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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 421, Czernowitz, 25.05.1905.

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25. Mai 1905. Czernowitzer Allgemeine Zeitung.

[Spaltenumbruch]

aus Triest datiertes Schreiben des Prinzen an Herrn
M. Weiner folgenden Inhaltes ein: "Tief gerührt durch die
von Ihnen und Herrn Dr. Rosenzweig mir ausgedrückte
Teilnahme der Landsmannschaft "Buchenland", eile ich, Ihnen
hiefür wärmsten Dank zu sagen. Ich ergreife gerne die
Gelegenheit, Ihrer Landmannschaft als treuer Freund der
Bukowina die herzlichsten Wünsche für ferneres Gedeihen zu
senden. Konrad Prinz zu Hohenlohe." -- Spenden-
ausweis:
Herr Dr. Moritz Oberländer 6 Kronen, Herr
Segall 10 Kronen, Herr Salter 5 Kronen.

Eine Pfändelizitation

findet am 29. d. M. in
der k. k. priv. gal. Aktienhypothekenbankfiliale statt.

Vereinsnachrichten.

(Rum.-akad. Verein "Dacia".)
In der am Sonntag, den 21. l. M. stattgefundenen konsti-
tuierenden Versammlung wurde folgendes Komitee gewählt:
kand. phil. Marian Lian, Präsident, stud. phil. Dobos Fi-
laret, Vizepräsident, stud. phil. Lopigan Dimitrie, Sekretär
und Kassier, stud. phil. Ivanovici Simion, Bibliothekar und
Oekonom. -- Der akad. Verein "Junimea" veranstaltet
Sonntag, den 28. d. im Falle günstiger Witterung einen
Ausflug in das Horeczaer Wäldchen, zu dem das P. T.
Publikum, das an den Veranstaltungen des Vereines teil-
zunehmen pflegt, auf diesem Wege eingeladen wird. --
Wegen eingetretener Todesfälle in der rum.-akad. Verbindung
"Bucowyna" wird die für den 27. Mai angekündigte
Kegelpartie mit Tanz abgesagt.

Verluste und Funde.

Bei der Polizei wurde der
Verlust einer goldenen Gliederuhrkette mit einem Amethyst-
anhängsel und eines Kassaschlüssels zur Anzeige gebracht. --
Am Dienstag den 22. d. M. gegen 5 Uhr nachmittags wurde
im hierortigen botanischen Garten eine Uhrkette gefunden. Der
Verlustträger kann solche bei dem Finder, Russischegasse 71,
in Empfang nehmen.




Wetterprognose.

(Telegraphischer Bericht der meteorologischen Zentralanstalt in Wien.)

Bewölkung und Niederschlag: Meist trüb bis
ganz trüb und regnerisch.
Wind: Wechselnd, mehr weniger windig.
Temperatur: Kühl.
Nähere Bestimmung: Vorerst noch schlecht, dann
allmähliche Besserung.
Voraussichtliche Prognose für übermorgen:
Allmähliche Besserung.



Theater, Kunst und Literatur.


Amalie Schönchen +.

Wie uns aus München
telegraphiert wird, ist Amalie Schönchen in hohem Alter
gestorben. Amalie Schönchen gehört erst seit kurzer Zeit dem
Burgtheater an, das in ihr seine beste Anzengruber-Dar-
stellerin verloren hat. Ihr Ruhm ist verhältnismäßig jungen
Datums, und erst nach langen Irrfahrten ist es der Künstlerin
gelungen, an einer ihres Könnens würdigen Stätte zu wirken.
In den vierziger Jahren trat sie mit dem Münchener En-
semble des Direktors Hofpauer, das ausschließlich Bauern-
stücke aufführte, in Wien auf und erregte durch die scharf
realistische Darstellung alter Bauernweiber berechtigtes Auf-
sehen. In den folgenden Jahren wirkte sie am Raimund-
theater, wo ihr Talent nicht recht zur Geltung kommen
konnte, bis sie Schlenther ans Burgtheater engagierte. Im
etzten Monate sollte sie bei den von Direktor Lauten-
burg
geleiteten Anzengruber-Maifestspielen mitwirken. Bei
einer Probe verlor sie jedoch plötzlich das Gedächtnis und
mußte eine Heilanstalt aufsuchen. Am Sonntag äußerte sie
den Wunsch, im Kreise der Ihren zu sterben. Von dem
Schriftsteller Dr. Hermann Roth -- einem nahen An-
verwandten -- geleitet, brach sie also nach München auf,
wo ihr Ruhm seinen Ausgang nahm und wo sie nun von
ihrem Leiden erlöst wurde. Das Begräbnis findet in München
statt. Das Burgtheater wird bei demselben durch eine Depu-
tation vertreten sein.




