Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Liscow, Christian Ludwig]: Samlung Satyrischer und Ernsthafter Schriften. Frankfurt u. a., 1739.

Bild:
<< vorherige Seite

(o)
sicht gar nicht war, dem Hrn. M. Sie-
vers meinen rechten Nahmen zu sagen,
so borgte ich so lange einen fremden, und
Herr Lucas Hermann Backmeister,
ein gelehrter Candidatus Ministerii, der
sich durch seinen stillen und unschuldigen
Wandel, durch seine sittsahmen Geberden,
und durch die besondere Höflicheit seiner
Sitten, von vielen seines gleichen, auf ei-
ne ihm sehr vortheilhafte Art, unterschei-
det, muste den seinigen hergeben.

Jch war genöthiget, zu einem Candi-
dato Ministerii
meine Zuflucht zu nehmen,
weil ich mich auf dem Titel meiner An-
merckungen über die Geschichte von der
Zerstörung der Stadt Jerusalem vor einen
Candidatum Ministerii ausgegeben hatte,
und glaubte nicht, daß man mir dieses ü-
bel deuten würde; zumahl, da ich die
Bescheidenheit gebrauchte, mich nur bloß
der stummen Buchstaben des Nahmens
das Hrn. Backmeisters zu bedienen, auf
welche ich eben so viel Recht zu haben ver-
meinte, als dieser ehrliche Mann, ohne
mich an den Laut-Buchstaben desselben,
die doch die Seele eines Nahmens sind, und
ohne welche die stummen Buchstaben nichts
bedeuten, im geringsten zu vergreifen. Al-

lein

(o)
ſicht gar nicht war, dem Hrn. M. Sie-
vers meinen rechten Nahmen zu ſagen,
ſo borgte ich ſo lange einen fremden, und
Herr Lucas Hermann Backmeiſter,
ein gelehrter Candidatus Miniſterii, der
ſich durch ſeinen ſtillen und unſchuldigen
Wandel, durch ſeine ſittſahmen Geberden,
und durch die beſondere Hoͤflicheit ſeiner
Sitten, von vielen ſeines gleichen, auf ei-
ne ihm ſehr vortheilhafte Art, unterſchei-
det, muſte den ſeinigen hergeben.

Jch war genoͤthiget, zu einem Candi-
dato Miniſterii
meine Zuflucht zu nehmen,
weil ich mich auf dem Titel meiner An-
merckungen uͤber die Geſchichte von der
Zerſtoͤrung der Stadt Jeruſalem vor einen
Candidatum Miniſterii ausgegeben hatte,
und glaubte nicht, daß man mir dieſes uͤ-
bel deuten wuͤrde; zumahl, da ich die
Beſcheidenheit gebrauchte, mich nur bloß
der ſtummen Buchſtaben des Nahmens
das Hrn. Backmeiſters zu bedienen, auf
welche ich eben ſo viel Recht zu haben ver-
meinte, als dieſer ehrliche Mann, ohne
mich an den Laut-Buchſtaben deſſelben,
die doch die Seele eines Nahmens ſind, und
ohne welche die ſtummen Buchſtaben nichts
bedeuten, im geringſten zu vergreifen. Al-

