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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2400, Czernowitz, 23.01.1912.

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23 Jänner 1912 Czernowitzer Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch]

Der russophile Abgeordnete
Pfarrer Senyk, welcher bekanntlich vom Metropoliten Grasen
Szeptycki in seinem Amte auf 6 Monate suspendiert
wurde, legte gestern nach der Sitzung des Landtages sein
Mandat nieder. Dieser Schritt des Pfarres Senyk hat seinen
Grund in einem Schreiben des Metropoliten, worin letzterer
den Pfarrer auffordert, sein Mandat niederzulegen und seine
dem katholischen Glauben schädigende russophile Propaganda
einzustellen, widrigenfalls er seinen geistlichen Würden auf die
Dauer seines Mandates enthoben werden wurde.




Bunte Chronik.


Unfälle bei der Lemberger Jorda[n]feier.

Während der auf dem hiesigen
Kingplatze stattgehabten Wasserweihe froren 180 Personen,
darunter 130 Soldaten der zur Feier ausgerückten Abteilung
die Ohren und Nasen ab. Die Reitungsgesellschaft leistete allen
im Rathause die erste Hilfe. Nach der vollzogenen Weihe drängte
sich das Publikum zum Bassin, um das darin befindliche
Wasser zu schöpfen, dabei passierte einer Dame das Malheur,
daß sie kopfüber ins Bassin stürzte; sie wurde
herausgezogen und der Rettungsgesellschaft übergeben.




Massenvergistungen durch Leuchtgas.

Gestern früh hat man
die Familie der Witwe des Realschulprofessors Josef
Blazek bewußtlos aufgefunden. Es handelt sich um Leucht-
gasvergiftung. Die Witwe konnte nur schwer ins Leben
zurückgerufen werden. Ihr Zustand ist sehr bedenklich.
Ihre zwei Kinder, das Dienstmädchen und zwei Studen-
ken, die als Zimmerherren bei ihr wohnten, sind gleich-
falls erkrankt. In der benachbarten Wohnung wurden der
Bezirksarzt Dr. Molnar, dessen Diener und der Haus-
meister und die Hausmeisterin bewußtlos aufgefunden.
Im nächsten Hause erkrankten ein Photograph und dessen
Familie und ein Gerichtshofnotär ebenfalls an Leuchtgas-
vergistung. Den ganzen Tag über arbeitete man, ohne den
Ort des Gasrohrbruches ausfindig zu machen.




Theaterbrand.

Auf der Bühne des neuen
Theaters des Volkshauses ist in der vergangenen Nacht
ein Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit die Bühne in
einen riesigen Trümmerhaufen verwandelt hat. Alle vier
Stockwerke der Bühne sind ausgebrannt. Am Abend ist
das Ausstattungsstück "Sewastopol" gegeben worden.
Man glaubt, daß bei der Darstellung der Explosion eines
Kriegsschiffes Funken auf die Dekoration gefallen sind
und dadurch nach Theaterschluß der Brand entstanden ist.




Ausweisung von Italienern aus Tirol.

Alle am Bau der Fricca-
straße in Valsugana beschäftigten reichsitalieni-
schen Arbeiter,
die zwischen 1886 und 1890 geboren
sind, wurden entlassen und aus Süd-Tirol ausge-
wiesen.
Die Friccastraße liegt an dem strategisch wich-
tigsten österreichisch-italienischen Grenzgebiete.




Die drei Berliner Raubmörder festge-
nommen.

In Gurau bei Beeskow wurden
gestern drei Männer als die mutmaßlichen Mörder aus
der Alten Jakobstraße festgenommen. Die Verhafteten,
deren Kleider noch Blutspritzer aufwiesen, wurden in Be-
gleitung einer großen Menge ins Gefängnis gebracht.




Eine Tierbändigerin im Käsig angefallen.
Von einem Jaguar gerettet.

Ein seltsames und in der Ge-
schichte der Menagerien wohl einzig dastehendes Aben-
teuer ist der Tierbändigerin Morelli zugestoßen, die
augenblicklich mit Bostocks Bude durch England reist. Es
war in Nottingham nach der Vorstellung. Einer ihrer
Jaguare hatte sich schon in Birmingham unruhig gezeigt
und war bei der Vorstellung in Nottingham ungehorsam.
Frau Morelli wollte ihn also ein bißchen zur Raison brin-
gen. Kaum aber hatte sie die Tür des Käfigs hinter sich
zugemacht, als das offenbar seit lange höchst gereizte Tier
auf sie lossprang, sie niederwarf und mit seinen Krallen
bearbeitete. Frau Morelli schrie gellend auf. Und die Ka-
meraden stürzten von allen Seiten herbei. Bevor sie aber
eingreifen konnten, hatte sich etwas seltsames begeben.
Pascha, der Lieblingsjaguar der Morelli, hatte sich mit
wildem Sprung auf den Angreifer, der Tierbändigerin
geworfen und ihm sein furchtbares Gebiß in den Nacken
geschlagen. Vor Schmerz aufheulend ließ der andere seine
Beute fahren und rang nun mit Pascha, der aber bedeu-
tend stärker ist und seinen Gegner wohl vernichtet haben
würde, wenn nicht die Zirkusleute, die inzwischen Madame
Morelli befreit hatten, die beiden wilden Bestien getrennt
hätten. Von einem Raubtier gerettet zu werden, dürfte
aber wohl noch nicht zu den alltäglichen Ereignissen der
Tierbändiger gehören.




[Spaltenumbruch]
[Der Wiener Magistrat für die Richtig-
keit deutscher Schildaufschriften.]

Wie aus
Wien berichtet wird, laufen bei den städtischen Behörden
Klagen ein über die zunehmende Sprachenverlotterung
auf Firmentafeln und Steckschildern. Während viele Ge-
schäftsleute von dem rühmenswerten Bestreben erfüllt
sind, die Schilder und andere zu Orientierungs- und Re-
klamezwecken dienenden Aufschriften tadellos ausführen
zu lassen, wimmelt es auf anderen Tafeln von grammati-
kalischen Schnitzern. So kann man in einer sehr belebten
Verkehrsstraße bei dem Etablissement eines bekannten
Industriellen lesen: "Reparaturen von Oefen und Herde"
statt "Herden". Ein sehr gesuchter Konfektionär kündigt
sich als "Spezialist in Jacken, Mäntel und Kostüme" --
statt "Mänteln und Kostümen". Häufig kann man lesen:
"Verkauf von Mehl und Hülsenfrüchte" -- statt "Hülsen-
früchten" und so weiter. Wegen dieser Versündigungen
gegen die Sprachreinheit will man nun im Wiener Rat-
hause Stellung nehmen. In einer an den Magistrat ge-
richteten Eingabe wird auf die Gefahren der Sprachver-
lotterung und auf die Notwendigkeit der Erziehung zum
Sprachgefühl hingewiesen.

