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Marperger, Paul Jacob: Beschreibung der Banqven. Halle (Saale) u. a., 1717.

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Von denen Banquen insgemein.
einer profitablen Handlung/ Gewerckschafft/ Societät/ oder Funda-
tion
werden will.

Weil demnach obbemeldte Jtaliänische Negociantes grosse Ne-
gocia
auf Asien und folglich auch in Europa hatten/ dannenhero auch
diejenige/ (welche etwan Geld an einen solchen Ausländischen weit ent-
legenen Ort zur Ranzion gefangener Christen/ Besuchung heiliger Län-
der/ Ausrüstung ihrer Schiffe/ Besoldung der Kriegs-Völcker/ Er-
kauff der Waaren/ oder andern Gebrauch nöthig hatten) mit gültigen
Wechseln und Assignationibus versehen kunten; Als wurden hernach
von diesen reichen Negocianten und Banchieren alle diejenige/ die son-
derlich das Wechsel-Negocium trieben/ Banchieri genannt.

Wie es aber im gemeinen Sprichwort heisset: Negatum est sum-
mis stare diu,
wann etwas aufs höchste gekommen ist/ so pflegt es ge-
meiniglich wieder zu fallen; Also gieng es auch hin und wieder mit die-
sen Privat-Banchieren in Jtalien/ daß sie/ weil sie etwan zu viel ban-
quet
iret/ oder auch ohne Verstand gehandelt/ oder See- und andern
Schaden/ schuldig- oder unschuldiger Weise erlitten/ endlich sich un-
sichtbar machen/ und/ weil sie ihren Creditoribus nicht gerecht werden
kunten/ das Thor suchen musten. Welches man hernach banquero-
t
iren hieß/ als wolte man sagen/ dieses oder jenes seine Geld- oder
Wechsel-Banck ist zerbrochen/ und die darinn vorhanden gewesene fet-
te Vögel oder schwere Geld-Säcke seynd ausgeflogen/ abiit, excessit,
evasit, ERVPIT,
der Vogel selbst/ der sich mit ander Leut Federn/
das ist/ mit frembden Deposito- und anvertrauten Geldern geschmü-
cket/ ist ausgeflogen/ und hat bey Zeiten den Bauer/ oder die Ring-
Mauer/ in welchem er eingeschlossen gewesen/ zu überfliegen und das
freye Feld zu suchen gewust/ ehe man ihn enger zu verwahren Anlaß und
Gelegenheit gehabt.

Diesem Unwesen nun vorzukommen/ sonderlich da es sich sehr
häuffete/ kam man endlich auf den Vorschlag/ dergleichen Deposito-
Banquen
(in welche diejenige/ die ihr Geld gern sicher/ auch gegen et-
was Zinse/ belegen wolten/ Gelegenheit haben möchten) publica Au-
thoritate,
und unter der Städte Garantie auffzurichten/ die von Pri-
vatis
eigenmächtig angerichtete Lombards-Lehn- und Deposito-Ban-
quen
aber zu verbieten/ wodurch hernachmahls der Grund zu denen
grossen Lehn-Deposito- und Giro-Banquen geleget worden/ welche

wir
B 2

Von denen Banquen insgemein.
einer profitablen Handlung/ Gewerckſchafft/ Societaͤt/ oder Funda-
tion
werden will.

Weil demnach obbemeldte Jtaliaͤniſche Negociantes groſſe Ne-
gocia
auf Aſien und folglich auch in Europa hatten/ dannenhero auch
diejenige/ (welche etwan Geld an einen ſolchen Auslaͤndiſchen weit ent-
legenen Ort zur Ranzion gefangener Chriſten/ Beſuchung heiliger Laͤn-
der/ Ausruͤſtung ihrer Schiffe/ Beſoldung der Kriegs-Voͤlcker/ Er-
kauff der Waaren/ oder andern Gebrauch noͤthig hatten) mit guͤltigen
Wechſeln und Aſſignationibus verſehen kunten; Als wurden hernach
von dieſen reichen Negocianten und Banchieren alle diejenige/ die ſon-
derlich das Wechſel-Negocium trieben/ Banchieri genannt.

Wie es aber im gemeinen Sprichwort heiſſet: Negatum eſt ſum-
mis ſtare diu,
wann etwas aufs hoͤchſte gekommen iſt/ ſo pflegt es ge-
meiniglich wieder zu fallen; Alſo gieng es auch hin und wieder mit die-
ſen Privat-Banchieren in Jtalien/ daß ſie/ weil ſie etwan zu viel ban-
quet
iret/ oder auch ohne Verſtand gehandelt/ oder See- und andern
Schaden/ ſchuldig- oder unſchuldiger Weiſe erlitten/ endlich ſich un-
ſichtbar machen/ und/ weil ſie ihren Creditoribus nicht gerecht werden
kunten/ das Thor ſuchen muſten. Welches man hernach banquero-
t
iren hieß/ als wolte man ſagen/ dieſes oder jenes ſeine Geld- oder
Wechſel-Banck iſt zerbrochen/ und die darinn vorhanden geweſene fet-
te Voͤgel oder ſchwere Geld-Saͤcke ſeynd ausgeflogen/ abiit, exceſſit,
evaſit, ERVPIT,
der Vogel ſelbſt/ der ſich mit ander Leut Federn/
das iſt/ mit frembden Depoſito- und anvertrauten Geldern geſchmuͤ-
cket/ iſt ausgeflogen/ und hat bey Zeiten den Bauer/ oder die Ring-
Mauer/ in welchem er eingeſchloſſen geweſen/ zu uͤberfliegen und das
freye Feld zu ſuchen gewuſt/ ehe man ihn enger zu verwahren Anlaß und
Gelegenheit gehabt.

