
Frau Helene Mathes, deren Stellvertreterin Frau
Rosa Wehrhan, Schriftführerin Frau Helma
Negri, deren Stellvertreterin Frau Mara Walter.

Der Marburger Unterstützungsverein
für entlassene Sträflinge

sucht für zwei seiner
Schutzbefohlenen, die demnächst ihre Freiheit wieder
erlangen, geeignete Dienstposten, und zwar: 1. Für
einen intelligenten Schützling, in den besten Jahren
stehend, gewesener Kanzlist, welcher nur aus Not
einen kleinen Betrag veruntreut hat, vom früher
unbemakelten und allgemein belobten Vorleben, ver-
[Spaltenumbruch] sehen mit besten Reverenzen und sonstigen Belobungs-
attesten, Besitzer des Militärverdienstkreuzes mit der
Krone, in Grundbuchssachen versiert, Rückfall nach
menschenmöglicher Berechnung vollkommen ausge-
schlossen, befähigt für Posten in jeder Kanzleibranche
bei industriellen Etablissements, Handlungshäusern
und Fabriken als Korrespondent, Rechnungs- und
sonstiger Beamte, sowie bei Herrschaften als Okonomie-
beamte und Gehilfe, ist verheiratet und Vater zweier
unmündigen Kinder. 2. Für einen Schmiedgehilfen,
30 Jahre alt, ledig, nicht wegen eines Eigentums-
deliktes verurteilt, sehr geschickter, fleißiger Mann,
geht auch in eine Fabrik. -- Die Offerenten bitten
aufrichtigst um gütigste Anteilnahme an ihrem trau-
rigen Geschicke, indem sie das innigste Versprechen
abgeben, die ihnen erwiesene Güte mit aufrichtigster
Dankbarkeit, Treue, Rechtschaffenheit und Anhäng-
lichkeit zu vergelten. Da es sich bei dem unter 1
angeführten Schützlinge um Rettung einer ganzen,
großenteils schuldlosen Familie handelt, werden edle,
vorurteilslose Menschenfreunde gebeten, diesen Un-
glücklichen die hilfreiche Hand nicht zu entziehen.
Nähere Angaben bietet die Vereinsleitung des
Unterstützungsvereines für entlassene Sträflinge in
Marburg.

Traber's anatomisches Museum.

Die
Zeiten, wo das große Publikum Panoramen mit
grotesk gemalten, bunten Bildern, Wachsfiguren,
mit Darstellungen von Raub und Mord seine Auf-
merksamkeit schenkte, sind längst vorüber. Der
Drang nach Wissen und Aufklärung im Zeichen der
Kultur hat andere Ansprüche gezeitigt, welchen heute
mit Hilfe der Kunst in ästhetischer Weise Rechnung
getragen und dadurch nicht nur der Geist, sondern
auch der Geschmack gebildet wird. In populär-
wissenschaftlicher Richtung zählen hiezu in erster
Linie die Wander-Museen, deren Mission bildender
Wert nicht abzusprechen ist. Eine der großartigsten
Sammlungen künstlerischer Darstellungen aus Wissen-
schaft und Leben ist jetzt hier in Marburg in der
Kokoschineggalle zur Aufstellung gelangt. Die allge-
meine Anerkennung, welche diesem äußerst solid
geleiteten Unternehmen gezollt wird, ist eine wohlver-
diente, denn das Museum mit seinen gediegenen Samm-
lungen ist mit landläufigem Markt-Trödel ähnlicher
Art nicht zu vergleichen. Traber's Panoptikum und
anatomisches Museum entspricht in Wahrheit dem
gesteigerten Fortschritte der Wissenschaft und Bildung,
ja es ist eine Schatzkammer, welche nach jeder Rich-
tung hin den Stempel wissenschaftlicher und künst-
lerischer Vollkommenheit offenbart. Sämtliche Objekte
sind sehrt wertvoll, auch die naturhistorischen Präpa-
rate von seltener Schönheit und durchwegs tadel-
los. Die erste Abteilung enthält prächtige Original-
figuren und Gruppen (letztere mechanisch in Be-
wegung gesetzt). Es sind Genre-Szenen, berühmte
Persönlichkeiten in porträtgetreuen Wachsabgüssen
von schönster Ausführung. Einzig in seiner Art sind
ferner die Typen der transatlantischen Völkerrassen
wiedergegeben. -- Die naturhistorischen Präparate sind
mit rühmlicher Fachkenntnis und Sorgfalt in aus-
gezeichneten Exemplaren zusammengestellt, den Schluß
der ersten Abteilung bilden düstere Reminiszenzen
an das traurige Zeitalter der Inquisition, in lebens-
großen, naturgetreuen Präparaten, sowie Darstellun-
gen der Anwendung von Folterwerkzeugen in grauer
Zeit. -- Die zweite Abteilung, das anatomisch-
pathologische Museum (der Zutritt ist nur Erwach-
senen gestattet), enthält eine Fülle wissenschaftlicher
Darstellungen, die systematisch einen gründlichen
Einblick in das menschliche Werden gewähren, ein
offenes Buch der Erkenntnis des menschlichen Körpers,
sowie seiner Entwicklung, Krankheitserscheinungen etc.
Ein wahres Prachtstück ist die weltberühmte ana-
tomische Venus in Lebengröße und zerlegbar. --
Die dritte und letzte Abteilung dieses Museums,
welche eigentlich die Überschrift tragen sollte: "Zur
Warnung und Belehrung der Generation" (nur für
Erwachsene zugänglich), enthält ein separates Kabinet
(Darstellungen verschiedener Operationen u. dgl.).
Überall waltet der Glanz der Neuheit, und das
Gesamtarrangement atmet eine gewisse Vornehmheit,
die den besten Eindruck macht. Der Besuch des
Traber'schen Museums und Panoptikums sei daher
allen bestens empfohlen, die auf die Erweiterung
ihres Wissens bedacht sind, und es läßt sich auf
diesem Gebiete in der Tat kein einfacherer und nütz-
licherer Anschauungs-Unterricht denken. Der Mensch
erkenne sich selbst!