[Der degradierte Heilige.]

Der Zar kann
als Herr seiner Kirche bekanntlich auch Heilige machen und
Nikolaus der Zweite hat ja auch den Mönch Seraphim
kanonisiert. Soweit sind Papst und Zar gleich, aber was
der Erste nicht kann oder doch noch nie getan hat, das hat
seinerzeit Kaiser Paul fertig gebracht, er hat einen Heili-
gen degradiert. Im Kloster Slumorin hatte man einen
Metropoliten gefunden, dessen Körper und Kleidung,
trotzdem er schon sehr lange im Grabe ruhte, vollkommen
unversehrt waren. Wegen dieses Wunders wurde er zum
Heiligen "ernannt". Als man aber seine Glieder in ein
Reliquienkästchen packte, zerfielen sie in Staub. Darüber
entstand eine große Bestürzung und der Monarch befahl
über den Lebenswandel des Heiligen genaue Nachfor-
schungen anzustellen. Diese ergaben, daß er ein lasterhafter
Mensch gewesen sei, und der erzürnte Kaiser setzte den
Heiligen nicht nur ab, sondern verbannte auch
feinen Leichnam nach Sibirien.

[Wie viel Slawen gibt es auf der gan-
zen Welt.]

Der Pforessor der Statistik an der Kiewer
Universität, Dr. Florinski, veröffentlicht eine stati-
stische Studie über das Slawentum, worin er auf Grund
der neuesten amtlicher Ausweise die Gesamtzahl der Sla-
wen in der ganzen Welt auf 159,420.000 Seelen veran-
schlagt. Davon sind 110,000.000 Russen u. zw. 59,500.000
Großrussen, 33,100.000 Kleinrussen und 7,400.000 Weiß-
russen, 5,700.000 Bulgaren, 9,733.000 Serben und Kro-
aten, 1,500.000 Slowenen, 7,500.000 Czechen, 2,740.000
Slowaken, 157.000 Lausitzer Serben, 21,700.000 Polen
und 370.000 Kassuben. Von den Polen leben in Rußland
9,800.000, in Oesterreich 4,900.000, in Deutschland
3,900.000, in den übrigen europäischen Staaten 100.000
und in Amerika 3,000.000.




[]


Czernowitzer Angelegenheiten.


Generalvikar Miron Calinescu +.

Gestern nachts ist Generalvikar Miron Calinescu
von seinem schweren körperlichen Leiden durch einen
sanften Tod erlöst worden. Der nunmehr Verblichene, der
in der Hierarchie der griechisch-orientalischen Kirche des
Landes die zweithöchste Würde bekleidete[,] genoß den Ruf
eines hervorragend gebildeten Priesters, der seinen Be-
ruf ernst und würdig ausübte. Seiner Kirche mit ganzem
Herzen ergeben, war er auch ein treuer Sohn seines Vol-
kes. Die unbedingte Treue zu seinem Volke brachte ihm
in den Zeiten der Kämpfe zwischen Ruthenen und Rumä-
nen die politische Gegnerschaft der ersteren ein. Drohte
diese Gegnerschaft auch manchmal, einen persönlichen
Charakter anzunehmen, so wußte Calinescu, der sich
und seiner Stellung nie etwas vergab, das persönliche
Moment auszuschalten und seinen Gegnern mit ruhigem
Ernst zu begegnen. Dies hatte zur Folge, daß die An-
griffe aufhörten und daß Calinescu, der viele Jahre
hindurch das Konsistorium auch im Landtag vertrat, sich
schließlich eine von Freund und Feind unangetastete supe-
riore Stellung erwarb. In den letzten Lebensjahren
zwang ihn freilich ein schweres Leiden, sich den politisch-
kirchlichen Agenden fernzuhalten, aber im Konsistorium
führte er noch immer ein gewichtiges Wort, und seine Er-
fahrungen sowie sein Ernst fanden immer Anerkennung
und Respekt. Generalvikar Calinescu bot auch äußer-
lich eine stattliche, repräsentative Erscheinung dar, vor der
man sich unwillkürlich beugte. Nun ist er heimgegangen,
als einer der letzten Repräsentanten der altehrwürdigen
[Spaltenumbruch] Traditionen der gr.-or. Priesterschaft des Landes. Friede
seiner Asche und Ehre seinem Andenken!

Generalvikar Calinescu hinterläßt einen einzi-
gen Sohn, den Landesgerichtsrat Hippolit Calinescu.




Nachstehend die biographischen Daten des Verbli-
chenen:

Dr. Myron Calinescu, geboren 1837 in Czer-
nowitz, war Archimandrit-Mithrophor, Konsistorial-A[r]-
chimandrit, erzbischöflicher Protosynzell, Komtur des
Franz Josef-Ordens, Besitzer der 50jährigen Zivil-
jubiläumsmedaille, der königlich rumänischen Medaille
"Rosplata muncei pentru biserica" 1. Klasse, Sakellar
(Referent für geistliche Klöster und geistliche Bildungs-
und Erziehungsanstalten, Sakallariat), Direktor der
Konsistorialkanzlei, Konsistorialexaminator der Kandida-
ten der Priesterweihe und des Religonslehramtes, Mit-
glied der systematisch-praktischen Abteilung der Prüfungs-
kommission für Studierende der gr.-or. Theologie, Ehren-
bürger der Landeshauptstadt Czernowitz, Gründer und
Ehrenmitglied der Sozietät für rumänische Kultur und
Literatur in der Bukowina und mehrerer kultureller und
Humanitätsvereine. Er wurde 1860 zum Priester geweiht,
war 1860--1863 Pfarradministrator und zugleich sup-
plierender Gymnasial-Religionslehrer in Czernowitz,
1863--1877 Gymnasial-Religionslehrer in Czernowitz,
zugleich provisorischer Seminar-Spiritual 1866--1867,
wurde Erzpriester 1874, war von 1877--1881 Professor
der Moraltheologie an der gr.-or. theologischen Fakultät
der Universität in Czernowitz, als solcher Dekan im Stu-
dienjahre 1879, trat 1877 in den Regularklerus ein,
wurde 1878 Protosynzell, 1880 Archimandrit, war von
1881--1905 Konsistorialrat, 1881--1882 Interimssemi-
narrektor, wurde 1892 Mithrophor und 1905 Konsisto-
rialarchimandrit und Generalvikar. Der Kaiser ernannte
ihn im Jahre 1911 über Vorschlag des akademischen Se-
nates der Czernowitzer Universität zum Ehrendoktor der-
selben.




