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Der Arbeitgeber. Nr. 1058. Frankfurt a. M., 11. August 1877.

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[Spaltenumbruch] wird wahrscheinlich von einer weitergreifenden Einwirkung sein.
Nachdem nämlich durch die auf den polytechnischen und Gewerbe-
schulen allmählich ganz durchgedrungene Methode, die Materialien
mit Farbe anzugeben, die Schraffirmethode fast außer Gebrauch ge-
kommen ist, fehlt es an Uebung unter den jüngeren Technikern,
mit dem Schraffiren gut umzugehen. Es wird sich deshalb
empfehlen, an den technischen Lehranstalten, niederen wie höheren,
in dem Unterricht im gebundenen Zeichnen den Schraffirmethoden
wieder einen Platz einzuräumen. Die Gewerbeschulen werden wohl
thun, dies bereits vom k. October ab zu thun.

Die vorgeschriebenen Formate der Zeichnungen sind dem vom
Reichskanzleramte benutzten und empfohlenen Schreibpapierformate
angeschlossen, weshalb sich die Nebenexemplare der Zeichnungen gut
den Schriftstücken der Erläuterung beilegen lassen. Die Vorschriften
über die Randlinien und die freizulassenden Räume wolle man
recht genau beachten, da dieselben nur gegeben sind, um gewisse
noch nothwendig werdende amtliche Bezeichnungen nachtragen und
dann die Blätter behufs des Photagraphirens gut befestigen zu
können.

Das technische Publikum wird sich an die Vorschriften des
Patentamtes bald gewöhnt haben; denn dieselben bieten keine
Schwierigkeiten und lassen keinen Zweifel über das, was an Aeußer-
lichkeiten gewünscht wird. Auch wird sich nach einigem Gebrauch heraus-
stellen, daß gesucht worden ist, dem praktischen Bedürfniß der Jn-
dustrie, so viel immer thunlich war, entgegenzukommen. Wie das
deutsche Patentgesetz mitten im Leben steht, indem es unter An-
hörung des Rathes der Jndustriellen des Reiches entstanden ist,
und in seinen Grundbestimmungen dies deutlich erkennen läßt, so
auch ist das deutsche Patentamt bestrebt, die wichtige Frage der
praktischen Durchführung des Gesetzes in den Einzelheiten nach
besten Kräften so zu lösen, wie es dessen großer Bedeutung für
die Fortentwicklung unserer Jndustrie entspricht.   F. R.

* Geschäftsbericht. Die letztverflossene Woche weist keine
irgendwie nennenswerthen Veränderungen auf; Flauheit und vor-
sichtiges Abwarten bestimmen noch vorwiegend das Geschäftsleben
und wird sich wohl auch erst mit dem vollständigen Abschluß der
Ernte etwas mehr Anregung in Handel und Verkehr einstellen. --
Die Berichte über den Wollmarkt lauten so ziemlich überein-
stimmend; in Breslau haben sich Nachfrage und Umsätze gehoben
und erreichten die letzteren die Höhe von 2000 Ctr.; auch schenkt
das Ausland dem Breslauer Platze wieder mehr Beachtung, da fast
die Hälfte des genannten Quantums, meist feinere Wollen, für
Frankreich und England bezogen wurden; die Preise waren kaum
verändert, im Ganzen jedoch sehr fest. -- Die Brünner Fabriken
sind augenblicklich in voller Thätigkeit und entwickelt sich das dor-
tige Geschäft in recht günstiger Weise, wohl auch in Aussicht einer
überaus günstigen Ernte, von welcher im Allgemeinen nur noch zu
wünschen, daß sie auch glücklich eingeheimst werde. -- Der Woll-
markt war anhaltend fest und machte sich die Besserung auch in
amerikanischer Baumwolle bemerkbar; erst in Folge der Nachrichten
über neue englische Truppensendungen hielten die Käufer wieder
zurück, doch blieben die Preise unverändert. -- Der einheimische
Manufakturwaaren=Markt trug einen Feiertags=Charakter und erhob
sich nicht über ein eigentliches Bedarfsgeschäft. Fremde Webstoffe
blieben in sämmtlichen Gattungen leblos. -- Die Handelskammer
zu Wiesbaden bringt einige bemerkenswerthe Mittheilungen über
die Fabrikation chemischer Producte und Farbstoffe; so beschäftigte
z. B. das Haus von Meister, Lucius & Brüning in
Höchst a. M. in 1876 500 Arbeiter und verwendete 20 Damps-
kessel mit zusammen 600 Pferdekraft. Der Kohlenconsum betrug
300,000 Ctr., der Verbrauch an Rohmaterialien 18,000 Ctr.,
Benzol und Naphta 14,000; Säuren 120,000 Ctr. und 75,000
Ctr. verschiedene Chemikalien. Es wurden von derselben Firma
an fertigen Produkten versandt: 27,000 Ctr. Alizarin, welches
81,000 Ctr. bester aus Krapp erzeugter Garanzin oder 270,000
Ctr. bester Krappwurzel entspricht u. s. w. -- Die Erzeugung von
Gelatine bildet bekanntlich eine Spezialität der Stadt Höchst
a. M. und versenden die Häuser Fischer & Schmitt, sowie
Ch. W. Heinrichs ihre Produkte zu einem Drittel innerhalb
Deutschlands selbst und zwei Drittel in alle übrigen Länder Eu-
ropa 's mit Ausnahme von Frankreich, dessen Concurrenz auf die
[Spaltenumbruch] Preise des deutschen Geschäftes andauernd einwirkte; auch im laufen-
den Jahre ist von einer nachhaltigen Besserung nichts zu ver-
spüren. --

