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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 26. Rudolstadt, 30. März 1847.

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[Spaltenumbruch] Vorsehung haben. Viele von den Fortziehenden verlassen das alte
Vaterland, ohne bestimmte Begriffe von dem Lande zu haben, das
ihnen ein neues Vaterland werden soll. Niemand nimmt sich ihrer
an, die gedruckten Rathgeber und die Auswanderungs = Zeitungen aus-
genommen. Erstere werden daher mit Begierde gelesen und letztere
sind von allen, die ein Herz für die Auswandernden haben, mit
Freuden begrüßt und als der kräftigsten Unterstützung werth empfohlen
worden. Für solche, die nach Texas auswandern wollen, ist das
oben angezeigte Büchlein geschrieben worden. Es enthält laut der
Vorrede Anweisung, wie die Auswanderer sich auf den verhängniß-
vollen Schritt vorzubereiten haben, und wie sie die Reise selbst mit
der möglichsten Sicherheit und den geringsten Kosten antreten und zu-
rücklegen können, und gibt Winke, wie sie dort sich einzurichten haben,
um für sich und die Jhrigen eine günstige Stellung zu gewinnen, und
was sie meiden müssen, wenn sie ihr Ziel nicht verfehlen oder in die
Hände schlauer Betrüger fallen wollen, die auch dort darauf ausgehen,
den Unerfahrenen und Leichtgläubigen auszubeuten. Der unbekannte
Verfasser ist nicht selbst in Texas gewesen, hat aber, wie er sagt,
die besten Hülfsmittel zu seinem Büchelchen benutzt.

Auf eine kurze Geschichte des Landes, welche den Aufstand der
Texaner gegen Meriko, sowie deren Lossagen von demselben rechtferti-
gend beschreibt, und bis zum Anschluß des unabhängigen Texas an
die Vereinigten Staaten reicht, folgt die Beschreibung des Landes
selbst. Die Begrenzung, wie sie Texas festgesetzt hat, ist von Mexiko
noch nicht anerkannt; das Gebiet, welches es wirklich in Besitz hat,
beträgt nur etwa 150,000 englische oder etwas über 7000 geogra-
phische Quadratmeilen. Die 80 deutsche Meilen lange Küstenstrecke
hat zahlreiche, zum Theil ziemlich große Baien oder Buchten, in
welche sich die meisten Flüsse des Landes ergießen; sie sind aber durch
lange und schmale, sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebende
Jnseln von dem Meere getrennt, so daß für die Schiffe nur hin und
wieder enge, zum Theil ziemlich verschlemmte Einfahrten vorhanden
sind, nicht ohne Gefahr für tiefer im Wasser gehende Fahrzeuge, zu-
mal da die unter dem Wasser befindlichen Sandbänke bei Stürmen
zuweilen ihre Lage verändern. Zunächst der Küste ist das Land niedrig
und eben und besteht aus angeschwemmtem, theils sehr fruchtbarem,
theils etwas sandigem Boden, doch finden sich keine Ansammlungen
stehender Gewässer; tiefer landeinwärts zeigt sich die hügelichte Ab-
theilung des Landes, die den bei weitem größten Theil einnimmt.
Der wellenförmige Boden erhebt sich hin und wieder zu ansehnlicheren
Höhen, von welchen man einer reizenden Aussicht in die schönsten
Landschaften genießt, gegen Nordwest aber zu den hohen Bergrücken,
welche etwa 40 Meilen von der flachen Gegend des Küstenlandes
entfernt liegen, treffliche Weiden bilden und sich deßhalb vorzüglich
zur Viehzucht eignen. Nennenswerthe Flüsse sind: der Sabine,
der Neches, der Trinidad oder Trinity, der San Jacinto, der Brazos
de Dios, gewöhnlich nur Brazos genannt, der Colorado, der Gua-
dalupe, der Nueces, der Rio Grande, der Red River und der Ar-
kansas in dem noch streitigen Gebiete. Die Bayons, gewöhnlich
nicht lange, aber mehrentheils tiefe Gräben, in welchen sich die Ge-
wässer niedriger, sumpfiger Gegenden sammeln, eine eigenthümliche
Erscheinung in den südlichen Staaten von Nordamerika, kommen auch
in Texas häufig vor. Sie gewähren den umliegenden Gegenden den
Vortheil, daß sie ihnen die überflüssige Feuchtigkeit entziehen; wo sie
fehlen oder nicht hinreichend sind, ist das Land sumpfig und zum An-
bau untauglich. Es gibt Seen mit süßem Wasser, auch einige
Salzseen, und mit Ausnahme des niedrigen Landes an der Küste des
mexikanischen Meerbusens fast überall gutes Wasser. Die Frucht-
barkeit
des Bodens, in einem Lande von solcher Ausdehnung ver-
schieden, läßt im Ganzen nichts zu wünschen übrig. Land, das weder
zum Ackerbau, noch zur Viehzucht tauglich wäre, gibt es sehr wenig.