Vom erzbischöflichen Residenzpalais, der Universität,
dem Magistratsgebäude und dem rumänischen National-
hause wehen Trauerfahnen. -- Das Leichenbegängnis
findet am 23. d., um 2 Uhr nachmittags vom erzbischöfli-
chen Residenzpalais aus, statt.

Das erzbischöfliche Konsistorium hielt, als die Todes-
nachricht bekannt wurde, sofort eine Sitzung ab und be-
schloß, das Leichenbegängnis in der der hohen kirchlichen
Würde des Verblichenen entsprechenden feierlichen Form
auf Kosten des Konsistoriums vorzunehmen. Die Einseg-
nung in der Wohnung wird der Metropolit persönlich
vornehmen, den feierlichen Kondukt zur Kirche wird Kon-
sistorialrat Bejan geleiten, die abermalige Einsegnung
in der Kirche wird gleichfalls Exzellenz Dr. v. Repta
vornehmen. Die Führung des Konduktes zum Friedhof
übernimmt sodann neuerlich Konsistorialrat Bejan.

Offiziell wird gemeldet:

Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Jänner,
um 2 Uhr nachmittags vom Residenzgebäude aus statt.
Den Zug führt Seine Exzellenz Erzbischof Dr. Vladimir
von Repta mit 12 Priestern und 4 Diakonen. Der
Zug hält nur vor dem Universitäts-, dann vor dem Ma-
gistratsgebäude. In der Kathedralkirche segnet Erzbischof
Dr. Repta die Leiche nochmals ein und hält Kathedral-
prediger Dr. Hippolit Tarnawski die Leichenrede.
Von der Kathedralkirche führt den Kondukt Konsistorial-
rat Dionys Ritter von Bejan, welcher auch am Grabe
namens des Konsistoriums sprechen wird.




Empfänge beim Leiter der Landes-
regierung G[r]a[f]en Meran.

Sonntag, den 21. d. M. fanden sich unter Führung
der Generalmajore Nastopil und von Horsetzky
die Kommandanten aller in Czernowitz garnisonierenden
Truppenkörper und militärischen Anstalten sowie der
Landesgendarmeriekommandant Oberst Pokorny ein.
Auf die Begrüßungsansprache des Generalmajors Na-
stopil
erwiderte Hofrat Dr. Graf von Meran Fol-
gendes:

"Für die so freundlichen an mich gerichteten Be-
grüßungsworte bitte ich Sie, verehrter General, und alle
Herren Offiziere, meinen herzlichsten und wärmsten Dank
entgegennehmen zu wollen.

Es wird mein vornehmstes Bestreben sein, die be-
stehenden ausgezeichneten Beziehungen zwischen Militär
und Zivilbehörden auch in Zukunft ungetrübt zu erhal-
ten und innerhalb des mir zustehenden Wirkungskreises
die für den Staat so wichtigen militärischen Interessen
nach Kräften zu fördern.

Indem ich auch meinerseits um Ihre für mich un-
erläßliche, überaus wertvolle Unterstützung bitte, danke
ich allen Herren nochmals herzlichst für ihr heutiges Er-
scheinen."

Montag, den 22. d. M. erschienen:

Namens des reichsrätlichen Rumänenklubs die Abge-
ordneten Simionovici und Dr. Isopescul-
Grecul,
namens des hiesigen Landesgerichtes die Ober-
landesgerichtsräte Mallek und Dr. Plohn sowie die
Landesgerichtsräte Illasiewicz, Dr. R. v. Fren-
del
und Dr. Lehmann; das Kuratorium des Uni-
versitätsstudentenheims und der mensa academica unter
Führung des Hofrates Dr. Wojucki. Der Herr Leiter
der Landesregierung erklärte sich auf die an ihn gestellte
Bitte gerne bereit, die Oberleitung beider so segensreich

23 Jänner 1912 Czernowitzer Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch]

Der ruſſophile Abgeordnete
Pfarrer Senyk, welcher bekanntlich vom Metropoliten Graſen
Szeptycki in ſeinem Amte auf 6 Monate ſuspendiert
wurde, legte geſtern nach der Sitzung des Landtages ſein
Mandat nieder. Dieſer Schritt des Pfarres Senyk hat ſeinen
Grund in einem Schreiben des Metropoliten, worin letzterer
den Pfarrer auffordert, ſein Mandat niederzulegen und ſeine
dem katholiſchen Glauben ſchädigende ruſſophile Propaganda
einzuſtellen, widrigenfalls er ſeinen geiſtlichen Würden auf die
Dauer ſeines Mandates enthoben werden wurde.




Bunte Chronik.


Unfälle bei der Lemberger Jorda[n]feier.

Während der auf dem hieſigen
Kingplatze ſtattgehabten Waſſerweihe froren 180 Perſonen,
darunter 130 Soldaten der zur Feier ausgerückten Abteilung
die Ohren und Naſen ab. Die Reitungsgeſellſchaft leiſtete allen
im Rathauſe die erſte Hilfe. Nach der vollzogenen Weihe drängte
ſich das Publikum zum Baſſin, um das darin befindliche
Waſſer zu ſchöpfen, dabei paſſierte einer Dame das Malheur,
daß ſie kopfüber ins Baſſin ſtürzte; ſie wurde
herausgezogen und der Rettungsgeſellſchaft übergeben.




Maſſenvergiſtungen durch Leuchtgas.

Geſtern früh hat man
die Familie der Witwe des Realſchulprofeſſors Joſef
Blazek bewußtlos aufgefunden. Es handelt ſich um Leucht-
gasvergiftung. Die Witwe konnte nur ſchwer ins Leben
zurückgerufen werden. Ihr Zuſtand iſt ſehr bedenklich.
Ihre zwei Kinder, das Dienſtmädchen und zwei Studen-
ken, die als Zimmerherren bei ihr wohnten, ſind gleich-
falls erkrankt. In der benachbarten Wohnung wurden der
Bezirksarzt Dr. Molnar, deſſen Diener und der Haus-
meiſter und die Hausmeiſterin bewußtlos aufgefunden.
Im nächſten Hauſe erkrankten ein Photograph und deſſen
Familie und ein Gerichtshofnotär ebenfalls an Leuchtgas-
vergiſtung. Den ganzen Tag über arbeitete man, ohne den
Ort des Gasrohrbruches ausfindig zu machen.




Theaterbrand.

Auf der Bühne des neuen
Theaters des Volkshauſes iſt in der vergangenen Nacht
ein Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit die Bühne in
einen rieſigen Trümmerhaufen verwandelt hat. Alle vier
Stockwerke der Bühne ſind ausgebrannt. Am Abend iſt
das Ausſtattungsſtück „Sewaſtopol“ gegeben worden.
Man glaubt, daß bei der Darſtellung der Exploſion eines
Kriegsſchiffes Funken auf die Dekoration gefallen ſind
und dadurch nach Theaterſchluß der Brand entſtanden iſt.