Sonnwendfeier.

Wenn der launische Wetter-
gott ein freundliches Einsehen haben wird, dann
wird sich das am Mittwoch, den 21. d. im Süd-
markhofe in St. Egydi stattfindende Fest der
Sommersonnenwende zu einer schönen völkischen

Marburger Zeitung Nr. 74, 20. Juni 1905.

[Spaltenumbruch]
Marburger Nachrichten.
Reichsratswählerverſammlung.

Wir
machen nochmals darauf aufmerkſam, daß heute
(Dienstag) abends
8 Uhr im „Kreuzhofe“ die
zweite und letzte große allgemeine Wählerver-
ſammlung ſtattfindet, zu welcher die beiden Kandi-
daten Pfrimer und Waſtian geladen wurden.
Mögen die geehrten Wähler auch dieſe Verſammlung
recht zahlreich beſuchen.

Muſeumverein in Marburg.

Unſer
Ortsmuſeum erhielt in der letzteren Zeit viele in-
tereſſante Bereicherungen, welche zumeiſt geſchenk-
weiſe, einige unter Wahrung des Eigentumsrechtes,
gewidmet wurden. Es ſpendeten u. a.: Der hoch-
wohlgeborene Herr Emil Freiherr v. Gödel-Lannoy
— 3 Bruchſtücke römiſcher Skulpturen; ferner die
Herren: Bürgermeiſter Dr. Johann Schmiderer —
1 Kaiſerbild; Waidacher Alois — einen Fächer;
Zahradnik Anton — 1 rundes Vorhängeſchloß und
mehrere Urkunden; Stundl Theodor — 1 Nadel-
büchſe aus Beinſchnitzerei; Peßl Karl — 1 Stopf-
präparat eines Zweigrattlers, 1 Firmaſchild „zum
Tiroler“ und 1 Urkunde; Serpp Alois — Er-
innerungszeichen an das 2. Alpengauturnfeſt in
Marburg; Grilletz Erneſt — 1 Urkunde; Wagrandl
Ferdinand — Erinnernngsbild an den Feldzug in
Schleswig-Holſtein; Kores Franz — 1 Bouſſole;
Tax Friedrich — 1 Nationalgarde-Säbel; Inſpektor
Dereani — 1 Denkmünze; Peyer Joſef — 1 Denk-
münze und 1 Umrechnungstabelle; Arſenſchek Paul
— 1 Ölbild; Berger Alfons — Bild Napoleons
in 4 verſchiedenen Stufen ſeiner Laufbahn; Peitler
Anton — 1 Tongefäß; Wiesthaler Franz, Gym-
naſialdirektor in Laibach — 1 Fünfgulden Wiener
Bankszettel; Moſer Franz in Bozen — 1 Ölgemälde
von Major Vinzenz v. Moſer; Sirk Johann —
Heiligenfigur aus Holz; Martinz Joſef — Licht-
bild der Tegetthoffſtraße; Prof. Ferk Franz in
Graz — 2 Lichtbilder; Beyer Julius — 5 Gulden
Koſſuthnote; Dr. Anton Ritter v. Premerſtein —
2 Exempare „Römiſche Inſchriften in Marburg“ —
Hauptmann Mlineritſch Vinzenz — eine Anzahl
verſchiedener Landkarten und Pläne; weiters ſpen-
deten u. a. folgendes die Frauen: Irma von
Premerſtein — Ovalteller mit gepreßter Ornamentik;
Schleſinger Kornelia — 2 Majolike, Ölkanne, an-
tikes Kupfergefäß; Seidl Katharina — Korporal
Seidl vom 47. Inf.-Rgt. bei Cuſtozza 1848. Lehr-
reiche Präparate von Tieren ſchenkten die Herren:
Pachner, Scherbaum, Franz, Brettſchneider, Kurz-
mann, Inſpektor Walenta, Verwalter Kern, Sonns
in Freſen, Wilhelm Grögl, Studierender, ſowie die
Herren Lehrer Alois Grögl in Poberſch und Jauk
in Rothwein.

Vom Notariat.

Der Juſtizminiſter hat
die Notare Karl Hanß von Windiſch-Feiſtritz nach
Marburg, Dr. Hermann Wiesthaler von Rann
nach Windiſch-Feiſtritz und Dr. Franz Horvat
von Idria nach Rann verſetzt.

Deutſcher Schulverein.

