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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788.

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lich eine sanfte Helle im Zimmer. Auf den Sterbenden machte dies den glücklichen Eindruck, daß er sich einbildete, ihm sey die göttliche Gnade erschienen, und er werde selig werden. Jm Entzücken darüber starb er. --

Theokles.

Wir sind von unserm Zwecke abgekommen. Es ist freilich wenig, was der Mensch von dem Zustande jenseit des Grabes weiß, aber aus dem Wenigen lassen sich doch einige fruchtbare Folgerungen ziehen.

Damas.

Und was wären das für welche?

Theokles.

Erstlich. Die Denkkraft strebt hienieden nach Erkenntniß des Wahren, Guten und Schönen; das wird sie auch jenseit des Grabes thun.

Zweitens. Je mehr einer hienieden seine Denkkraft geübt, und je besser er sie angewandt hat, auf einer desto höhern Stufe der Vollkommenheit und Glückseligkeit wird er nach dem Tode stehn.

Drittens. Je reiner, je edler, je erhabner die Vorstellungen sind, die ein Mensch hier im Leben eingesammelt hat, desto schönre Früchte werden sie ihm nach dem Tode bringen.



lich eine sanfte Helle im Zimmer. Auf den Sterbenden machte dies den gluͤcklichen Eindruck, daß er sich einbildete, ihm sey die goͤttliche Gnade erschienen, und er werde selig werden. Jm Entzuͤcken daruͤber starb er. —

Theokles.

Wir sind von unserm Zwecke abgekommen. Es ist freilich wenig, was der Mensch von dem Zustande jenseit des Grabes weiß, aber aus dem Wenigen lassen sich doch einige fruchtbare Folgerungen ziehen.

Damas.

Und was waͤren das fuͤr welche?

Theokles.

Erstlich. Die Denkkraft strebt hienieden nach Erkenntniß des Wahren, Guten und Schoͤnen; das wird sie auch jenseit des Grabes thun.

Zweitens. Je mehr einer hienieden seine Denkkraft geuͤbt, und je besser er sie angewandt hat, auf einer desto hoͤhern Stufe der Vollkommenheit und Gluͤckseligkeit wird er nach dem Tode stehn.

Drittens. Je reiner, je edler, je erhabner die Vorstellungen sind, die ein Mensch hier im Leben eingesammelt hat, desto schoͤnre Fruͤchte werden sie ihm nach dem Tode bringen.


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[48/0048] lich eine sanfte Helle im Zimmer. Auf den Sterbenden machte dies den gluͤcklichen Eindruck, daß er sich einbildete, ihm sey die goͤttliche Gnade erschienen, und er werde selig werden. Jm Entzuͤcken daruͤber starb er. — Theokles. Wir sind von unserm Zwecke abgekommen. Es ist freilich wenig, was der Mensch von dem Zustande jenseit des Grabes weiß, aber aus dem Wenigen lassen sich doch einige fruchtbare Folgerungen ziehen. Damas. Und was waͤren das fuͤr welche? Theokles. Erstlich. Die Denkkraft strebt hienieden nach Erkenntniß des Wahren, Guten und Schoͤnen; das wird sie auch jenseit des Grabes thun. Zweitens. Je mehr einer hienieden seine Denkkraft geuͤbt, und je besser er sie angewandt hat, auf einer desto hoͤhern Stufe der Vollkommenheit und Gluͤckseligkeit wird er nach dem Tode stehn. Drittens. Je reiner, je edler, je erhabner die Vorstellungen sind, die ein Mensch hier im Leben eingesammelt hat, desto schoͤnre Fruͤchte werden sie ihm nach dem Tode bringen.

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0602_1788/48>, abgerufen am 17.04.2024.