Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 3. Halle, 1769.

Bild:
<< vorherige Seite
aus einer Abhandlung vom Sylbenmaasse.
Ae ge meg', Flöh er doch; Ei de sü, Flog in der; Too ke
tach', Zog sie sich; Tän de kat', Todt sie hat; Ae gar ap',
Wenn sie von; Hoi men ar, Sing ich, er; Kadd' ar' ep',
Stand er im; Hos rha t' ap', Wirf sie an. Doch, Minna,
Sie wollen wohl, daß ich hier aufhöre.
Minna. Nein, ganz und gar nicht. Jch mag wohl,
daß Sie bisweilen auch ein wenig umständlich mit unserm
Freunde Heiners reden.
Selmer. Uranu, eben dieß dorisch: Ooranoo, Wande-
rers, Ae epei, Ewigkeit; Eisetai, Antioi, Ek domu, Heiligung.
Minna. Die Sache ist doch wirklich mit der griechi-
schen Quantität viel anders, als ich sie mir bisher vorgestellt
hatte. Hören Sie, Heiners, ich habe Lust, Jhnen ganz leise
ins Ohr anzuvertrauen, daß viele von denen, die ich bisher
allerley von Homers Verse habe reden hören, vielleicht nicht
sehr bekannt mit demselben gewesen sind.
Heiners. Es mögen dieß wohl wenige Stellen seyn, die
Selmer zu seinem Vortheile ausgesucht hat.
Selmer. Schlagen Sie auf, wo Sie wollen, so werden
Sie finden, daß die angeführten langen Vocale und Diph-
thongen nicht allzuselten als kurz vorkommen.
Minna. Das müssen Sie wirklich thun. Da haben
Sie den Homer. Warum wollen Sie nicht?
Werthing. Jch will Jhnen die Mühe abnehmen.
Doch erst noch ein Wort mit Selmer. Homer ist mir zwar
eben nicht unbekannt; aber ich hatte doch die Daktylen, die
aus drey Worten bestehn, nicht so bemerkt. Blättern Sie
noch
* 4
aus einer Abhandlung vom Sylbenmaaſſe.
Ae ge meg’, Floͤh er doch; Ei de ſuͤ, Flog in der; Too ke
tach’, Zog ſie ſich; Taͤn de kat’, Todt ſie hat; Ae gar ap’,
Wenn ſie von; Hoi men ar, Sing ich, er; Kadd’ ar’ ep’,
Stand er im; Hos rha t’ ap’, Wirf ſie an. Doch, Minna,
Sie wollen wohl, daß ich hier aufhoͤre.
Minna. Nein, ganz und gar nicht. Jch mag wohl,
daß Sie bisweilen auch ein wenig umſtaͤndlich mit unſerm
Freunde Heiners reden.
Selmer. Uranu, eben dieß doriſch: Ooranoo, Wande-
rers, Ae epei, Ewigkeit; Eiſetai, Antioi, Ek domu, Heiligung.
Minna. Die Sache iſt doch wirklich mit der griechi-
ſchen Quantitaͤt viel anders, als ich ſie mir bisher vorgeſtellt
hatte. Hoͤren Sie, Heiners, ich habe Luſt, Jhnen ganz leiſe
ins Ohr anzuvertrauen, daß viele von denen, die ich bisher
allerley von Homers Verſe habe reden hoͤren, vielleicht nicht
ſehr bekannt mit demſelben geweſen ſind.
Heiners. Es moͤgen dieß wohl wenige Stellen ſeyn, die
Selmer zu ſeinem Vortheile ausgeſucht hat.
Selmer. Schlagen Sie auf, wo Sie wollen, ſo werden
Sie finden, daß die angefuͤhrten langen Vocale und Diph-
thongen nicht allzuſelten als kurz vorkommen.
Minna. Das muͤſſen Sie wirklich thun. Da haben
Sie den Homer. Warum wollen Sie nicht?
Werthing. Jch will Jhnen die Muͤhe abnehmen.