Die Leitungen
der hieſigen Ortsgruppen ſtellen an ihre Mitglieder
das freundliche Erſuchen, am Feſte der Sonnwend-
feier in St. Egydi (21. Juni) ſich recht zahlreich
beteiligen zu wollen.

Deutſcher Lehrerverein.

Der deutſche
Lehrerverein ladet ſeine Mitglieder ein, die am
Mittwoch, den 21. d. M. in St. Egydi ſtattfin-
dende Sonnwendfeier zahlreich zu beſuchen.

Südmarkortsgruppe Brunndorf.

Die
Mitglieder der Südmarkortsgruppe Brunndorf wer-
den hiemit aufgefordert, ſich recht zahlreich an der
Mittwoch, den 21. d. in St. Egydi (Südmarkhof)
ſtattfindenden Sonnwendfeier zu beteiligen.

Sonnwendfeier des Turnvereines
„Jahn“.

Dieſelbe findet Donnerstag, den 22. d.
am Domkogel ſtatt. Zuſammenkunft um halb
8 Uhr abends in der Gaſtwirtſchaft Alwies. Nach
der Feier geſelliges Beiſammenſein bei Alwies. Jeder
Deutſche iſt herzlich willkommen!

Vom Finanzdienſte.

Ernannt wurden
im Unterlande: der Evidenzhaltungsgeometer 2.
Klaſſe Raimund Verbizh in Gonobitz zum Evi-
denzhaltungsgeometer 1. Klaſſe, der Volontär
Heinrich Sideritſch des Steueramtes in Lutten-
berg zum Steueramts-Praktikanten auf ſeinem gegen-
wärtigen Dienſtpoſten. — Überſetzt wurden im
Unterlande: die Steueramtskontrollore Rudolf Ulm
vom Steueramte in St. Gallen zum Steueramte
in Mahrenberg und Heinrich Mettelet vom
Steueramte in Mahrenberg zum Steueramte in
[Spaltenumbruch] St. Gallen, der Steueramtsadjunkt Franz Kon-
kowsky
vom Steueramte in Mahrenberg zum
Steueramte in Rann, die Steueramtspraktikanten
Stephan Suc vom Steueramte in Windiſch-Feiſtritz
zur Gebührenabteilung der Finanzbezirksdirektion in
Marburg und Franz Koſar von der Gebühren-
abteilung der Finanzbezirksdirektion in Marburg
zum Steueramte in Friedau, die Steueramtsadjunkten
Franz Resnik vom Steueramte in Rann zum
Hauptzoll- und Steueramte in Marburg und Ubald
Meixner vom Hauptzoll- und Steueramte in
Marburg zum Steueramte in Mahrenberg, ferner
Alfred Drobnitſch vom Hauptſteueramte in Cilli
zum Steueramte in St. Leonhard W.-B., der Steuer-
einnehmer Ottoka[r] Czech vom Steueramte in
Murau zum Steueramte in Arnfels, endlich der
Steueramtsadjunkt Viktor Prohaska vom Haupt-
zoll- und Steueramte in Marburg zum Hauptſteuer-
amte in Leoben, die Steueramtspraktikanten Karl
Reich vom Steueramte in St. Leonhard W.-B.
zum Hauptzoll- und Steueramte in Marburg, Franz
Pichler vom Hauptſteueramte in Radkersburg zur
Bezirkshauptmannſchaft in Rann, Ignaz Ozvatic
von der Bezirkshauptmannſchaft in Rann zur Bezirks-
hauptmannſchaft in Leibnitz und Karl Lattacher
vom Hauptſteueramte in Leoben zum Hauptſteuer-
amte in Radkersburg. Dienſtlich zugewieſen wurden:
der Finanz-Oberkommiſſär Dr. Alois Tſchme-
litſch
der Finanzbezirksdirektion in Marburg von
der Gebührenabteilung zur Gefällenabteilung dort-
ſelbſt und der Finanzkonzipiſt Ernſt Kubeſch von
der Gefällenabteilung der Finanzbezirksdirektion in
Marburg zur Gebührenabteilung dortſelbſt, der von
der Militärdienſtleiſtung eingerückte Evidenzhaltungs-
eleve Emanuel Slama zur Grundſteuer-Evidenz-
haltung in Cilli, der Steueramtspraktikant Georg
Schmidt von der Bezirkshauptmannſchaft zum
Hauptſteueramte in Leibnitz.

Sammeltätigkeit eines barmherzigen
Bruders.

Von der Vorſtehung des Barmherzigen-
Spitales in Graz ſchreibt man uns: Nächſter Tage
wird ein barmherziger Bruder aus dem Grazer
Konvente R. Fr. Odilo Plentner die alljährlich
übliche Sammlung für das Grazer Krankenhaus
in unſerer Stadt Marburg vornehmen. Zu dieſem
Zwecke unterbreitet die Vorſtehung des Hoſpitales
im eigenen und im Namen der armen Kranken an
alle hochachtungsvollſten Bürger und Bewohner die
ergebenſte Bitte, die Anſtalt, in welcher ohne Unter-
ſchied der Religon und Nation Kranke unentgeltliche
Aufnahme finden, wiederum gütigſt zu unterſtützen
— zu beteilen. Laut Krankenbericht haben die barm-
herzigen Brüder im abgelaufenen Jahre 1904
4736 Kranke aufgenommen und behandelt mit
100.759 Verpflegstagen; im Rekonvaleszentenhauſe
in Algersdorf 697 Kranke mit 11.638 Verpflegs-
tagen. Das tätige und erfolgreiche Wirken in der
Auſtalt beſtätigen insbeſonders die im Bericht an-
geführten 2172 Operationen, welche viel Zeit und
großen Fleiß der Anſtaltsärzte und des Konventes
nebſt der täglichen Arbeitsleiſtung erforderten. In
Erwähnung erlaubt die Vorſtehung noch zu bringen,
daß durch die unentgeltliche Aufnahme und Ver-
pflegung der Kranken, die durch die Sammlung er-
möglicht wird, wohl manchen jahrelang leidenden
Kranken der ärmeren Klaſſe Hilfe geboten werden
kann, welche in einer nicht koſtenfreien Anſtalt kaum
Heilung ſuchen würden. Möge der ſammelnde barm-
herzige Bruder wieder gutherzig beteilt werden!