Die Prairien, große Wiesenflächen, die zuweilen viele tausend Morgen
enthalten, sind mit einem üppigen Pflanzenwuchse und frischem Grün
[Spaltenumbruch] bekleidet; in manchen Gegenden ist das Gras dieser Prairien hoch, aber
rauh, und muß jung gemäht werden, wenn es zum Viehfutter dienen
soll; in andern Gegenden gibt es ein zarteres Gras, Musquitgras
genannt, das seine nährenden Eigenschaften auch, nachdem es trocken
geworden und scheinbar abgestorben ist, behält. Das Klima, über
welches mehr hätte gesagt werden sollen, ist etwa dem des südlichen
Jtalien gleich. Die Nächte im Sommer sind kühl. Den Einwan-
derern aus dem nördlichen Europa ist zu rathen, sich nicht der heißen
Mittagssonne auszusetzen. Jm Winter frieren die fließenden Gewässer
niemals und die stehenden werden nur mit einer dünnen Eisdecke über-
zogen. Das Vieh bedarf während des ganzen Jahres keiner schützen-
den Ställe und findet auch im Winter immer hinreichendes Futter im
Freien auf den Wiesen. Der Landstrich nördlich vom Red River bis
zu den Quellen des Rio Grande hat jedoch ein rauheres Klima und
strengeren Winter. Das Küstenland sagt der Gesundheit der europäi-
schen Ansiedler weniger zu, und hier hat sich auch 1839 das gelbe
Fieber gezeigt. Wer in den höher liegenden Gegenden, wo die Luft
rein und gesund ist, mäßig lebt, gut zubereitete Speisen
genießt, sich des Branntweintrinkens enthält und sich
vor Erkältungen hütet,
wird nicht leicht von Krankheiten be-
fallen und kann ein hohes Alter erreichen.

Texas ist reich an Producten; sie sind theils dem Lande eigen,
theils aus andern Gegenden dorthin verpflanzt. Mais ist das ein-
träglichste Erzeugniß des Landes; aber auch Weizen, Gerste, Hafer
und Buchweizen finden angemessenen Boden in den mittleren und nörd-
lichen Gegenden. Das Zuckerrohr findet in den niedrigen Gegenden
einen eben so guten Boden und noch besseres Klima als in Louisiana.
Die süße Kartoffel, Batatte, gedeiht vortrefflich. Mehrere Arten
von Bohnen, Rüben, eßbare Kürbisse, Zucker = und Wassermelonen
werden gezogen. Jn den Wäldern gibt es wilden Wein, und an-
gestellte Versuche haben bewiesen, daß edlere Weinsorten, die dorthin
verpflanzt wurden, einen sehr geschätzten Wein geben. Eins der wich-
tigsten Erzeugnisse ist die Baumwolle, die in England wegen ihrer
Länge und Feinheit den besten Sorten der südlichen Staaten gleich-
geschätzt und bezahlt wird. Die Tabakspflanze gedeiht vorzüglich,
und der Tabak ist von vorzüglicher Güte. Die Jndigopflanze
ist einheimisch und die Cochenille findet sich in den unfrucht-
baren Gegenden, die nicht zur Viehzucht und zum Ackerbau taugen.
Die Baumarten sind dieselben, wie in den übrigen Vereinigten
Staaten, einige sind jedoch Texas eigenthümlich. Der Viehzucht
ist das Land sehr günstig. Fünf = bis sechsjährige Ochsen sollen zu-
weilen 10 -- 14 Centner wiegen. Schweine vermehren sich sehr stark.
