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Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 3: Von Sullas Tode bis zur Schlacht von Thapsus. Leipzig, 1856.

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LEPIDUS UND SERTORIUS.
hervorrief, hatte für dieselbe heilsame Folgen. Marcus Perpenna,
der bis dahin als Sertorius im Range gleich auf ein selbststän-
diges Commando über die von ihm aus Ligurien mitgebrachte
Mannschaft Anspruch gemacht hatte, wurde auf die Nachricht von
Pompeius Eintreffen in Spanien von seinen Soldaten genöthigt
sich unter die Befehle seines fähigeren Collegen zu stellen. Für den
Feldzug des J. 678 verwandte Sertorius gegen Metellus wieder das
Corps des Hirtuleius, während Perpenna mit einem starken Heer
am unteren Laufe des Ebro sich aufstellte, um Pompeius, wenn er,
Metellus die Hand zu reichen, in südlicher Richtung und, der Ver-
pflegung seiner Truppen wegen an der Küste entlang, marschiren
würde, den Uebergang über den Ebro zu wehren. Zu Perpennas
Unterstützung diente zunächst das Corps des Gaius Herennius,
sodann weiter landeinwärts Sertorius selbst, der am oberen Ebro
vorläufig die Unterwerfung einzelner römisch gesinnter Districte
nachholte und zugleich sich dort bereit hielt nach den Umstän-
den Perpenna oder Hirtuleius zu Hülfe zu eilen. Auch diesmal
war seine Absicht jeder Hauptschlacht auszuweichen und den
Feind durch kleine Kämpfe und Abschneiden der Zufuhr aufzu-
reiben. Indess Pompeius erzwang nicht bloss gegen Perpenna
den Uebergang über den Ebro, sondern schlug auch bei Valentia
(Valencia) den Herennius vollständig aufs Haupt und bemäch-
tigte sich dieser wichtigen Stadt. Es war Zeit, dass Sertorius sel-
ber erschien und die Ueberlegenheit seiner Truppenzahl und
seines Genies gegen die grössere Tüchtigkeit der römischen Sol-
daten in die Wagschale warf. Um die Stadt Lauro (am Xucar
südlich von Valencia), die sich für Pompeius erklärt hatte und
desshalb von Sertorius belagert ward, concentrirte der Kampf sich
längere Zeit. Pompeius strengte sich aufs Aeusserste an sie zu
entsetzen; allein nachdem vorher ihm mehrere Abtheilungen ein-
zeln überfallen und zusammengehauen worden waren, sah sich
der grosse Kriegsmann, eben da er die Sertorianer umzingelt zu
haben meinte und schon die Belagerten eingeladen hatte dem Ab-
fangen der Belagerungsarmee zuzuschauen, plötzlich vollständig
ausmanövrirt und musste, um nicht selber umzingelt zu werden,
der Einnahme und Einäscherung der verbündeten Stadt und der
Abführung der Einwohner nach Lusitanien von seinem Lager aus
zuschauen -- ein Ereigniss, das eine Reihe schwankend gewor-
dener Städte im mittleren und östlichen Spanien wieder an
Sertorius festzuhalten bestimmte. Glücklicher focht inzwischen
Metellus. In einem heftigen Treffen bei Italica (unweit Sevilla),
das Hirtuleius unvorsichtig gewagt hatte und in dem beide Feld-

LEPIDUS UND SERTORIUS.
hervorrief, hatte für dieselbe heilsame Folgen. Marcus Perpenna,
der bis dahin als Sertorius im Range gleich auf ein selbststän-
diges Commando über die von ihm aus Ligurien mitgebrachte
Mannschaft Anspruch gemacht hatte, wurde auf die Nachricht von
Pompeius Eintreffen in Spanien von seinen Soldaten genöthigt
sich unter die Befehle seines fähigeren Collegen zu stellen. Für den
Feldzug des J. 678 verwandte Sertorius gegen Metellus wieder das
Corps des Hirtuleius, während Perpenna mit einem starken Heer
am unteren Laufe des Ebro sich aufstellte, um Pompeius, wenn er,
Metellus die Hand zu reichen, in südlicher Richtung und, der Ver-
pflegung seiner Truppen wegen an der Küste entlang, marschiren
würde, den Uebergang über den Ebro zu wehren. Zu Perpennas
Unterstützung diente zunächst das Corps des Gaius Herennius,
sodann weiter landeinwärts Sertorius selbst, der am oberen Ebro
vorläufig die Unterwerfung einzelner römisch gesinnter Districte
nachholte und zugleich sich dort bereit hielt nach den Umstän-
den Perpenna oder Hirtuleius zu Hülfe zu eilen. Auch diesmal
war seine Absicht jeder Hauptschlacht auszuweichen und den
Feind durch kleine Kämpfe und Abschneiden der Zufuhr aufzu-
reiben. Indeſs Pompeius erzwang nicht bloſs gegen Perpenna
den Uebergang über den Ebro, sondern schlug auch bei Valentia
(Valencia) den Herennius vollständig aufs Haupt und bemäch-
tigte sich dieser wichtigen Stadt. Es war Zeit, daſs Sertorius sel-
ber erschien und die Ueberlegenheit seiner Truppenzahl und
seines Genies gegen die gröſsere Tüchtigkeit der römischen Sol-
daten in die Wagschale warf. Um die Stadt Lauro (am Xucar
südlich von Valencia), die sich für Pompeius erklärt hatte und
deſshalb von Sertorius belagert ward, concentrirte der Kampf sich
längere Zeit. Pompeius strengte sich aufs Aeuſserste an sie zu
entsetzen; allein nachdem vorher ihm mehrere Abtheilungen ein-
zeln überfallen und zusammengehauen worden waren, sah sich
der groſse Kriegsmann, eben da er die Sertorianer umzingelt zu
haben meinte und schon die Belagerten eingeladen hatte dem Ab-
fangen der Belagerungsarmee zuzuschauen, plötzlich vollständig
ausmanövrirt und muſste, um nicht selber umzingelt zu werden,
der Einnahme und Einäscherung der verbündeten Stadt und der
Abführung der Einwohner nach Lusitanien von seinem Lager aus
zuschauen — ein Ereigniſs, das eine Reihe schwankend gewor-
dener Städte im mittleren und östlichen Spanien wieder an
Sertorius festzuhalten bestimmte. Glücklicher focht inzwischen
Metellus. In einem heftigen Treffen bei Italica (unweit Sevilla),
das Hirtuleius unvorsichtig gewagt hatte und in dem beide Feld-