Die Südmark-Franenortsgruppe Cilli

hielt letzten Donnerstag ihre Jahreshauptverſamm-
lung ab. Zur Vertretung der Ortsgruppe bei der
am 8. September d. J. in Dornbirn (Vorarlberg)
ſtattfindenden Hauptverſammlung der Südmark er-
klärte ſich Frau Helma Negri bereit, was allſeits
begrüßt wurde. Dem Berichte der Zahlmeiſterin
Frau Helene Mathes konnte entnommen werden,
daß 272 Kronen an die Hauptleitung abgeführt
wurden. Bei der Wahl in den Vorſtand wurden,
gleichwie im Vorjahre, die folgenden Damen gewählt:
Obfrau Frau Emilie Stepiſchnegg, deren Stell-
vertreterin Frau Leopoldine Rakuſch, Zahlmeiſterin
Frau Helene Mathes, deren Stellvertreterin Frau
Roſa Wehrhan, Schriftführerin Frau Helma
Negri, deren Stellvertreterin Frau Mara Walter.

Der Marburger Unterſtützungsverein
für entlaſſene Sträflinge

ſucht für zwei ſeiner
Schutzbefohlenen, die demnächſt ihre Freiheit wieder
erlangen, geeignete Dienſtpoſten, und zwar: 1. Für
einen intelligenten Schützling, in den beſten Jahren
ſtehend, geweſener Kanzliſt, welcher nur aus Not
einen kleinen Betrag veruntreut hat, vom früher
unbemakelten und allgemein belobten Vorleben, ver-
[Spaltenumbruch] ſehen mit beſten Reverenzen und ſonſtigen Belobungs-
atteſten, Beſitzer des Militärverdienſtkreuzes mit der
Krone, in Grundbuchsſachen verſiert, Rückfall nach
menſchenmöglicher Berechnung vollkommen ausge-
ſchloſſen, befähigt für Poſten in jeder Kanzleibranche
bei induſtriellen Etabliſſements, Handlungshäuſern
und Fabriken als Korreſpondent, Rechnungs- und
ſonſtiger Beamte, ſowie bei Herrſchaften als Okonomie-
beamte und Gehilfe, iſt verheiratet und Vater zweier
unmündigen Kinder. 2. Für einen Schmiedgehilfen,
30 Jahre alt, ledig, nicht wegen eines Eigentums-
deliktes verurteilt, ſehr geſchickter, fleißiger Mann,
geht auch in eine Fabrik. — Die Offerenten bitten
aufrichtigſt um gütigſte Anteilnahme an ihrem trau-
rigen Geſchicke, indem ſie das innigſte Verſprechen
abgeben, die ihnen erwieſene Güte mit aufrichtigſter
Dankbarkeit, Treue, Rechtſchaffenheit und Anhäng-
lichkeit zu vergelten. Da es ſich bei dem unter 1
angeführten Schützlinge um Rettung einer ganzen,
großenteils ſchuldloſen Familie handelt, werden edle,
vorurteilsloſe Menſchenfreunde gebeten, dieſen Un-
glücklichen die hilfreiche Hand nicht zu entziehen.
Nähere Angaben bietet die Vereinsleitung des
Unterſtützungsvereines für entlaſſene Sträflinge in
Marburg.

Traber’s anatomiſches Muſeum.