Auch wilde Pferde gibt es, und in den nordwestlichen Gegenden, be-
sonders im Winter, zahlreiche Büffelheerden; doch ziehen sich diese immer
mehr in die unbewohnten Gegenden zurück. Jagdbare Thiere sind
der nordamerikanische Hirsch oder das Musethier, der nordamerikanische
Bär, der aber nicht brummt, sondern heult, der Waschbär, das Pakari,
ein kleines, wildes Schwein, dessen Jagd Vorsicht erfordert, Hasen,
Kaninchen, auch fliegende, Beutelthiere und Stinkthiere. Von den
Raubthieren fügt keins dem Menschen Schaden zu. Das Feder-
vieh
vermehrt sich stark; die Hühner legen den ganzen Winter hin-
durch Eier, und an wildem Geflügel ist das Land sehr reich.
Jn den größeren Flüssen halten sich Alligatoren, eine Art Kro-
kodille, die eine Länge von 16 Fuß erreichen, auf und von den
Schlangen finden sich die Klapperschlange, gegen deren Biß man
Mittel hat, die Kupferschlange, Mocassirschlange und die Prairie-
schlange, die alle giftig sind. Fische in zahlreicher Menge in den
Buchten am Meere und in Flüssen und viele wilde Bienen in
hohlen Bäumen. Die lästige Plage, die Musquitos, findet sich auch
dort. Der Mineralreichthum ist noch wenig bekannt. Kupfer ist
in gediegenen Stücken gefunden worden, Blei und Zink sind ebenfalls
vorhanden, am meisten Eisen. An Salz ist kein Mangel.

    ( Schluß folgt. )

[Ende Spaltensatz]

[Spaltenumbruch] Vorsehung haben. Viele von den Fortziehenden verlassen das alte
Vaterland, ohne bestimmte Begriffe von dem Lande zu haben, das
ihnen ein neues Vaterland werden soll. Niemand nimmt sich ihrer
an, die gedruckten Rathgeber und die Auswanderungs = Zeitungen aus-
genommen. Erstere werden daher mit Begierde gelesen und letztere
sind von allen, die ein Herz für die Auswandernden haben, mit
Freuden begrüßt und als der kräftigsten Unterstützung werth empfohlen
worden. Für solche, die nach Texas auswandern wollen, ist das
oben angezeigte Büchlein geschrieben worden. Es enthält laut der
Vorrede Anweisung, wie die Auswanderer sich auf den verhängniß-
vollen Schritt vorzubereiten haben, und wie sie die Reise selbst mit
der möglichsten Sicherheit und den geringsten Kosten antreten und zu-
rücklegen können, und gibt Winke, wie sie dort sich einzurichten haben,
um für sich und die Jhrigen eine günstige Stellung zu gewinnen, und
was sie meiden müssen, wenn sie ihr Ziel nicht verfehlen oder in die
Hände schlauer Betrüger fallen wollen, die auch dort darauf ausgehen,
den Unerfahrenen und Leichtgläubigen auszubeuten. Der unbekannte
Verfasser ist nicht selbst in Texas gewesen, hat aber, wie er sagt,
die besten Hülfsmittel zu seinem Büchelchen benutzt.

Auf eine kurze Geschichte des Landes, welche den Aufstand der
Texaner gegen Meriko, sowie deren Lossagen von demselben rechtferti-
gend beschreibt, und bis zum Anschluß des unabhängigen Texas an
die Vereinigten Staaten reicht, folgt die Beschreibung des Landes
selbst. Die Begrenzung, wie sie Texas festgesetzt hat, ist von Mexiko
noch nicht anerkannt; das Gebiet, welches es wirklich in Besitz hat,
beträgt nur etwa 150,000 englische oder etwas über 7000 geogra-
phische Quadratmeilen. Die 80 deutsche Meilen lange Küstenstrecke
hat zahlreiche, zum Theil ziemlich große Baien oder Buchten, in
welche sich die meisten Flüsse des Landes ergießen; sie sind aber durch
lange und schmale, sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebende
Jnseln von dem Meere getrennt, so daß für die Schiffe nur hin und
wieder enge, zum Theil ziemlich verschlemmte Einfahrten vorhanden
sind, nicht ohne Gefahr für tiefer im Wasser gehende Fahrzeuge, zu-
mal da die unter dem Wasser befindlichen Sandbänke bei Stürmen
zuweilen ihre Lage verändern. Zunächst der Küste ist das Land niedrig
und eben und besteht aus angeschwemmtem, theils sehr fruchtbarem,
theils etwas sandigem Boden, doch finden sich keine Ansammlungen
stehender Gewässer; tiefer landeinwärts zeigt sich die hügelichte Ab-
theilung des Landes, die den bei weitem größten Theil einnimmt.
