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Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

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während sie auf der Insel Ascension abgenommen, und
auf Taheiti, wo die Curve ohne Neigung fast dem
Erd-Aequator parallel läuft, meist unverändert geblieben
ist. (Arago in der Connaiss. des tems, pour 1828,
p. 251., auch dies. Ann. Bd. 8. S. 175.) Der magneti-
sche Aequator entfernt sich nämlich von St. Helena, und
nähert sich schnell der Insel Ascension, die er wahrschein-

Mein verehrungswerther Freund, Herr Professor Erman, hat
mich daran erinnert, "daß die Beobachtungen seines Sohnes mit
einem kurz vor der Abreise von Königsberg nach München in der
Eile zusammengesetzten Apparat angestellt wurden, fast nur um die
Coulomb'schen Formeln zu prüfen, daß aber Vergleichungen mit
besseren Beobachtungen und Instrumenten Fehler für Breslau
von 40', und für München von einem Grad gezeigt haben. Das
Prager Resultat hält Herr Professor Hansteen doch für ziemlich
sicher; vielleicht war die Beobachtung in einem Zimmer, im In-
nern der Stadt angestellt." Auch des verdienstvollen Geogno-
sten Herr Keilhau's Neigungs-Nadel wurde von Berliner Physikern
als nicht hinlänglich gut construirt betrachtet. Sie war ihm vom
Professor Hansteen mitgetheilt, aber auch die Beobachtungen
dieses Gelehrten mit einem Dollond'schen Inclinatorium, wei-
chen beträchtlich mehr unter einander ab, als die Resultate, wel-
che Borda'sche Inclinatoria, selbst zu Anfange dieses Jahr-
hunderts gaben. Herr Hansteen fand 1825 in Drontheim mit
einer Dollond'schen flachen Nadel, ohne Gewichte, im Mittel aus
vier Beobachtungen, 74° 49',6, mit drei verschiedenen Gewichten,
74° 33',6, mit der runden Nadel, nach dem Mittel aus vier Beob-
achtungen, 74° 37',1. Capitain Sabine hatte 1823 die Inclination
daselbst =74° 43' gefunden.
Diese Bemerkungen über die Gränzen der Fehler, deren
Kenntniß in der messenden Physik eben so wichtig, als in der
messenden Astronomie ist, dürfen keineswegs das gerechte Ver-
trauen schwächen, welches man in die Resultate der großen
nord-asiatischen Reise von Hansteen und Dr. Erman setzen
kann. Diese vortrefflichen Astronomen und Physiker sind ge-
genwärtig mit demselben Gambey'schen Inclinatorium ausge-
rüstet, dessen Gay-Lussac, Arago und ich, uns seit mehr
als 20 Jahren bedienen. Mit diesem Instrumente hat Herr Dr.
Erman neuerlichst (1828) die Inclination zu Petersburg =71° 0',4
gefunden

während sie auf der Insel Ascension abgenommen, und
auf Taheiti, wo die Curve ohne Neigung fast dem
Erd-Aequator parallel läuft, meist unverändert geblieben
ist. (Arago in der Connaiss. des tems, pour 1828,
p. 251., auch dies. Ann. Bd. 8. S. 175.) Der magneti-
sche Aequator entfernt sich nämlich von St. Helena, und
nähert sich schnell der Insel Ascension, die er wahrschein-