Ausweiſung von Italienern aus Tirol.

Alle am Bau der Fricca-
ſtraße in Valſugana beſchäftigten reichsitalieni-
ſchen Arbeiter,
die zwiſchen 1886 und 1890 geboren
ſind, wurden entlaſſen und aus Süd-Tirol ausge-
wieſen.
Die Friccaſtraße liegt an dem ſtrategiſch wich-
tigſten öſterreichiſch-italieniſchen Grenzgebiete.




Die drei Berliner Raubmörder feſtge-
nommen.

In Gurau bei Beeskow wurden
geſtern drei Männer als die mutmaßlichen Mörder aus
der Alten Jakobſtraße feſtgenommen. Die Verhafteten,
deren Kleider noch Blutſpritzer aufwieſen, wurden in Be-
gleitung einer großen Menge ins Gefängnis gebracht.




Eine Tierbändigerin im Käſig angefallen.
Von einem Jaguar gerettet.

Ein ſeltſames und in der Ge-
ſchichte der Menagerien wohl einzig daſtehendes Aben-
teuer iſt der Tierbändigerin Morelli zugeſtoßen, die
augenblicklich mit Boſtocks Bude durch England reiſt. Es
war in Nottingham nach der Vorſtellung. Einer ihrer
Jaguare hatte ſich ſchon in Birmingham unruhig gezeigt
und war bei der Vorſtellung in Nottingham ungehorſam.
Frau Morelli wollte ihn alſo ein bißchen zur Raiſon brin-
gen. Kaum aber hatte ſie die Tür des Käfigs hinter ſich
zugemacht, als das offenbar ſeit lange höchſt gereizte Tier
auf ſie losſprang, ſie niederwarf und mit ſeinen Krallen
bearbeitete. Frau Morelli ſchrie gellend auf. Und die Ka-
meraden ſtürzten von allen Seiten herbei. Bevor ſie aber
eingreifen konnten, hatte ſich etwas ſeltſames begeben.
Paſcha, der Lieblingsjaguar der Morelli, hatte ſich mit
wildem Sprung auf den Angreifer, der Tierbändigerin
geworfen und ihm ſein furchtbares Gebiß in den Nacken
geſchlagen. Vor Schmerz aufheulend ließ der andere ſeine
Beute fahren und rang nun mit Paſcha, der aber bedeu-
tend ſtärker iſt und ſeinen Gegner wohl vernichtet haben
würde, wenn nicht die Zirkusleute, die inzwiſchen Madame
Morelli befreit hatten, die beiden wilden Beſtien getrennt
hätten. Von einem Raubtier gerettet zu werden, dürfte
aber wohl noch nicht zu den alltäglichen Ereigniſſen der
Tierbändiger gehören.




[Spaltenumbruch]
[Der Wiener Magiſtrat für die Richtig-
keit deutſcher Schildaufſchriften.]

Wie aus
Wien berichtet wird, laufen bei den ſtädtiſchen Behörden
Klagen ein über die zunehmende Sprachenverlotterung
auf Firmentafeln und Steckſchildern. Während viele Ge-
ſchäftsleute von dem rühmenswerten Beſtreben erfüllt
ſind, die Schilder und andere zu Orientierungs- und Re-
klamezwecken dienenden Aufſchriften tadellos ausführen
zu laſſen, wimmelt es auf anderen Tafeln von grammati-
kaliſchen Schnitzern. So kann man in einer ſehr belebten
Verkehrsſtraße bei dem Etabliſſement eines bekannten
Induſtriellen leſen: „Reparaturen von Oefen und Herde“
ſtatt „Herden“. Ein ſehr geſuchter Konfektionär kündigt
ſich als „Spezialiſt in Jacken, Mäntel und Koſtüme“ —
ſtatt „Mänteln und Koſtümen“. Häufig kann man leſen:
„Verkauf von Mehl und Hülſenfrüchte“ — ſtatt „Hülſen-
früchten“ und ſo weiter. Wegen dieſer Verſündigungen
gegen die Sprachreinheit will man nun im Wiener Rat-
hauſe Stellung nehmen. In einer an den Magiſtrat ge-
richteten Eingabe wird auf die Gefahren der Sprachver-
lotterung und auf die Notwendigkeit der Erziehung zum
Sprachgefühl hingewieſen.

[Der degradierte Heilige.]

Der Zar kann
als Herr ſeiner Kirche bekanntlich auch Heilige machen und
Nikolaus der Zweite hat ja auch den Mönch Seraphim
kanoniſiert. Soweit ſind Papſt und Zar gleich, aber was
der Erſte nicht kann oder doch noch nie getan hat, das hat
ſeinerzeit Kaiſer Paul fertig gebracht, er hat einen Heili-
gen degradiert. Im Kloſter Slumorin hatte man einen
Metropoliten gefunden, deſſen Körper und Kleidung,
trotzdem er ſchon ſehr lange im Grabe ruhte, vollkommen
unverſehrt waren. Wegen dieſes Wunders wurde er zum
Heiligen „ernannt“. Als man aber ſeine Glieder in ein
Reliquienkäſtchen packte, zerfielen ſie in Staub. Darüber
entſtand eine große Beſtürzung und der Monarch befahl
über den Lebenswandel des Heiligen genaue Nachfor-
ſchungen anzuſtellen. Dieſe ergaben, daß er ein laſterhafter
Menſch geweſen ſei, und der erzürnte Kaiſer ſetzte den
Heiligen nicht nur ab, ſondern verbannte auch
feinen Leichnam nach Sibirien.

[Wie viel Slawen gibt es auf der gan-
zen Welt.]

Der Pforeſſor der Statiſtik an der Kiewer
Univerſität, Dr. Florinski, veröffentlicht eine ſtati-
ſtiſche Studie über das Slawentum, worin er auf Grund
der neueſten amtlicher Ausweiſe die Geſamtzahl der Sla-
wen in der ganzen Welt auf 159,420.000 Seelen veran-
ſchlagt. Davon ſind 110,000.000 Ruſſen u. zw. 59,500.000
Großruſſen, 33,100.000 Kleinruſſen und 7,400.000 Weiß-
ruſſen, 5,700.000 Bulgaren, 9,733.000 Serben und Kro-
aten, 1,500.000 Slowenen, 7,500.000 Czechen, 2,740.000
Slowaken, 157.000 Lauſitzer Serben, 21,700.000 Polen
und 370.000 Kaſſuben. Von den Polen leben in Rußland
9,800.000, in Oeſterreich 4,900.000, in Deutſchland
3,900.000, in den übrigen europäiſchen Staaten 100.000
und in Amerika 3,000.000.




[]


Czernowitzer Angelegenheiten.