Die Schuhfabriken Nord=Amerika's verbrauchen jährlich gegen
20,000 Alligatorhäute; früher kamen fast alle Häute aus
Louisiana in New=Orleans, woselbst das Centrum für diesen be-
deutenden Geschäftsbetrieb; gegenwärtig liefern die Sümpfe und
Moräste Florida's die Ernte und Jacksonville in demselben Staate
ist das Hauptdepot für die Waare.

Ernteberichte: Die exportfähigen Getreidestaaten Europa's
haben trotz der bedeutenden Ausfuhr Amerika's einen hervorragen-
den Antheil an der Versorgung des europäischen Marktes mit
Getreide zu erwarten, denn wenn auch bestimmt anzunehmen ist,
daß der große Eisenbahn=Aufruhr bald ganz erstickt wird, so hat
sich doch dadurch eine Verkehrsstörung ergeben, welche ihre Rück-
wirkungen auf den amerikanischen Getreidehandel zweifellos üben
wird und diese Verzögerung wird in erster Linie dem österreichisch-
ungarischen Export zu statten kommen; vermag derselbe auch nicht
solch' enorme Getreidemassen auf den Markt zu werfen wie die
Vereinigten Staaten und Rußland, so kann gleichwohl Oesterreich-
Ungarn aus der relativ früheren Reife seines Getreides einen
wesentlichen Nutzen ziehen. Jn der That wird denn auch den
neuesten Nachrichten zufolge der österreichische Getreideexport dem-
nächst nach Süddeutschland und der Schweiz beginnen und bald
größere Dimensionen annehmen, da sich die günstige Gestaltung des
österreichischen Exportes durch die Sperre der russischen Häfen am
schwarzen Meere, sowie die theilweise ungenügende Ernte Frank-
reichs bedeutend erhöht. Oesterreich=Ungarn exportirte in sehr guten
Jahren etwas über 20 Millionen Ctr. Getreide, somit für etwa
100 Millionen Gulden, für einen so kapitalarmen Staat eine
recht ins Gewicht fallende Summe! -- Ueber das Totalergebniß
der speziell deutschen Getreideernte läßt sich heute noch kein Urtheil
abgeben, doch sind bis jetzt in den Gegenden, woselbst die Ernte
größtentheils beendigt und unter Dach gebracht ist, die Preise noch
nicht gesunken; es wird sich eben auch hier die Concurrenz des
Marktes noch geltend machen müssen. -- Das Ergebniß der
Kirschenernte im Bezirke Besigheim in Württemberg beträgt
heuer 6000 Ctr. mit einem Ertrage von 52,000 M, überhaupt
ist das Erträgniß an Obst ein reiches. -- Der Hopfenmarkt
sieht nach dem reichlichen Regen gleichfalls einer guten Ernte ent-
gegen, wenn derselbe auch eben nur von der Hand in den Mund
lebt. Ueberhaupt bildet das laufende Geschäftsjahr einen schroffen
Gegensatz zum vorjährigen, in welchem z. B. der Wochenumsatz des
Nürnberger Marktes 700--1000 Ballen betrug; da aber bei Con-
sumenten wie Händlern die Reste ganz geringe und mit Beginn
der Ernte Bedarf und Einkauf größer und umfangreicher werden,
so haben wir mit ziemlicher Gewißheit nach der jetzigen Ebbe auch
die Fluth zu erwarten, indem die Berichte aus fast allen interessirten
Bezirken, besonders Bayerns, nur Erfreuliches melden, desgleichen
aus England und Amerika.