Der wellenförmige Boden erhebt sich hin und wieder zu ansehnlicheren
Höhen, von welchen man einer reizenden Aussicht in die schönsten
Landschaften genießt, gegen Nordwest aber zu den hohen Bergrücken,
welche etwa 40 Meilen von der flachen Gegend des Küstenlandes
entfernt liegen, treffliche Weiden bilden und sich deßhalb vorzüglich
zur Viehzucht eignen. Nennenswerthe Flüsse sind: der Sabine,
der Neches, der Trinidad oder Trinity, der San Jacinto, der Brazos
de Dios, gewöhnlich nur Brazos genannt, der Colorado, der Gua-
dalupe, der Nueces, der Rio Grande, der Red River und der Ar-
kansas in dem noch streitigen Gebiete. Die Bayons, gewöhnlich
nicht lange, aber mehrentheils tiefe Gräben, in welchen sich die Ge-
wässer niedriger, sumpfiger Gegenden sammeln, eine eigenthümliche
Erscheinung in den südlichen Staaten von Nordamerika, kommen auch
in Texas häufig vor. Sie gewähren den umliegenden Gegenden den
Vortheil, daß sie ihnen die überflüssige Feuchtigkeit entziehen; wo sie
fehlen oder nicht hinreichend sind, ist das Land sumpfig und zum An-
bau untauglich. Es gibt Seen mit süßem Wasser, auch einige
Salzseen, und mit Ausnahme des niedrigen Landes an der Küste des
mexikanischen Meerbusens fast überall gutes Wasser. Die Frucht-
barkeit
des Bodens, in einem Lande von solcher Ausdehnung ver-
schieden, läßt im Ganzen nichts zu wünschen übrig. Land, das weder
zum Ackerbau, noch zur Viehzucht tauglich wäre, gibt es sehr wenig.
Die Prairien, große Wiesenflächen, die zuweilen viele tausend Morgen
enthalten, sind mit einem üppigen Pflanzenwuchse und frischem Grün
[Spaltenumbruch] bekleidet; in manchen Gegenden ist das Gras dieser Prairien hoch, aber
rauh, und muß jung gemäht werden, wenn es zum Viehfutter dienen
soll; in andern Gegenden gibt es ein zarteres Gras, Musquitgras
genannt, das seine nährenden Eigenschaften auch, nachdem es trocken
geworden und scheinbar abgestorben ist, behält. Das Klima, über
welches mehr hätte gesagt werden sollen, ist etwa dem des südlichen
Jtalien gleich. Die Nächte im Sommer sind kühl. Den Einwan-
derern aus dem nördlichen Europa ist zu rathen, sich nicht der heißen
Mittagssonne auszusetzen. Jm Winter frieren die fließenden Gewässer
niemals und die stehenden werden nur mit einer dünnen Eisdecke über-
zogen. Das Vieh bedarf während des ganzen Jahres keiner schützen-
den Ställe und findet auch im Winter immer hinreichendes Futter im
Freien auf den Wiesen. Der Landstrich nördlich vom Red River bis
zu den Quellen des Rio Grande hat jedoch ein rauheres Klima und
strengeren Winter. Das Küstenland sagt der Gesundheit der europäi-
schen Ansiedler weniger zu, und hier hat sich auch 1839 das gelbe
Fieber gezeigt. Wer in den höher liegenden Gegenden, wo die Luft
rein und gesund ist, mäßig lebt, gut zubereitete Speisen
genießt, sich des Branntweintrinkens enthält und sich
vor Erkältungen hütet,
wird nicht leicht von Krankheiten be-
fallen und kann ein hohes Alter erreichen.