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[25/0035] LEPIDUS UND SERTORIUS. hervorrief, hatte für dieselbe heilsame Folgen. Marcus Perpenna, der bis dahin als Sertorius im Range gleich auf ein selbststän- diges Commando über die von ihm aus Ligurien mitgebrachte Mannschaft Anspruch gemacht hatte, wurde auf die Nachricht von Pompeius Eintreffen in Spanien von seinen Soldaten genöthigt sich unter die Befehle seines fähigeren Collegen zu stellen. Für den Feldzug des J. 678 verwandte Sertorius gegen Metellus wieder das Corps des Hirtuleius, während Perpenna mit einem starken Heer am unteren Laufe des Ebro sich aufstellte, um Pompeius, wenn er, Metellus die Hand zu reichen, in südlicher Richtung und, der Ver- pflegung seiner Truppen wegen an der Küste entlang, marschiren würde, den Uebergang über den Ebro zu wehren. Zu Perpennas Unterstützung diente zunächst das Corps des Gaius Herennius, sodann weiter landeinwärts Sertorius selbst, der am oberen Ebro vorläufig die Unterwerfung einzelner römisch gesinnter Districte nachholte und zugleich sich dort bereit hielt nach den Umstän- den Perpenna oder Hirtuleius zu Hülfe zu eilen. Auch diesmal war seine Absicht jeder Hauptschlacht auszuweichen und den Feind durch kleine Kämpfe und Abschneiden der Zufuhr aufzu- reiben. Indeſs Pompeius erzwang nicht bloſs gegen Perpenna den Uebergang über den Ebro, sondern schlug auch bei Valentia (Valencia) den Herennius vollständig aufs Haupt und bemäch- tigte sich dieser wichtigen Stadt. Es war Zeit, daſs Sertorius sel- ber erschien und die Ueberlegenheit seiner Truppenzahl und seines Genies gegen die gröſsere Tüchtigkeit der römischen Sol- daten in die Wagschale warf. Um die Stadt Lauro (am Xucar südlich von Valencia), die sich für Pompeius erklärt hatte und deſshalb von Sertorius belagert ward, concentrirte der Kampf sich längere Zeit. Pompeius strengte sich aufs Aeuſserste an sie zu entsetzen; allein nachdem vorher ihm mehrere Abtheilungen ein- zeln überfallen und zusammengehauen worden waren, sah sich der groſse Kriegsmann, eben da er die Sertorianer umzingelt zu haben meinte und schon die Belagerten eingeladen hatte dem Ab- fangen der Belagerungsarmee zuzuschauen, plötzlich vollständig ausmanövrirt und muſste, um nicht selber umzingelt zu werden, der Einnahme und Einäscherung der verbündeten Stadt und der Abführung der Einwohner nach Lusitanien von seinem Lager aus zuschauen — ein Ereigniſs, das eine Reihe schwankend gewor- dener Städte im mittleren und östlichen Spanien wieder an Sertorius festzuhalten bestimmte. Glücklicher focht inzwischen Metellus. In einem heftigen Treffen bei Italica (unweit Sevilla), das Hirtuleius unvorsichtig gewagt hatte und in dem beide Feld-

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Zitationshilfe: Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 3: Von Sullas Tode bis zur Schlacht von Thapsus. Leipzig, 1856, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/mommsen_roemische03_1856/35>, abgerufen am 15.04.2024.