Oekonomisches.


Das Ausfuhrverbot -- aufgehoben.

Die "Wiener
Zeitung" publiziert die Verordnung der Ministerien der
Finanzen, des Handels und Ackerbaues, betreffend die Auf-
hebung des Ausfuhrverbotes für Futter-
mittel.

Kurse über Moorkultur und Torfverwertung.

Der Adjunkt und Leiter der "Abteilung für Moorkultur und
Torfverwertung" an der landw.-chem. Versuchsstation in Wien
Dr. Wilhelm Bersch wird im Juli dieses Jahres gemeinsam
mit Herrn Dr. V. Zailer im Auftrage des k. k. Acker-
bauministeriums zu Wien einen Kurs über Moorkultur und
Torfverwertung abhalten, an den sich eine Exkursion nach
[Spaltenumbruch] Leibach und der Moorwirtschaft in Admont anschließen wird.
Es ist wünschenswert, daß die Teilnehmer an diesem Kurse
allgemeine naturwissenschaftliche, beziehungsweise landwirt-
schaftliche Vorkenntnisse besitzen; eine Gebühr ist nicht zu er-
legen. Anmeldungen sind an Herrn Dr. Wilhelm Bersch,
Wien, II./1, Trunnerstraße 3, zu richten und werden dieselben,
da für die Teilnehmer an der Exkursion die Erlangung einer
besonderen Fahrpreisermäßigung angestrebt werden soll, so-
bald als möglich erbeten.




Letzte Telegramme.
Die bis 2 Uhr nachmittags eingetroffenen Telegramme
siehe die Rubriken "Vom Tage," "Bunte Chronik" und
Rechtspflege".
Die Vorgänge in Rußland.
Ein Plan der Revolutionäre.
(Priv.-Tel. der "Cz. Allg. Ztg."

Wie aus Zarskoje-Selo gemeldet wird, hatten di
russischen Revolutionäre die Absicht, den kleinen Thron
folger
zu entführen und ihn so lange in sicherem Gewahr-
sam zu halten, bis der Zar wirksame Reformen dekretiert
habe. Es waren beretts umfassende Vorbereitungen getroffen,
um dem Kinde die sorgsamste Pflege zuteit werden zu lassen.
Im letzten Augenblicke wurde das Komplott entdeckt und
unter der Dienerschaft eine strenge Untersuchung eingeleitet.




Die Wiener Vizebürgermeisterwahl.
(Korr.-B.)

In der heutigen Gemeinde-
ratssitzung wurde Dr. Neumayer zum ersten und Doktor
Porzer zum zweiten Vizebürgermeister gewählt.

(Priv.-Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Der Beschluß, den Gemeinderat Dr. Josef Porzer zum
zweiten Vizebürgermeister zu wählen, wurde in der gestern
abends abgehaltenen Sitzung des Bürgerklubs gefaßt. Vor
derselben galten Stadtrat Bauer und Gemeinderat Hier-
hammer
als die aussichtsreichsten Kandidaten. Nach voll-
zogener Wahl erklärte Dr. Porzer, dieselbe anzunehmen
und versprach, die katholische Ueberzeugung, die in
seinem bisherigen öffentlichen Wirken zum Ausdruck gekommen
sei, auch fernerhin hochzuhalten. Bekannt ist, daß die Mutter
Dr. Porzers eine Schwester des Dichters Ludwig August
Frankl und eine Jüdin war.




Aus dem "Oesterreichischen Beamtenvein." (Priv.-Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Der Präsident des "Oesterreichischen Beamtenvereines"
Possauer hat seine Demission gegeben. Zu seinem Nach-
folger ist Sektionschef Obentraut bestimmt.




Die Krise in Ungarn.
(Wieder resultatlos!)
(Korr.-B.)

Vormittags wurde Graf
Andrassy vom Kaiser in Audienz empfangen. Die
Audienz verlief resultatlos, da keine Annäherung in der
Armeefrage erfolgt ist. Graf Andrassy kehrt nachmittags
nach Budapest zurück. Graf Tisza setzt die interimistische
Geschäftsführung fort.

