Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorrede des Uebersetzers.
mir angebracht, die mit einem *) Sternchen bezeichnet sind.
Die eigenen Namen der Dörfer auszuforschen, war um die
Geographie ein so schlechtes Verdienst, als es um die Gena-
logie
seyn dürfte, wenn jemand die Namen der Bauerältesten
und ihre heutigen Nachkömlinge in Tabellen bringen wolte.
So geht es auch mit der Materie von dem Ursprung der Völ-
ker, der Liven, Letten und Esthen; dabey es mir rathsa-
mer geschienen, lieber mit einem so grossen Mann, wie Herr
Gruber ist, zu schweigen, als mit andern seichte Muthmas-
sungen und ungewisse Einfälle nachzubeten. Dabey lasse doch
ausser der kleinen Dissertation des Herrn Hermelins de ori-
gine Liuonum,
auch des Herrn Fridrich Menius ungedruck-
tes Syntagma historicum de origine Liuonorum, Dorpati. 1632
in seinen Würden, worinne dieser fleißige Mann manches in
Wahrscheinlichkeit setzet, und woraus gewiß was angeführet
hätte, wenn nicht die vielen Schreibfehler den Sinn und Zu-
sammenhang dieser sonst artigen Schrift mir verworren, von
der mir gerne eine richtigere Abschrift wünschte.

Des Mauritius Brandis, Secretarien der Ritter-
schaft des Fürstenthums Esthen, Liefländische Geschichte
1626, und des Fürstlichen Curländischen Superintendenten,
Paul Einhorns, Beschreibung der Lettischen Nation 1649,
sind beyde nur in Manuscript, und in alten Zeiten ohne Licht,
dabey aber doch die Urheber, auf welche sich die folgenden Scri-
benten in vielen Stücken bezogen haben.

Des Thomas Hiärne Esth- Lief- und Lettländische
Geschichte, die beynahe aus zweyhundert Bogen bestehen, sind
noch die volständigsten, weil der Verfasser aus unserm Manu-
script einen ziemlich weitläuftigen Auszug gemacht. Es nimt
sich diese Schrift durch gar feine Urtheile aus, zumal in Sa-
chen, worauf Herr Hiärne sich verstanden. Bey der Arbeit
aber an den Materien, die das Gruberische Werk enthält,
ist leicht zu ersehen, daß ihm die Einsicht gefehlet, den rechten
Nutzen davon zu erkennen, und er daher den Kern oftmals lie-
gen gelassen; welches diesem sonst sehr brauchbaren Scribenten
freylich nicht zu verübeln stehet.

Der
d

Vorrede des Ueberſetzers.
mir angebracht, die mit einem *) Sternchen bezeichnet ſind.
Die eigenen Namen der Doͤrfer auszuforſchen, war um die
Geographie ein ſo ſchlechtes Verdienſt, als es um die Gena-
logie
ſeyn duͤrfte, wenn jemand die Namen der Baueraͤlteſten
und ihre heutigen Nachkoͤmlinge in Tabellen bringen wolte.
So geht es auch mit der Materie von dem Urſprung der Voͤl-
ker, der Liven, Letten und Eſthen; dabey es mir rathſa-
mer geſchienen, lieber mit einem ſo groſſen Mann, wie Herr
Gruber iſt, zu ſchweigen, als mit andern ſeichte Muthmaſ-
ſungen und ungewiſſe Einfaͤlle nachzubeten. Dabey laſſe doch
auſſer der kleinen Diſſertation des Herrn Hermelins de ori-
gine Liuonum,
auch des Herrn Fridrich Menius ungedruck-
tes Syntagma hiſtoricum de origine Liuonorum, Dorpati. 1632
in ſeinen Wuͤrden, worinne dieſer fleißige Mann manches in
Wahrſcheinlichkeit ſetzet, und woraus gewiß was angefuͤhret
haͤtte, wenn nicht die vielen Schreibfehler den Sinn und Zu-
ſammenhang dieſer ſonſt artigen Schrift mir verworren, von
der mir gerne eine richtigere Abſchrift wuͤnſchte.

Des Mauritius Brandis, Secretarien der Ritter-
ſchaft des Fuͤrſtenthums Eſthen, Lieflaͤndiſche Geſchichte
1626, und des Fuͤrſtlichen Curlaͤndiſchen Superintendenten,
Paul Einhorns, Beſchreibung der Lettiſchen Nation 1649,
ſind beyde nur in Manuſcript, und in alten Zeiten ohne Licht,
dabey aber doch die Urheber, auf welche ſich die folgenden Scri-
benten in vielen Stuͤcken bezogen haben.

