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Die Bayerische Presse. Nr. 178. Würzburg, 26. Juli 1850.

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[Spaltenumbruch] Offiziere werden Euch überall mit dem glänzen-
sten Beispiele vorangehen, die Strengsten im Ge-
horsam, die Tapfersten im Kampfe sein. Jhr
aber werdet rücksichtslos auf den Feind stürzen,
wenn es vorwärts heißt, und nicht weichen, wo
ihr halten sollt. Das erwarte ich von euch, das
erwartet das Vaterland, das fordert eure Ehre.
Jhr werdet eurer Voreltern wurdig sein. Wir
wollen fest zusammenhalten, in guten und in
schlimmen Tagen, wenn sie kommen sollten. Jch
wiederhole euch, daß ich mit dem Letzten aushar-
ren werde. So denke Jeder und das Vaterland
bleibt frei! So denn mit Gott! für deutsche
Ehre und Schleswig=Holsteins altes gutes Recht!


Schleswig, 21. Juli. Noch gestern Nachmit-
tag wurde das Hauptquartier des Generals von
Willisen vom Schlosse Gottorff eine halbe Meile
nördlicher nach dem Dorfe Falkenberg verlegt. --
Die Spannung ist jetzt auf's außerste gestiegen,
stündlich wird der Angriff der Danen erwartet.

   

Oldenburg, 20. Juli. Ueber das Treffen,
das die beiden bei Heiligenhafen stationirten
schleswig = holsteinischen Kanonenböte gestern zwei
dänischen Kanonenböte lieferten, berichtet der "H.
C." folgendes Nähere: Die schleswig=holsteini-
schen Kanonenböte gingen gegen 3 Uhr unter Se-
gel und steuerten auf das im Sunde von Feh-
marn stationirte dänische Dampfschiff, welches drei
Kanonenböte bei sich hatte, zu, feuerten auf die
Fahrzeuge und lockten solche aus ihrer Stellung.
Das Dampfboot kehrte indessen bald wieder auf
seine Station zurück; eines der danischen Kano-
nenböte hielt sich in geringer Entfernung von
demselben, die beiden anderen gingen indessen bis
in die Richtung von Lemkenhafen auf Fehmarn
in gerader Richtung der Heiligenhafener Schanze
und der schleswig=holsteinischen Kanonenböte. Jetzt
erfolgte von beiden Seiten eine heftige Kanonade,
die wohl1 1 / 2 Stunde währte. Die Schiffbrücke
bei Heiligenhafen und die an selbiger liegenden
Schiffe waren mit vielen Zuschauern besetzt, welche
dieses nie gesehene Schauspiel herbeigelockt hatte.
Nur ein einziger Schuß traf und zwar in ein
dänisches Kanonenboot, von dem man die Splitter
in die Luft fliegen sah. Solches wandte augen-
blicklich und feuerte nicht wieder; von dem zwei-
ten dänischen Kanonenboote fielen darauf noch zwei
Schüsse, worauf sich die Fahrzeuge beiderseits zu-
rückzogen.

Lübeck, 21. Juli. Die dänische Corvette
verlor während des Kampfes mit dem " von der
Tann
" ( also war dieser von 2 dänischen Schif-
fen angegriffen ) das Steuerruder und ward au-
ßerdem am Numpf und Takelage so stark ver-
letzt, daß sie heute Morgen von einem dänischen
Dampfschiff in's Schlepptau genommen werden
mußte.

   

Von der Niederelbe, 22. Juli. Die Vorposten
unseres Heeres, nämlich das erste Jägerkorps, hat-
ten gestern ein Gefecht mit einem dänischen Streif-
korps südlich von Flensburg zu bestehen, wobei
auf unserer Seite gegen 20 Todte und Verwun-
dete waren. Wie groß der Verlust des Feindes
gewesen, weiß man nicht, da er mit Zurücklassung
einer Munitions=Colonne, die in unsere Hände
fiel, sich schnell zurückzog, und Todte und Ver-
wundete mitnahm. Mit dem Einzuge der Dänen
in Nordschleswig haben an allen größeren Orten
Excesse gegen die deutschgesinnten Bewohner der-
selben stattgefunden, wozu die danische Regierung,
so zu sagen, selbst den Jmpuls gegeben hat, in-
dem sie alle deutschgesinnten Beamten absetzte und
wegschleppte und dafür dänischgesinnte einsetzte.
Es ist dieses Verfahren dem stricten Wortlaute des
Manifestes, welches ausdrücklich verspricht, daß alle
Beamten in ihren Stellen bleiben, schnurstracks
zuwider.

   

Dem Contre = Admiral Brommy sind von
Seiten der Bundes=Commission die erforderlichen
Jnstruktionen zugegangen, um die Fregatte " Ge-
fion
", welche in Folge des Friedensvertrages
[Spaltenumbruch] vom 1. Juli Eigenthum des deutschen Bundes
geworden, nach einem Hafen der Nord= oder Ost-
see zu bringen.

Deutschland.

