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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 5, St. 2. Berlin, 1787.

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kraft gegründet sind, und wider die Art und Weise streiten,wie ich nach den Anordnungen der Natur Begriffe in mir aufnehme, und, so lange ich nach eben diesen Anordnungen der Natur nicht einem ewigen Wirrwarr meiner Vorstellungen unterworfen seyn soll, in mir aufnehmen muß.

Und endlich, woran soll ich denn diese neuen durch die Gottheit in mir gewürkte Begriffe und Gefühle erkennen?

a) Jn der unerwarteten Schnelligkeit, mit welcher sie, ohne in einem vorhergehenden Seelenzustande zu liegen, entstehen? Nimmermehr! die bloße Schnelligkeit einer Jdee, eines Gefühls kann kein Beweis ihres göttlichen Ursprungs seyn. -- Alsdann müßten unseremeisten Vorstellungen und Gefühle einen göttlichen Ursprung haben, und die lebhaften, schnellen Empfindungen der einfältigsten Schwärmer wären denn am ersten die Kinder einer göttlichen Kraft. Aber wer will nun auch bestimmen, daß, und ob eine solche lebhafte schnelle Jdee nicht in einem vorhergehenden Seelenzustande gegründet gewesen sey? Wer vermag alle die innern Veranlassungen unserer Denkkraft, unserer dunkeln Gefühle, unserer Organisation anzugeben, welche auf eine geheime Art bei solchen Vorstellungen, aber auf eine sehr natürliche Weise gewürkt haben, die in keiner der vorhergehenden Modificationen unseres Geistes gegründet zu seyn schienen, -- und wer kann es denn läugnen,


kraft gegruͤndet sind, und wider die Art und Weise streiten,wie ich nach den Anordnungen der Natur Begriffe in mir aufnehme, und, so lange ich nach eben diesen Anordnungen der Natur nicht einem ewigen Wirrwarr meiner Vorstellungen unterworfen seyn soll, in mir aufnehmen muß.

Und endlich, woran soll ich denn diese neuen durch die Gottheit in mir gewuͤrkte Begriffe und Gefuͤhle erkennen?

a) Jn der unerwarteten Schnelligkeit, mit welcher sie, ohne in einem vorhergehenden Seelenzustande zu liegen, entstehen? Nimmermehr! die bloße Schnelligkeit einer Jdee, eines Gefuͤhls kann kein Beweis ihres goͤttlichen Ursprungs seyn. — Alsdann muͤßten unseremeisten Vorstellungen und Gefuͤhle einen goͤttlichen Ursprung haben, und die lebhaften, schnellen Empfindungen der einfaͤltigsten Schwaͤrmer waͤren denn am ersten die Kinder einer goͤttlichen Kraft. Aber wer will nun auch bestimmen, daß, und ob eine solche lebhafte schnelle Jdee nicht in einem vorhergehenden Seelenzustande gegruͤndet gewesen sey? Wer vermag alle die innern Veranlassungen unserer Denkkraft, unserer dunkeln Gefuͤhle, unserer Organisation anzugeben, welche auf eine geheime Art bei solchen Vorstellungen, aber auf eine sehr natuͤrliche Weise gewuͤrkt haben, die in keiner der vorhergehenden Modificationen unseres Geistes gegruͤndet zu seyn schienen, — und wer kann es denn laͤugnen,

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[11/0011] kraft gegruͤndet sind, und wider die Art und Weise streiten,wie ich nach den Anordnungen der Natur Begriffe in mir aufnehme, und, so lange ich nach eben diesen Anordnungen der Natur nicht einem ewigen Wirrwarr meiner Vorstellungen unterworfen seyn soll, in mir aufnehmen muß. Und endlich, woran soll ich denn diese neuen durch die Gottheit in mir gewuͤrkte Begriffe und Gefuͤhle erkennen? a) Jn der unerwarteten Schnelligkeit, mit welcher sie, ohne in einem vorhergehenden Seelenzustande zu liegen, entstehen? Nimmermehr! die bloße Schnelligkeit einer Jdee, eines Gefuͤhls kann kein Beweis ihres goͤttlichen Ursprungs seyn. — Alsdann muͤßten unseremeisten Vorstellungen und Gefuͤhle einen goͤttlichen Ursprung haben, und die lebhaften, schnellen Empfindungen der einfaͤltigsten Schwaͤrmer waͤren denn am ersten die Kinder einer goͤttlichen Kraft. Aber wer will nun auch bestimmen, daß, und ob eine solche lebhafte schnelle Jdee nicht in einem vorhergehenden Seelenzustande gegruͤndet gewesen sey? Wer vermag alle die innern Veranlassungen unserer Denkkraft, unserer dunkeln Gefuͤhle, unserer Organisation anzugeben, welche auf eine geheime Art bei solchen Vorstellungen, aber auf eine sehr natuͤrliche Weise gewuͤrkt haben, die in keiner der vorhergehenden Modificationen unseres Geistes gegruͤndet zu seyn schienen, — und wer kann es denn laͤugnen,

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 5, St. 2. Berlin, 1787, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0502_1787/11>, abgerufen am 02.03.2024.