Dieſem Unweſen nun vorzukommen/ ſonderlich da es ſich ſehr
haͤuffete/ kam man endlich auf den Vorſchlag/ dergleichen Depoſito-
Banquen
(in welche diejenige/ die ihr Geld gern ſicher/ auch gegen et-
was Zinſe/ belegen wolten/ Gelegenheit haben moͤchten) publica Au-
thoritate,
und unter der Staͤdte Garantie auffzurichten/ die von Pri-
vatis
eigenmaͤchtig angerichtete Lombards-Lehn- und Depoſito-Ban-
quen
aber zu verbieten/ wodurch hernachmahls der Grund zu denen
groſſen Lehn-Depoſito- und Giro-Banquen geleget worden/ welche

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[11/0031] Von denen Banquen insgemein. einer profitablen Handlung/ Gewerckſchafft/ Societaͤt/ oder Funda- tion werden will. Weil demnach obbemeldte Jtaliaͤniſche Negociantes groſſe Ne- gocia auf Aſien und folglich auch in Europa hatten/ dannenhero auch diejenige/ (welche etwan Geld an einen ſolchen Auslaͤndiſchen weit ent- legenen Ort zur Ranzion gefangener Chriſten/ Beſuchung heiliger Laͤn- der/ Ausruͤſtung ihrer Schiffe/ Beſoldung der Kriegs-Voͤlcker/ Er- kauff der Waaren/ oder andern Gebrauch noͤthig hatten) mit guͤltigen Wechſeln und Aſſignationibus verſehen kunten; Als wurden hernach von dieſen reichen Negocianten und Banchieren alle diejenige/ die ſon- derlich das Wechſel-Negocium trieben/ Banchieri genannt. Wie es aber im gemeinen Sprichwort heiſſet: Negatum eſt ſum- mis ſtare diu, wann etwas aufs hoͤchſte gekommen iſt/ ſo pflegt es ge- meiniglich wieder zu fallen; Alſo gieng es auch hin und wieder mit die- ſen Privat-Banchieren in Jtalien/ daß ſie/ weil ſie etwan zu viel ban- quetiret/ oder auch ohne Verſtand gehandelt/ oder See- und andern Schaden/ ſchuldig- oder unſchuldiger Weiſe erlitten/ endlich ſich un- ſichtbar machen/ und/ weil ſie ihren Creditoribus nicht gerecht werden kunten/ das Thor ſuchen muſten. Welches man hernach banquero- tiren hieß/ als wolte man ſagen/ dieſes oder jenes ſeine Geld- oder Wechſel-Banck iſt zerbrochen/ und die darinn vorhanden geweſene fet- te Voͤgel oder ſchwere Geld-Saͤcke ſeynd ausgeflogen/ abiit, exceſſit, evaſit, ERVPIT, der Vogel ſelbſt/ der ſich mit ander Leut Federn/ das iſt/ mit frembden Depoſito- und anvertrauten Geldern geſchmuͤ- cket/ iſt ausgeflogen/ und hat bey Zeiten den Bauer/ oder die Ring- Mauer/ in welchem er eingeſchloſſen geweſen/ zu uͤberfliegen und das freye Feld zu ſuchen gewuſt/ ehe man ihn enger zu verwahren Anlaß und Gelegenheit gehabt. Dieſem Unweſen nun vorzukommen/ ſonderlich da es ſich ſehr haͤuffete/ kam man endlich auf den Vorſchlag/ dergleichen Depoſito- Banquen (in welche diejenige/ die ihr Geld gern ſicher/ auch gegen et- was Zinſe/ belegen wolten/ Gelegenheit haben moͤchten) publica Au- thoritate, und unter der Staͤdte Garantie auffzurichten/ die von Pri- vatis eigenmaͤchtig angerichtete Lombards-Lehn- und Depoſito-Ban- quen aber zu verbieten/ wodurch hernachmahls der Grund zu denen groſſen Lehn-Depoſito- und Giro-Banquen geleget worden/ welche wir B 2

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Zitationshilfe: Marperger, Paul Jacob: Beschreibung der Banqven. Halle (Saale) u. a., 1717, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marperger_banqven_1717/31>, abgerufen am 19.04.2024.