* Landwirthschaftliches. Die landwirthschaftlichen
Vereine Elsaß=Lothringens
entwickeln eine erfreuliche
Rührigkeit. Jn sämmtlichen Bezirken des Reichslandes fanden in
den letzten Jahren landwirthschaftliche Ausstellungen statt und für
diesen Herbst ward in Anbetracht der günstigen Ernteaussichten
beschlossen, in Brümath eine Obstausstellung zu ver-
anstalten. Mit dieser Landes = Spezialausstellung halten die land-
wirthschaftlichen Vereine des Kreises Straßburg eine Ausstellung
von landwirthschaftlichen und Gartenprodukten ab, zu welcher auch
Maschinen und Geräthe zugelassen werden.

-- Was die Landwirthe in Amerika für ihre Ver-
einigungen thun.
Die Granger zählten letzten November
761,262 Mitglieder in 24,290 Logen und Localvereinen. Jm
Jahre 1876 erhielt die Central=Loge schon 216,381 Dollars an
Eintrittsgeldern und erzielten dieselben eine Jahreseinnahme an
Beiträgen von 1,600,000 Doll. Die Granger haben 20 Agen-
turen, 5 Banken, wovon diejenige in San=Franzisco 5 Millionen
Doll. Grundcapital besitzt; eingezahlt sind allerdings nur 500,000
Doll.; ferner besitzen die Granger fünf Dampferlinien in Be-
trieb, 30 Manufakturen mit ca. 200--300,000 Doll. Capital,
56 Rhedereien, 32 Getreide=Elevatoren, 16 Mühlen, wovon eine
allein 100 Ctr. Mehl täglich liefert, 22 Lagerhäuser; 3 Gerbereien
und 6 große Schmiedewerkstätten. Die Gesellschaft ist weit ver-

[Spaltenumbruch] wird wahrscheinlich von einer weitergreifenden Einwirkung sein.
Nachdem nämlich durch die auf den polytechnischen und Gewerbe-
schulen allmählich ganz durchgedrungene Methode, die Materialien
mit Farbe anzugeben, die Schraffirmethode fast außer Gebrauch ge-
kommen ist, fehlt es an Uebung unter den jüngeren Technikern,
mit dem Schraffiren gut umzugehen. Es wird sich deshalb
empfehlen, an den technischen Lehranstalten, niederen wie höheren,
in dem Unterricht im gebundenen Zeichnen den Schraffirmethoden
wieder einen Platz einzuräumen. Die Gewerbeschulen werden wohl
thun, dies bereits vom k. October ab zu thun.

Die vorgeschriebenen Formate der Zeichnungen sind dem vom
Reichskanzleramte benutzten und empfohlenen Schreibpapierformate
angeschlossen, weshalb sich die Nebenexemplare der Zeichnungen gut
den Schriftstücken der Erläuterung beilegen lassen. Die Vorschriften
über die Randlinien und die freizulassenden Räume wolle man
recht genau beachten, da dieselben nur gegeben sind, um gewisse
noch nothwendig werdende amtliche Bezeichnungen nachtragen und
dann die Blätter behufs des Photagraphirens gut befestigen zu
können.