Die
Zeiten, wo das große Publikum Panoramen mit
grotesk gemalten, bunten Bildern, Wachsfiguren,
mit Darſtellungen von Raub und Mord ſeine Auf-
merkſamkeit ſchenkte, ſind längſt vorüber. Der
Drang nach Wiſſen und Aufklärung im Zeichen der
Kultur hat andere Anſprüche gezeitigt, welchen heute
mit Hilfe der Kunſt in äſthetiſcher Weiſe Rechnung
getragen und dadurch nicht nur der Geiſt, ſondern
auch der Geſchmack gebildet wird. In populär-
wiſſenſchaftlicher Richtung zählen hiezu in erſter
Linie die Wander-Muſeen, deren Miſſion bildender
Wert nicht abzuſprechen iſt. Eine der großartigſten
Sammlungen künſtleriſcher Darſtellungen aus Wiſſen-
ſchaft und Leben iſt jetzt hier in Marburg in der
Kokoſchineggalle zur Aufſtellung gelangt. Die allge-
meine Anerkennung, welche dieſem äußerſt ſolid
geleiteten Unternehmen gezollt wird, iſt eine wohlver-
diente, denn das Muſeum mit ſeinen gediegenen Samm-
lungen iſt mit landläufigem Markt-Trödel ähnlicher
Art nicht zu vergleichen. Traber’s Panoptikum und
anatomiſches Muſeum entſpricht in Wahrheit dem
geſteigerten Fortſchritte der Wiſſenſchaft und Bildung,
ja es iſt eine Schatzkammer, welche nach jeder Rich-
tung hin den Stempel wiſſenſchaftlicher und künſt-
leriſcher Vollkommenheit offenbart. Sämtliche Objekte
ſind ſehrt wertvoll, auch die naturhiſtoriſchen Präpa-
rate von ſeltener Schönheit und durchwegs tadel-
los. Die erſte Abteilung enthält prächtige Original-
figuren und Gruppen (letztere mechaniſch in Be-
wegung geſetzt). Es ſind Genre-Szenen, berühmte
Perſönlichkeiten in porträtgetreuen Wachsabgüſſen
von ſchönſter Ausführung. Einzig in ſeiner Art ſind
ferner die Typen der transatlantiſchen Völkerraſſen
wiedergegeben. — Die naturhiſtoriſchen Präparate ſind
mit rühmlicher Fachkenntnis und Sorgfalt in aus-
gezeichneten Exemplaren zuſammengeſtellt, den Schluß
der erſten Abteilung bilden düſtere Reminiszenzen
an das traurige Zeitalter der Inquiſition, in lebens-
großen, naturgetreuen Präparaten, ſowie Darſtellun-
gen der Anwendung von Folterwerkzeugen in grauer
Zeit. — Die zweite Abteilung, das anatomiſch-
pathologiſche Muſeum (der Zutritt iſt nur Erwach-
ſenen geſtattet), enthält eine Fülle wiſſenſchaftlicher
Darſtellungen, die ſyſtematiſch einen gründlichen
Einblick in das menſchliche Werden gewähren, ein
offenes Buch der Erkenntnis des menſchlichen Körpers,
ſowie ſeiner Entwicklung, Krankheitserſcheinungen ꝛc.
Ein wahres Prachtſtück iſt die weltberühmte ana-
tomiſche Venus in Lebengröße und zerlegbar. —
Die dritte und letzte Abteilung dieſes Muſeums,
welche eigentlich die Überſchrift tragen ſollte: „Zur
Warnung und Belehrung der Generation“ (nur für
Erwachſene zugänglich), enthält ein ſeparates Kabinet
(Darſtellungen verſchiedener Operationen u. dgl.).
Überall waltet der Glanz der Neuheit, und das
Geſamtarrangement atmet eine gewiſſe Vornehmheit,
die den beſten Eindruck macht. Der Beſuch des
Traber’ſchen Muſeums und Panoptikums ſei daher
allen beſtens empfohlen, die auf die Erweiterung
ihres Wiſſens bedacht ſind, und es läßt ſich auf
dieſem Gebiete in der Tat kein einfacherer und nütz-
licherer Anſchauungs-Unterricht denken. Der Menſch
erkenne ſich ſelbſt!

Sonnwendfeier.

Wenn der launiſche Wetter-
gott ein freundliches Einſehen haben wird, dann
wird ſich das am Mittwoch, den 21. d. im Süd-
markhofe in St. Egydi ſtattfindende Feſt der
Sommerſonnenwende zu einer ſchönen völkiſchen