Generalvikar Miron Calinescu †.

Geſtern nachts iſt Generalvikar Miron Calinescu
von ſeinem ſchweren körperlichen Leiden durch einen
ſanften Tod erlöſt worden. Der nunmehr Verblichene, der
in der Hierarchie der griechiſch-orientaliſchen Kirche des
Landes die zweithöchſte Würde bekleidete[,] genoß den Ruf
eines hervorragend gebildeten Prieſters, der ſeinen Be-
ruf ernſt und würdig ausübte. Seiner Kirche mit ganzem
Herzen ergeben, war er auch ein treuer Sohn ſeines Vol-
kes. Die unbedingte Treue zu ſeinem Volke brachte ihm
in den Zeiten der Kämpfe zwiſchen Ruthenen und Rumä-
nen die politiſche Gegnerſchaft der erſteren ein. Drohte
dieſe Gegnerſchaft auch manchmal, einen perſönlichen
Charakter anzunehmen, ſo wußte Calinescu, der ſich
und ſeiner Stellung nie etwas vergab, das perſönliche
Moment auszuſchalten und ſeinen Gegnern mit ruhigem
Ernſt zu begegnen. Dies hatte zur Folge, daß die An-
griffe aufhörten und daß Calinescu, der viele Jahre
hindurch das Konſiſtorium auch im Landtag vertrat, ſich
ſchließlich eine von Freund und Feind unangetaſtete ſupe-
riore Stellung erwarb. In den letzten Lebensjahren
zwang ihn freilich ein ſchweres Leiden, ſich den politiſch-
kirchlichen Agenden fernzuhalten, aber im Konſiſtorium
führte er noch immer ein gewichtiges Wort, und ſeine Er-
fahrungen ſowie ſein Ernſt fanden immer Anerkennung
und Reſpekt. Generalvikar Calinescu bot auch äußer-
lich eine ſtattliche, repräſentative Erſcheinung dar, vor der
man ſich unwillkürlich beugte. Nun iſt er heimgegangen,
als einer der letzten Repräſentanten der altehrwürdigen
[Spaltenumbruch] Traditionen der gr.-or. Prieſterſchaft des Landes. Friede
ſeiner Aſche und Ehre ſeinem Andenken!

Generalvikar Calinescu hinterläßt einen einzi-
gen Sohn, den Landesgerichtsrat Hippolit Calinescu.




Nachſtehend die biographiſchen Daten des Verbli-
chenen:

Dr. Myron Calinescu, geboren 1837 in Czer-
nowitz, war Archimandrit-Mithrophor, Konſiſtorial-A[r]-
chimandrit, erzbiſchöflicher Protoſynzell, Komtur des
Franz Joſef-Ordens, Beſitzer der 50jährigen Zivil-
jubiläumsmedaille, der königlich rumäniſchen Medaille
„Rosplata muncei pentru biſerica“ 1. Klaſſe, Sakellar
(Referent für geiſtliche Klöſter und geiſtliche Bildungs-
und Erziehungsanſtalten, Sakallariat), Direktor der
Konſiſtorialkanzlei, Konſiſtorialexaminator der Kandida-
ten der Prieſterweihe und des Religonslehramtes, Mit-
glied der ſyſtematiſch-praktiſchen Abteilung der Prüfungs-
kommiſſion für Studierende der gr.-or. Theologie, Ehren-
bürger der Landeshauptſtadt Czernowitz, Gründer und
Ehrenmitglied der Sozietät für rumäniſche Kultur und
Literatur in der Bukowina und mehrerer kultureller und
Humanitätsvereine. Er wurde 1860 zum Prieſter geweiht,
war 1860—1863 Pfarradminiſtrator und zugleich ſup-
plierender Gymnaſial-Religionslehrer in Czernowitz,
1863—1877 Gymnaſial-Religionslehrer in Czernowitz,
zugleich proviſoriſcher Seminar-Spiritual 1866—1867,
wurde Erzprieſter 1874, war von 1877—1881 Profeſſor
der Moraltheologie an der gr.-or. theologiſchen Fakultät
der Univerſität in Czernowitz, als ſolcher Dekan im Stu-
dienjahre 1879, trat 1877 in den Regularklerus ein,
wurde 1878 Protoſynzell, 1880 Archimandrit, war von
1881—1905 Konſiſtorialrat, 1881—1882 Interimsſemi-
narrektor, wurde 1892 Mithrophor und 1905 Konſiſto-
rialarchimandrit und Generalvikar. Der Kaiſer ernannte
ihn im Jahre 1911 über Vorſchlag des akademiſchen Se-
nates der Czernowitzer Univerſität zum Ehrendoktor der-
ſelben.




Vom erzbiſchöflichen Reſidenzpalais, der Univerſität,
dem Magiſtratsgebäude und dem rumäniſchen National-
hauſe wehen Trauerfahnen. — Das Leichenbegängnis
findet am 23. d., um 2 Uhr nachmittags vom erzbiſchöfli-
chen Reſidenzpalais aus, ſtatt.

Das erzbiſchöfliche Konſiſtorium hielt, als die Todes-
nachricht bekannt wurde, ſofort eine Sitzung ab und be-
ſchloß, das Leichenbegängnis in der der hohen kirchlichen
Würde des Verblichenen entſprechenden feierlichen Form
auf Koſten des Konſiſtoriums vorzunehmen. Die Einſeg-
nung in der Wohnung wird der Metropolit perſönlich
vornehmen, den feierlichen Kondukt zur Kirche wird Kon-
ſiſtorialrat Bejan geleiten, die abermalige Einſegnung
in der Kirche wird gleichfalls Exzellenz Dr. v. Repta
vornehmen. Die Führung des Konduktes zum Friedhof
übernimmt ſodann neuerlich Konſiſtorialrat Bejan.

Offiziell wird gemeldet:

Die Beerdigung findet am Dienſtag, den 23. Jänner,
um 2 Uhr nachmittags vom Reſidenzgebäude aus ſtatt.
Den Zug führt Seine Exzellenz Erzbiſchof Dr. Vladimir
von Repta mit 12 Prieſtern und 4 Diakonen. Der
Zug hält nur vor dem Univerſitäts-, dann vor dem Ma-
giſtratsgebäude. In der Kathedralkirche ſegnet Erzbiſchof
Dr. Repta die Leiche nochmals ein und hält Kathedral-
prediger Dr. Hippolit Tarnawski die Leichenrede.
Von der Kathedralkirche führt den Kondukt Konſiſtorial-
rat Dionys Ritter von Bejan, welcher auch am Grabe
namens des Konſiſtoriums ſprechen wird.




Empfänge beim Leiter der Landes-
regierung G[r]a[f]en Meran.

