Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 9, St. 3. Berlin, 1792.
Nun hatte diese furchtbare Vorstellung so viel Eindruck auf ihn gemacht, daß er den ganzen Tag darauf mißmüthig war, und wie er mich versichert, war dieser Traum noch zwei Wochen nachher ihm beständig gegenwärtig, doch verlor er sich allmälig aus seinem Gedächtniß ganz und völlig. Eine geraume Zeit nachher traf es sich nun, daß dieser des Sonnabends in ein Kaffeehaus gehen wollte, als er hinkam, fand er die Thür der
Nun hatte diese furchtbare Vorstellung so viel Eindruck auf ihn gemacht, daß er den ganzen Tag darauf mißmuͤthig war, und wie er mich versichert, war dieser Traum noch zwei Wochen nachher ihm bestaͤndig gegenwaͤrtig, doch verlor er sich allmaͤlig aus seinem Gedaͤchtniß ganz und voͤllig. Eine geraume Zeit nachher traf es sich nun, daß dieser des Sonnabends in ein Kaffeehaus gehen wollte, als er hinkam, fand er die Thuͤr der <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0112" n="112"/><lb/> verschlossen. Da er nun sehr stark angepocht haͤtte, waͤre ihm die Thuͤre aufgemacht worden; er gienge also hinein, faͤnde einige beim Spiele sitzen, mit welchen er sich in Gespraͤch einließe, welches aber sich endlich in einen Wortwechsel verwandelte, bei welcher Gelegenheit einer von den Spielenden sich einiger anzuͤglicher Worte gegen ihn bedient haͤtte, woruͤber er in solche Wuth gerathen waͤre, daß er sogleich nach einem Stuhle gegriffen, und seinen Gegener damit auf den Kopf geschlagen haͤtte, daß dieser sobald zur Erde gefallen und auf der Stelle todt geblieben waͤre. Hierauf haͤtte man ihn als Moͤrder in Verhaft genommen, ihn sehr genau bewacht, und strenge mit ihm verfahren, und endlich ihn zum Tode verurtheilet. Hier wurde der Traum unterbrochen, denn mein Freund erwachte, und da es just seine gewoͤhnliche Zeit zum Aufstehn war, verließ er auch zugleich das Bett. </p> <p>Nun hatte diese furchtbare Vorstellung so viel Eindruck auf ihn gemacht, daß er den ganzen Tag darauf mißmuͤthig war, und wie er mich versichert, war dieser Traum noch zwei Wochen nachher ihm bestaͤndig gegenwaͤrtig, doch verlor er sich allmaͤlig aus seinem Gedaͤchtniß ganz und voͤllig. </p> <p>Eine geraume Zeit nachher traf es sich nun, daß dieser des Sonnabends in ein Kaffeehaus gehen wollte, als er hinkam, fand er die Thuͤr der<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [112/0112]
verschlossen. Da er nun sehr stark angepocht haͤtte, waͤre ihm die Thuͤre aufgemacht worden; er gienge also hinein, faͤnde einige beim Spiele sitzen, mit welchen er sich in Gespraͤch einließe, welches aber sich endlich in einen Wortwechsel verwandelte, bei welcher Gelegenheit einer von den Spielenden sich einiger anzuͤglicher Worte gegen ihn bedient haͤtte, woruͤber er in solche Wuth gerathen waͤre, daß er sogleich nach einem Stuhle gegriffen, und seinen Gegener damit auf den Kopf geschlagen haͤtte, daß dieser sobald zur Erde gefallen und auf der Stelle todt geblieben waͤre. Hierauf haͤtte man ihn als Moͤrder in Verhaft genommen, ihn sehr genau bewacht, und strenge mit ihm verfahren, und endlich ihn zum Tode verurtheilet. Hier wurde der Traum unterbrochen, denn mein Freund erwachte, und da es just seine gewoͤhnliche Zeit zum Aufstehn war, verließ er auch zugleich das Bett.
Nun hatte diese furchtbare Vorstellung so viel Eindruck auf ihn gemacht, daß er den ganzen Tag darauf mißmuͤthig war, und wie er mich versichert, war dieser Traum noch zwei Wochen nachher ihm bestaͤndig gegenwaͤrtig, doch verlor er sich allmaͤlig aus seinem Gedaͤchtniß ganz und voͤllig.
Eine geraume Zeit nachher traf es sich nun, daß dieser des Sonnabends in ein Kaffeehaus gehen wollte, als er hinkam, fand er die Thuͤr der
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