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[4/0004] Marburger Zeitung Nr. 74, 20. Juni 1905. Marburger Nachrichten. Reichsratswählerverſammlung. Wir machen nochmals darauf aufmerkſam, daß heute (Dienstag) abends 8 Uhr im „Kreuzhofe“ die zweite und letzte große allgemeine Wählerver- ſammlung ſtattfindet, zu welcher die beiden Kandi- daten Pfrimer und Waſtian geladen wurden. Mögen die geehrten Wähler auch dieſe Verſammlung recht zahlreich beſuchen. Muſeumverein in Marburg. Unſer Ortsmuſeum erhielt in der letzteren Zeit viele in- tereſſante Bereicherungen, welche zumeiſt geſchenk- weiſe, einige unter Wahrung des Eigentumsrechtes, gewidmet wurden. Es ſpendeten u. a.: Der hoch- wohlgeborene Herr Emil Freiherr v. Gödel-Lannoy — 3 Bruchſtücke römiſcher Skulpturen; ferner die Herren: Bürgermeiſter Dr. Johann Schmiderer — 1 Kaiſerbild; Waidacher Alois — einen Fächer; Zahradnik Anton — 1 rundes Vorhängeſchloß und mehrere Urkunden; Stundl Theodor — 1 Nadel- büchſe aus Beinſchnitzerei; Peßl Karl — 1 Stopf- präparat eines Zweigrattlers, 1 Firmaſchild „zum Tiroler“ und 1 Urkunde; Serpp Alois — Er- innerungszeichen an das 2. Alpengauturnfeſt in Marburg; Grilletz Erneſt — 1 Urkunde; Wagrandl Ferdinand — Erinnernngsbild an den Feldzug in Schleswig-Holſtein; Kores Franz — 1 Bouſſole; Tax Friedrich — 1 Nationalgarde-Säbel; Inſpektor Dereani — 1 Denkmünze; Peyer Joſef — 1 Denk- münze und 1 Umrechnungstabelle; Arſenſchek Paul — 1 Ölbild; Berger Alfons — Bild Napoleons in 4 verſchiedenen Stufen ſeiner Laufbahn; Peitler Anton — 1 Tongefäß; Wiesthaler Franz, Gym- naſialdirektor in Laibach — 1 Fünfgulden Wiener Bankszettel; Moſer Franz in Bozen — 1 Ölgemälde von Major Vinzenz v. Moſer; Sirk Johann — Heiligenfigur aus Holz; Martinz Joſef — Licht- bild der Tegetthoffſtraße; Prof. Ferk Franz in Graz — 2 Lichtbilder; Beyer Julius — 5 Gulden Koſſuthnote; Dr. Anton Ritter v. Premerſtein — 2 Exempare „Römiſche Inſchriften in Marburg“ — Hauptmann Mlineritſch Vinzenz — eine Anzahl verſchiedener Landkarten und Pläne; weiters ſpen- deten u. a. folgendes die Frauen: Irma von Premerſtein — Ovalteller mit gepreßter Ornamentik; Schleſinger Kornelia — 2 Majolike, Ölkanne, an- tikes Kupfergefäß; Seidl Katharina — Korporal Seidl vom 47. Inf.-Rgt. bei Cuſtozza 1848. Lehr- reiche Präparate von Tieren ſchenkten die Herren: Pachner, Scherbaum, Franz, Brettſchneider, Kurz- mann, Inſpektor Walenta, Verwalter Kern, Sonns in Freſen, Wilhelm Grögl, Studierender, ſowie die Herren Lehrer Alois Grögl in Poberſch und Jauk in Rothwein. Vom Notariat. Der Juſtizminiſter hat die Notare Karl Hanß von Windiſch-Feiſtritz nach Marburg, Dr. Hermann Wiesthaler von Rann nach Windiſch-Feiſtritz und Dr. Franz Horvat von Idria nach Rann verſetzt. Deutſcher Schulverein. Die Leitungen der hieſigen Ortsgruppen ſtellen an ihre Mitglieder das freundliche Erſuchen, am Feſte der Sonnwend- feier in St. Egydi (21. Juni) ſich recht zahlreich beteiligen zu wollen. Deutſcher Lehrerverein. Der deutſche Lehrerverein ladet ſeine Mitglieder ein, die am Mittwoch, den 21. d. M. in St. Egydi ſtattfin- dende Sonnwendfeier zahlreich zu beſuchen. Südmarkortsgruppe Brunndorf. Die Mitglieder der Südmarkortsgruppe Brunndorf wer- den hiemit aufgefordert, ſich recht zahlreich an der Mittwoch, den 21. d. in St. Egydi (Südmarkhof) ſtattfindenden Sonnwendfeier zu beteiligen. Sonnwendfeier des Turnvereines „Jahn“. Dieſelbe findet Donnerstag, den 22. d. am Domkogel ſtatt. Zuſammenkunft um halb 8 Uhr abends in der Gaſtwirtſchaft Alwies. Nach der Feier geſelliges Beiſammenſein bei Alwies. Jeder Deutſche iſt herzlich willkommen! Vom Finanzdienſte. Ernannt wurden im Unterlande: der Evidenzhaltungsgeometer 2. Klaſſe Raimund Verbizh in Gonobitz zum Evi- denzhaltungsgeometer 1. Klaſſe, der Volontär Heinrich Sideritſch des Steueramtes in Lutten- berg zum Steueramts-Praktikanten auf ſeinem gegen- wärtigen Dienſtpoſten. — Überſetzt wurden im Unterlande: die Steueramtskontrollore Rudolf Ulm vom Steueramte in St. Gallen zum Steueramte in Mahrenberg und Heinrich Mettelet vom Steueramte in Mahrenberg zum Steueramte in St. Gallen, der Steueramtsadjunkt Franz Kon- kowsky vom Steueramte in Mahrenberg zum Steueramte in Rann, die Steueramtspraktikanten Stephan Suc vom Steueramte in Windiſch-Feiſtritz zur Gebührenabteilung der Finanzbezirksdirektion in Marburg und Franz Koſar von der Gebühren- abteilung der Finanzbezirksdirektion in Marburg zum Steueramte in Friedau, die Steueramtsadjunkten Franz Resnik vom Steueramte in Rann zum Hauptzoll- und Steueramte in Marburg und Ubald Meixner vom Hauptzoll- und Steueramte in Marburg zum Steueramte in Mahrenberg, ferner Alfred Drobnitſch vom Hauptſteueramte in Cilli zum Steueramte in St. Leonhard W.