Das technische Publikum wird sich an die Vorschriften des
Patentamtes bald gewöhnt haben; denn dieselben bieten keine
Schwierigkeiten und lassen keinen Zweifel über das, was an Aeußer-
lichkeiten gewünscht wird. Auch wird sich nach einigem Gebrauch heraus-
stellen, daß gesucht worden ist, dem praktischen Bedürfniß der Jn-
dustrie, so viel immer thunlich war, entgegenzukommen. Wie das
deutsche Patentgesetz mitten im Leben steht, indem es unter An-
hörung des Rathes der Jndustriellen des Reiches entstanden ist,
und in seinen Grundbestimmungen dies deutlich erkennen läßt, so
auch ist das deutsche Patentamt bestrebt, die wichtige Frage der
praktischen Durchführung des Gesetzes in den Einzelheiten nach
besten Kräften so zu lösen, wie es dessen großer Bedeutung für
die Fortentwicklung unserer Jndustrie entspricht.   F. R.

* Geschäftsbericht. Die letztverflossene Woche weist keine
irgendwie nennenswerthen Veränderungen auf; Flauheit und vor-
sichtiges Abwarten bestimmen noch vorwiegend das Geschäftsleben
und wird sich wohl auch erst mit dem vollständigen Abschluß der
Ernte etwas mehr Anregung in Handel und Verkehr einstellen. --
Die Berichte über den Wollmarkt lauten so ziemlich überein-
stimmend; in Breslau haben sich Nachfrage und Umsätze gehoben
und erreichten die letzteren die Höhe von 2000 Ctr.; auch schenkt
das Ausland dem Breslauer Platze wieder mehr Beachtung, da fast
die Hälfte des genannten Quantums, meist feinere Wollen, für
Frankreich und England bezogen wurden; die Preise waren kaum
verändert, im Ganzen jedoch sehr fest. -- Die Brünner Fabriken
sind augenblicklich in voller Thätigkeit und entwickelt sich das dor-
tige Geschäft in recht günstiger Weise, wohl auch in Aussicht einer
überaus günstigen Ernte, von welcher im Allgemeinen nur noch zu
wünschen, daß sie auch glücklich eingeheimst werde. -- Der Woll-
markt war anhaltend fest und machte sich die Besserung auch in
amerikanischer Baumwolle bemerkbar; erst in Folge der Nachrichten
über neue englische Truppensendungen hielten die Käufer wieder
zurück, doch blieben die Preise unverändert. -- Der einheimische
Manufakturwaaren=Markt trug einen Feiertags=Charakter und erhob
sich nicht über ein eigentliches Bedarfsgeschäft. Fremde Webstoffe
blieben in sämmtlichen Gattungen leblos. -- Die Handelskammer
zu Wiesbaden bringt einige bemerkenswerthe Mittheilungen über
die Fabrikation chemischer Producte und Farbstoffe; so beschäftigte
z. B. das Haus von Meister, Lucius & Brüning in
Höchst a. M. in 1876 500 Arbeiter und verwendete 20 Damps-
kessel mit zusammen 600 Pferdekraft. Der Kohlenconsum betrug
300,000 Ctr., der Verbrauch an Rohmaterialien 18,000 Ctr.,
Benzol und Naphta 14,000; Säuren 120,000 Ctr. und 75,000
Ctr. verschiedene Chemikalien. Es wurden von derselben Firma
an fertigen Produkten versandt: 27,000 Ctr. Alizarin, welches
81,000 Ctr. bester aus Krapp erzeugter Garanzin oder 270,000
Ctr. bester Krappwurzel entspricht u. s. w. -- Die Erzeugung von
Gelatine bildet bekanntlich eine Spezialität der Stadt Höchst
a. M. und versenden die Häuser Fischer & Schmitt, sowie
Ch. W. Heinrichs ihre Produkte zu einem Drittel innerhalb
Deutschlands selbst und zwei Drittel in alle übrigen Länder Eu-
ropa 's mit Ausnahme von Frankreich, dessen Concurrenz auf die
[Spaltenumbruch] Preise des deutschen Geschäftes andauernd einwirkte; auch im laufen-
den Jahre ist von einer nachhaltigen Besserung nichts zu ver-
spüren. --