(Priv.-Tel. der "Cz. Allg.
Ztg.")

Ueber das Ergebnis der Audienz befragt, erklärte Graf
Julius Andrassy, daß die Situation keine Veränderung
erfahren habe.

(Ein Antrag auf Zolltrennung.) (Korr.-B.)

Im Abgeordneten-
hause bringt Kossuth einen Antrag auf Ausarbeitung
eines selbständigen ungarischen Zolltarifes
ein.




Luise von Koburg. (Priv.-Tel. d. "Cz. Allg. Ztg.")

Die Psychiater, welche zur Untersuchung des Geisteszustandes
der Prinzessin Luise von Koburg bestellt worden waren, haben
dem Seine-Tribunal ein Gutachten überreicht, worin sie die
Prinzessin für geistig vollkommen gesund
erklären und ihrer Ueberzeugung Ausdruck geben
daß sie ihre Angelegenheiten selbst ordnungsmäßig verwalten
könne. Der Anwalt der Prinzessin Dr. Stimmer wird
auf Grund dieses Gutachtens die Aufhebung der
Kuratel
verlangen.




[Spaltenumbruch]
Blitzschlag. (Priv.-Tel. der Cz. Allg.
Ztg.")

Gestern schlug der Blitz in die hiesige Synagoge,
welche vollständig in Flammen aufging.




Eisenbahnunfall. (Korr.-B.)

Bei Losowaja ent-
gleiste
ein gemischter Zug. 25 Wagen wurden zertrümmert.
Die Eisenbahnverbindung mit Wladiwostok ist unter-
brochen und die Festung abgeschnitten.




Der Krieg
Vom Laudkriegsschauplatze.
(Korr.-B.)

"Daily Telegraph"
meldet aus Tokio: Es liegen Anzeichen vor, daß die Russen
an der mongolischen Grenze, sowie in der Richtung von
Siumintiu operieren. Die Eisenbahnverbindung Dalni--
Mukden ist wieder hergestellt. Die japanische Armee ist wieder
so stark, wie vor der Schlacht bei Mukden.

(Priv.-Tel. der "Cz. Allg.
Ztg.")

Die letzten Berichte aus dem Osten Asiens lassen
übereinstimmend erwarten, daß auf dem Kriegsschauplatze
schon in den nächsten Tagen große Ereignisse bevor-
stehen. Der Beginn der japanischen Operationen, die auf
die Einnuhme von Wladiwostok hinzielen, dürfte nicht
lange auf sich warten lassen.

Die Flotte Togos. (Korr.-B.)

Die "Morning Post"
meldet aus Shanghai: Es verlautet aus glaubwürdiger
Quelle, die Flotte Togos befinde sich noch auf der
Höhe von Masampos.




[]
25. Mai 1905. Czernowitzer Allgemeine Zeitung.

[Spaltenumbruch]

aus Trieſt datiertes Schreiben des Prinzen an Herrn
M. Weiner folgenden Inhaltes ein: „Tief gerührt durch die
von Ihnen und Herrn Dr. Roſenzweig mir ausgedrückte
Teilnahme der Landsmannſchaft „Buchenland“, eile ich, Ihnen
hiefür wärmſten Dank zu ſagen. Ich ergreife gerne die
Gelegenheit, Ihrer Landmannſchaft als treuer Freund der
Bukowina die herzlichſten Wünſche für ferneres Gedeihen zu
ſenden. Konrad Prinz zu Hohenlohe.“ — Spenden-
ausweis:
Herr Dr. Moritz Oberländer 6 Kronen, Herr
Segall 10 Kronen, Herr Salter 5 Kronen.

Eine Pfändelizitation

findet am 29. d. M. in
der k. k. priv. gal. Aktienhypothekenbankfiliale ſtatt.

Vereinsnachrichten.