-B., der Steuer- einnehmer Ottokar Czech vom Steueramte in Murau zum Steueramte in Arnfels, endlich der Steueramtsadjunkt Viktor Prohaska vom Haupt- zoll- und Steueramte in Marburg zum Hauptſteuer- amte in Leoben, die Steueramtspraktikanten Karl Reich vom Steueramte in St. Leonhard W.-B. zum Hauptzoll- und Steueramte in Marburg, Franz Pichler vom Hauptſteueramte in Radkersburg zur Bezirkshauptmannſchaft in Rann, Ignaz Ozvatic von der Bezirkshauptmannſchaft in Rann zur Bezirks- hauptmannſchaft in Leibnitz und Karl Lattacher vom Hauptſteueramte in Leoben zum Hauptſteuer- amte in Radkersburg. Dienſtlich zugewieſen wurden: der Finanz-Oberkommiſſär Dr. Alois Tſchme- litſch der Finanzbezirksdirektion in Marburg von der Gebührenabteilung zur Gefällenabteilung dort- ſelbſt und der Finanzkonzipiſt Ernſt Kubeſch von der Gefällenabteilung der Finanzbezirksdirektion in Marburg zur Gebührenabteilung dortſelbſt, der von der Militärdienſtleiſtung eingerückte Evidenzhaltungs- eleve Emanuel Slama zur Grundſteuer-Evidenz- haltung in Cilli, der Steueramtspraktikant Georg Schmidt von der Bezirkshauptmannſchaft zum Hauptſteueramte in Leibnitz. Sammeltätigkeit eines barmherzigen Bruders. Von der Vorſtehung des Barmherzigen- Spitales in Graz ſchreibt man uns: Nächſter Tage wird ein barmherziger Bruder aus dem Grazer Konvente R. Fr. Odilo Plentner die alljährlich übliche Sammlung für das Grazer Krankenhaus in unſerer Stadt Marburg vornehmen. Zu dieſem Zwecke unterbreitet die Vorſtehung des Hoſpitales im eigenen und im Namen der armen Kranken an alle hochachtungsvollſten Bürger und Bewohner die ergebenſte Bitte, die Anſtalt, in welcher ohne Unter- ſchied der Religon und Nation Kranke unentgeltliche Aufnahme finden, wiederum gütigſt zu unterſtützen — zu beteilen. Laut Krankenbericht haben die barm- herzigen Brüder im abgelaufenen Jahre 1904 4736 Kranke aufgenommen und behandelt mit 100.759 Verpflegstagen; im Rekonvaleszentenhauſe in Algersdorf 697 Kranke mit 11.638 Verpflegs- tagen. Das tätige und erfolgreiche Wirken in der Auſtalt beſtätigen insbeſonders die im Bericht an- geführten 2172 Operationen, welche viel Zeit und großen Fleiß der Anſtaltsärzte und des Konventes nebſt der täglichen Arbeitsleiſtung erforderten. In Erwähnung erlaubt die Vorſtehung noch zu bringen, daß durch die unentgeltliche Aufnahme und Ver- pflegung der Kranken, die durch die Sammlung er- möglicht wird, wohl manchen jahrelang leidenden Kranken der ärmeren Klaſſe Hilfe geboten werden kann, welche in einer nicht koſtenfreien Anſtalt kaum Heilung ſuchen würden. Möge der ſammelnde barm- herzige Bruder wieder gutherzig beteilt werden! Die Südmark-Franenortsgruppe Cilli hielt letzten Donnerstag ihre Jahreshauptverſamm- lung ab. Zur Vertretung der Ortsgruppe bei der am 8. September d. J. in Dornbirn (Vorarlberg) ſtattfindenden Hauptverſammlung der Südmark er- klärte ſich Frau Helma Negri bereit, was allſeits begrüßt wurde. Dem Berichte der Zahlmeiſterin Frau Helene Mathes konnte entnommen werden, daß 272 Kronen an die Hauptleitung abgeführt wurden. Bei der Wahl in den Vorſtand wurden, gleichwie im Vorjahre, die folgenden Damen gewählt: Obfrau Frau Emilie Stepiſchnegg, deren Stell- vertreterin Frau Leopoldine Rakuſch, Zahlmeiſterin Frau Helene Mathes, deren Stellvertreterin Frau Roſa Wehrhan, Schriftführerin Frau Helma Negri, deren Stellvertreterin Frau Mara Walter. Der Marburger Unterſtützungsverein für entlaſſene Sträflinge ſucht für zwei ſeiner Schutzbefohlenen, die demnächſt ihre Freiheit wieder erlangen, geeignete Dienſtpoſten, und zwar: 1. Für einen intelligenten Schützling, in den beſten Jahren ſtehend, geweſener Kanzliſt, welcher nur aus Not einen kleinen Betrag veruntreut hat, vom früher unbemakelten und allgemein belobten Vorleben, ver- ſehen mit beſten Reverenzen und ſonſtigen Belobungs- atteſten, Beſitzer des Militärverdienſtkreuzes mit der Krone, in Grundbuchsſachen verſiert, Rückfall nach menſchenmöglicher Berechnung vollkommen ausge- ſchloſſen, befähigt für Poſten in jeder Kanzleibranche bei induſtriellen Etabliſſements, Handlungshäuſern und Fabriken als Korreſpondent, Rechnungs- und ſonſtiger Beamte, ſowie bei Herrſchaften als Okonomie- beamte und Gehilfe, iſt verheiratet und Vater zweier unmündigen Kinder. 