Die Schuhfabriken Nord=Amerika's verbrauchen jährlich gegen
20,000 Alligatorhäute; früher kamen fast alle Häute aus
Louisiana in New=Orleans, woselbst das Centrum für diesen be-
deutenden Geschäftsbetrieb; gegenwärtig liefern die Sümpfe und
Moräste Florida's die Ernte und Jacksonville in demselben Staate
ist das Hauptdepot für die Waare.

Ernteberichte: Die exportfähigen Getreidestaaten Europa's
haben trotz der bedeutenden Ausfuhr Amerika's einen hervorragen-
den Antheil an der Versorgung des europäischen Marktes mit
Getreide zu erwarten, denn wenn auch bestimmt anzunehmen ist,
daß der große Eisenbahn=Aufruhr bald ganz erstickt wird, so hat
sich doch dadurch eine Verkehrsstörung ergeben, welche ihre Rück-
wirkungen auf den amerikanischen Getreidehandel zweifellos üben
wird und diese Verzögerung wird in erster Linie dem österreichisch-
ungarischen Export zu statten kommen; vermag derselbe auch nicht
solch' enorme Getreidemassen auf den Markt zu werfen wie die
Vereinigten Staaten und Rußland, so kann gleichwohl Oesterreich-
Ungarn aus der relativ früheren Reife seines Getreides einen
wesentlichen Nutzen ziehen. Jn der That wird denn auch den
neuesten Nachrichten zufolge der österreichische Getreideexport dem-
nächst nach Süddeutschland und der Schweiz beginnen und bald
größere Dimensionen annehmen, da sich die günstige Gestaltung des
österreichischen Exportes durch die Sperre der russischen Häfen am
schwarzen Meere, sowie die theilweise ungenügende Ernte Frank-
reichs bedeutend erhöht. Oesterreich=Ungarn exportirte in sehr guten
Jahren etwas über 20 Millionen Ctr. Getreide, somit für etwa
100 Millionen Gulden, für einen so kapitalarmen Staat eine
recht ins Gewicht fallende Summe! -- Ueber das Totalergebniß
der speziell deutschen Getreideernte läßt sich heute noch kein Urtheil
abgeben, doch sind bis jetzt in den Gegenden, woselbst die Ernte
größtentheils beendigt und unter Dach gebracht ist, die Preise noch
nicht gesunken; es wird sich eben auch hier die Concurrenz des
Marktes noch geltend machen müssen. -- Das Ergebniß der
Kirschenernte im Bezirke Besigheim in Württemberg beträgt
heuer 6000 Ctr. mit einem Ertrage von 52,000 M, überhaupt
ist das Erträgniß an Obst ein reiches. -- Der Hopfenmarkt
sieht nach dem reichlichen Regen gleichfalls einer guten Ernte ent-
gegen, wenn derselbe auch eben nur von der Hand in den Mund
lebt. Ueberhaupt bildet das laufende Geschäftsjahr einen schroffen
Gegensatz zum vorjährigen, in welchem z. B. der Wochenumsatz des
Nürnberger Marktes 700--1000 Ballen betrug; da aber bei Con-
sumenten wie Händlern die Reste ganz geringe und mit Beginn
der Ernte Bedarf und Einkauf größer und umfangreicher werden,
so haben wir mit ziemlicher Gewißheit nach der jetzigen Ebbe auch
die Fluth zu erwarten, indem die Berichte aus fast allen interessirten
Bezirken, besonders Bayerns, nur Erfreuliches melden, desgleichen
aus England und Amerika.