Des Thomas Hiaͤrne Eſth- Lief- und Lettlaͤndiſche
Geſchichte, die beynahe aus zweyhundert Bogen beſtehen, ſind
noch die volſtaͤndigſten, weil der Verfaſſer aus unſerm Manu-
ſcript einen ziemlich weitlaͤuftigen Auszug gemacht. Es nimt
ſich dieſe Schrift durch gar feine Urtheile aus, zumal in Sa-
chen, worauf Herr Hiaͤrne ſich verſtanden. Bey der Arbeit
aber an den Materien, die das Gruberiſche Werk enthaͤlt,
iſt leicht zu erſehen, daß ihm die Einſicht gefehlet, den rechten
Nutzen davon zu erkennen, und er daher den Kern oftmals lie-
gen gelaſſen; welches dieſem ſonſt ſehr brauchbaren Scribenten
freylich nicht zu veruͤbeln ſtehet.

Der
d
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0013"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vorrede des Ueber&#x017F;etzers.</hi></fw><lb/>
mir angebracht, die mit einem *) Sternchen bezeichnet &#x017F;ind.<lb/>
Die eigenen Namen der Do&#x0364;rfer auszufor&#x017F;chen, war um die<lb/><hi rendition="#fr">Geographie</hi> ein &#x017F;o &#x017F;chlechtes Verdien&#x017F;t, als es um die <hi rendition="#fr">Gena-<lb/>
logie</hi> &#x017F;eyn du&#x0364;rfte, wenn jemand die Namen der Bauera&#x0364;lte&#x017F;ten<lb/>
und ihre heutigen Nachko&#x0364;mlinge in Tabellen bringen wolte.<lb/>
So geht es auch mit der Materie von dem Ur&#x017F;prung der Vo&#x0364;l-<lb/>
ker, der <hi rendition="#fr">Liven, Letten</hi> und <hi rendition="#fr">E&#x017F;then;</hi> dabey es mir rath&#x017F;a-<lb/>
mer ge&#x017F;chienen, lieber mit einem &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;en Mann, wie Herr<lb/><hi rendition="#fr">Gruber</hi> i&#x017F;t, zu &#x017F;chweigen, als mit andern &#x017F;eichte Muthma&#x017F;-<lb/>
&#x017F;ungen und ungewi&#x017F;&#x017F;e Einfa&#x0364;lle nachzubeten. Dabey la&#x017F;&#x017F;e doch<lb/>
au&#x017F;&#x017F;er der kleinen Di&#x017F;&#x017F;ertation des Herrn <hi rendition="#fr">Hermelins</hi> <hi rendition="#aq">de ori-<lb/>
gine <hi rendition="#i">Liuonum</hi>,</hi> auch des Herrn <hi rendition="#fr">Fridrich Menius</hi> ungedruck-<lb/>
tes <hi rendition="#aq">Syntagma hi&#x017F;toricum de origine <hi rendition="#i">Liuonorum, Dorpati.</hi></hi> 1632<lb/>
in &#x017F;einen Wu&#x0364;rden, worinne die&#x017F;er fleißige Mann manches in<lb/>
Wahr&#x017F;cheinlichkeit &#x017F;etzet, und woraus gewiß was angefu&#x0364;hret<lb/>
ha&#x0364;tte, wenn nicht die vielen Schreibfehler den Sinn und Zu-<lb/>
&#x017F;ammenhang die&#x017F;er &#x017F;on&#x017F;t artigen Schrift mir verworren, von<lb/>
der mir gerne eine richtigere Ab&#x017F;chrift wu&#x0364;n&#x017F;chte.</p><lb/>
        <p>Des <hi rendition="#fr">Mauritius Brandis,</hi> Secretarien der Ritter-<lb/>
&#x017F;chaft des Fu&#x0364;r&#x017F;tenthums <hi rendition="#fr">E&#x017F;then, Liefla&#x0364;ndi&#x017F;che Ge&#x017F;chichte</hi><lb/>
1626, und des Fu&#x0364;r&#x017F;tlichen <hi rendition="#fr">Curla&#x0364;ndi&#x017F;chen</hi> Superintendenten,<lb/><hi rendition="#fr">Paul Einhorns,</hi> Be&#x017F;chreibung der <hi rendition="#fr">Letti&#x017F;chen</hi> Nation 1649,<lb/>
&#x017F;ind beyde nur in Manu&#x017F;cript, und in alten Zeiten ohne Licht,<lb/>
dabey aber doch die Urheber, auf welche &#x017F;ich die folgenden Scri-<lb/>
benten in vielen Stu&#x0364;cken bezogen haben.</p><lb/>
        <p>Des <hi rendition="#fr">Thomas Hia&#x0364;rne E&#x017F;th- Lief-</hi> und <hi rendition="#fr">Lettla&#x0364;ndi&#x017F;che</hi><lb/>