Sigmaringen, 12. Juli. Heute hat hier die
angesagte Mission begonnen. Die Missionäre
Roder und Schlosser sind die nämlichen, welche
vor drei Monaten in Haigerloch waren. Ob der
Erfolg hier der nämliche sein wird, wie in Hai-
gerloch, ist noch nicht mit Zuverlässigkeit zu be-
stimmen. Schon vor dem Beginn der Mission
haben sich viele Stimmen gegen dieselbe erhoben,
besonders von Leuten, welche überhaupt Feinde
der Religion sind, oder mit Rücksicht auf ihre
( eingebildete ) Ausbildung wähnen, es gereiche ih-
nen zur Schande, wenn sie in die Predigt gehen.
Diese Menschenklasse ist hier nicht gering.

   

Wien, 19. Juli. Die "Ostdeutsche Post",
ein oppositionelles Blatt, spricht sich in ihrem
heutigen Leitartikel über den Kampf Schleswig-
Holsteins gegen Dänemark folgendermaßen aus:
"Die Allgemeine Zeitung macht der österreichi-
schen Journalistik den Vorwurf, daß sie nicht das
Wort nimmt für das bedrängte Schleswig - Hol-
stein. Was nützen hier Worte? Kein österrei-
chisches Journal, wie nahe ihm auch das Schick-
sal der bedrängten Herzogthümer gehen mag, kann
Oesterreich rathen, sich etwa jetzt an die Stelle
von Preußen setzen zu sollen und den drei mari-
timen Mächten Schach zu bieten Zum großen
Theil von nichtdeutschen Stämmen bewohnt, ge-
trennt von den Elbemündungen durch din zahlrei-
chen Elbzöllner, die den direkten Verkehr zwischen
Böhmen und Cuxhaven stets hinderten, lebt in
der Masse der österreichischen Völker kein Ver-
ständniß und kein Feuer für die Sache der Schles-
wig = Holsteiner. Dies ist eine Thatsache, die
niemand übersehen kann und darf. Die österrei-
chische Regierung, gleichviel ob der Minister des
Auswärtigen Metternich, Wessenberg oder Schwar-
zenberg heißt, ist in der dänischen Sache dem ei-
genen Lande gegenüber in einer andern Stellung
als Preußen. Dort war eine Volksstimme für
den Krieg, hier wäre sie dagegen. Zur Zeit,
wo der König von Preußen, um sich in der öf-
fentlichen Meinung seiner Bewohner zu stärken,
den danischen Krieg aufnahm, hätte Oesterreich
bei den wilden anti=deutschen Stürmen in seinem
Jnnern sich physisch und politisch geschwächt, wenn
es seine Truppen die Elbe hinab gesendet hätte.
Es gab eine Zeit, wo die deutsche Bundeshafen-
stadt Triest gefahrdet war, Oesterreich hat sie
selber schützen müssen, keine deutsche Flotte hätte
sie wieder gebracht, wenn Piemontesen und Vene-
tianer sie besetzt hätten. Jndem Oesterreich gegen
Jtalien die Adria hütete, konnte es nicht gleich-
zeitig auch an der Ostsee stehen. Zerruttet und
bedroht in seiner eigenen Jntegritat konnte es
nicht einen Fremden Krieg sich auf den Hals
laden. Dies war die Situation im Jahre 1848,
und kein Mensch, der mit der Leitung der aus-
wärtigen Angelegenheiten betraut gewesen wäre,
hätte anders handeln können. Jm Jahre 1849 war
Oesterreich in keiner bessern Lage. Mit verhüll-
tem Gesichte müssen wir darauf hinweisen, daß
wir im Sommer vorigen Jahres dieselben Auxi-
liaren herbeirufen mußten, die jetzt auf hölzernen
Burgen Dänemark unterstützen. Jetzt endlich, wo
wir freier athmen, ist die ganze Sache verschnit-
ten, verdorben, verunglückt. Oesterreich kann jetzt
nicht etwa von vorn anfangen, weder die äußern
noch innern Verhältnisse erlauben ihm das. Es
kann blos vermitteln, es kann bloß seinen Ein-
fluß aufbieten, um einen Frieden zu Stande zu
bringen, bei welchem die Rechte Deutschlands
nicht geschmälert, die Rechte Holsteins gewahrt
werden. Dies gebieten ihm Pflicht und Klug-
heit. Hier ist einer der ersten Fälle, wo Oester-
reichs Werth im deutschen Bunde positiv bewie-
sen werden kann, werden muß. Mehr zu ver-
langen, als das Mögliche, hat Deutschland keinen
[Spaltenumbruch] Anspruch, aber das Mögliche zu fordern, hat es
ein heiliges Recht."