Mein verehrungswerther Freund, Herr Professor Erman, hat
mich daran erinnert, „daß die Beobachtungen seines Sohnes mit
einem kurz vor der Abreise von Königsberg nach München in der
Eile zusammengesetzten Apparat angestellt wurden, fast nur um die
Coulomb'schen Formeln zu prüfen, daß aber Vergleichungen mit
besseren Beobachtungen und Instrumenten Fehler für Breslau
von 40′, und für München von einem Grad gezeigt haben. Das
Prager Resultat hält Herr Professor Hansteen doch für ziemlich
sicher; vielleicht war die Beobachtung in einem Zimmer, im In-
nern der Stadt angestellt.“ Auch des verdienstvollen Geogno-
sten Herr Keilhau's Neigungs-Nadel wurde von Berliner Physikern
als nicht hinlänglich gut construirt betrachtet. Sie war ihm vom
Professor Hansteen mitgetheilt, aber auch die Beobachtungen
dieses Gelehrten mit einem Dollond'schen Inclinatorium, wei-
chen beträchtlich mehr unter einander ab, als die Resultate, wel-
che Borda'sche Inclinatoria, selbst zu Anfange dieses Jahr-
hunderts gaben. Herr Hansteen fand 1825 in Drontheim mit
einer Dollond'schen flachen Nadel, ohne Gewichte, im Mittel aus
vier Beobachtungen, 74° 49′,6, mit drei verschiedenen Gewichten,
74° 33′,6, mit der runden Nadel, nach dem Mittel aus vier Beob-
achtungen, 74° 37′,1. Capitain Sabine hatte 1823 die Inclination
daselbst =74° 43′ gefunden.
Diese Bemerkungen über die Gränzen der Fehler, deren
Kenntniß in der messenden Physik eben so wichtig, als in der
messenden Astronomie ist, dürfen keineswegs das gerechte Ver-
trauen schwächen, welches man in die Resultate der großen
nord-asiatischen Reise von Hansteen und Dr. Erman setzen
kann. Diese vortrefflichen Astronomen und Physiker sind ge-
genwärtig mit demselben Gambey'schen Inclinatorium ausge-
rüstet, dessen Gay-Lussac, Arago und ich, uns seit mehr
als 20 Jahren bedienen. Mit diesem Instrumente hat Herr Dr.
Erman neuerlichst (1828) die Inclination zu Petersburg =71° 0′,4
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[327/0009] während sie auf der Insel Ascension abgenommen, und auf Taheiti, wo die Curve ohne Neigung fast dem Erd-Aequator parallel läuft, meist unverändert geblieben ist. (Arago in der Connaiss. des tems, pour 1828, p. 251., auch dies. Ann. Bd. 8. S. 175.) Der magneti- sche Aequator entfernt sich nämlich von St. Helena, und nähert sich schnell der Insel Ascension, die er wahrschein- **) **) Mein verehrungswerther Freund, Hr. Professor Erman, hat mich daran erinnert, „daß die Beobachtungen seines Sohnes mit einem kurz vor der Abreise von Königsberg nach München in der Eile zusammengesetzten Apparat angestellt wurden, fast nur um die Coulomb'schen Formeln zu prüfen, daß aber Vergleichungen mit besseren Beobachtungen und Instrumenten Fehler für Breslau von 40′, und für München von einem Grad gezeigt haben. Das Prager Resultat hält Hr. Professor Hansteen doch für ziemlich sicher; vielleicht war die Beobachtung in einem Zimmer, im In- nern der Stadt angestellt.“ Auch des verdienstvollen Geogno- sten Hr. Keilhau's Neigungs-Nadel wurde von Berliner Physikern als nicht hinlänglich gut construirt betrachtet. Sie war ihm vom Professor Hansteen mitgetheilt, aber auch die Beobachtungen dieses Gelehrten mit einem Dollond'schen Inclinatorium, wei- chen beträchtlich mehr unter einander ab, als die Resultate, wel- che Borda'sche Inclinatoria, selbst zu Anfange dieses Jahr- hunderts gaben. Hr. Hansteen fand 1825 in Drontheim mit einer Dollond'schen flachen Nadel, ohne Gewichte, im Mittel aus vier Beobachtungen, 74° 49′,6, mit drei verschiedenen Gewichten, 74° 33′,6, mit der runden Nadel, nach dem Mittel aus vier Beob- achtungen, 74° 37′,1. Capitain Sabine hatte 1823 die Inclination daselbst =74° 43′ gefunden. Diese Bemerkungen über die Gränzen der Fehler, deren Kenntniß in der messenden Physik eben so wichtig, als in der messenden Astronomie ist, dürfen keineswegs das gerechte Ver- trauen schwächen, welches man in die Resultate der großen nord-asiatischen Reise von Hansteen und Dr. Erman setzen kann. Diese vortrefflichen Astronomen und Physiker sind ge- genwärtig mit demselben Gambey'schen Inclinatorium ausge- rüstet, dessen Gay-Lussac, Arago und ich, uns seit mehr als 20 Jahren bedienen. Mit diesem Instrumente hat Hr. Dr. Erman neuerlichst (1828) die Inclination zu Petersburg =71° 0′,4 gefunden

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 327. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/9>, abgerufen am 24.04.2024.