Doch erſt noch ein Wort mit Selmer. Homer iſt mir zwar
eben nicht unbekannt; aber ich hatte doch die Daktylen, die
aus drey Worten beſtehn, nicht ſo bemerkt. Blaͤttern Sie
noch
* 4
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="1">
        <sp>
          <pb facs="#f0007"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">aus einer Abhandlung vom Sylbenmaa&#x017F;&#x017F;e.</hi> </fw><lb/>
          <p>Ae ge meg&#x2019;, Flo&#x0364;h er doch; Ei de &#x017F;u&#x0364;, Flog in der; Too ke<lb/>
tach&#x2019;, Zog &#x017F;ie &#x017F;ich; Ta&#x0364;n de kat&#x2019;, Todt &#x017F;ie hat; Ae gar ap&#x2019;,<lb/>
Wenn &#x017F;ie von; Hoi men ar, Sing ich, er; Kadd&#x2019; ar&#x2019; ep&#x2019;,<lb/>
Stand er im; Hos rha t&#x2019; ap&#x2019;, Wirf &#x017F;ie an. Doch, Minna,<lb/>
Sie wollen wohl, daß ich hier aufho&#x0364;re.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Minna.</speaker>
          <p>Nein, ganz und gar nicht. Jch mag wohl,<lb/>
daß Sie bisweilen auch ein wenig um&#x017F;ta&#x0364;ndlich mit un&#x017F;erm<lb/>
Freunde Heiners reden.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Selmer.</speaker>
          <p>Uranu, eben dieß dori&#x017F;ch: Ooranoo, Wande-<lb/>
rers, Ae epei, Ewigkeit; Ei&#x017F;etai, Antioi, Ek domu, Heiligung.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Minna.</speaker>
          <p>Die Sache i&#x017F;t doch wirklich mit der griechi-<lb/>
&#x017F;chen Quantita&#x0364;t viel anders, als ich &#x017F;ie mir bisher vorge&#x017F;tellt<lb/>
hatte. Ho&#x0364;ren Sie, Heiners, ich habe Lu&#x017F;t, Jhnen ganz lei&#x017F;e<lb/>
ins Ohr anzuvertrauen, daß viele von denen, die ich bisher<lb/>
allerley von Homers Ver&#x017F;e habe reden ho&#x0364;ren, vielleicht nicht<lb/>
&#x017F;ehr bekannt mit dem&#x017F;elben gewe&#x017F;en &#x017F;ind.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Heiners.</speaker>
          <p>Es mo&#x0364;gen dieß wohl wenige Stellen &#x017F;eyn, die<lb/>
Selmer zu &#x017F;einem Vortheile ausge&#x017F;ucht hat.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Selmer.</speaker>
          <p>Schlagen Sie auf, wo Sie wollen, &#x017F;o werden<lb/>
Sie finden, daß die angefu&#x0364;hrten langen Vocale und Diph-<lb/>
thongen nicht allzu&#x017F;elten als kurz vorkommen.</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Minna.</speaker>
          <p>Das mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en Sie wirklich thun. Da haben<lb/>
Sie den Homer. Warum wollen Sie nicht?</p>
        </sp><lb/>
        <sp>
          <speaker>Werthing.</speaker>
          <p>Jch will Jhnen die Mu&#x0364;he abnehmen.<lb/>
Doch er&#x017F;t noch ein Wort mit Selmer. Homer i&#x017F;t mir zwar<lb/>
eben nicht unbekannt; aber ich hatte doch die Daktylen, die<lb/>
aus drey Worten be&#x017F;tehn, nicht &#x017F;o bemerkt. Bla&#x0364;ttern Sie<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">* 4</fw><fw place="bottom" type="catch">noch</fw><lb/></p>
        </sp>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0007] aus einer Abhandlung vom Sylbenmaaſſe. Ae ge meg’, Floͤh er doch; Ei de ſuͤ, Flog in der; Too ke tach’, Zog ſie ſich; Taͤn de kat’, Todt ſie hat; Ae gar ap’, Wenn ſie von; Hoi men ar, Sing ich, er; Kadd’ ar’ ep’, Stand er im; Hos rha t’ ap’, Wirf ſie an. Doch, Minna, Sie wollen wohl, daß ich hier aufhoͤre. Minna. Nein, ganz und gar nicht. Jch mag wohl, daß Sie bisweilen auch ein wenig umſtaͤndlich mit unſerm Freunde Heiners reden. Selmer. Uranu, eben dieß doriſch: Ooranoo, Wande- rers, Ae epei, Ewigkeit; Eiſetai, Antioi, Ek domu, Heiligung. Minna. Die Sache iſt doch wirklich mit der griechi- ſchen Quantitaͤt viel anders, als ich ſie mir bisher vorgeſtellt hatte. Hoͤren Sie, Heiners, ich habe Luſt, Jhnen ganz leiſe ins Ohr anzuvertrauen, daß viele von denen, die ich bisher allerley von Homers Verſe habe reden hoͤren, vielleicht nicht ſehr bekannt mit demſelben geweſen ſind. Heiners. Es moͤgen dieß wohl wenige Stellen ſeyn, die Selmer zu ſeinem Vortheile ausgeſucht hat. Selmer. Schlagen Sie auf, wo Sie wollen, ſo werden Sie finden, daß die angefuͤhrten langen Vocale und Diph- thongen nicht allzuſelten als kurz vorkommen. Minna. Das muͤſſen Sie wirklich thun. Da haben Sie den Homer. Warum wollen Sie nicht? Werthing. Jch will Jhnen die Muͤhe abnehmen. Doch erſt noch ein Wort mit Selmer. Homer iſt mir zwar eben nicht unbekannt; aber ich hatte doch die Daktylen, die aus drey Worten beſtehn, nicht ſo bemerkt. Blaͤttern Sie noch * 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769/7
Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 3. Halle, 1769, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769/7>, abgerufen am 14.05.2021.