Wien, 20. Juli. Die "Reichs = Ztg." vom
21. d. M. enthält folgende Einleitung zu der
darauf folgenden Note des Fürsten v. Schwarzen-
berg bezuglich des dänischen Friedens: Die Gründe,
aus welchen Oesterreich dem mit Dänemark ab-
geschlossenen Frieden die Ratification verweigern zu
müssen glaubte, sind in der hier folgenden De-
pesche des Fürsten v. Schwarzenberg an unseren
Gesandten in Berlin mit Klarheit und Maß ent-
wickelt. Der Gedanke des österr. Kabinets ver-
läugnet sich in der großen Angelegenheit der Re-
gelung der deutschen Verhältnisse auch keinen Au-
genblick. Oesterreich will die Rechte der einzel-
nen Regierungen sowohl, als die des Bundes
gewahrt sehen, und im Geiste dieser Politik ist
die Plenarversammlung zusammenberufen, und die
Nothwendigkeit der Gestaltung eines Bundesor-
gans angerufen worden. Preußen kann in den
einzelnen Fallen die Richtigkeit dieser Ansichten
nicht längnen, so sehr es sie auch durch gewalt-
same Jnterpretation im Ganzen bekämpft; eben
dieser innere Widerspruch in der preuß. Politik
wird durch das beiliegende Document herausge-
stellt. -- Abschrift einer Depesche des
Fürsten
v. Schwarzenberg an Frhrn.
v. Prokesch in Berlin, d. d. Wien, 15. Juli
1850. Durch den kön. preuß. Gesandten ist mir
am 10. d. M. ein Rundschreiben des Freiherrn
v. Schleinitz an die deutschen Bundesregierungen,
nebst dem am 2. d. M. zu Berlin abgeschlossenen
Friedenstractat, und einer erläuternden Denkschrift
mit dem Wunsche mitgetheilt worden, daß von
Seiten Oesterreichs die Zustimmung zu dem ge-
dachten Frieden möglichst bald erklärt, und die
Ratification innerhalb der bestimmten Frist er-
theilt werde. Wir freuen uns aufrichtig, daß
endlich ein Friedensschluß zwischen der von der
provisor. Bundescentral=Commission hierzu bevoll-
mächtigten kön. preuß. Regierung und der Krone
Dänemark zu Stande gekommen ist. Die Hal-
tung, welche die kais. österr. Regierung bei dem
Beginne des unheilvollen Kampfes, dem durch die-
ses Friedenswerk ein Ziel gesetzt wird, angenom-
men und während dessen Dauer auch behauptet
hat, läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß sie
zwar gerechte Ansprüche des Deutschen Bundes
und der Herzogthümer gewahrt wissen wolle, und
deren Geltendmachung nicht verabsäumen werde,
zugleich aber auch mit lebhaftem Bedauern erkannt
habe, wie schwierig die Lösung der streitigen Fra-
gen, und wie groß die dem Frieden Deutschlands,
ja selbst der Ruhe Europas aus diesen Fragen
erwachsende Gefahr durch den Umstand geworden
sei, daß die Partei der Bewegung sich derselben
bemächtiget hatte, und sie für ihre Berechnungen
auszubeuten, und zu mißbrauchen bemüht war.
Es muß daher als eine glückliche Fügung betrach-
tet werden, daß wir diese Gefahr als beseitigt
ansehen können, indem durch den geschlossenen Frie-
den der Boden für eine gewissenhafte und unbe-
fangene Prüfung der entgegenstehenden Ausprüche
wieder gewonnen ist. Preußen hat sich dadurch
den allgemeinen Dank verdient, und wir hoffen,
daß die Sachlage allenthalben von diesem Gesichts-
punkt werde aufgefaßt werden. Wir wollen uns
bei jedem Anlasse dafür verwenden, daß dies ge-
schehe, und sind überzeugt, daß, wenn diese An-
gelegenheit neuerdings der Vorwand zur Agitation
in Deutschland werden sollte, solchen Bemühungen
entschieden entgegenzutreten sei. Demgemäß er-
klären wir uns von unserem Standpunkte als eu-
ropäische Macht mit dem abgeschlossenen Friedens-
vertrage einverstanden, ohne in eine Beurtheilung
seiner einzelnen Bestimmungen einzugehen, und
nur das Gute ins Auge fassend, welches er für
die allgemeinen Jnteressen verspricht. Was hin-
gegen die Ratisikation dieses Vertrages betrifft,
können wir zur Theilnahme an einem solchen Akte
nur in unserer Eigenschaft als Mitglied des Deutschen
Bundes berufen sein. Jn dieser Eigenschaft muß
aber Oesterreich an der zu jeder Zeit, und nament-
lich durch die Erklärungen vom 12., 16. und 28.
November 1849 ausgesprochenen Ueberzeugung

[Spaltenumbruch] Offiziere werden Euch überall mit dem glänzen-
sten Beispiele vorangehen, die Strengsten im Ge-
horsam, die Tapfersten im Kampfe sein. Jhr
aber werdet rücksichtslos auf den Feind stürzen,
wenn es vorwärts heißt, und nicht weichen, wo
ihr halten sollt. Das erwarte ich von euch, das
erwartet das Vaterland, das fordert eure Ehre.
Jhr werdet eurer Voreltern wurdig sein. Wir
wollen fest zusammenhalten, in guten und in
schlimmen Tagen, wenn sie kommen sollten. Jch
wiederhole euch, daß ich mit dem Letzten aushar-
ren werde. So denke Jeder und das Vaterland
bleibt frei! So denn mit Gott! für deutsche
Ehre und Schleswig=Holsteins altes gutes Recht!