(Rum.-akad. Verein „Dacia“.)
In der am Sonntag, den 21. l. M. ſtattgefundenen konſti-
tuierenden Verſammlung wurde folgendes Komitee gewählt:
kand. phil. Marian Lian, Präſident, ſtud. phil. Dobos Fi-
laret, Vizepräſident, ſtud. phil. Lopigan Dimitrie, Sekretär
und Kaſſier, ſtud. phil. Ivanovici Simion, Bibliothekar und
Oekonom. — Der akad. Verein „Junimea“ veranſtaltet
Sonntag, den 28. d. im Falle günſtiger Witterung einen
Ausflug in das Horeczaer Wäldchen, zu dem das P. T.
Publikum, das an den Veranſtaltungen des Vereines teil-
zunehmen pflegt, auf dieſem Wege eingeladen wird. —
Wegen eingetretener Todesfälle in der rum.-akad. Verbindung
„Bucowyna“ wird die für den 27. Mai angekündigte
Kegelpartie mit Tanz abgeſagt.

Verluſte und Funde.

Bei der Polizei wurde der
Verluſt einer goldenen Gliederuhrkette mit einem Amethyſt-
anhängſel und eines Kaſſaſchlüſſels zur Anzeige gebracht. —
Am Dienſtag den 22. d. M. gegen 5 Uhr nachmittags wurde
im hierortigen botaniſchen Garten eine Uhrkette gefunden. Der
Verluſtträger kann ſolche bei dem Finder, Ruſſiſchegaſſe 71,
in Empfang nehmen.




Wetterprognoſe.

(Telegraphiſcher Bericht der meteorologiſchen Zentralanſtalt in Wien.)

Bewölkung und Niederſchlag: Meiſt trüb bis
ganz trüb und regneriſch.
Wind: Wechſelnd, mehr weniger windig.
Temperatur: Kühl.
Nähere Beſtimmung: Vorerſt noch ſchlecht, dann
allmähliche Beſſerung.
Vorausſichtliche Prognoſe für übermorgen:
Allmähliche Beſſerung.



Theater, Kunst und Literatur.


Amalie Schönchen †.

Wie uns aus München
telegraphiert wird, iſt Amalie Schönchen in hohem Alter
geſtorben. Amalie Schönchen gehört erſt ſeit kurzer Zeit dem
Burgtheater an, das in ihr ſeine beſte Anzengruber-Dar-
ſtellerin verloren hat. Ihr Ruhm iſt verhältnismäßig jungen
Datums, und erſt nach langen Irrfahrten iſt es der Künſtlerin
gelungen, an einer ihres Könnens würdigen Stätte zu wirken.
In den vierziger Jahren trat ſie mit dem Münchener En-
ſemble des Direktors Hofpauer, das ausſchließlich Bauern-
ſtücke aufführte, in Wien auf und erregte durch die ſcharf
realiſtiſche Darſtellung alter Bauernweiber berechtigtes Auf-
ſehen. In den folgenden Jahren wirkte ſie am Raimund-
theater, wo ihr Talent nicht recht zur Geltung kommen
konnte, bis ſie Schlenther ans Burgtheater engagierte. Im
etzten Monate ſollte ſie bei den von Direktor Lauten-
burg
geleiteten Anzengruber-Maifeſtſpielen mitwirken. Bei
einer Probe verlor ſie jedoch plötzlich das Gedächtnis und
mußte eine Heilanſtalt aufſuchen. Am Sonntag äußerte ſie
den Wunſch, im Kreiſe der Ihren zu ſterben. Von dem
Schriftſteller Dr. Hermann Roth — einem nahen An-
verwandten — geleitet, brach ſie alſo nach München auf,
wo ihr Ruhm ſeinen Ausgang nahm und wo ſie nun von
ihrem Leiden erlöſt wurde. Das Begräbnis findet in München
ſtatt. Das Burgtheater wird bei demſelben durch eine Depu-
tation vertreten ſein.




Oekonomiſches.


Das Ausfuhrverbot — aufgehoben.

Die „Wiener
Zeitung“ publiziert die Verordnung der Miniſterien der
Finanzen, des Handels und Ackerbaues, betreffend die Auf-
hebung des Ausfuhrverbotes für Futter-
mittel.

Kurſe über Moorkultur und Torfverwertung.