Sonntag, den 21. d. M. fanden ſich unter Führung
der Generalmajore Naſtopil und von Horſetzky
die Kommandanten aller in Czernowitz garniſonierenden
Truppenkörper und militäriſchen Anſtalten ſowie der
Landesgendarmeriekommandant Oberſt Pokorny ein.
Auf die Begrüßungsanſprache des Generalmajors Na-
ſtopil
erwiderte Hofrat Dr. Graf von Meran Fol-
gendes:

„Für die ſo freundlichen an mich gerichteten Be-
grüßungsworte bitte ich Sie, verehrter General, und alle
Herren Offiziere, meinen herzlichſten und wärmſten Dank
entgegennehmen zu wollen.

Es wird mein vornehmſtes Beſtreben ſein, die be-
ſtehenden ausgezeichneten Beziehungen zwiſchen Militär
und Zivilbehörden auch in Zukunft ungetrübt zu erhal-
ten und innerhalb des mir zuſtehenden Wirkungskreiſes
die für den Staat ſo wichtigen militäriſchen Intereſſen
nach Kräften zu fördern.

Indem ich auch meinerſeits um Ihre für mich un-
erläßliche, überaus wertvolle Unterſtützung bitte, danke
ich allen Herren nochmals herzlichſt für ihr heutiges Er-
ſcheinen.“

Montag, den 22. d. M. erſchienen:

Namens des reichsrätlichen Rumänenklubs die Abge-
ordneten Simionovici und Dr. Iſopescul-
Grecul,
namens des hieſigen Landesgerichtes die Ober-
landesgerichtsräte Mallek und Dr. Plohn ſowie die
Landesgerichtsräte Illaſiewicz, Dr. R. v. Fren-
del
und Dr. Lehmann; das Kuratorium des Uni-
verſitätsſtudentenheims und der menſa academica unter
Führung des Hofrates Dr. Wojucki. Der Herr Leiter
der Landesregierung erklärte ſich auf die an ihn geſtellte
Bitte gerne bereit, die Oberleitung beider ſo ſegensreich

