Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.

Bild:
<< vorherige Seite

Gottes! Wie gar vnbegreifflich seynd deine Gerichte / vnd vnerforschlich deine Wege! Niemand kan jhn tadeln in seinen Gerichten / denn wer hat deß HERRN Sinn erkant? vnd wer kans sagen / warumb GOtt diß oder jenes so oder so geschicket hat? Niemand mag jhn meistern in seinen Wercken / vnd sprechen: Warumb thut er doch also? Denn wer ist sein Rathgeber gewesen? Wer darff sich vnterstehen / dem allerweisesten GOtt etwas zu rathen? Niemand darff sich beklagen / es geschehe jhm vnrecht / denn wer hat jhm etwas zuvor gegeben / das jhm wieder werde vergolten? In Summa / seine Wege seynd gerecht / weiß / herrlich vnd vnaußforschlich / denn auß jhm / durch jhn vnd zu seinen Ehren gehet alle Ding; Ihm sey Ehr in Ewigkeit.

Usus confistit 1. In consideratione viarum Domini. Ubi consideratur 1. Quae sint opera DEI admiranda.

Hie gewinnen wir Vrsach näher zu tretten / vnd absonderlich die vnerforschliche Wege der Weißheit Gottes zu bedencken / beydes an vns vnd vnseren neben Menschen: da werden wir sagen: O eine Tieffe!

Ich will hie nicht viel sagen von dem Werck der Erschaffung. Wir waren nichts / er aber hat vns lassen zusammen rinnen wie Milch / hat vnsere Gebeine zusammen geknüpffet / vnd sie mit Fleisch vnd Haut vmbkleidet / vnd durch seinen Willen haben wir den Odem. Da gibt der gütige GOtt nicht einem jeglichen einerley Sinn vnd Hertz. Dem einen bescheret er eine gute Seele / dem andern eine geringere. Da finden sich in der Natur deß Menschen vnterschiedliche Eigenschafften / vnterschiedliche Zuneigungen. Da solte man bereits viel finden / daß man muß vnerforschet lassen.

Ich will auch nicht viel sagen von dem Werck der Erlösung / über welchem sonsten die Engel sich nicht gnug verwundern können. Wer solte gemeynet haben / daß das der rechte Weg wäre / deß Teuffels Reich zu zerstören / wenn GOTT sich würde vom Teuffel peinigen / vnd vom Todt fressen lassen? Darauff hat kein Engel gedencken können / vnd hat jhnen gelüstet das hohe Geheimnüß anzusehen.

Gottes! Wie gar vnbegreifflich seynd deine Gerichte / vnd vnerforschlich deine Wege! Niemand kan jhn tadeln in seinen Gerichten / denn wer hat deß HERRN Sinn erkant? vnd wer kans sagen / warumb GOtt diß oder jenes so oder so geschicket hat? Niemand mag jhn meistern in seinen Wercken / vnd sprechen: Warumb thut er doch also? Denn wer ist sein Rathgeber gewesen? Wer darff sich vnterstehen / dem allerweisesten GOtt etwas zu rathen? Niemand darff sich beklagen / es geschehe jhm vnrecht / denn wer hat jhm etwas zuvor gegeben / das jhm wieder werde vergolten? In Summa / seine Wege seynd gerecht / weiß / herrlich vnd vnaußforschlich / denn auß jhm / durch jhn vnd zu seinen Ehren gehet alle Ding; Ihm sey Ehr in Ewigkeit.

Usus confistit 1. In consideratione viarum Domini. Ubi consideratur 1. Quae sint opera DEI admiranda.

Hie gewinnen wir Vrsach näher zu tretten / vnd absonderlich die vnerforschliche Wege der Weißheit Gottes zu bedencken / beydes an vns vnd vnseren neben Menschen: da werden wir sagen: O eine Tieffe!

Ich will hie nicht viel sagen von dem Werck der Erschaffung. Wir waren nichts / er aber hat vns lassen zusammen rinnen wie Milch / hat vnsere Gebeine zusammen geknüpffet / vnd sie mit Fleisch vnd Haut vmbkleidet / vnd durch seinen Willen haben wir den Odem. Da gibt der gütige GOtt nicht einem jeglichen einerley Sinn vnd Hertz. Dem einen bescheret er eine gute Seele / dem andern eine geringere. Da finden sich in der Natur deß Menschen vnterschiedliche Eigenschafften / vnterschiedliche Zuneigungen. Da solte man bereits viel finden / daß man muß vnerforschet lassen.