Der Adjunkt und Leiter der „Abteilung für Moorkultur und
Torfverwertung“ an der landw.-chem. Verſuchsſtation in Wien
Dr. Wilhelm Berſch wird im Juli dieſes Jahres gemeinſam
mit Herrn Dr. V. Zailer im Auftrage des k. k. Acker-
bauminiſteriums zu Wien einen Kurs über Moorkultur und
Torfverwertung abhalten, an den ſich eine Exkurſion nach
[Spaltenumbruch] Leibach und der Moorwirtſchaft in Admont anſchließen wird.
Es iſt wünſchenswert, daß die Teilnehmer an dieſem Kurſe
allgemeine naturwiſſenſchaftliche, beziehungsweiſe landwirt-
ſchaftliche Vorkenntniſſe beſitzen; eine Gebühr iſt nicht zu er-
legen. Anmeldungen ſind an Herrn Dr. Wilhelm Berſch,
Wien, II./1, Trunnerſtraße 3, zu richten und werden dieſelben,
da für die Teilnehmer an der Exkurſion die Erlangung einer
beſonderen Fahrpreisermäßigung angeſtrebt werden ſoll, ſo-
bald als möglich erbeten.




Letzte Telegramme.
Die bis 2 Uhr nachmittags eingetroffenen Telegramme
ſiehe die Rubriken „Vom Tage,“ „Bunte Chronik“ und
Rechtspflege“.
Die Vorgänge in Rußland.
Ein Plan der Revolutionäre.
(Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“

Wie aus Zarskoje-Selo gemeldet wird, hatten di
ruſſiſchen Revolutionäre die Abſicht, den kleinen Thron
folger
zu entführen und ihn ſo lange in ſicherem Gewahr-
ſam zu halten, bis der Zar wirkſame Reformen dekretiert
habe. Es waren beretts umfaſſende Vorbereitungen getroffen,
um dem Kinde die ſorgſamſte Pflege zuteit werden zu laſſen.
Im letzten Augenblicke wurde das Komplott entdeckt und
unter der Dienerſchaft eine ſtrenge Unterſuchung eingeleitet.




Die Wiener Vizebürgermeiſterwahl.
(Korr.-B.)

In der heutigen Gemeinde-
ratsſitzung wurde Dr. Neumayer zum erſten und Doktor
Porzer zum zweiten Vizebürgermeiſter gewählt.

(Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Der Beſchluß, den Gemeinderat Dr. Joſef Porzer zum
zweiten Vizebürgermeiſter zu wählen, wurde in der geſtern
abends abgehaltenen Sitzung des Bürgerklubs gefaßt. Vor
derſelben galten Stadtrat Bauer und Gemeinderat Hier-
hammer
als die ausſichtsreichſten Kandidaten. Nach voll-
zogener Wahl erklärte Dr. Porzer, dieſelbe anzunehmen
und verſprach, die katholiſche Ueberzeugung, die in
ſeinem bisherigen öffentlichen Wirken zum Ausdruck gekommen
ſei, auch fernerhin hochzuhalten. Bekannt iſt, daß die Mutter
Dr. Porzers eine Schweſter des Dichters Ludwig Auguſt
Frankl und eine Jüdin war.




Aus dem „Oeſterreichiſchen Beamtenvein.“ (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Der Präſident des „Oeſterreichiſchen Beamtenvereines“
Poſſauer hat ſeine Demiſſion gegeben. Zu ſeinem Nach-
folger iſt Sektionschef Obentraut beſtimmt.




Die Kriſe in Ungarn.
(Wieder reſultatlos!)
(Korr.-B.)

Vormittags wurde Graf
Andraſſy vom Kaiſer in Audienz empfangen. Die
Audienz verlief reſultatlos, da keine Annäherung in der
Armeefrage erfolgt iſt. Graf Andraſſy kehrt nachmittags
nach Budapeſt zurück. Graf Tisza ſetzt die interimiſtiſche
Geſchäftsführung fort.

(Priv.-Tel. der „Cz. Allg.
Ztg.“)

Ueber das Ergebnis der Audienz befragt, erklärte Graf
Julius Andraſſy, daß die Situation keine Veränderung
erfahren habe.

(Ein Antrag auf Zolltrennung.) (Korr.-B.)

Im Abgeordneten-
hauſe bringt Koſſuth einen Antrag auf Ausarbeitung
eines ſelbſtändigen ungariſchen Zolltarifes
ein.