lein
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="preface" n="1">
        <p><pb facs="#f0020" n="16"/><fw place="top" type="header">(<hi rendition="#aq">o</hi>)</fw><lb/>
&#x017F;icht gar nicht war, dem Hrn. M. Sie-<lb/>
vers meinen rechten Nahmen zu &#x017F;agen,<lb/>
&#x017F;o borgte ich &#x017F;o lange einen fremden, und<lb/>
Herr <hi rendition="#fr">Lucas Hermann Backmei&#x017F;ter,</hi><lb/>
ein gelehrter <hi rendition="#aq">Candidatus Mini&#x017F;terii,</hi> der<lb/>
&#x017F;ich durch &#x017F;einen &#x017F;tillen und un&#x017F;chuldigen<lb/>
Wandel, durch &#x017F;eine &#x017F;itt&#x017F;ahmen Geberden,<lb/>
und durch die be&#x017F;ondere Ho&#x0364;flicheit &#x017F;einer<lb/>
Sitten, von vielen &#x017F;eines gleichen, auf ei-<lb/>
ne ihm &#x017F;ehr vortheilhafte Art, unter&#x017F;chei-<lb/>
det, mu&#x017F;te den &#x017F;einigen hergeben.</p><lb/>
        <p>Jch war geno&#x0364;thiget, zu einem <hi rendition="#aq">Candi-<lb/>
dato Mini&#x017F;terii</hi> meine Zuflucht zu nehmen,<lb/>
weil ich mich auf dem Titel meiner An-<lb/>
merckungen u&#x0364;ber die Ge&#x017F;chichte von der<lb/>
Zer&#x017F;to&#x0364;rung der Stadt Jeru&#x017F;alem vor einen<lb/><hi rendition="#aq">Candidatum Mini&#x017F;terii</hi> ausgegeben hatte,<lb/>
und glaubte nicht, daß man mir die&#x017F;es u&#x0364;-<lb/>
bel deuten wu&#x0364;rde; zumahl, da ich die<lb/>
Be&#x017F;cheidenheit gebrauchte, mich nur bloß<lb/>
der &#x017F;tummen Buch&#x017F;taben des Nahmens<lb/>
das Hrn. <hi rendition="#fr">Backmei&#x017F;ters</hi> zu bedienen, auf<lb/>
welche ich eben &#x017F;o viel Recht zu haben ver-<lb/>
meinte, als die&#x017F;er ehrliche Mann, ohne<lb/>
mich an den Laut-Buch&#x017F;taben de&#x017F;&#x017F;elben,<lb/>
die doch die Seele eines Nahmens &#x017F;ind, und<lb/>
ohne welche die &#x017F;tummen Buch&#x017F;taben nichts<lb/>
bedeuten, im gering&#x017F;ten zu vergreifen. Al-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">lein</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[16/0020] (o) ſicht gar nicht war, dem Hrn. M. Sie- vers meinen rechten Nahmen zu ſagen, ſo borgte ich ſo lange einen fremden, und Herr Lucas Hermann Backmeiſter, ein gelehrter Candidatus Miniſterii, der ſich durch ſeinen ſtillen und unſchuldigen Wandel, durch ſeine ſittſahmen Geberden, und durch die beſondere Hoͤflicheit ſeiner Sitten, von vielen ſeines gleichen, auf ei- ne ihm ſehr vortheilhafte Art, unterſchei- det, muſte den ſeinigen hergeben. Jch war genoͤthiget, zu einem Candi- dato Miniſterii meine Zuflucht zu nehmen, weil ich mich auf dem Titel meiner An- merckungen uͤber die Geſchichte von der Zerſtoͤrung der Stadt Jeruſalem vor einen Candidatum Miniſterii ausgegeben hatte, und glaubte nicht, daß man mir dieſes uͤ- bel deuten wuͤrde; zumahl, da ich die Beſcheidenheit gebrauchte, mich nur bloß der ſtummen Buchſtaben des Nahmens das Hrn. Backmeiſters zu bedienen, auf welche ich eben ſo viel Recht zu haben ver- meinte, als dieſer ehrliche Mann, ohne mich an den Laut-Buchſtaben deſſelben, die doch die Seele eines Nahmens ſind, und ohne welche die ſtummen Buchſtaben nichts bedeuten, im geringſten zu vergreifen. Al- lein

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Die Verlagsangabe wurde ermittelt (vgl. http://op… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/liscow_samlung_1739
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/liscow_samlung_1739/20
Zitationshilfe: [Liscow, Christian Ludwig]: Samlung Satyrischer und Ernsthafter Schriften. Frankfurt u. a., 1739, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/liscow_samlung_1739/20>, abgerufen am 12.05.2021.