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[3/0003] 23 Jänner 1912 Czernowitzer Allgemeine Zeitung Lemberg, 21. Jänner. Der ruſſophile Abgeordnete Pfarrer Senyk, welcher bekanntlich vom Metropoliten Graſen Szeptycki in ſeinem Amte auf 6 Monate ſuspendiert wurde, legte geſtern nach der Sitzung des Landtages ſein Mandat nieder. Dieſer Schritt des Pfarres Senyk hat ſeinen Grund in einem Schreiben des Metropoliten, worin letzterer den Pfarrer auffordert, ſein Mandat niederzulegen und ſeine dem katholiſchen Glauben ſchädigende ruſſophile Propaganda einzuſtellen, widrigenfalls er ſeinen geiſtlichen Würden auf die Dauer ſeines Mandates enthoben werden wurde. Bunte Chronik. Czernowitz, 22. Jänner. Unfälle bei der Lemberger Jordanfeier. Lemberg, 21. Jänner. Während der auf dem hieſigen Kingplatze ſtattgehabten Waſſerweihe froren 180 Perſonen, darunter 130 Soldaten der zur Feier ausgerückten Abteilung die Ohren und Naſen ab. Die Reitungsgeſellſchaft leiſtete allen im Rathauſe die erſte Hilfe. Nach der vollzogenen Weihe drängte ſich das Publikum zum Baſſin, um das darin befindliche Waſſer zu ſchöpfen, dabei paſſierte einer Dame das Malheur, daß ſie kopfüber ins Baſſin ſtürzte; ſie wurde herausgezogen und der Rettungsgeſellſchaft übergeben. Maſſenvergiſtungen durch Leuchtgas. Stuhlweißenburg, 21. Jänner. Geſtern früh hat man die Familie der Witwe des Realſchulprofeſſors Joſef Blazek bewußtlos aufgefunden. Es handelt ſich um Leucht- gasvergiftung. Die Witwe konnte nur ſchwer ins Leben zurückgerufen werden. Ihr Zuſtand iſt ſehr bedenklich. Ihre zwei Kinder, das Dienſtmädchen und zwei Studen- ken, die als Zimmerherren bei ihr wohnten, ſind gleich- falls erkrankt. In der benachbarten Wohnung wurden der Bezirksarzt Dr. Molnar, deſſen Diener und der Haus- meiſter und die Hausmeiſterin bewußtlos aufgefunden. Im nächſten Hauſe erkrankten ein Photograph und deſſen Familie und ein Gerichtshofnotär ebenfalls an Leuchtgas- vergiſtung. Den ganzen Tag über arbeitete man, ohne den Ort des Gasrohrbruches ausfindig zu machen. Theaterbrand. Petersburg, 21. Jänner. Auf der Bühne des neuen Theaters des Volkshauſes iſt in der vergangenen Nacht ein Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit die Bühne in einen rieſigen Trümmerhaufen verwandelt hat. Alle vier Stockwerke der Bühne ſind ausgebrannt. Am Abend iſt das Ausſtattungsſtück „Sewaſtopol“ gegeben worden. Man glaubt, daß bei der Darſtellung der Exploſion eines Kriegsſchiffes Funken auf die Dekoration gefallen ſind und dadurch nach Theaterſchluß der Brand entſtanden iſt. Ausweiſung von Italienern aus Tirol. Innsbruck, 21. Jänner. Alle am Bau der Fricca- ſtraße in Valſugana beſchäftigten reichsitalieni- ſchen Arbeiter, die zwiſchen 1886 und 1890 geboren ſind, wurden entlaſſen und aus Süd-Tirol ausge- wieſen. Die Friccaſtraße liegt an dem ſtrategiſch wich- tigſten öſterreichiſch-italieniſchen Grenzgebiete. Die drei Berliner Raubmörder feſtge- nommen. Berlin, 21. Jänner. In Gurau bei Beeskow wurden geſtern drei Männer als die mutmaßlichen Mörder aus der Alten Jakobſtraße feſtgenommen. Die Verhafteten, deren Kleider noch Blutſpritzer aufwieſen, wurden in Be- gleitung einer großen Menge ins Gefängnis gebracht. Eine Tierbändigerin im Käſig angefallen. Von einem Jaguar gerettet. London, 20. Jänner. Ein ſeltſames und in der Ge- ſchichte der Menagerien wohl einzig daſtehendes Aben- teuer iſt der Tierbändigerin Morelli zugeſtoßen, die augenblicklich mit Boſtocks Bude durch England reiſt. Es war in Nottingham nach der Vorſtellung. Einer ihrer Jaguare hatte ſich ſchon in Birmingham unruhig gezeigt und war bei der Vorſtellung in Nottingham ungehorſam. Frau Morelli wollte ihn alſo ein bißchen zur Raiſon brin- gen. Kaum aber hatte ſie die Tür des Käfigs hinter ſich zugemacht, als das offenbar ſeit lange höchſt gereizte Tier auf ſie losſprang, ſie niederwarf und mit ſeinen Krallen bearbeitete. Frau Morelli ſchrie gellend auf. Und die Ka- meraden ſtürzten von allen Seiten herbei. Bevor ſie aber eingreifen konnten, hatte ſich etwas ſeltſames begeben. Paſcha, der Lieblingsjaguar der Morelli, hatte ſich mit wildem Sprung auf den Angreifer, der Tierbändigerin geworfen und ihm ſein furchtbares Gebiß in den Nacken geſchlagen. Vor Schmerz aufheulend ließ der andere ſeine Beute fahren und rang nun mit Paſcha, der aber bedeu- tend ſtärker iſt und ſeinen Gegner wohl vernichtet haben würde, wenn nicht die Zirkusleute, die inzwiſchen Madame Morelli befreit hatten, die beiden wilden Beſtien getrennt hätten. Von einem Raubtier gerettet zu werden, dürfte aber wohl noch nicht zu den alltäglichen Ereigniſſen der Tierbändiger gehören. [Der Wiener Magiſtrat für die Richtig- keit deutſcher Schildaufſchriften.] Wie aus Wien berichtet wird, laufen bei den ſtädtiſchen Behörden Klagen ein über die zunehmende Sprachenverlotterung auf Firmentafeln und Steckſchildern. Während viele Ge- ſchäftsleute von dem rühmenswerten Beſtreben erfüllt ſind, die Schilder und andere zu Orientierungs- und Re- klamezwecken dienenden Aufſchriften tadellos ausführen zu laſſen, wimmelt es auf anderen Tafeln von grammati- kaliſchen Schnitzern. So kann man in einer ſehr belebten Verkehrsſtraße bei dem Etabliſſement eines bekannten Induſtriellen leſen: „Reparaturen von Oefen und Herde“ ſtatt „Herden“. Ein ſehr geſuchter Konfektionär kündigt ſich als „Spezialiſt in Jacken, Mäntel und Koſtüme“ — ſtatt „Mänteln und Koſtümen“. Häufig kann man leſen: „Verkauf von Mehl und Hülſenfrüchte“ — ſtatt „Hülſen- früchten“ und ſo weiter. Wegen dieſer Verſündigungen gegen die Sprachreinheit will man nun im Wiener Rat- hauſe Stellung nehmen. In einer an den Magiſtrat ge- richteten Eingabe wird auf die Gefahren der Sprachver- lotterung und auf die Notwendigkeit der Erziehung zum Sprachgefühl hingewieſen. [Der degradierte Heilige.] Der Zar kann als Herr ſeiner Kirche bekanntlich auch Heilige machen und Nikolaus der Zweite hat ja auch den Mönch Seraphim kanoniſiert. Soweit ſind Papſt und Zar gleich, aber was der Erſte nicht kann oder doch noch nie getan hat, das hat ſeinerzeit Kaiſer Paul fertig gebracht, er hat einen Heili- gen degradiert. Im Kloſter Slumorin hatte man einen Metropoliten gefunden, deſſen Körper und Kleidung, trotzdem er ſchon ſehr lange im Grabe ruhte, vollkommen unverſehrt waren. Wegen dieſes Wunders wurde er zum Heiligen „ernannt“. Als man aber ſeine Glieder in ein Reliquienkäſtchen packte, zerfielen ſie in Staub. Darüber entſtand eine große Beſtürzung und der Monarch befahl über den Lebenswandel des Heiligen genaue Nachfor- ſchungen anzuſtellen. Dieſe ergaben, daß er ein laſterhafter Menſch geweſen ſei, und der erzürnte Kaiſer ſetzte den Heiligen nicht nur ab, ſondern verbannte auch feinen Leichnam nach Sibirien. [Wie viel Slawen gibt es auf der gan- zen Welt.] Der Pforeſſor der Statiſtik an der Kiewer Univerſität, Dr. Florinski, veröffentlicht eine ſtati- ſtiſche Studie über das Slawentum, worin er auf Grund der neueſten amtlicher Ausweiſe die Geſamtzahl der Sla- wen in der ganzen Welt auf 159,420.000 Seelen veran- ſchlagt. Davon ſind 110,000.000 Ruſſen u. zw. 59,500.000 Großruſſen, 