Luiſe von Koburg. (Priv.-Tel. d. „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Pſychiater, welche zur Unterſuchung des Geiſteszuſtandes
der Prinzeſſin Luiſe von Koburg beſtellt worden waren, haben
dem Seine-Tribunal ein Gutachten überreicht, worin ſie die
Prinzeſſin für geiſtig vollkommen geſund
erklären und ihrer Ueberzeugung Ausdruck geben
daß ſie ihre Angelegenheiten ſelbſt ordnungsmäßig verwalten
könne. Der Anwalt der Prinzeſſin Dr. Stimmer wird
auf Grund dieſes Gutachtens die Aufhebung der
Kuratel
verlangen.




[Spaltenumbruch]
Blitzſchlag. (Priv.-Tel. der Cz. Allg.
Ztg.“)

Geſtern ſchlug der Blitz in die hieſige Synagoge,
welche vollſtändig in Flammen aufging.




Eiſenbahnunfall. (Korr.-B.)

Bei Loſowaja ent-
gleiſte
ein gemiſchter Zug. 25 Wagen wurden zertrümmert.
Die Eiſenbahnverbindung mit Wladiwoſtok iſt unter-
brochen und die Feſtung abgeſchnitten.




Der Krieg
Vom Laudkriegsſchauplatze.
(Korr.-B.)

„Daily Telegraph“
meldet aus Tokio: Es liegen Anzeichen vor, daß die Ruſſen
an der mongoliſchen Grenze, ſowie in der Richtung von
Siumintiu operieren. Die Eiſenbahnverbindung Dalni—
Mukden iſt wieder hergeſtellt. Die japaniſche Armee iſt wieder
ſo ſtark, wie vor der Schlacht bei Mukden.

(Priv.-Tel. der „Cz. Allg.
Ztg.“)

Die letzten Berichte aus dem Oſten Aſiens laſſen
übereinſtimmend erwarten, daß auf dem Kriegsſchauplatze
ſchon in den nächſten Tagen große Ereigniſſe bevor-
ſtehen. Der Beginn der japaniſchen Operationen, die auf
die Einnuhme von Wladiwoſtok hinzielen, dürfte nicht
lange auf ſich warten laſſen.

Die Flotte Togos. (Korr.-B.)

Die „Morning Poſt“
meldet aus Shanghai: Es verlautet aus glaubwürdiger
Quelle, die Flotte Togos befinde ſich noch auf der
Höhe von Maſampos.