Schleswig, 21. Juli. Noch gestern Nachmit-
tag wurde das Hauptquartier des Generals von
Willisen vom Schlosse Gottorff eine halbe Meile
nördlicher nach dem Dorfe Falkenberg verlegt. --
Die Spannung ist jetzt auf's außerste gestiegen,
stündlich wird der Angriff der Danen erwartet.

   

Oldenburg, 20. Juli. Ueber das Treffen,
das die beiden bei Heiligenhafen stationirten
schleswig = holsteinischen Kanonenböte gestern zwei
dänischen Kanonenböte lieferten, berichtet der „H.
C.“ folgendes Nähere: Die schleswig=holsteini-
schen Kanonenböte gingen gegen 3 Uhr unter Se-
gel und steuerten auf das im Sunde von Feh-
marn stationirte dänische Dampfschiff, welches drei
Kanonenböte bei sich hatte, zu, feuerten auf die
Fahrzeuge und lockten solche aus ihrer Stellung.
Das Dampfboot kehrte indessen bald wieder auf
seine Station zurück; eines der danischen Kano-
nenböte hielt sich in geringer Entfernung von
demselben, die beiden anderen gingen indessen bis
in die Richtung von Lemkenhafen auf Fehmarn
in gerader Richtung der Heiligenhafener Schanze
und der schleswig=holsteinischen Kanonenböte. Jetzt
erfolgte von beiden Seiten eine heftige Kanonade,
die wohl1 1 / 2 Stunde währte. Die Schiffbrücke
bei Heiligenhafen und die an selbiger liegenden
Schiffe waren mit vielen Zuschauern besetzt, welche
dieses nie gesehene Schauspiel herbeigelockt hatte.
Nur ein einziger Schuß traf und zwar in ein
dänisches Kanonenboot, von dem man die Splitter
in die Luft fliegen sah. Solches wandte augen-
blicklich und feuerte nicht wieder; von dem zwei-
ten dänischen Kanonenboote fielen darauf noch zwei
Schüsse, worauf sich die Fahrzeuge beiderseits zu-
rückzogen.

Lübeck, 21. Juli. Die dänische Corvette
verlor während des Kampfes mit dem „ von der
Tann
“ ( also war dieser von 2 dänischen Schif-
fen angegriffen ) das Steuerruder und ward au-
ßerdem am Numpf und Takelage so stark ver-
letzt, daß sie heute Morgen von einem dänischen
Dampfschiff in's Schlepptau genommen werden
mußte.

   

Von der Niederelbe, 22. Juli. Die Vorposten
unseres Heeres, nämlich das erste Jägerkorps, hat-
ten gestern ein Gefecht mit einem dänischen Streif-
korps südlich von Flensburg zu bestehen, wobei
auf unserer Seite gegen 20 Todte und Verwun-
dete waren. Wie groß der Verlust des Feindes
gewesen, weiß man nicht, da er mit Zurücklassung
einer Munitions=Colonne, die in unsere Hände
fiel, sich schnell zurückzog, und Todte und Ver-
wundete mitnahm. Mit dem Einzuge der Dänen
in Nordschleswig haben an allen größeren Orten
Excesse gegen die deutschgesinnten Bewohner der-
selben stattgefunden, wozu die danische Regierung,
so zu sagen, selbst den Jmpuls gegeben hat, in-
dem sie alle deutschgesinnten Beamten absetzte und
wegschleppte und dafür dänischgesinnte einsetzte.
Es ist dieses Verfahren dem stricten Wortlaute des
Manifestes, welches ausdrücklich verspricht, daß alle
Beamten in ihren Stellen bleiben, schnurstracks
zuwider.

   

Dem Contre = Admiral Brommy sind von
Seiten der Bundes=Commission die erforderlichen
Jnstruktionen zugegangen, um die Fregatte „ Ge-
fion
“, welche in Folge des Friedensvertrages
[Spaltenumbruch] vom 1. Juli Eigenthum des deutschen Bundes
geworden, nach einem Hafen der Nord= oder Ost-
see zu bringen.

Deutschland.

Sigmaringen, 12. Juli. Heute hat hier die
angesagte Mission begonnen. Die Missionäre
Roder und Schlosser sind die nämlichen, welche
vor drei Monaten in Haigerloch waren. Ob der
Erfolg hier der nämliche sein wird, wie in Hai-
gerloch, ist noch nicht mit Zuverlässigkeit zu be-
stimmen. Schon vor dem Beginn der Mission
haben sich viele Stimmen gegen dieselbe erhoben,
besonders von Leuten, welche überhaupt Feinde
der Religion sind, oder mit Rücksicht auf ihre
( eingebildete ) Ausbildung wähnen, es gereiche ih-
nen zur Schande, wenn sie in die Predigt gehen.
Diese Menschenklasse ist hier nicht gering.

