Menger, Carl: Die Irrthümer des Historismus in der deutschen Nationalökonomie. Wien, 1884."Rarus.... ferme sensus communis in illa fortuna." So denken Sie. Nun hören wir aber, was Schmoller selbst Wissenschaften von der Volkswirthschaft in dem Verhältnisse speciellerer Theile einer allgemeinen theoretischen Nationalökonomie denkt. Schmoller übersieht hierbei, dass praktische Wissenschaften nie in diesem Verhältnisse zu theoretischen stehen können, vielmehr sowohl die theoreti- schen, als auch die praktischen Wissenschaften allgemeine und specielle Theile haben. So wenig die chemische Technologie ein specieller oder "detaillirterer" Theil der Chemie, die Therapie ein specieller Theil der Physiologie ist, so wenig vermag man die praktischen Wissenschaften von der Volks- wirthschaft als specielle Theile einer allgemeinen National- ökonomie zu bezeichnen. In Wahrheit hat vielmehr die Volkswirthschaftspolitik ebensowohl einen allgemeinen und einen speciellen Theil, wie die theoretische Nationalökonomie. Das Gleiche gilt von der Finanzwissenschaft. (Vgl. meine "Untersuchungen" S. 247.) *) "Der Streit, ob wir es (in der politischen Oekonomie)
"mit einer "Science" oder einer "Art" zu thun haben, ist "dahin geschlichtet, dass Beides vorliege: eine reine Theorie "als Grundwissenschaft und eine Kunstlehre als angewandte "Wissenschaft, wenngleich freilich die methodologischen "Consequenzen, welche diese Verschiedenartigkeit der beiden "Theile des Gesammt-Wissensgebietes nach sich zieht, "erst neuerdings in Erinnerung gebracht werden mussten." E. Sax: Das Wesen und die Aufgaben der Nationalökonomie. 1884. S. 21 ff. Wenn Sax jedoch meint, dass über den „Rarus.... ferme sensus communis in illa fortuna.“ So denken Sie. Nun hören wir aber, was Schmoller selbst Wissenschaften von der Volkswirthschaft in dem Verhältnisse speciellerer Theile einer allgemeinen theoretischen Nationalökonomie denkt. Schmoller übersieht hierbei, dass praktische Wissenschaften nie in diesem Verhältnisse zu theoretischen stehen können, vielmehr sowohl die theoreti- schen, als auch die praktischen Wissenschaften allgemeine und specielle Theile haben. So wenig die chemische Technologie ein specieller oder „detaillirterer“ Theil der Chemie, die Therapie ein specieller Theil der Physiologie ist, so wenig vermag man die praktischen Wissenschaften von der Volks- wirthschaft als specielle Theile einer allgemeinen National- ökonomie zu bezeichnen. In Wahrheit hat vielmehr die Volkswirthschaftspolitik ebensowohl einen allgemeinen und einen speciellen Theil, wie die theoretische Nationalökonomie. Das Gleiche gilt von der Finanzwissenschaft. (Vgl. meine „Untersuchungen“ S. 247.) *) „Der Streit, ob wir es (in der politischen Oekonomie)
„mit einer „Science“ oder einer „Art“ zu thun haben, ist „dahin geschlichtet, dass Beides vorliege: eine reine Theorie „als Grundwissenschaft und eine Kunstlehre als angewandte „Wissenschaft, wenngleich freilich die methodologischen „Consequenzen, welche diese Verschiedenartigkeit der beiden „Theile des Gesammt-Wissensgebietes nach sich zieht, „erst neuerdings in Erinnerung gebracht werden mussten.“ E. Sax: Das Wesen und die Aufgaben der Nationalökonomie. 1884. S. 21 ff. Wenn Sax jedoch meint, dass über den <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0085" n="69"/> <p> <hi rendition="#i">„Rarus.... ferme sensus communis in illa fortuna.“</hi> </p><lb/> <p>So denken <hi rendition="#g">Sie</hi>.</p><lb/> <p>Nun hören wir aber, was <hi rendition="#g">Schmoller</hi> selbst<lb/> hierüber denkt: „Wer auf diesem Standpunkte steht<lb/> — ruft er triumphirend aus — für den sind die<lb/> methodologischen Unterschiede in der Behandlung<lb/> der theoretischen und praktischen Nationalökonomie<lb/> nur graduelle, keine fundamentalen, wie für Menger.