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[5/0005] 25. Mai 1905. Czernowitzer Allgemeine Zeitung. aus Trieſt datiertes Schreiben des Prinzen an Herrn M. Weiner folgenden Inhaltes ein: „Tief gerührt durch die von Ihnen und Herrn Dr. Roſenzweig mir ausgedrückte Teilnahme der Landsmannſchaft „Buchenland“, eile ich, Ihnen hiefür wärmſten Dank zu ſagen. Ich ergreife gerne die Gelegenheit, Ihrer Landmannſchaft als treuer Freund der Bukowina die herzlichſten Wünſche für ferneres Gedeihen zu ſenden. Konrad Prinz zu Hohenlohe.“ — Spenden- ausweis: Herr Dr. Moritz Oberländer 6 Kronen, Herr Segall 10 Kronen, Herr Salter 5 Kronen. Eine Pfändelizitation findet am 29. d. M. in der k. k. priv. gal. Aktienhypothekenbankfiliale ſtatt. Vereinsnachrichten. (Rum.-akad. Verein „Dacia“.) In der am Sonntag, den 21. l. M. ſtattgefundenen konſti- tuierenden Verſammlung wurde folgendes Komitee gewählt: kand. phil. Marian Lian, Präſident, ſtud. phil. Dobos Fi- laret, Vizepräſident, ſtud. phil. Lopigan Dimitrie, Sekretär und Kaſſier, ſtud. phil. Ivanovici Simion, Bibliothekar und Oekonom. — Der akad. Verein „Junimea“ veranſtaltet Sonntag, den 28. d. im Falle günſtiger Witterung einen Ausflug in das Horeczaer Wäldchen, zu dem das P. T. Publikum, das an den Veranſtaltungen des Vereines teil- zunehmen pflegt, auf dieſem Wege eingeladen wird. — Wegen eingetretener Todesfälle in der rum.-akad. Verbindung „Bucowyna“ wird die für den 27. Mai angekündigte Kegelpartie mit Tanz abgeſagt. Verluſte und Funde. Bei der Polizei wurde der Verluſt einer goldenen Gliederuhrkette mit einem Amethyſt- anhängſel und eines Kaſſaſchlüſſels zur Anzeige gebracht. — Am Dienſtag den 22. d. M. gegen 5 Uhr nachmittags wurde im hierortigen botaniſchen Garten eine Uhrkette gefunden. Der Verluſtträger kann ſolche bei dem Finder, Ruſſiſchegaſſe 71, in Empfang nehmen. Wetterprognoſe. (Telegraphiſcher Bericht der meteorologiſchen Zentralanſtalt in Wien.) Bewölkung und Niederſchlag: Meiſt trüb bis ganz trüb und regneriſch. Wind: Wechſelnd, mehr weniger windig. Temperatur: Kühl. Nähere Beſtimmung: Vorerſt noch ſchlecht, dann allmähliche Beſſerung. Vorausſichtliche Prognoſe für übermorgen: Allmähliche Beſſerung. Theater, Kunst und Literatur. Czernowitz, 24. Mai 1905. Amalie Schönchen †. Wie uns aus München telegraphiert wird, iſt Amalie Schönchen in hohem Alter geſtorben. Amalie Schönchen gehört erſt ſeit kurzer Zeit dem Burgtheater an, das in ihr ſeine beſte Anzengruber-Dar- ſtellerin verloren hat. Ihr Ruhm iſt verhältnismäßig jungen Datums, und erſt nach langen Irrfahrten iſt es der Künſtlerin gelungen, an einer ihres Könnens würdigen Stätte zu wirken. In den vierziger Jahren trat ſie mit dem Münchener En- ſemble des Direktors Hofpauer, das ausſchließlich Bauern- ſtücke aufführte, in Wien auf und erregte durch die ſcharf realiſtiſche Darſtellung alter Bauernweiber berechtigtes Auf- ſehen. 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Kurſe über Moorkultur und Torfverwertung. Der Adjunkt und Leiter der „Abteilung für Moorkultur und Torfverwertung“ an der landw.-chem. Verſuchsſtation in Wien Dr. Wilhelm Berſch wird im Juli dieſes Jahres gemeinſam mit Herrn Dr. V. Zailer im Auftrage des k. k. Acker- bauminiſteriums zu Wien einen Kurs über Moorkultur und Torfverwertung abhalten, an den ſich eine Exkurſion nach Leibach und der Moorwirtſchaft in Admont anſchließen wird. Es iſt wünſchenswert, daß die Teilnehmer an dieſem Kurſe allgemeine naturwiſſenſchaftliche, beziehungsweiſe landwirt- ſchaftliche Vorkenntniſſe beſitzen; eine Gebühr iſt nicht zu er- legen. Anmeldungen ſind an Herrn Dr. Wilhelm Berſch, Wien, II./1, Trunnerſtraße 3, zu richten und werden dieſelben, da für die Teilnehmer an der Exkurſion die Erlangung einer beſonderen Fahrpreisermäßigung angeſtrebt werden ſoll, ſo- bald als möglich erbeten. Letzte Telegramme. Die bis 2 Uhr nachmittags eingetroffenen Telegramme ſiehe die Rubriken „Vom Tage,“ „Bunte Chronik“ und Rechtspflege“. Die Vorgänge in Rußland. Ein Plan der Revolutionäre. Berlin, 24. Mai. (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“ Wie aus Zarskoje-Selo gemeldet wird, hatten di ruſſiſchen Revolutionäre die Abſicht, den kleinen Thron folger zu entführen und ihn ſo lange in ſicherem Gewahr- ſam zu halten, bis der Zar wirkſame Reformen dekretiert habe. Es waren beretts umfaſſende Vorbereitungen getroffen, um dem Kinde die ſorgſamſte Pflege zuteit werden zu laſſen. Im letzten Augenblicke wurde das Komplott entdeckt und unter der Dienerſchaft eine ſtrenge Unterſuchung eingeleitet. Die Wiener Vizebürgermeiſterwahl. Wien, 24. Mai. (Korr.