   

Wien, 19. Juli. Die „Ostdeutsche Post“,
ein oppositionelles Blatt, spricht sich in ihrem
heutigen Leitartikel über den Kampf Schleswig-
Holsteins gegen Dänemark folgendermaßen aus:
„Die Allgemeine Zeitung macht der österreichi-
schen Journalistik den Vorwurf, daß sie nicht das
Wort nimmt für das bedrängte Schleswig - Hol-
stein. Was nützen hier Worte? Kein österrei-
chisches Journal, wie nahe ihm auch das Schick-
sal der bedrängten Herzogthümer gehen mag, kann
Oesterreich rathen, sich etwa jetzt an die Stelle
von Preußen setzen zu sollen und den drei mari-
timen Mächten Schach zu bieten Zum großen
Theil von nichtdeutschen Stämmen bewohnt, ge-
trennt von den Elbemündungen durch din zahlrei-
chen Elbzöllner, die den direkten Verkehr zwischen
Böhmen und Cuxhaven stets hinderten, lebt in
der Masse der österreichischen Völker kein Ver-
ständniß und kein Feuer für die Sache der Schles-
wig = Holsteiner. Dies ist eine Thatsache, die
niemand übersehen kann und darf. Die österrei-
chische Regierung, gleichviel ob der Minister des
Auswärtigen Metternich, Wessenberg oder Schwar-
zenberg heißt, ist in der dänischen Sache dem ei-
genen Lande gegenüber in einer andern Stellung
als Preußen. Dort war eine Volksstimme für
den Krieg, hier wäre sie dagegen. Zur Zeit,
wo der König von Preußen, um sich in der öf-
fentlichen Meinung seiner Bewohner zu stärken,
den danischen Krieg aufnahm, hätte Oesterreich
bei den wilden anti=deutschen Stürmen in seinem
Jnnern sich physisch und politisch geschwächt, wenn
es seine Truppen die Elbe hinab gesendet hätte.
Es gab eine Zeit, wo die deutsche Bundeshafen-
stadt Triest gefahrdet war, Oesterreich hat sie
selber schützen müssen, keine deutsche Flotte hätte
sie wieder gebracht, wenn Piemontesen und Vene-
tianer sie besetzt hätten. Jndem Oesterreich gegen
Jtalien die Adria hütete, konnte es nicht gleich-
zeitig auch an der Ostsee stehen. Zerruttet und
bedroht in seiner eigenen Jntegritat konnte es
nicht einen Fremden Krieg sich auf den Hals
laden. Dies war die Situation im Jahre 1848,
und kein Mensch, der mit der Leitung der aus-
wärtigen Angelegenheiten betraut gewesen wäre,
hätte anders handeln können. Jm Jahre 1849 war
Oesterreich in keiner bessern Lage. Mit verhüll-
tem Gesichte müssen wir darauf hinweisen, daß
wir im Sommer vorigen Jahres dieselben Auxi-
liaren herbeirufen mußten, die jetzt auf hölzernen
Burgen Dänemark unterstützen. Jetzt endlich, wo
wir freier athmen, ist die ganze Sache verschnit-
ten, verdorben, verunglückt. Oesterreich kann jetzt
nicht etwa von vorn anfangen, weder die äußern
noch innern Verhältnisse erlauben ihm das. Es
kann blos vermitteln, es kann bloß seinen Ein-
fluß aufbieten, um einen Frieden zu Stande zu
bringen, bei welchem die Rechte Deutschlands
nicht geschmälert, die Rechte Holsteins gewahrt
werden. Dies gebieten ihm Pflicht und Klug-
heit. Hier ist einer der ersten Fälle, wo Oester-
reichs Werth im deutschen Bunde positiv bewie-
sen werden kann, werden muß. Mehr zu ver-
langen, als das Mögliche, hat Deutschland keinen
[Spaltenumbruch] Anspruch, aber das Mögliche zu fordern, hat es
ein heiliges Recht.“