Texas ist reich an Producten; sie sind theils dem Lande eigen,
theils aus andern Gegenden dorthin verpflanzt. Mais ist das ein-
träglichste Erzeugniß des Landes; aber auch Weizen, Gerste, Hafer
und Buchweizen finden angemessenen Boden in den mittleren und nörd-
lichen Gegenden. Das Zuckerrohr findet in den niedrigen Gegenden
einen eben so guten Boden und noch besseres Klima als in Louisiana.
Die süße Kartoffel, Batatte, gedeiht vortrefflich. Mehrere Arten
von Bohnen, Rüben, eßbare Kürbisse, Zucker = und Wassermelonen
werden gezogen. Jn den Wäldern gibt es wilden Wein, und an-
gestellte Versuche haben bewiesen, daß edlere Weinsorten, die dorthin
verpflanzt wurden, einen sehr geschätzten Wein geben. Eins der wich-
tigsten Erzeugnisse ist die Baumwolle, die in England wegen ihrer
Länge und Feinheit den besten Sorten der südlichen Staaten gleich-
geschätzt und bezahlt wird. Die Tabakspflanze gedeiht vorzüglich,
und der Tabak ist von vorzüglicher Güte. Die Jndigopflanze
ist einheimisch und die Cochenille findet sich in den unfrucht-
baren Gegenden, die nicht zur Viehzucht und zum Ackerbau taugen.
Die Baumarten sind dieselben, wie in den übrigen Vereinigten
Staaten, einige sind jedoch Texas eigenthümlich. Der Viehzucht
ist das Land sehr günstig. Fünf = bis sechsjährige Ochsen sollen zu-
weilen 10 -- 14 Centner wiegen. Schweine vermehren sich sehr stark.
Auch wilde Pferde gibt es, und in den nordwestlichen Gegenden, be-
sonders im Winter, zahlreiche Büffelheerden; doch ziehen sich diese immer
mehr in die unbewohnten Gegenden zurück. Jagdbare Thiere sind
der nordamerikanische Hirsch oder das Musethier, der nordamerikanische
Bär, der aber nicht brummt, sondern heult, der Waschbär, das Pakari,
ein kleines, wildes Schwein, dessen Jagd Vorsicht erfordert, Hasen,
Kaninchen, auch fliegende, Beutelthiere und Stinkthiere. Von den
Raubthieren fügt keins dem Menschen Schaden zu. Das Feder-
vieh
vermehrt sich stark; die Hühner legen den ganzen Winter hin-
durch Eier, und an wildem Geflügel ist das Land sehr reich.
Jn den größeren Flüssen halten sich Alligatoren, eine Art Kro-
kodille, die eine Länge von 16 Fuß erreichen, auf und von den
Schlangen finden sich die Klapperschlange, gegen deren Biß man
Mittel hat, die Kupferschlange, Mocassirschlange und die Prairie-
schlange, die alle giftig sind. Fische in zahlreicher Menge in den
Buchten am Meere und in Flüssen und viele wilde Bienen in
hohlen Bäumen. Die lästige Plage, die Musquitos, findet sich auch
dort. Der Mineralreichthum ist noch wenig bekannt. Kupfer ist
in gediegenen Stücken gefunden worden, Blei und Zink sind ebenfalls
vorhanden, am meisten Eisen. An Salz ist kein Mangel.

