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Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 7. Berlin, 1954.

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verjüngt. Wahrlich deine Kopf- und Augenleiden könnte ein halb
so starker Magnetisör als du in deiner Jugend gewesen wärest, heben,
oder doch mildern. Bitte deine guten Schwestern, die ich mit Liebe
grüße, daß sie dir zureden. Ach mit welcher Begeisterung und also
tausendfach stärkerer Eingreifung würde eine Hand -- meine gar5
vollends -- über ein so hohes und geistiges Angesicht wie deines
sich hinbewegen und deine Gifte aussaugen wie altdeutsche Weiber
ihren Männern.

Lasse mir doch ein Bischen antworten, geliebter Heinrich! Lebe
wol, wol, wol!10

Dein
alter
Jean Paul Fr. Richter
273. An Georg Reimer in Berlin.

Auf Ihre Antwort vom 18ten Febr. hätt' ich -- da ich alle Ihre
Wünsche erfülle -- längst geantwortet, wenn ich nicht erst meine
Gefühle bei der Stelle: "sollten wir uns nicht vereinigen, so werd'
"ich dem anderweitigen Druck oder wenigstens dem Vertrieb einer20
"neuen Auflage etc.etc. mit denjenigen Mitteln zu begegnen suchen etc.etc.etc."
hätte wollen erkalten lassen. Welcher Fürst könnte oder würde mir
10 oder 15 Bogen neuer Arbeit verbieten oder dem Publikum?
Ihre Entschädigung könnte er mir blos gebieten, wenn ich sie ver-
weigerte. Gesetzt, Sie wären nicht der Mann von Billigkeit, wofür25
ich und der allgemeine Ruf Sie anerkennen, so brauchten Sie ja nur
auf einer unveränderten Auflage oder auf unannehmlichen Bedin-
gungen zu bestehen: so wären mein Geist und meine Lesewelt unter
das merkantilische Interdikt eines Einzelnen gelegt.*) -- Auch ver-
mengen Sie in Ihrem Briefe Auflage mit Ausgabe. Pr[eußisches]30
Landr[echt] Th. 1. Tit. 11. § 1012: "Wenn aber eine Schrift in
verändertem Formate (was ich aber hier zu günstig für den Autor
finde) oder mit Veränderungen im Inhalte neu gedruckt wird,

*) Wie würde aber dieser Einzelne vor der Welt, die mich liebt, da-
stehen, wenn ich ihn mit seinem Interdikte hinstellte?35

verjüngt. Wahrlich deine Kopf- und Augenleiden könnte ein halb
ſo ſtarker Magnetiſör als du in deiner Jugend geweſen wäreſt, heben,
oder doch mildern. Bitte deine guten Schweſtern, die ich mit Liebe
grüße, daß ſie dir zureden. Ach mit welcher Begeiſterung und alſo
tauſendfach ſtärkerer Eingreifung würde eine Hand — meine gar5
vollends — über ein ſo hohes und geiſtiges Angeſicht wie deines
ſich hinbewegen und deine Gifte ausſaugen wie altdeutſche Weiber
ihren Männern.

Laſſe mir doch ein Bischen antworten, geliebter Heinrich! Lebe
wol, wol, wol!10

Dein
alter
Jean Paul Fr. Richter
273. An Georg Reimer in Berlin.

