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Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

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und in neueren höchstens 1 bis 2 Minuten zur Gränze. Man
muß auch nicht vergessen, daß in die Periode der lang-
sameren Abnahme in Paris das merkwürdige Jahr 1818
fällt, in welchem die westliche magnetische Abweichung
abzunehmen, d. h. die Nadel sich gegen Osten zu be-
wegen anfing. Das mittlere jährliche Fortrücken der
Declination in vor- und rückwärts schwankender Bewe-
gung ist ebenfalls ungleichförmig, je nachdem die Linie
ohne Abweichung sich nähert oder entfernt. Vergleiche
ich meine Berliner und Pariser Beobachtungen der Neigung
aus der Periode von 1806-1826, so finde ich die jähr-
liche Abnahme für Berlin =3',7, und für Paris =3',8,
eine auffallende Uebereinstimmung. Bei der ganz unwahr-
scheinlichen Annahme, daß die Beobachtungsfehler bei-
der auf eine Seite fallen, und daß sie für 1806 volle 6'
und für 1826 volle 2' betragen, würde das Resultat der
Abnahme der Inclination doch nur um 24" auf 228" (fast 1/10)
verändert werden.

In London, wo Cavendish und Gilpin zuerst
1806 die von Le Monnier und Lord Mulgrave all-
gemein geläugnete jährliche Veränderung der Neigung be-
merkt haben, war die mittlere jährliche Abnahme von
1775 bis 1806 genau 4' 18", also bis 1/7 oder 36" der
gleich, welche ich für Paris zwischen der Epoche meiner
Abreise nach Spanien und Süd-America und dem Jahr
1806 gefunden habe.

In Göttingen fand ich mit Herrn Gay-Lussac am
Ende des Jahres 1805 die Inclination =69° 29', am 28.
September 1826, also 21 Jahre später, gemeinschaftlich
mit Herrn Hofrath Gauß, am Abhange des Heinberges,
=68° 29' 26" (mit einer Nadel =68° 30' 7", mit einer
zweiten 68° 28' 45"). Die jährliche Abnahme, 2',8, ist
auffallend klein, da sie, wie wir eben gesehen, in dem
östlicheren Berlin für dieselbe Zeit 3',7, und in dem west-
licheren Paris 3',8 betrug, also an beiden Orten fast 1/3
größer war! Die Beobachtung von 1806 in Göttingen

und in neueren höchstens 1 bis 2 Minuten zur Gränze. Man
muß auch nicht vergessen, daß in die Periode der lang-
sameren Abnahme in Paris das merkwürdige Jahr 1818
fällt, in welchem die westliche magnetische Abweichung
abzunehmen, d. h. die Nadel sich gegen Osten zu be-
wegen anfing. Das mittlere jährliche Fortrücken der
Declination in vor- und rückwärts schwankender Bewe-
gung ist ebenfalls ungleichförmig, je nachdem die Linie
ohne Abweichung sich nähert oder entfernt. Vergleiche
ich meine Berliner und Pariser Beobachtungen der Neigung
aus der Periode von 1806–1826, so finde ich die jähr-
liche Abnahme für Berlin =3′,7, und für Paris =3′,8,
eine auffallende Uebereinstimmung. Bei der ganz unwahr-
scheinlichen Annahme, daß die Beobachtungsfehler bei-
der auf eine Seite fallen, und daß sie für 1806 volle 6′
und für 1826 volle 2′ betragen, würde das Resultat der
Abnahme der Inclination doch nur um 24″ auf 228″ (fast 1/10)
verändert werden.

In London, wo Cavendish und Gilpin zuerst
1806 die von Le Monnier und Lord Mulgrave all-
gemein geläugnete jährliche Veränderung der Neigung be-
merkt haben, war die mittlere jährliche Abnahme von
1775 bis 1806 genau 4′ 18″, also bis 1/7 oder 36″ der
gleich, welche ich für Paris zwischen der Epoche meiner
Abreise nach Spanien und Süd-America und dem Jahr
1806 gefunden habe.

In Göttingen fand ich mit Herrn Gay-Lussac am
Ende des Jahres 1805 die Inclination =69° 29′, am 28.
September 1826, also 21 Jahre später, gemeinschaftlich
mit Herrn Hofrath Gauß, am Abhange des Heinberges,
=68° 29′ 26″ (mit einer Nadel =68° 30′ 7″, mit einer
zweiten 68° 28′ 45″). Die jährliche Abnahme, 2′,8, ist
auffallend klein, da sie, wie wir eben gesehen, in dem
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licheren Paris 3′,8 betrug, also an beiden Orten fast ⅓
größer war! Die Beobachtung von 1806 in Göttingen

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[323/0005] und in neueren höchstens 1 bis 2 Minut. zur Gränze. Man muß auch nicht vergessen, daß in die Periode der lang- sameren Abnahme in Paris das merkwürdige Jahr 1818 fällt, in welchem die westliche magnetische Abweichung abzunehmen, d. h. die Nadel sich gegen Osten zu be- wegen anfing. Das mittlere jährliche Fortrücken der Declination in vor- und rückwärts schwankender Bewe- gung ist ebenfalls ungleichförmig, je nachdem die Linie ohne Abweichung sich nähert oder entfernt. Vergleiche ich meine Berliner und Pariser Beobachtungen der Neigung aus der Periode von 1806–1826, so finde ich die jähr- liche Abnahme für Berlin =3′,7, und für Paris =3′,8, eine auffallende Uebereinstimmung. Bei der ganz unwahr- scheinlichen Annahme, daß die Beobachtungsfehler bei- der auf eine Seite fallen, und daß sie für 1806 volle 6′ und für 1826 volle 2′ betragen, würde das Resultat der Abnahme der Inclination doch nur um 24″ auf 228″ (fast 1/10) verändert werden. In London, wo Cavendish und Gilpin zuerst 1806 die von Le Monnier und Lord Mulgrave all- gemein geläugnete jährliche Veränderung der Neigung be- merkt haben, war die mittlere jährliche Abnahme von 1775 bis 1806 genau 4′ 18″, also bis 1/7 oder 36″ der gleich, welche ich für Paris zwischen der Epoche meiner Abreise nach Spanien und Süd-America und dem Jahr 1806 gefunden habe. In Göttingen fand ich mit Hrn. Gay-Lussac am Ende des Jahres 1805 die Inclination =69° 29′, am 28. September 1826, also 21 Jahre später, gemeinschaftlich mit Hrn. Hofrath Gauß, am Abhange des Heinberges, =68° 29′ 26″ (mit einer Nadel =68° 30′ 7″, mit einer zweiten 68° 28′ 45″). Die jährliche Abnahme, 2′,8, ist auffallend klein, da sie, wie wir eben gesehen, in dem östlicheren Berlin für dieselbe Zeit 3′,7, und in dem west- licheren Paris 3′,8 betrug, also an beiden Orten fast ⅓ größer war! Die Beobachtung von 1806 in Göttingen

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 323. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/5>, abgerufen am 24.04.2024.