* Landwirthschaftliches. Die landwirthschaftlichen
Vereine Elsaß=Lothringens
entwickeln eine erfreuliche
Rührigkeit. Jn sämmtlichen Bezirken des Reichslandes fanden in
den letzten Jahren landwirthschaftliche Ausstellungen statt und für
diesen Herbst ward in Anbetracht der günstigen Ernteaussichten
beschlossen, in Brümath eine Obstausstellung zu ver-
anstalten. Mit dieser Landes = Spezialausstellung halten die land-
wirthschaftlichen Vereine des Kreises Straßburg eine Ausstellung
von landwirthschaftlichen und Gartenprodukten ab, zu welcher auch
Maschinen und Geräthe zugelassen werden.

-- Was die Landwirthe in Amerika für ihre Ver-
einigungen thun.
Die Granger zählten letzten November
761,262 Mitglieder in 24,290 Logen und Localvereinen. Jm
Jahre 1876 erhielt die Central=Loge schon 216,381 Dollars an
Eintrittsgeldern und erzielten dieselben eine Jahreseinnahme an
Beiträgen von 1,600,000 Doll. Die Granger haben 20 Agen-
turen, 5 Banken, wovon diejenige in San=Franzisco 5 Millionen
Doll. Grundcapital besitzt; eingezahlt sind allerdings nur 500,000
Doll.; ferner besitzen die Granger fünf Dampferlinien in Be-
trieb, 30 Manufakturen mit ca. 200--300,000 Doll. Capital,
56 Rhedereien, 32 Getreide=Elevatoren, 16 Mühlen, wovon eine
allein 100 Ctr. Mehl täglich liefert, 22 Lagerhäuser; 3 Gerbereien
und 6 große Schmiedewerkstätten. Die Gesellschaft ist weit ver-