Wien, 20. Juli. Die „Reichs = Ztg.“ vom
21. d. M. enthält folgende Einleitung zu der
darauf folgenden Note des Fürsten v. Schwarzen-
berg bezuglich des dänischen Friedens: Die Gründe,
aus welchen Oesterreich dem mit Dänemark ab-
geschlossenen Frieden die Ratification verweigern zu
müssen glaubte, sind in der hier folgenden De-
pesche des Fürsten v. Schwarzenberg an unseren
Gesandten in Berlin mit Klarheit und Maß ent-
wickelt. Der Gedanke des österr. Kabinets ver-
läugnet sich in der großen Angelegenheit der Re-
gelung der deutschen Verhältnisse auch keinen Au-
genblick. Oesterreich will die Rechte der einzel-
nen Regierungen sowohl, als die des Bundes
gewahrt sehen, und im Geiste dieser Politik ist
die Plenarversammlung zusammenberufen, und die
Nothwendigkeit der Gestaltung eines Bundesor-
gans angerufen worden. Preußen kann in den
einzelnen Fallen die Richtigkeit dieser Ansichten
nicht längnen, so sehr es sie auch durch gewalt-
same Jnterpretation im Ganzen bekämpft; eben
dieser innere Widerspruch in der preuß. Politik
wird durch das beiliegende Document herausge-
stellt. -- Abschrift einer Depesche des
Fürsten
v. Schwarzenberg an Frhrn.
v. Prokesch in Berlin, d. d. Wien, 15. Juli
1850. Durch den kön. preuß. Gesandten ist mir
am 10. d. M. ein Rundschreiben des Freiherrn
v. Schleinitz an die deutschen Bundesregierungen,
nebst dem am 2. d. M. zu Berlin abgeschlossenen
Friedenstractat, und einer erläuternden Denkschrift
mit dem Wunsche mitgetheilt worden, daß von
Seiten Oesterreichs die Zustimmung zu dem ge-
dachten Frieden möglichst bald erklärt, und die
Ratification innerhalb der bestimmten Frist er-
theilt werde. Wir freuen uns aufrichtig, daß
endlich ein Friedensschluß zwischen der von der
provisor. Bundescentral=Commission hierzu bevoll-
mächtigten kön. preuß. Regierung und der Krone
Dänemark zu Stande gekommen ist. Die Hal-
tung, welche die kais. österr. Regierung bei dem
Beginne des unheilvollen Kampfes, dem durch die-
ses Friedenswerk ein Ziel gesetzt wird, angenom-
men und während dessen Dauer auch behauptet
hat, läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß sie
zwar gerechte Ansprüche des Deutschen Bundes
und der Herzogthümer gewahrt wissen wolle, und
deren Geltendmachung nicht verabsäumen werde,
zugleich aber auch mit lebhaftem Bedauern erkannt
habe, wie schwierig die Lösung der streitigen Fra-
gen, und wie groß die dem Frieden Deutschlands,
ja selbst der Ruhe Europas aus diesen Fragen
erwachsende Gefahr durch den Umstand geworden
sei, daß die Partei der Bewegung sich derselben
bemächtiget hatte, und sie für ihre Berechnungen
auszubeuten, und zu mißbrauchen bemüht war.
Es muß daher als eine glückliche Fügung betrach-
tet werden, daß wir diese Gefahr als beseitigt
ansehen können, indem durch den geschlossenen Frie-
den der Boden für eine gewissenhafte und unbe-
fangene Prüfung der entgegenstehenden Ausprüche
wieder gewonnen ist. Preußen hat sich dadurch
den allgemeinen Dank verdient, und wir hoffen,
daß die Sachlage allenthalben von diesem Gesichts-
punkt werde aufgefaßt werden. Wir wollen uns
bei jedem Anlasse dafür verwenden, daß dies ge-
schehe, und sind überzeugt, daß, wenn diese An-
gelegenheit neuerdings der Vorwand zur Agitation
in Deutschland werden sollte, solchen Bemühungen
entschieden entgegenzutreten sei. Demgemäß er-
klären wir uns von unserem Standpunkte als eu-
ropäische Macht mit dem abgeschlossenen Friedens-
vertrage einverstanden, ohne in eine Beurtheilung
seiner einzelnen Bestimmungen einzugehen, und
nur das Gute ins Auge fassend, welches er für
die allgemeinen Jnteressen verspricht. Was hin-
gegen die Ratisikation dieses Vertrages betrifft,
können wir zur Theilnahme an einem solchen Akte
nur in unserer Eigenschaft als Mitglied des Deutschen
Bundes berufen sein. Jn dieser Eigenschaft muß
aber Oesterreich an der zu jeder Zeit, und nament-
lich durch die Erklärungen vom 12., 16. und 28.
November 1849 ausgesprochenen Ueberzeugung