    ( Schluß folgt. )

[Ende Spaltensatz]
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Es enthält laut der Vorrede Anweisung, wie die Auswanderer sich auf den verhängniß- vollen Schritt vorzubereiten haben, und wie sie die Reise selbst mit der möglichsten Sicherheit und den geringsten Kosten antreten und zu- rücklegen können, und gibt Winke, wie sie dort sich einzurichten haben, um für sich und die Jhrigen eine günstige Stellung zu gewinnen, und was sie meiden müssen, wenn sie ihr Ziel nicht verfehlen oder in die Hände schlauer Betrüger fallen wollen, die auch dort darauf ausgehen, den Unerfahrenen und Leichtgläubigen auszubeuten. Der unbekannte Verfasser ist nicht selbst in Texas gewesen, hat aber, wie er sagt, die besten Hülfsmittel zu seinem Büchelchen benutzt. Auf eine kurze Geschichte des Landes, welche den Aufstand der Texaner gegen Meriko, sowie deren Lossagen von demselben rechtferti- gend beschreibt, und bis zum Anschluß des unabhängigen Texas an die Vereinigten Staaten reicht, folgt die Beschreibung des Landes selbst. Die Begrenzung, wie sie Texas festgesetzt hat, ist von Mexiko noch nicht anerkannt; das Gebiet, welches es wirklich in Besitz hat, beträgt nur etwa 150,000 englische oder etwas über 7000 geogra- phische Quadratmeilen. Die 80 deutsche Meilen lange Küstenstrecke hat zahlreiche, zum Theil ziemlich große Baien oder Buchten, in welche sich die meisten Flüsse des Landes ergießen; sie sind aber durch lange und schmale, sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebende Jnseln von dem Meere getrennt, so daß für die Schiffe nur hin und wieder enge, zum Theil ziemlich verschlemmte Einfahrten vorhanden sind, nicht ohne Gefahr für tiefer im Wasser gehende Fahrzeuge, zu- mal da die unter dem Wasser befindlichen Sandbänke bei Stürmen zuweilen ihre Lage verändern. Zunächst der Küste ist das Land niedrig und eben und besteht aus angeschwemmtem, theils sehr fruchtbarem, theils etwas sandigem Boden, doch finden sich keine Ansammlungen stehender Gewässer; tiefer landeinwärts zeigt sich die hügelichte Ab- theilung des Landes, die den bei weitem größten Theil einnimmt. Der wellenförmige Boden erhebt sich hin und wieder zu ansehnlicheren Höhen, von welchen man einer reizenden Aussicht in die schönsten Landschaften genießt, gegen Nordwest aber zu den hohen Bergrücken, welche etwa 40 Meilen von der flachen Gegend des Küstenlandes entfernt liegen, treffliche Weiden bilden und sich deßhalb vorzüglich zur Viehzucht eignen. Nennenswerthe Flüsse sind: der Sabine, der Neches, der Trinidad oder Trinity, der San Jacinto, der Brazos de Dios, gewöhnlich nur Brazos genannt, der Colorado, der Gua- dalupe, der Nueces, der Rio Grande, der Red River und der Ar- kansas in dem noch streitigen Gebiete. Die Bayons, gewöhnlich nicht lange, aber mehrentheils tiefe Gräben, in welchen sich die Ge- wässer niedriger, sumpfiger Gegenden sammeln, eine eigenthümliche Erscheinung in den südlichen Staaten von Nordamerika, kommen auch in Texas häufig vor. Sie gewähren den umliegenden Gegenden den Vortheil, daß sie ihnen die überflüssige Feuchtigkeit entziehen; wo sie fehlen oder nicht hinreichend sind, ist das Land sumpfig und zum An- bau untauglich. Es gibt Seen mit süßem Wasser, auch einige Salzseen, und mit Ausnahme des niedrigen Landes an der Küste des mexikanischen Meerbusens fast überall gutes Wasser. Die Frucht- barkeit des Bodens, in einem Lande von solcher Ausdehnung ver- schieden, läßt im Ganzen nichts zu wünschen übrig. Land, das weder zum Ackerbau, noch zur Viehzucht tauglich wäre, gibt es sehr wenig. Die Prairien, große Wiesenflächen, die zuweilen viele tausend Morgen enthalten, sind mit einem üppigen Pflanzenwuchse und frischem Grün bekleidet; in manchen Gegenden ist das Gras dieser Prairien hoch, aber rauh, und muß jung gemäht werden, wenn es zum Viehfutter dienen soll; in andern Gegenden gibt es ein zarteres Gras, Musquitgras genannt, das seine nährenden Eigenschaften auch, nachdem es trocken geworden