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[0003] wird wahrscheinlich von einer weitergreifenden Einwirkung sein. Nachdem nämlich durch die auf den polytechnischen und Gewerbe- schulen allmählich ganz durchgedrungene Methode, die Materialien mit Farbe anzugeben, die Schraffirmethode fast außer Gebrauch ge- kommen ist, fehlt es an Uebung unter den jüngeren Technikern, mit dem Schraffiren gut umzugehen. Es wird sich deshalb empfehlen, an den technischen Lehranstalten, niederen wie höheren, in dem Unterricht im gebundenen Zeichnen den Schraffirmethoden wieder einen Platz einzuräumen. Die Gewerbeschulen werden wohl thun, dies bereits vom k. October ab zu thun. Die vorgeschriebenen Formate der Zeichnungen sind dem vom Reichskanzleramte benutzten und empfohlenen Schreibpapierformate angeschlossen, weshalb sich die Nebenexemplare der Zeichnungen gut den Schriftstücken der Erläuterung beilegen lassen. Die Vorschriften über die Randlinien und die freizulassenden Räume wolle man recht genau beachten, da dieselben nur gegeben sind, um gewisse noch nothwendig werdende amtliche Bezeichnungen nachtragen und dann die Blätter behufs des Photagraphirens gut befestigen zu können. Das technische Publikum wird sich an die Vorschriften des Patentamtes bald gewöhnt haben; denn dieselben bieten keine Schwierigkeiten und lassen keinen Zweifel über das, was an Aeußer- lichkeiten gewünscht wird. Auch wird sich nach einigem Gebrauch heraus- stellen, daß gesucht worden ist, dem praktischen Bedürfniß der Jn- dustrie, so viel immer thunlich war, entgegenzukommen. Wie das deutsche Patentgesetz mitten im Leben steht, indem es unter An- hörung des Rathes der Jndustriellen des Reiches entstanden ist, und in seinen Grundbestimmungen dies deutlich erkennen läßt, so auch ist das deutsche Patentamt bestrebt, die wichtige Frage der praktischen Durchführung des Gesetzes in den Einzelheiten nach besten Kräften so zu lösen, wie es dessen großer Bedeutung für die Fortentwicklung unserer Jndustrie entspricht. F. R. * Geschäftsbericht. Die letztverflossene Woche weist keine irgendwie nennenswerthen Veränderungen auf; Flauheit und vor- sichtiges Abwarten bestimmen noch vorwiegend das Geschäftsleben und wird sich wohl auch erst mit dem vollständigen Abschluß der Ernte etwas mehr Anregung in Handel und Verkehr einstellen. -- Die Berichte über den Wollmarkt lauten so ziemlich überein- stimmend; in Breslau haben sich Nachfrage und Umsätze gehoben und erreichten die letzteren die Höhe von 2000 Ctr.; auch schenkt das Ausland dem Breslauer Platze wieder mehr Beachtung, da fast die Hälfte des genannten Quantums, meist feinere Wollen, für Frankreich und England bezogen wurden; die Preise waren kaum verändert, im Ganzen jedoch sehr fest. -- Die Brünner Fabriken sind augenblicklich in voller Thätigkeit und entwickelt sich das dor- tige Geschäft in recht günstiger Weise, wohl auch in Aussicht einer überaus günstigen Ernte, von welcher im Allgemeinen nur noch zu wünschen, daß sie auch glücklich eingeheimst werde. -- Der Woll- markt war anhaltend fest und machte sich die Besserung auch in amerikanischer Baumwolle bemerkbar; erst in Folge der Nachrichten über neue englische Truppensendungen hielten die Käufer wieder zurück, doch blieben die Preise unverändert. -- Der einheimische Manufakturwaaren=Markt trug einen Feiertags=Charakter und erhob sich nicht über ein eigentliches Bedarfsgeschäft. Fremde Webstoffe blieben in sämmtlichen Gattungen leblos. -- Die Handelskammer zu Wiesbaden bringt einige bemerkenswerthe Mittheilungen über die Fabrikation chemischer Producte und Farbstoffe; so beschäftigte z. B. das Haus von Meister, Lucius & Brüning in Höchst a. M. in 1876 500 Arbeiter und verwendete 20 Damps- kessel mit zusammen 600 Pferdekraft. Der Kohlenconsum betrug 300,000 Ctr., der Verbrauch an Rohmaterialien 18,000 Ctr., Benzol und Naphta 14,000; Säuren 120,000 Ctr. und 75,000 Ctr. verschiedene Chemikalien. Es wurden von derselben Firma an fertigen Produkten versandt: 27,000 Ctr. Alizarin, welches 81,000 Ctr. bester aus Krapp erzeugter Garanzin oder 270,000 Ctr. bester Krappwurzel entspricht u. s. w. -- Die Erzeugung von Gelatine bildet bekanntlich eine Spezialität der Stadt Höchst a. M. und versenden die Häuser Fischer & Schmitt, sowie Ch. W. Heinrichs ihre Produkte zu einem Drittel innerhalb Deutschlands selbst und zwei Drittel in alle übrigen Länder Eu- ropa 's mit Ausnahme von Frankreich, dessen Concurrenz auf die Preise des deutschen Geschäftes andauernd einwirkte; auch im laufen- den Jahre