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[0002] Offiziere werden Euch überall mit dem glänzen- sten Beispiele vorangehen, die Strengsten im Ge- horsam, die Tapfersten im Kampfe sein. Jhr aber werdet rücksichtslos auf den Feind stürzen, wenn es vorwärts heißt, und nicht weichen, wo ihr halten sollt. Das erwarte ich von euch, das erwartet das Vaterland, das fordert eure Ehre. Jhr werdet eurer Voreltern wurdig sein. Wir wollen fest zusammenhalten, in guten und in schlimmen Tagen, wenn sie kommen sollten. Jch wiederhole euch, daß ich mit dem Letzten aushar- ren werde. So denke Jeder und das Vaterland bleibt frei! So denn mit Gott! für deutsche Ehre und Schleswig=Holsteins altes gutes Recht! Hauptquartier Falkenberg, den 21. Juli 1850. Euer commandirender General v. Willisen. ( H. N. ) Schleswig, 21. Juli. Noch gestern Nachmit- tag wurde das Hauptquartier des Generals von Willisen vom Schlosse Gottorff eine halbe Meile nördlicher nach dem Dorfe Falkenberg verlegt. -- Die Spannung ist jetzt auf's außerste gestiegen, stündlich wird der Angriff der Danen erwartet. ( D. R. ) Oldenburg, 20. Juli. Ueber das Treffen, das die beiden bei Heiligenhafen stationirten schleswig = holsteinischen Kanonenböte gestern zwei dänischen Kanonenböte lieferten, berichtet der „H. C.“ folgendes Nähere: Die schleswig=holsteini- schen Kanonenböte gingen gegen 3 Uhr unter Se- gel und steuerten auf das im Sunde von Feh- marn stationirte dänische Dampfschiff, welches drei Kanonenböte bei sich hatte, zu, feuerten auf die Fahrzeuge und lockten solche aus ihrer Stellung. Das Dampfboot kehrte indessen bald wieder auf seine Station zurück; eines der danischen Kano- nenböte hielt sich in geringer Entfernung von demselben, die beiden anderen gingen indessen bis in die Richtung von Lemkenhafen auf Fehmarn in gerader Richtung der Heiligenhafener Schanze und der schleswig=holsteinischen Kanonenböte. Jetzt erfolgte von beiden Seiten eine heftige Kanonade, die wohl1 1 / 2 Stunde währte. Die Schiffbrücke bei Heiligenhafen und die an selbiger liegenden Schiffe waren mit vielen Zuschauern besetzt, welche dieses nie gesehene Schauspiel herbeigelockt hatte. Nur ein einziger Schuß traf und zwar in ein dänisches Kanonenboot, von dem man die Splitter in die Luft fliegen sah. Solches wandte augen- blicklich und feuerte nicht wieder; von dem zwei- ten dänischen Kanonenboote fielen darauf noch zwei Schüsse, worauf sich die Fahrzeuge beiderseits zu- rückzogen. Lübeck, 21. Juli. Die dänische Corvette verlor während des Kampfes mit dem „ von der Tann “ ( also war dieser von 2 dänischen Schif- fen angegriffen ) das Steuerruder und ward au- ßerdem am Numpf und Takelage so stark ver- letzt, daß sie heute Morgen von einem dänischen Dampfschiff in's Schlepptau genommen werden mußte. ( Lüb. Z. ) Von der Niederelbe, 22. Juli. Die Vorposten unseres Heeres, nämlich das erste Jägerkorps, hat- ten gestern ein Gefecht mit einem dänischen Streif- korps südlich von Flensburg zu bestehen, wobei auf unserer Seite gegen 20 Todte und Verwun- dete waren. Wie groß der Verlust des Feindes gewesen, weiß man nicht, da er mit Zurücklassung einer Munitions=Colonne, die in unsere Hände fiel, sich schnell zurückzog, und Todte und Ver- wundete mitnahm. Mit dem Einzuge der Dänen in Nordschleswig haben an allen größeren Orten Excesse gegen die deutschgesinnten Bewohner der- selben stattgefunden, wozu die danische Regierung, so zu sagen, selbst den Jmpuls gegeben hat, in- dem sie alle deutschgesinnten Beamten absetzte und wegschleppte und dafür dänischgesinnte einsetzte. Es ist dieses Verfahren dem stricten Wortlaute des Manifestes, welches ausdrücklich verspricht, daß alle Beamten in ihren Stellen bleiben, schnurstracks zuwider. ( D. R. ) Dem Contre = Admiral Brommy sind von Seiten der Bundes=Commission die erforderlichen Jnstruktionen zugegangen, um die Fregatte „ Ge- fion “, welche in Folge des Friedensvertrages vom 1. Juli Eigenthum des deutschen Bundes geworden, nach einem Hafen der Nord= oder Ost- see zu bringen. ( B. Z. ) Deutschland. Sigmaringen, 12. Juli. Heute hat hier die angesagte Mission begonnen. Die Missionäre Roder und Schlosser sind die nämlichen, welche vor drei Monaten in Haigerloch waren. Ob der Erfolg hier der nämliche sein wird, wie in Hai- gerloch, ist noch nicht mit Zuverlässigkeit zu be- stimmen. Schon vor dem Beginn der Mission haben sich viele Stimmen gegen dieselbe erhoben, besonders von Leuten, welche überhaupt Feinde der Religion sind, oder mit Rücksicht auf ihre ( eingebildete ) Ausbildung wähnen, es gereiche ih- nen zur Schande, wenn sie in die Predigt gehen. Diese Menschenklasse ist hier nicht gering. ( Schw. M. ) Wien, 19. Juli. Die „Ostdeutsche Post“, ein oppositionelles Blatt, spricht sich in ihrem heutigen Leitartikel über den Kampf Schleswig- Holsteins gegen Dänemark folgendermaßen aus: „Die Allgemeine Zeitung macht der österreichi- schen Journalistik den Vorwurf, daß sie nicht das Wort nimmt für das bedrängte Schleswig - Hol- stein. Was nützen hier Worte? Kein