33,100.000 Kleinruſſen und 7,400.000 Weiß- ruſſen, 5,700.000 Bulgaren, 9,733.000 Serben und Kro- aten, 1,500.000 Slowenen, 7,500.000 Czechen, 2,740.000 Slowaken, 157.000 Lauſitzer Serben, 21,700.000 Polen und 370.000 Kaſſuben. Von den Polen leben in Rußland 9,800.000, in Oeſterreich 4,900.000, in Deutſchland 3,900.000, in den übrigen europäiſchen Staaten 100.000 und in Amerika 3,000.000. _ Czernowitzer Angelegenheiten. Czernowitz, 22. Jänner. Generalvikar Miron Calinescu †. Geſtern nachts iſt Generalvikar Miron Calinescu von ſeinem ſchweren körperlichen Leiden durch einen ſanften Tod erlöſt worden. Der nunmehr Verblichene, der in der Hierarchie der griechiſch-orientaliſchen Kirche des Landes die zweithöchſte Würde bekleidete, genoß den Ruf eines hervorragend gebildeten Prieſters, der ſeinen Be- ruf ernſt und würdig ausübte. Seiner Kirche mit ganzem Herzen ergeben, war er auch ein treuer Sohn ſeines Vol- kes. Die unbedingte Treue zu ſeinem Volke brachte ihm in den Zeiten der Kämpfe zwiſchen Ruthenen und Rumä- nen die politiſche Gegnerſchaft der erſteren ein. Drohte dieſe Gegnerſchaft auch manchmal, einen perſönlichen Charakter anzunehmen, ſo wußte Calinescu, der ſich und ſeiner Stellung nie etwas vergab, das perſönliche Moment auszuſchalten und ſeinen Gegnern mit ruhigem Ernſt zu begegnen. Dies hatte zur Folge, daß die An- griffe aufhörten und daß Calinescu, der viele Jahre hindurch das Konſiſtorium auch im Landtag vertrat, ſich ſchließlich eine von Freund und Feind unangetaſtete ſupe- riore Stellung erwarb. In den letzten Lebensjahren zwang ihn freilich ein ſchweres Leiden, ſich den politiſch- kirchlichen Agenden fernzuhalten, aber im Konſiſtorium führte er noch immer ein gewichtiges Wort, und ſeine Er- fahrungen ſowie ſein Ernſt fanden immer Anerkennung und Reſpekt. Generalvikar Calinescu bot auch äußer- lich eine ſtattliche, repräſentative Erſcheinung dar, vor der man ſich unwillkürlich beugte. Nun iſt er heimgegangen, als einer der letzten Repräſentanten der altehrwürdigen Traditionen der gr.-or. Prieſterſchaft des Landes. Friede ſeiner Aſche und Ehre ſeinem Andenken! Generalvikar Calinescu hinterläßt einen einzi- gen Sohn, den Landesgerichtsrat Hippolit Calinescu. Nachſtehend die biographiſchen Daten des Verbli- chenen: Dr. Myron Calinescu, geboren 1837 in Czer- nowitz, war Archimandrit-Mithrophor, Konſiſtorial-Ar- chimandrit, erzbiſchöflicher Protoſynzell, Komtur des Franz Joſef-Ordens, Beſitzer der 50jährigen Zivil- jubiläumsmedaille, der königlich rumäniſchen Medaille „Rosplata muncei pentru biſerica“ 1. Klaſſe, Sakellar (Referent für geiſtliche Klöſter und geiſtliche Bildungs- und Erziehungsanſtalten, Sakallariat), Direktor der Konſiſtorialkanzlei, Konſiſtorialexaminator der Kandida- ten der Prieſterweihe und des Religonslehramtes, Mit- glied der ſyſtematiſch-praktiſchen Abteilung der Prüfungs- kommiſſion für Studierende der gr.-or. Theologie, Ehren- bürger der Landeshauptſtadt Czernowitz, Gründer und Ehrenmitglied der Sozietät für rumäniſche Kultur und Literatur in der Bukowina und mehrerer kultureller und Humanitätsvereine. Er wurde 1860 zum Prieſter geweiht, war 1860—1863 Pfarradminiſtrator und zugleich ſup- plierender Gymnaſial-Religionslehrer in Czernowitz, 1863—1877 Gymnaſial-Religionslehrer in Czernowitz, zugleich proviſoriſcher Seminar-Spiritual 1866—1867, wurde Erzprieſter 1874, war von 1877—1881 Profeſſor der Moraltheologie an der gr.-or. theologiſchen Fakultät der Univerſität in Czernowitz, als ſolcher Dekan im Stu- dienjahre 1879, trat 1877 in den Regularklerus ein, wurde 1878 Protoſynzell, 1880 Archimandrit, war von 1881—1905 Konſiſtorialrat, 1881—1882 Interimsſemi- narrektor, wurde 1892 Mithrophor und 1905 Konſiſto- rialarchimandrit und Generalvikar. Der Kaiſer ernannte ihn im Jahre 1911 über Vorſchlag des akademiſchen Se- nates der Czernowitzer Univerſität zum Ehrendoktor der- ſelben. Vom erzbiſchöflichen Reſidenzpalais, der Univerſität, dem Magiſtratsgebäude und dem rumäniſchen National- hauſe wehen Trauerfahnen. — Das Leichenbegängnis findet am 23. d., um 2 Uhr nachmittags vom erzbiſchöfli- chen Reſidenzpalais aus, ſtatt. Das erzbiſchöfliche Konſiſtorium hielt, als die Todes- nachricht bekannt wurde, ſofort eine Sitzung ab und be- ſchloß, das Leichenbegängnis in der der hohen kirchlichen Würde des Verblichenen entſprechenden feierlichen Form auf Koſten des Konſiſtoriums vorzunehmen. Die Einſeg- nung in der Wohnung wird der Metropolit perſönlich vornehmen, den feierlichen Kondukt zur Kirche wird Kon- ſiſtorialrat Bejan geleiten, die abermalige Einſegnung in der Kirche wird gleichfalls Exzellenz Dr. v. Repta vornehmen. Die Führung des Konduktes zum Friedhof übernimmt ſodann neuerlich Konſiſtorialrat Bejan. Offiziell wird gemeldet: Die Beerdigung findet am Dienſtag, den 23. Jänner, um 2 Uhr nachmittags vom Reſidenzgebäude aus ſtatt. Den Zug führt Seine Exzellenz Erzbiſchof Dr. Vladimir von Repta mit 12 Prieſtern und 4 Diakonen. Der Zug hält nur vor dem Univerſitäts-, dann vor dem Ma- giſtratsgebäude. In der Kathedralkirche ſegnet Erzbiſchof Dr. Repta die Leiche nochmals ein und hält Kathedral- prediger Dr. Hippolit Tarnawski die Leichenrede. Von der Kathedralkirche führt den Kondukt Konſiſtorial- rat Dionys Ritter von Bejan, welcher auch am Grabe namens des Konſiſtoriums ſprechen wird. Empfänge beim Leiter der Landes- regierung Grafen Meran. Sonntag, den 21. d. M. fanden ſich unter Führung der Generalmajore Naſtopil und von Horſetzky die Kommandanten aller in Czernowitz garniſonierenden Truppenkörper und militäriſchen Anſtalten ſowie der Landesgendarmeriekommandant Oberſt Pokorny ein. Auf die Begrüßungsanſprache des Generalmajors Na- ſtopil erwiderte Hofrat Dr. Graf von Meran Fol- gendes: „Für die ſo freundlichen an mich gerichteten Be- grüßungsworte bitte ich Sie, verehrter General, und alle Herren Offiziere, meinen herzlichſten und wärmſten Dank entgegennehmen zu wollen. Es wird mein vornehmſtes Beſtreben ſein, die be- ſtehenden ausgezeichneten Beziehungen zwiſchen Militär und Zivilbehörden auch in Zukunft ungetrübt zu erhal- ten und innerhalb des mir zuſtehenden Wirkungskreiſes die für den Staat ſo wichtigen militäriſchen Intereſſen nach Kräften zu fördern. Indem ich auch meinerſeits um Ihre für mich un- erläßliche, überaus wertvolle Unterſtützung bitte, danke ich allen Herren nochmals herzlichſt für ihr heutiges Er- ſcheinen.“ Montag, den 22. d. M. erſchienen: Namens des reichsrätlichen Rumänenklubs die Abge- ordneten Simionovici und Dr. Iſopescul- Grecul, namens des hieſigen Landesgerichtes die Ober- landesgerichtsräte Mallek und Dr. Plohn ſowie die Landesgerichtsräte Illaſiewicz, Dr. R. v. Fren- del und Dr. Lehmann; das Kuratorium des Uni- verſitätsſtudentenheims und der menſa academica unter Führung des Hofrates Dr. Wojucki. Der Herr Leiter der Landesregierung erklärte ſich auf die an ihn geſtellte Bitte gerne bereit, die Oberleitung beider ſo ſegensreich

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2400, Czernowitz, 23.01.1912, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer2400_1912/3>, abgerufen am 10.08.2022.