ist von einer nachhaltigen Besserung nichts zu ver- spüren. -- Die Schuhfabriken Nord=Amerika's verbrauchen jährlich gegen 20,000 Alligatorhäute; früher kamen fast alle Häute aus Louisiana in New=Orleans, woselbst das Centrum für diesen be- deutenden Geschäftsbetrieb; gegenwärtig liefern die Sümpfe und Moräste Florida's die Ernte und Jacksonville in demselben Staate ist das Hauptdepot für die Waare. Ernteberichte: Die exportfähigen Getreidestaaten Europa's haben trotz der bedeutenden Ausfuhr Amerika's einen hervorragen- den Antheil an der Versorgung des europäischen Marktes mit Getreide zu erwarten, denn wenn auch bestimmt anzunehmen ist, daß der große Eisenbahn=Aufruhr bald ganz erstickt wird, so hat sich doch dadurch eine Verkehrsstörung ergeben, welche ihre Rück- wirkungen auf den amerikanischen Getreidehandel zweifellos üben wird und diese Verzögerung wird in erster Linie dem österreichisch- ungarischen Export zu statten kommen; vermag derselbe auch nicht solch' enorme Getreidemassen auf den Markt zu werfen wie die Vereinigten Staaten und Rußland, so kann gleichwohl Oesterreich- Ungarn aus der relativ früheren Reife seines Getreides einen wesentlichen Nutzen ziehen. Jn der That wird denn auch den neuesten Nachrichten zufolge der österreichische Getreideexport dem- nächst nach Süddeutschland und der Schweiz beginnen und bald größere Dimensionen annehmen, da sich die günstige Gestaltung des österreichischen Exportes durch die Sperre der russischen Häfen am schwarzen Meere, sowie die theilweise ungenügende Ernte Frank- reichs bedeutend erhöht. Oesterreich=Ungarn exportirte in sehr guten Jahren etwas über 20 Millionen Ctr. Getreide, somit für etwa 100 Millionen Gulden, für einen so kapitalarmen Staat eine recht ins Gewicht fallende Summe! -- Ueber das Totalergebniß der speziell deutschen Getreideernte läßt sich heute noch kein Urtheil abgeben, doch sind bis jetzt in den Gegenden, woselbst die Ernte größtentheils beendigt und unter Dach gebracht ist, die Preise noch nicht gesunken; es wird sich eben auch hier die Concurrenz des Marktes noch geltend machen müssen. -- Das Ergebniß der Kirschenernte im Bezirke Besigheim in Württemberg beträgt heuer 6000 Ctr. mit einem Ertrage von 52,000 M, überhaupt ist das Erträgniß an Obst ein reiches. -- Der Hopfenmarkt sieht nach dem reichlichen Regen gleichfalls einer guten Ernte ent- gegen, wenn derselbe auch eben nur von der Hand in den Mund lebt. Ueberhaupt bildet das laufende Geschäftsjahr einen schroffen Gegensatz zum vorjährigen, in welchem z. B. der Wochenumsatz des Nürnberger Marktes 700--1000 Ballen betrug; da aber bei Con- sumenten wie Händlern die Reste ganz geringe und mit Beginn der Ernte Bedarf und Einkauf größer und umfangreicher werden, so haben wir mit ziemlicher Gewißheit nach der jetzigen Ebbe auch die Fluth zu erwarten, indem die Berichte aus fast allen interessirten Bezirken, besonders Bayerns, nur Erfreuliches melden, desgleichen aus England und Amerika. * Landwirthschaftliches. Die landwirthschaftlichen Vereine Elsaß=Lothringens entwickeln eine erfreuliche Rührigkeit. Jn sämmtlichen Bezirken des Reichslandes fanden in den letzten Jahren landwirthschaftliche Ausstellungen statt und für diesen Herbst ward in Anbetracht der günstigen Ernteaussichten beschlossen, in Brümath eine Obstausstellung zu ver- anstalten. Mit dieser Landes = Spezialausstellung halten die land- wirthschaftlichen Vereine des Kreises Straßburg eine Ausstellung von landwirthschaftlichen und Gartenprodukten ab, zu welcher auch Maschinen und Geräthe zugelassen werden. -- Was die Landwirthe in Amerika für ihre Ver- einigungen thun. Die Granger zählten letzten November 761,262 Mitglieder in 24,290 Logen und Localvereinen. Jm Jahre 1876 erhielt die Central=Loge schon 216,381 Dollars an Eintrittsgeldern und erzielten dieselben eine Jahreseinnahme an Beiträgen von 1,600,000 Doll. Die Granger haben 20 Agen- turen, 5 Banken, wovon diejenige in San=Franzisco 5 Millionen Doll. Grundcapital besitzt; eingezahlt sind allerdings nur 500,000 Doll.; ferner besitzen die Granger fünf Dampferlinien in Be- trieb, 30 Manufakturen mit ca. 200--300,000 Doll. Capital, 56 Rhedereien, 32 Getreide=Elevatoren, 16 Mühlen, wovon eine allein 100 Ctr. Mehl täglich liefert, 22 Lagerhäuser; 3 Gerbereien und 6 große Schmiedewerkstätten. Die Gesellschaft ist weit ver-

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 1058. Frankfurt a. M., 11. August 1877, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber1058_1877/3>, abgerufen am 19.07.2024.