und scheinbar abgestorben ist, behält. Das Klima, über welches mehr hätte gesagt werden sollen, ist etwa dem des südlichen Jtalien gleich. Die Nächte im Sommer sind kühl. Den Einwan- derern aus dem nördlichen Europa ist zu rathen, sich nicht der heißen Mittagssonne auszusetzen. Jm Winter frieren die fließenden Gewässer niemals und die stehenden werden nur mit einer dünnen Eisdecke über- zogen. Das Vieh bedarf während des ganzen Jahres keiner schützen- den Ställe und findet auch im Winter immer hinreichendes Futter im Freien auf den Wiesen. Der Landstrich nördlich vom Red River bis zu den Quellen des Rio Grande hat jedoch ein rauheres Klima und strengeren Winter. Das Küstenland sagt der Gesundheit der europäi- schen Ansiedler weniger zu, und hier hat sich auch 1839 das gelbe Fieber gezeigt. Wer in den höher liegenden Gegenden, wo die Luft rein und gesund ist, mäßig lebt, gut zubereitete Speisen genießt, sich des Branntweintrinkens enthält und sich vor Erkältungen hütet, wird nicht leicht von Krankheiten be- fallen und kann ein hohes Alter erreichen. Texas ist reich an Producten; sie sind theils dem Lande eigen, theils aus andern Gegenden dorthin verpflanzt. Mais ist das ein- träglichste Erzeugniß des Landes; aber auch Weizen, Gerste, Hafer und Buchweizen finden angemessenen Boden in den mittleren und nörd- lichen Gegenden. Das Zuckerrohr findet in den niedrigen Gegenden einen eben so guten Boden und noch besseres Klima als in Louisiana. Die süße Kartoffel, Batatte, gedeiht vortrefflich. Mehrere Arten von Bohnen, Rüben, eßbare Kürbisse, Zucker = und Wassermelonen werden gezogen. Jn den Wäldern gibt es wilden Wein, und an- gestellte Versuche haben bewiesen, daß edlere Weinsorten, die dorthin verpflanzt wurden, einen sehr geschätzten Wein geben. Eins der wich- tigsten Erzeugnisse ist die Baumwolle, die in England wegen ihrer Länge und Feinheit den besten Sorten der südlichen Staaten gleich- geschätzt und bezahlt wird. Die Tabakspflanze gedeiht vorzüglich, und der Tabak ist von vorzüglicher Güte. Die Jndigopflanze ist einheimisch und die Cochenille findet sich in den unfrucht- baren Gegenden, die nicht zur Viehzucht und zum Ackerbau taugen. Die Baumarten sind dieselben, wie in den übrigen Vereinigten Staaten, einige sind jedoch Texas eigenthümlich. Der Viehzucht ist das Land sehr günstig. Fünf = bis sechsjährige Ochsen sollen zu- weilen 10 -- 14 Centner wiegen. Schweine vermehren sich sehr stark. Auch wilde Pferde gibt es, und in den nordwestlichen Gegenden, be- sonders im Winter, zahlreiche Büffelheerden; doch ziehen sich diese immer mehr in die unbewohnten Gegenden zurück. Jagdbare Thiere sind der nordamerikanische Hirsch oder das Musethier, der nordamerikanische Bär, der aber nicht brummt, sondern heult, der Waschbär, das Pakari, ein kleines, wildes Schwein, dessen Jagd Vorsicht erfordert, Hasen, Kaninchen, auch fliegende, Beutelthiere und Stinkthiere. Von den Raubthieren fügt keins dem Menschen Schaden zu. Das Feder- vieh vermehrt sich stark; die Hühner legen den ganzen Winter hin- durch Eier, und an wildem Geflügel ist das Land sehr reich. Jn den größeren Flüssen halten sich Alligatoren, eine Art Kro- kodille, die eine Länge von 16 Fuß erreichen, auf und von den Schlangen finden sich die Klapperschlange, gegen deren Biß man Mittel hat, die Kupferschlange, Mocassirschlange und die Prairie- schlange, die alle giftig sind. Fische in zahlreicher Menge in den Buchten am Meere und in Flüssen und viele wilde Bienen in hohlen Bäumen. Die lästige Plage, die Musquitos, findet sich auch dort. Der Mineralreichthum ist noch wenig bekannt. Kupfer ist in gediegenen Stücken gefunden worden, Blei und Zink sind ebenfalls vorhanden, am meisten Eisen. An Salz ist kein Mangel. ( Schluß folgt. )

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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 26. Rudolstadt, 30. März 1847, S. 193. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer26_1847/3>, abgerufen am 27.02.2024.