Ge&#x017F;chichte, die beynahe aus zweyhundert Bogen be&#x017F;tehen, &#x017F;ind<lb/>
noch die vol&#x017F;ta&#x0364;ndig&#x017F;ten, weil der Verfa&#x017F;&#x017F;er aus un&#x017F;erm Manu-<lb/>
&#x017F;cript einen ziemlich weitla&#x0364;uftigen Auszug gemacht. Es nimt<lb/>
&#x017F;ich die&#x017F;e Schrift durch gar feine Urtheile aus, zumal in Sa-<lb/>
chen, worauf Herr <hi rendition="#fr">Hia&#x0364;rne</hi> &#x017F;ich ver&#x017F;tanden. Bey der Arbeit<lb/>
aber an den Materien, die das <hi rendition="#fr">Gruberi&#x017F;che</hi> Werk entha&#x0364;lt,<lb/>
i&#x017F;t leicht zu er&#x017F;ehen, daß ihm die Ein&#x017F;icht gefehlet, den rechten<lb/>
Nutzen davon zu erkennen, und er daher den Kern oftmals lie-<lb/>
gen gela&#x017F;&#x017F;en; welches die&#x017F;em &#x017F;on&#x017F;t &#x017F;ehr brauchbaren Scribenten<lb/>
freylich nicht zu veru&#x0364;beln &#x017F;tehet.</p><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">d</fw>
        <fw place="bottom" type="catch">Der</fw><lb/>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0013] Vorrede des Ueberſetzers. mir angebracht, die mit einem *) Sternchen bezeichnet ſind. Die eigenen Namen der Doͤrfer auszuforſchen, war um die Geographie ein ſo ſchlechtes Verdienſt, als es um die Gena- logie ſeyn duͤrfte, wenn jemand die Namen der Baueraͤlteſten und ihre heutigen Nachkoͤmlinge in Tabellen bringen wolte. So geht es auch mit der Materie von dem Urſprung der Voͤl- ker, der Liven, Letten und Eſthen; dabey es mir rathſa- mer geſchienen, lieber mit einem ſo groſſen Mann, wie Herr Gruber iſt, zu ſchweigen, als mit andern ſeichte Muthmaſ- ſungen und ungewiſſe Einfaͤlle nachzubeten. Dabey laſſe doch auſſer der kleinen Diſſertation des Herrn Hermelins de ori- gine Liuonum, auch des Herrn Fridrich Menius ungedruck- tes Syntagma hiſtoricum de origine Liuonorum, Dorpati. 1632 in ſeinen Wuͤrden, worinne dieſer fleißige Mann manches in Wahrſcheinlichkeit ſetzet, und woraus gewiß was angefuͤhret haͤtte, wenn nicht die vielen Schreibfehler den Sinn und Zu- ſammenhang dieſer ſonſt artigen Schrift mir verworren, von der mir gerne eine richtigere Abſchrift wuͤnſchte. Des Mauritius Brandis, Secretarien der Ritter- ſchaft des Fuͤrſtenthums Eſthen, Lieflaͤndiſche Geſchichte 1626, und des Fuͤrſtlichen Curlaͤndiſchen Superintendenten, Paul Einhorns, Beſchreibung der Lettiſchen Nation 1649, ſind beyde nur in Manuſcript, und in alten Zeiten ohne Licht, dabey aber doch die Urheber, auf welche ſich die folgenden Scri- benten in vielen Stuͤcken bezogen haben. Des Thomas Hiaͤrne Eſth- Lief- und Lettlaͤndiſche Geſchichte, die beynahe aus zweyhundert Bogen beſtehen, ſind noch die volſtaͤndigſten, weil der Verfaſſer aus unſerm Manu- ſcript einen ziemlich weitlaͤuftigen Auszug gemacht. Es nimt ſich dieſe Schrift durch gar feine Urtheile aus, zumal in Sa- chen, worauf Herr Hiaͤrne ſich verſtanden. Bey der Arbeit aber an den Materien, die das Gruberiſche Werk enthaͤlt, iſt leicht zu erſehen, daß ihm die Einſicht gefehlet, den rechten Nutzen davon zu erkennen, und er daher den Kern oftmals lie- gen gelaſſen; welches dieſem ſonſt ſehr brauchbaren Scribenten freylich nicht zu veruͤbeln ſtehet. Der d

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/13
Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Erster Theil. Halle, 1747, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik01_1747/13>, abgerufen am 03.03.2024.