<lb/> Wer so denkt und lehrt, der kann es auch nicht für<lb/> das schlimmste wissenschaftliche Verbrechen ansehen,<lb/> die Methode der theoretischen und praktischen National-<lb/> ökonomie vermischt zu haben. <note xml:id="seg2pn_6_1" next="#seg2pn_6_2" place="foot" n="*)">„Der Streit, ob wir es (in der politischen Oekonomie)<lb/> „mit einer „<hi rendition="#g">Science</hi>“ oder einer „<hi rendition="#g">Art</hi>“ zu thun haben, ist<lb/> „dahin geschlichtet, dass Beides vorliege: eine reine Theorie<lb/> „als Grundwissenschaft und eine Kunstlehre als angewandte<lb/> „Wissenschaft, wenngleich freilich die methodologischen<lb/> „Consequenzen, welche diese Verschiedenartigkeit der beiden<lb/> „Theile des Gesammt-Wissensgebietes nach sich zieht,<lb/> „erst neuerdings in Erinnerung gebracht werden mussten.“<lb/> E. <hi rendition="#g">Sax</hi>: Das Wesen und die Aufgaben der Nationalökonomie.<lb/> 1884. S. 21 ff. Wenn <hi rendition="#g">Sax</hi> jedoch meint, dass über den</note></p><lb/> <p> <note xml:id="seg2pn_5_2" prev="#seg2pn_5_1" place="foot" n="*)">Wissenschaften von der Volkswirthschaft in dem Verhältnisse<lb/><hi rendition="#g">speciellerer</hi> Theile einer <hi rendition="#g">allgemeinen</hi> theoretischen<lb/> Nationalökonomie denkt. <hi rendition="#g">Schmoller</hi> übersieht hierbei, dass<lb/><hi rendition="#g">praktische</hi> Wissenschaften nie in diesem Verhältnisse zu<lb/><hi rendition="#g">theoretischen</hi> stehen können, vielmehr sowohl die theoreti-<lb/> schen, als auch die praktischen Wissenschaften allgemeine <hi rendition="#g">und</hi><lb/> specielle Theile haben. So wenig die chemische Technologie<lb/> ein specieller oder „detaillirterer“ Theil der Chemie, die<lb/> Therapie ein specieller Theil der Physiologie ist, so wenig<lb/> vermag man die praktischen Wissenschaften von der Volks-<lb/> wirthschaft als specielle Theile einer allgemeinen National-<lb/> ökonomie zu bezeichnen. In Wahrheit hat vielmehr die<lb/> Volkswirthschaftspolitik ebensowohl einen allgemeinen <hi rendition="#g">und</hi><lb/> einen speciellen Theil, wie die theoretische Nationalökonomie.<lb/> Das Gleiche gilt von der Finanzwissenschaft. (Vgl. <hi rendition="#g">meine</hi><lb/> „Untersuchungen“ S. 247.)</note> </p><lb/> </div> </body> </text> </TEI> [69/0085]
„Rarus.... ferme sensus communis in illa fortuna.“
So denken Sie.
Nun hören wir aber, was Schmoller selbst
hierüber denkt: „Wer auf diesem Standpunkte steht
— ruft er triumphirend aus — für den sind die
methodologischen Unterschiede in der Behandlung
der theoretischen und praktischen Nationalökonomie
nur graduelle, keine fundamentalen, wie für Menger.
Wer so denkt und lehrt, der kann es auch nicht für
das schlimmste wissenschaftliche Verbrechen ansehen,
die Methode der theoretischen und praktischen National-
ökonomie vermischt zu haben. *)
*)
*) „Der Streit, ob wir es (in der politischen Oekonomie)
„mit einer „Science“ oder einer „Art“ zu thun haben, ist
„dahin geschlichtet, dass Beides vorliege: eine reine Theorie
„als Grundwissenschaft und eine Kunstlehre als angewandte
„Wissenschaft, wenngleich freilich die methodologischen
„Consequenzen, welche diese Verschiedenartigkeit der beiden
„Theile des Gesammt-Wissensgebietes nach sich zieht,
„erst neuerdings in Erinnerung gebracht werden mussten.“
E. Sax: Das Wesen und die Aufgaben der Nationalökonomie.
1884. S. 21 ff. Wenn Sax jedoch meint, dass über den
*) Wissenschaften von der Volkswirthschaft in dem Verhältnisse
speciellerer Theile einer allgemeinen theoretischen
Nationalökonomie denkt. Schmoller übersieht hierbei, dass
praktische Wissenschaften nie in diesem Verhältnisse zu
theoretischen stehen können, vielmehr sowohl die theoreti-
schen, als auch die praktischen Wissenschaften allgemeine und
specielle Theile haben. So wenig die chemische Technologie
ein specieller oder „detaillirterer“ Theil der Chemie, die
Therapie ein specieller Theil der Physiologie ist, so wenig
vermag man die praktischen Wissenschaften von der Volks-
wirthschaft als specielle Theile einer allgemeinen National-
ökonomie zu bezeichnen. In Wahrheit hat vielmehr die
Volkswirthschaftspolitik ebensowohl einen allgemeinen und
einen speciellen Theil, wie die theoretische Nationalökonomie.
Das Gleiche gilt von der Finanzwissenschaft. (Vgl. meine
„Untersuchungen“ S. 247.)
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |