Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839.

Bild:
<< vorherige Seite

ßen, unerschrockenen Humor in Octavian, Zer-
bino, Kater, Däumchen, Blaubart, Fortunat
und in der verkehrten Welt, so weiß ich nur
ein Gegenbild zu diesem Lustspiele in der ganzen
Geschichte der Poesie zu finden; es ist das des
Aristophanes. -- Ich habe oft Ihre Gedichte
vorgetragen, und wenn es mir gelang, dem
Dichter nachzukommen, so kann ich wohl sagen,
daß empfängliche Zuhörer in einen bacchischen
Taumel der Lust geriethen.

Aber keine attische Bühne empfing Sie und
brachte auf den Brettern Ihre Production zu
der Fülle und Vollreife, die nun einmal der
Dramatiker nur gewinnen kann, wenn er seine
Geschöpfe da droben auf dem Gerüste in Fleisch
und Blut umherwandeln sieht. Man sagte, diese
Sachen seien sehr schön, sehr witzig und ließen
sich überaus wohl anhören, aber aufzuführen
seien sie nicht. Das war aber eine Unwahr-
heit. Denn ich habe hier den Blaubart zwei-
mal darstellen lassen. Ich hatte weniger Mühe
von ihm, als zum Beispiel vom Glöckner von
Notredame, die Schauspieler fanden sich bald
hinein und spielten mit Lust und Liebe darin,

ßen, unerſchrockenen Humor in Octavian, Zer-
bino, Kater, Daͤumchen, Blaubart, Fortunat
und in der verkehrten Welt, ſo weiß ich nur
ein Gegenbild zu dieſem Luſtſpiele in der ganzen
Geſchichte der Poeſie zu finden; es iſt das des
Ariſtophanes. — Ich habe oft Ihre Gedichte
vorgetragen, und wenn es mir gelang, dem
Dichter nachzukommen, ſo kann ich wohl ſagen,
daß empfaͤngliche Zuhoͤrer in einen bacchiſchen
Taumel der Luſt geriethen.

Aber keine attiſche Buͤhne empfing Sie und
brachte auf den Brettern Ihre Production zu
der Fuͤlle und Vollreife, die nun einmal der
Dramatiker nur gewinnen kann, wenn er ſeine
Geſchoͤpfe da droben auf dem Geruͤſte in Fleiſch
und Blut umherwandeln ſieht. Man ſagte, dieſe
Sachen ſeien ſehr ſchoͤn, ſehr witzig und ließen
ſich uͤberaus wohl anhoͤren, aber aufzufuͤhren
ſeien ſie nicht. Das war aber eine Unwahr-
heit. Denn ich habe hier den Blaubart zwei-
mal darſtellen laſſen. Ich hatte weniger Muͤhe
von ihm, als zum Beiſpiel vom Gloͤckner von
Notredame, die Schauſpieler fanden ſich bald
hinein und ſpielten mit Luſt und Liebe darin,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0019" n="VII"/>
ßen, uner&#x017F;chrockenen Humor in Octavian, Zer-<lb/>
bino, Kater, Da&#x0364;umchen, Blaubart, Fortunat<lb/>
und in der verkehrten Welt, &#x017F;o weiß ich nur<lb/>
ein Gegenbild zu die&#x017F;em Lu&#x017F;t&#x017F;piele in der ganzen<lb/>
Ge&#x017F;chichte der Poe&#x017F;ie zu finden; es i&#x017F;t das des<lb/>
Ari&#x017F;tophanes. &#x2014; Ich habe oft Ihre Gedichte<lb/>
vorgetragen, und wenn es mir gelang, dem<lb/>
Dichter nachzukommen, &#x017F;o kann ich wohl &#x017F;agen,<lb/>
daß empfa&#x0364;ngliche Zuho&#x0364;rer in einen bacchi&#x017F;chen<lb/>
Taumel der Lu&#x017F;t geriethen.</p><lb/>
        <p>Aber keine atti&#x017F;che Bu&#x0364;hne empfing Sie und<lb/>
brachte auf den Brettern Ihre Production zu<lb/>
der Fu&#x0364;lle und Vollreife, die nun einmal der<lb/>
Dramatiker nur gewinnen kann, wenn er &#x017F;eine<lb/>
Ge&#x017F;cho&#x0364;pfe da droben auf dem Geru&#x0364;&#x017F;te in Flei&#x017F;ch<lb/>
und Blut umherwandeln &#x017F;ieht. Man &#x017F;agte, die&#x017F;e<lb/>
Sachen &#x017F;eien &#x017F;ehr &#x017F;cho&#x0364;n, &#x017F;ehr witzig und ließen<lb/>
&#x017F;ich u&#x0364;beraus wohl anho&#x0364;ren, aber aufzufu&#x0364;hren<lb/>
&#x017F;eien &#x017F;ie nicht. Das war aber eine Unwahr-<lb/>
heit. Denn ich habe hier den Blaubart zwei-<lb/>
mal dar&#x017F;tellen la&#x017F;&#x017F;en. Ich hatte weniger Mu&#x0364;he<lb/>
von ihm, als zum Bei&#x017F;piel vom Glo&#x0364;ckner von<lb/>
Notredame, die Schau&#x017F;pieler fanden &#x017F;ich bald<lb/>
hinein und &#x017F;pielten mit Lu&#x017F;t und Liebe darin,<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[VII/0019] ßen, unerſchrockenen Humor in Octavian, Zer- bino, Kater, Daͤumchen, Blaubart, Fortunat und in der verkehrten Welt, ſo weiß ich nur ein Gegenbild zu dieſem Luſtſpiele in der ganzen Geſchichte der Poeſie zu finden; es iſt das des Ariſtophanes. — Ich habe oft Ihre Gedichte vorgetragen, und wenn es mir gelang, dem Dichter nachzukommen, ſo kann ich wohl ſagen, daß empfaͤngliche Zuhoͤrer in einen bacchiſchen Taumel der Luſt geriethen. Aber keine attiſche Buͤhne empfing Sie und brachte auf den Brettern Ihre Production zu der Fuͤlle und Vollreife, die nun einmal der Dramatiker nur gewinnen kann, wenn er ſeine Geſchoͤpfe da droben auf dem Geruͤſte in Fleiſch und Blut umherwandeln ſieht. Man ſagte, dieſe Sachen ſeien ſehr ſchoͤn, ſehr witzig und ließen ſich uͤberaus wohl anhoͤren, aber aufzufuͤhren ſeien ſie nicht. Das war aber eine Unwahr- heit. Denn ich habe hier den Blaubart zwei- mal darſtellen laſſen. Ich hatte weniger Muͤhe von ihm, als zum Beiſpiel vom Gloͤckner von Notredame, die Schauſpieler fanden ſich bald hinein und ſpielten mit Luſt und Liebe darin,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/19
Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839, S. VII. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/19>, abgerufen am 03.03.2024.