Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Berlin, 1779.

Bild:
<< vorherige Seite
Nathan.
Mein Kind! mein liebes Kind!
Recha.
Jhr mußtet über
Den Euphrat, Tygris, Jordan; über -- wer
Weiß was für Wasser all? -- Wie oft hab' ich
Um Euch gezittert, eh das Feuer mir
So nahe kam! Denn seit das Feuer mir
So nahe kam: dünkt mich im Wasser sterben
Erquickung, Labsal, Rettung. -- Doch Jhr seyd
Ja nicht ertrunken: ich, ich bin ja nicht
Verbrannt. Wie wollen wir uns freuen, und Gott
Gott loben! Er, er trug Euch und den Nachen
Auf Flügeln seiner unsichtbaren Engel
Die ungetreuen Ström' hinüber. Er,
Er winkte meinem Engel, daß er sichtbar
Auf seinem weißen Fittiche, mich durch
Das Feuer trüge --
Nathan.
(Weißem Fittiche!
Ja, ja! der weiße vorgespreitzte Mantel
Des Tempelherrn.)
Recha.
Er sichtbar, sichtbar mich
Durchs Feuer trüg', von seinem Fittiche
Verweht. -- Jch also, ich hab' einen Engel
Von
Nathan.
Mein Kind! mein liebes Kind!
Recha.
Jhr mußtet uͤber
Den Euphrat, Tygris, Jordan; uͤber — wer
Weiß was fuͤr Waſſer all? — Wie oft hab’ ich
Um Euch gezittert, eh das Feuer mir
So nahe kam! Denn ſeit das Feuer mir
So nahe kam: duͤnkt mich im Waſſer ſterben
Erquickung, Labſal, Rettung. — Doch Jhr ſeyd
Ja nicht ertrunken: ich, ich bin ja nicht
Verbrannt. Wie wollen wir uns freuen, und Gott
Gott loben! Er, er trug Euch und den Nachen
Auf Fluͤgeln ſeiner unſichtbaren Engel
Die ungetreuen Stroͤm’ hinuͤber. Er,
Er winkte meinem Engel, daß er ſichtbar
Auf ſeinem weißen Fittiche, mich durch
Das Feuer truͤge —
Nathan.
(Weißem Fittiche!
Ja, ja! der weiße vorgeſpreitzte Mantel
Des Tempelherrn.)
Recha.
Er ſichtbar, ſichtbar mich
Durchs Feuer truͤg’, von ſeinem Fittiche
Verweht. — Jch alſo, ich hab’ einen Engel
Von
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0020" n="12"/>
            <sp who="#NAT">
              <speaker> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">Nathan.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p>Mein Kind! mein liebes Kind!</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#REC">
              <speaker> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">Recha.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p><hi rendition="#et">Jhr mußtet u&#x0364;ber</hi><lb/>
Den Euphrat, Tygris, Jordan; u&#x0364;ber &#x2014; wer<lb/>
Weiß was fu&#x0364;r Wa&#x017F;&#x017F;er all? &#x2014; Wie oft hab&#x2019; ich<lb/>
Um Euch gezittert, eh das Feuer mir<lb/>
So nahe kam! Denn &#x017F;eit das Feuer mir<lb/>
So nahe kam: du&#x0364;nkt mich im Wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;terben<lb/>
Erquickung, Lab&#x017F;al, Rettung. &#x2014; Doch Jhr &#x017F;eyd<lb/>
Ja nicht ertrunken: ich, ich bin ja nicht<lb/>
Verbrannt. Wie wollen wir uns freuen, und Gott<lb/>
Gott loben! Er, er trug Euch und den Nachen<lb/>
Auf Flu&#x0364;geln &#x017F;einer <hi rendition="#g">un&#x017F;ichtbaren</hi> Engel<lb/>
Die ungetreuen Stro&#x0364;m&#x2019; hinu&#x0364;ber. Er,<lb/>
Er winkte meinem Engel, daß er <hi rendition="#g">&#x017F;ichtbar</hi><lb/>
Auf &#x017F;einem weißen Fittiche, mich durch<lb/>
Das Feuer tru&#x0364;ge &#x2014;</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#NAT">
              <speaker> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">Nathan.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p><hi rendition="#et">(Weißem Fittiche!</hi><lb/>
Ja, ja! der weiße vorge&#x017F;preitzte Mantel<lb/>
Des Tempelherrn.)</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#REC">
              <speaker> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#g">Recha.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p><hi rendition="#et">Er &#x017F;ichtbar, &#x017F;ichtbar mich</hi><lb/>
Durchs Feuer tru&#x0364;g&#x2019;, von &#x017F;einem Fittiche<lb/>
Verweht. &#x2014; Jch al&#x017F;o, ich hab&#x2019; einen Engel<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Von</fw><lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[12/0020] Nathan. Mein Kind! mein liebes Kind! Recha. Jhr mußtet uͤber Den Euphrat, Tygris, Jordan; uͤber — wer Weiß was fuͤr Waſſer all? — Wie oft hab’ ich Um Euch gezittert, eh das Feuer mir So nahe kam! Denn ſeit das Feuer mir So nahe kam: duͤnkt mich im Waſſer ſterben Erquickung, Labſal, Rettung. — Doch Jhr ſeyd Ja nicht ertrunken: ich, ich bin ja nicht Verbrannt. Wie wollen wir uns freuen, und Gott Gott loben! Er, er trug Euch und den Nachen Auf Fluͤgeln ſeiner unſichtbaren Engel Die ungetreuen Stroͤm’ hinuͤber. Er, Er winkte meinem Engel, daß er ſichtbar Auf ſeinem weißen Fittiche, mich durch Das Feuer truͤge — Nathan. (Weißem Fittiche! Ja, ja! der weiße vorgeſpreitzte Mantel Des Tempelherrn.) Recha. Er ſichtbar, ſichtbar mich Durchs Feuer truͤg’, von ſeinem Fittiche Verweht. — Jch alſo, ich hab’ einen Engel Von

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lessing_nathan_1779
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lessing_nathan_1779/20
Zitationshilfe: Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Berlin, 1779, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lessing_nathan_1779/20>, abgerufen am 07.05.2021.