2. Für einen Schmiedgehilfen, 30 Jahre alt, ledig, nicht wegen eines Eigentums- deliktes verurteilt, ſehr geſchickter, fleißiger Mann, geht auch in eine Fabrik. — Die Offerenten bitten aufrichtigſt um gütigſte Anteilnahme an ihrem trau- rigen Geſchicke, indem ſie das innigſte Verſprechen abgeben, die ihnen erwieſene Güte mit aufrichtigſter Dankbarkeit, Treue, Rechtſchaffenheit und Anhäng- lichkeit zu vergelten. Da es ſich bei dem unter 1 angeführten Schützlinge um Rettung einer ganzen, großenteils ſchuldloſen Familie handelt, werden edle, vorurteilsloſe Menſchenfreunde gebeten, dieſen Un- glücklichen die hilfreiche Hand nicht zu entziehen. Nähere Angaben bietet die Vereinsleitung des Unterſtützungsvereines für entlaſſene Sträflinge in Marburg. Traber’s anatomiſches Muſeum. Die Zeiten, wo das große Publikum Panoramen mit grotesk gemalten, bunten Bildern, Wachsfiguren, mit Darſtellungen von Raub und Mord ſeine Auf- merkſamkeit ſchenkte, ſind längſt vorüber. Der Drang nach Wiſſen und Aufklärung im Zeichen der Kultur hat andere Anſprüche gezeitigt, welchen heute mit Hilfe der Kunſt in äſthetiſcher Weiſe Rechnung getragen und dadurch nicht nur der Geiſt, ſondern auch der Geſchmack gebildet wird. In populär- wiſſenſchaftlicher Richtung zählen hiezu in erſter Linie die Wander-Muſeen, deren Miſſion bildender Wert nicht abzuſprechen iſt. Eine der großartigſten Sammlungen künſtleriſcher Darſtellungen aus Wiſſen- ſchaft und Leben iſt jetzt hier in Marburg in der Kokoſchineggalle zur Aufſtellung gelangt. Die allge- meine Anerkennung, welche dieſem äußerſt ſolid geleiteten Unternehmen gezollt wird, iſt eine wohlver- diente, denn das Muſeum mit ſeinen gediegenen Samm- lungen iſt mit landläufigem Markt-Trödel ähnlicher Art nicht zu vergleichen. Traber’s Panoptikum und anatomiſches Muſeum entſpricht in Wahrheit dem geſteigerten Fortſchritte der Wiſſenſchaft und Bildung, ja es iſt eine Schatzkammer, welche nach jeder Rich- tung hin den Stempel wiſſenſchaftlicher und künſt- leriſcher Vollkommenheit offenbart. Sämtliche Objekte ſind ſehrt wertvoll, auch die naturhiſtoriſchen Präpa- rate von ſeltener Schönheit und durchwegs tadel- los. Die erſte Abteilung enthält prächtige Original- figuren und Gruppen (letztere mechaniſch in Be- wegung geſetzt). Es ſind Genre-Szenen, berühmte Perſönlichkeiten in porträtgetreuen Wachsabgüſſen von ſchönſter Ausführung. Einzig in ſeiner Art ſind ferner die Typen der transatlantiſchen Völkerraſſen wiedergegeben. — Die naturhiſtoriſchen Präparate ſind mit rühmlicher Fachkenntnis und Sorgfalt in aus- gezeichneten Exemplaren zuſammengeſtellt, den Schluß der erſten Abteilung bilden düſtere Reminiszenzen an das traurige Zeitalter der Inquiſition, in lebens- großen, naturgetreuen Präparaten, ſowie Darſtellun- gen der Anwendung von Folterwerkzeugen in grauer Zeit. — Die zweite Abteilung, das anatomiſch- pathologiſche Muſeum (der Zutritt iſt nur Erwach- ſenen geſtattet), enthält eine Fülle wiſſenſchaftlicher Darſtellungen, die ſyſtematiſch einen gründlichen Einblick in das menſchliche Werden gewähren, ein offenes Buch der Erkenntnis des menſchlichen Körpers, ſowie ſeiner Entwicklung, Krankheitserſcheinungen ꝛc. Ein wahres Prachtſtück iſt die weltberühmte ana- tomiſche Venus in Lebengröße und zerlegbar. — Die dritte und letzte Abteilung dieſes Muſeums, welche eigentlich die Überſchrift tragen ſollte: „Zur Warnung und Belehrung der Generation“ (nur für Erwachſene zugänglich), enthält ein ſeparates Kabinet (Darſtellungen verſchiedener Operationen u. dgl.). Überall waltet der Glanz der Neuheit, und das Geſamtarrangement atmet eine gewiſſe Vornehmheit, die den beſten Eindruck macht. Der Beſuch des Traber’ſchen Muſeums und Panoptikums ſei daher allen beſtens empfohlen, die auf die Erweiterung ihres Wiſſens bedacht ſind, und es läßt ſich auf dieſem Gebiete in der Tat kein einfacherer und nütz- licherer Anſchauungs-Unterricht denken. Der Menſch erkenne ſich ſelbſt! Sonnwendfeier. Wenn der launiſche Wetter- gott ein freundliches Einſehen haben wird, dann wird ſich das am Mittwoch, den 21. d. im Süd- markhofe in St. Egydi ſtattfindende Feſt der Sommerſonnenwende zu einer ſchönen völkiſchen

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Benjamin Fiechter, Susanne Haaf: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat). (2018-01-26T13:38:42Z)
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Zitationshilfe: Marburger Zeitung. Nr. 74, Marburg, 20.06.1905, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_marburger74_1905/4>, abgerufen am 09.08.2022.