-B.) In der heutigen Gemeinde- ratsſitzung wurde Dr. Neumayer zum erſten und Doktor Porzer zum zweiten Vizebürgermeiſter gewählt. Wien, 24. Mai. (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Beſchluß, den Gemeinderat Dr. Joſef Porzer zum zweiten Vizebürgermeiſter zu wählen, wurde in der geſtern abends abgehaltenen Sitzung des Bürgerklubs gefaßt. Vor derſelben galten Stadtrat Bauer und Gemeinderat Hier- hammer als die ausſichtsreichſten Kandidaten. Nach voll- zogener Wahl erklärte Dr. Porzer, dieſelbe anzunehmen und verſprach, die katholiſche Ueberzeugung, die in ſeinem bisherigen öffentlichen Wirken zum Ausdruck gekommen ſei, auch fernerhin hochzuhalten. Bekannt iſt, daß die Mutter Dr. Porzers eine Schweſter des Dichters Ludwig Auguſt Frankl und eine Jüdin war. Aus dem „Oeſterreichiſchen Beamtenvein.“ Wien, 24. Mai (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Präſident des „Oeſterreichiſchen Beamtenvereines“ Poſſauer hat ſeine Demiſſion gegeben. Zu ſeinem Nach- folger iſt Sektionschef Obentraut beſtimmt. Die Kriſe in Ungarn. (Wieder reſultatlos!) Wien, 24. Mai. (Korr.-B.) Vormittags wurde Graf Andraſſy vom Kaiſer in Audienz empfangen. Die Audienz verlief reſultatlos, da keine Annäherung in der Armeefrage erfolgt iſt. Graf Andraſſy kehrt nachmittags nach Budapeſt zurück. Graf Tisza ſetzt die interimiſtiſche Geſchäftsführung fort. Budapeſt, 24. Mai. (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Ueber das Ergebnis der Audienz befragt, erklärte Graf Julius Andraſſy, daß die Situation keine Veränderung erfahren habe. (Ein Antrag auf Zolltrennung.) Budapeſt, 24. Mai. (Korr.-B.) Im Abgeordneten- hauſe bringt Koſſuth einen Antrag auf Ausarbeitung eines ſelbſtändigen ungariſchen Zolltarifes ein. Luiſe von Koburg. Paris, 24. Mai. (Priv.-Tel. d. „Cz. Allg. Ztg.“) Die Pſychiater, welche zur Unterſuchung des Geiſteszuſtandes der Prinzeſſin Luiſe von Koburg beſtellt worden waren, haben dem Seine-Tribunal ein Gutachten überreicht, worin ſie die Prinzeſſin für geiſtig vollkommen geſund erklären und ihrer Ueberzeugung Ausdruck geben daß ſie ihre Angelegenheiten ſelbſt ordnungsmäßig verwalten könne. Der Anwalt der Prinzeſſin Dr. Stimmer wird auf Grund dieſes Gutachtens die Aufhebung der Kuratel verlangen. Blitzſchlag. Gr. Kanisza, 24. Mai. (Priv.-Tel. der Cz. Allg. Ztg.“) Geſtern ſchlug der Blitz in die hieſige Synagoge, welche vollſtändig in Flammen aufging. Eiſenbahnunfall. Charkow, 24. Mai. (Korr.-B.) Bei Loſowaja ent- gleiſte ein gemiſchter Zug. 25 Wagen wurden zertrümmert. Die Eiſenbahnverbindung mit Wladiwoſtok iſt unter- brochen und die Feſtung abgeſchnitten. Der Krieg Vom Laudkriegsſchauplatze. London, 24. Mai. (Korr.-B.) „Daily Telegraph“ meldet aus Tokio: Es liegen Anzeichen vor, daß die Ruſſen an der mongoliſchen Grenze, ſowie in der Richtung von Siumintiu operieren. Die Eiſenbahnverbindung Dalni— Mukden iſt wieder hergeſtellt. Die japaniſche Armee iſt wieder ſo ſtark, wie vor der Schlacht bei Mukden. London, 24. Mai. (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die letzten Berichte aus dem Oſten Aſiens laſſen übereinſtimmend erwarten, daß auf dem Kriegsſchauplatze ſchon in den nächſten Tagen große Ereigniſſe bevor- ſtehen. Der Beginn der japaniſchen Operationen, die auf die Einnuhme von Wladiwoſtok hinzielen, dürfte nicht lange auf ſich warten laſſen. Die Flotte Togos. London, 24. Mai. (Korr.-B.) Die „Morning Poſt“ meldet aus Shanghai: Es verlautet aus glaubwürdiger Quelle, die Flotte Togos befinde ſich noch auf der Höhe von Maſampos. _

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 421, Czernowitz, 25.05.1905, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer421_1905/5>, abgerufen am 09.08.2022.