österrei- chisches Journal, wie nahe ihm auch das Schick- sal der bedrängten Herzogthümer gehen mag, kann Oesterreich rathen, sich etwa jetzt an die Stelle von Preußen setzen zu sollen und den drei mari- timen Mächten Schach zu bieten Zum großen Theil von nichtdeutschen Stämmen bewohnt, ge- trennt von den Elbemündungen durch din zahlrei- chen Elbzöllner, die den direkten Verkehr zwischen Böhmen und Cuxhaven stets hinderten, lebt in der Masse der österreichischen Völker kein Ver- ständniß und kein Feuer für die Sache der Schles- wig = Holsteiner. Dies ist eine Thatsache, die niemand übersehen kann und darf. Die österrei- chische Regierung, gleichviel ob der Minister des Auswärtigen Metternich, Wessenberg oder Schwar- zenberg heißt, ist in der dänischen Sache dem ei- genen Lande gegenüber in einer andern Stellung als Preußen. Dort war eine Volksstimme für den Krieg, hier wäre sie dagegen. Zur Zeit, wo der König von Preußen, um sich in der öf- fentlichen Meinung seiner Bewohner zu stärken, den danischen Krieg aufnahm, hätte Oesterreich bei den wilden anti=deutschen Stürmen in seinem Jnnern sich physisch und politisch geschwächt, wenn es seine Truppen die Elbe hinab gesendet hätte. Es gab eine Zeit, wo die deutsche Bundeshafen- stadt Triest gefahrdet war, Oesterreich hat sie selber schützen müssen, keine deutsche Flotte hätte sie wieder gebracht, wenn Piemontesen und Vene- tianer sie besetzt hätten. Jndem Oesterreich gegen Jtalien die Adria hütete, konnte es nicht gleich- zeitig auch an der Ostsee stehen. Zerruttet und bedroht in seiner eigenen Jntegritat konnte es nicht einen Fremden Krieg sich auf den Hals laden. Dies war die Situation im Jahre 1848, und kein Mensch, der mit der Leitung der aus- wärtigen Angelegenheiten betraut gewesen wäre, hätte anders handeln können. Jm Jahre 1849 war Oesterreich in keiner bessern Lage. 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M. enthält folgende Einleitung zu der darauf folgenden Note des Fürsten v. Schwarzen- berg bezuglich des dänischen Friedens: Die Gründe, aus welchen Oesterreich dem mit Dänemark ab- geschlossenen Frieden die Ratification verweigern zu müssen glaubte, sind in der hier folgenden De- pesche des Fürsten v. Schwarzenberg an unseren Gesandten in Berlin mit Klarheit und Maß ent- wickelt. Der Gedanke des österr. Kabinets ver- läugnet sich in der großen Angelegenheit der Re- gelung der deutschen Verhältnisse auch keinen Au- genblick. Oesterreich will die Rechte der einzel- nen Regierungen sowohl, als die des Bundes gewahrt sehen, und im Geiste dieser Politik ist die Plenarversammlung zusammenberufen, und die Nothwendigkeit der Gestaltung eines Bundesor- gans angerufen worden. Preußen kann in den einzelnen Fallen die Richtigkeit dieser Ansichten nicht längnen, so sehr es sie auch durch gewalt- same Jnterpretation im Ganzen bekämpft; eben dieser innere Widerspruch in der preuß. Politik wird durch das beiliegende Document herausge- stellt. -- Abschrift einer Depesche des Fürsten v. Schwarzenberg an Frhrn. v. Prokesch in Berlin, d. d. Wien, 15. Juli 1850. Durch den kön. preuß. Gesandten ist mir am 10. d. M. ein Rundschreiben des Freiherrn v. Schleinitz an die deutschen Bundesregierungen, nebst dem am 2. d. M. zu Berlin abgeschlossenen Friedenstractat, und einer erläuternden Denkschrift mit dem Wunsche mitgetheilt worden, daß von Seiten Oesterreichs die Zustimmung zu dem ge- dachten Frieden möglichst bald erklärt, und die Ratification innerhalb der bestimmten Frist er- theilt werde. Wir freuen uns aufrichtig, daß endlich ein Friedensschluß zwischen der von der provisor. Bundescentral=Commission hierzu bevoll- mächtigten kön. preuß. Regierung und der Krone Dänemark zu Stande gekommen ist. Die Hal- tung, welche die kais. österr. 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Preußen hat sich dadurch den allgemeinen Dank verdient, und wir hoffen, daß die Sachlage allenthalben von diesem Gesichts- punkt werde aufgefaßt werden. Wir wollen uns bei jedem Anlasse dafür verwenden, daß dies ge- schehe, und sind überzeugt, daß, wenn diese An- gelegenheit neuerdings der Vorwand zur Agitation in Deutschland werden sollte, solchen Bemühungen entschieden entgegenzutreten sei. Demgemäß er- klären wir uns von unserem Standpunkte als eu- ropäische Macht mit dem abgeschlossenen Friedens- vertrage einverstanden, ohne in eine Beurtheilung seiner einzelnen Bestimmungen einzugehen, und nur das Gute ins Auge fassend, welches er für die allgemeinen Jnteressen verspricht. Was hin- gegen die Ratisikation dieses Vertrages betrifft, können wir zur Theilnahme an einem solchen Akte nur in unserer Eigenschaft als Mitglied des Deutschen Bundes berufen sein. Jn dieser Eigenschaft muß aber Oesterreich an der zu jeder Zeit, und nament- lich durch die Erklärungen vom 12., 16. und 28. 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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 178. Würzburg, 26. Juli 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische178_1850/2>, abgerufen am 09.05.2021.