Auf Ihre Antwort vom 18ten Febr. hätt’ ich — da ich alle Ihre
Wünſche erfülle — längſt geantwortet, wenn ich nicht erſt meine
Gefühle bei der Stelle: „ſollten wir uns nicht vereinigen, ſo werd’
„ich dem anderweitigen Druck oder wenigſtens dem Vertrieb einer20
„neuen Auflage ꝛc.ꝛc. mit denjenigen Mitteln zu begegnen ſuchen ꝛc.ꝛc.ꝛc.“
hätte wollen erkalten laſſen. Welcher Fürſt könnte oder würde mir
10 oder 15 Bogen neuer Arbeit verbieten oder dem Publikum?
Ihre Entſchädigung könnte er mir blos gebieten, wenn ich ſie ver-
weigerte. Geſetzt, Sie wären nicht der Mann von Billigkeit, wofür25
ich und der allgemeine Ruf Sie anerkennen, ſo brauchten Sie ja nur
auf einer unveränderten Auflage oder auf unannehmlichen Bedin-
gungen zu beſtehen: ſo wären mein Geiſt und meine Leſewelt unter
das merkantiliſche Interdikt eines Einzelnen gelegt.*) — Auch ver-
mengen Sie in Ihrem Briefe Auflage mit Ausgabe. Pr[eußiſches]30
Landr[echt] Th. 1. Tit. 11. § 1012: „Wenn aber eine Schrift in
verändertem Formate (was ich aber hier zu günſtig für den Autor
finde) oder mit Veränderungen im Inhalte neu gedruckt wird,

*) Wie würde aber dieſer Einzelne vor der Welt, die mich liebt, da-
ſtehen, wenn ich ihn mit ſeinem Interdikte hinſtellte?35
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[108/0113] verjüngt. Wahrlich deine Kopf- und Augenleiden könnte ein halb ſo ſtarker Magnetiſör als du in deiner Jugend geweſen wäreſt, heben, oder doch mildern. Bitte deine guten Schweſtern, die ich mit Liebe grüße, daß ſie dir zureden. Ach mit welcher Begeiſterung und alſo tauſendfach ſtärkerer Eingreifung würde eine Hand — meine gar 5 vollends — über ein ſo hohes und geiſtiges Angeſicht wie deines ſich hinbewegen und deine Gifte ausſaugen wie altdeutſche Weiber ihren Männern. Laſſe mir doch ein Bischen antworten, geliebter Heinrich! Lebe wol, wol, wol! 10 Dein alter Jean Paul Fr. Richter 273. An Georg Reimer in Berlin. Baireut d. 10. Apr. 1817 15 abgeſchickt den 15ten Auf Ihre Antwort vom 18ten Febr. hätt’ ich — da ich alle Ihre Wünſche erfülle — längſt geantwortet, wenn ich nicht erſt meine Gefühle bei der Stelle: „ſollten wir uns nicht vereinigen, ſo werd’ „ich dem anderweitigen Druck oder wenigſtens dem Vertrieb einer 20 „neuen Auflage ꝛc.ꝛc. mit denjenigen Mitteln zu begegnen ſuchen ꝛc.ꝛc.ꝛc.“ hätte wollen erkalten laſſen. Welcher Fürſt könnte oder würde mir 10 oder 15 Bogen neuer Arbeit verbieten oder dem Publikum? Ihre Entſchädigung könnte er mir blos gebieten, wenn ich ſie ver- weigerte. Geſetzt, Sie wären nicht der Mann von Billigkeit, wofür 25 ich und der allgemeine Ruf Sie anerkennen, ſo brauchten Sie ja nur auf einer unveränderten Auflage oder auf unannehmlichen Bedin- gungen zu beſtehen: ſo wären mein Geiſt und meine Leſewelt unter das merkantiliſche Interdikt eines Einzelnen gelegt. *) — Auch ver- mengen Sie in Ihrem Briefe Auflage mit Ausgabe. Pr[eußiſches] 30 Landr[echt] Th. 1. Tit. 11. § 1012: „Wenn aber eine Schrift in verändertem Formate (was ich aber hier zu günſtig für den Autor finde) oder mit Veränderungen im Inhalte neu gedruckt wird, *) Wie würde aber dieſer Einzelne vor der Welt, die mich liebt, da- ſtehen, wenn ich ihn mit ſeinem Interdikte hinſtellte? 35

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Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:19:52Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:19:52Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




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Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 7. Berlin, 1954, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe07_1954/113>, abgerufen am 02.05.2024.