Ich will auch nicht viel sagen von dem Werck der Erlösung / über welchem sonsten die Engel sich nicht gnug verwundern können. Wer solte gemeynet haben / daß das der rechte Weg wäre / deß Teuffels Reich zu zerstören / wenn GOTT sich würde vom Teuffel peinigen / vnd vom Todt fressen lassen? Darauff hat kein Engel gedencken können / vnd hat jhnen gelüstet das hohe Geheimnüß anzusehen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0026" n="10"/>
Gottes! Wie gar                      vnbegreifflich seynd deine Gerichte / vnd vnerforschlich deine Wege! Niemand kan                      jhn tadeln in seinen Gerichten / denn wer hat deß HERRN Sinn erkant? vnd wer                      kans sagen / warumb GOtt diß oder jenes so oder so geschicket hat? Niemand mag                      jhn meistern in seinen Wercken / vnd sprechen: Warumb thut er doch also? Denn                      wer ist sein Rathgeber gewesen? Wer darff sich vnterstehen / dem allerweisesten                      GOtt etwas zu rathen? Niemand darff sich beklagen / es geschehe jhm vnrecht /                      denn wer hat jhm etwas zuvor gegeben / das jhm wieder werde vergolten? In Summa                      / seine Wege seynd gerecht / weiß / herrlich vnd vnaußforschlich / denn auß jhm                      / durch jhn vnd zu seinen Ehren gehet alle Ding; Ihm sey Ehr in Ewigkeit.</p>
        <note place="left">Usus confistit 1. In consideratione viarum Domini. Ubi                      consideratur 1. Quae sint opera DEI admiranda.</note>
        <p>Hie gewinnen wir Vrsach näher zu tretten / vnd absonderlich die vnerforschliche                      Wege der Weißheit Gottes zu bedencken / beydes an vns vnd vnseren neben                      Menschen: da werden wir sagen: O eine Tieffe!</p>
        <p>Ich will hie nicht viel sagen von dem Werck der Erschaffung. Wir waren nichts /                      er aber hat vns lassen zusammen rinnen wie Milch / hat vnsere Gebeine zusammen                      geknüpffet / vnd sie mit Fleisch vnd Haut vmbkleidet / vnd durch seinen Willen                      haben wir den Odem. Da gibt der gütige GOtt nicht einem jeglichen einerley Sinn                      vnd Hertz. Dem einen bescheret er eine gute Seele / dem andern eine geringere.                      Da finden sich in der Natur deß Menschen vnterschiedliche Eigenschafften /                      vnterschiedliche Zuneigungen. Da solte man bereits viel finden / daß man muß                      vnerforschet lassen.</p>
        <p>Ich will auch nicht viel sagen von dem Werck der Erlösung / über welchem sonsten                      die Engel sich nicht gnug verwundern können. Wer solte gemeynet haben / daß das                      der rechte Weg wäre / deß Teuffels Reich zu zerstören / wenn GOTT sich würde vom                      Teuffel peinigen / vnd vom Todt fressen lassen? Darauff hat kein Engel gedencken                      können / vnd hat jhnen gelüstet das hohe Geheimnüß anzusehen.</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[10/0026] Gottes! Wie gar vnbegreifflich seynd deine Gerichte / vnd vnerforschlich deine Wege! Niemand kan jhn tadeln in seinen Gerichten / denn wer hat deß HERRN Sinn erkant? vnd wer kans sagen / warumb GOtt diß oder jenes so oder so geschicket hat? Niemand mag jhn meistern in seinen Wercken / vnd sprechen: Warumb thut er doch also? Denn wer ist sein Rathgeber gewesen? Wer darff sich vnterstehen / dem allerweisesten GOtt etwas zu rathen? Niemand darff sich beklagen / es geschehe jhm vnrecht / denn wer hat jhm etwas zuvor gegeben / das jhm wieder werde vergolten? In Summa / seine Wege seynd gerecht / weiß / herrlich vnd vnaußforschlich / denn auß jhm / durch jhn vnd zu seinen Ehren gehet alle Ding; Ihm sey Ehr in Ewigkeit. Hie gewinnen wir Vrsach näher zu tretten / vnd absonderlich die vnerforschliche Wege der Weißheit Gottes zu bedencken / beydes an vns vnd vnseren neben Menschen: da werden wir sagen: O eine Tieffe! Ich will hie nicht viel sagen von dem Werck der Erschaffung. Wir waren nichts / er aber hat vns lassen zusammen rinnen wie Milch / hat vnsere Gebeine zusammen geknüpffet / vnd sie mit Fleisch vnd Haut vmbkleidet / vnd durch seinen Willen haben wir den Odem. Da gibt der gütige GOtt nicht einem jeglichen einerley Sinn vnd Hertz. Dem einen bescheret er eine gute Seele / dem andern eine geringere. Da finden sich in der Natur deß Menschen vnterschiedliche Eigenschafften / vnterschiedliche Zuneigungen. Da solte man bereits viel finden / daß man muß vnerforschet lassen. Ich will auch nicht viel sagen von dem Werck der Erlösung / über welchem sonsten die Engel sich nicht gnug verwundern können. Wer solte gemeynet haben / daß das der rechte Weg wäre / deß Teuffels Reich zu zerstören / wenn GOTT sich würde vom Teuffel peinigen / vnd vom Todt fressen lassen? Darauff hat kein Engel gedencken können / vnd hat jhnen gelüstet das hohe Geheimnüß anzusehen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/26
Zitationshilfe: Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/26>, abgerufen am 14.05.2021.